Südgeorgien

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Südgeorgien
Satellitenbild von Südgeorgien
Satellitenbild von Südgeorgien
Gewässer Südatlantik
Geographische Lage 54° 19′ S, 36° 39′ W-54.316666666667-36.652934Koordinaten: 54° 19′ S, 36° 39′ W
Lage von Südgeorgien
Länge 160 km
Breite 30 km
Fläche 3756 km²
Höchste Erhebung Mount Paget
2934 m
Einwohner 3
<1 Einw./km²
Hauptort Grytviken
Karte von Südgeorgien
Karte von Südgeorgien

Südgeorgien (englisch South Georgia) ist sowohl der Name einer einzelnen Insel als auch die Bezeichnung der Inselgruppe, zu der diese gehört. Das Gebiet zählt politisch zum britischen Überseegebiet Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln und wird, wie die Falkland-Inseln, auch von Argentinien beansprucht.

Geographie[Bearbeiten]

Das Inselgebiet liegt im Südatlantik etwa 1.400 km östlich der Ostküste Südamerikas (Argentinien) bzw. der vorgelagerten Falklandinseln.

Inseln und Inselgruppen[Bearbeiten]

Zum Inselgebiet Südgeorgien gehören folgende Inselgruppen und einzelne Inseln:

Landschaft[Bearbeiten]

Stromness Bay in Südgeorgien

Die Hauptinsel Südgeorgien ist rund 160 Kilometer lang und bis zu 30 Kilometer breit. Sie umfasst eine Fläche von 3756 km², also über 96 % der gesamten Landfläche von Südgeorgien und den Südlichen Sandwichinseln (3903 km²). An der Ostküste der Insel befindet sich mit Grytviken der Hauptort Südgeorgiens, welcher jedoch nur vom Marineoffizier Pat Lurcock und dessen Frau und von einigen Forschern am nahegelegenen King Edward Point bewohnt wird.

Die gebirgige, zerklüftete und zumeist von Eis bedeckte Landschaft macht den Großteil der Hauptinsel und der anderen zum Gebiet zählenden Inseln schlecht bewohnbar. Elf Berge Südgeorgiens sind über 2000 m hoch; als höchste Erhebung gilt der Mount Paget mit 2934 m.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Königspinguin-Kolonie

Die Pflanzenwelt Südgeorgiens beschränkt sich auf die Hänge und Ebenen der Fjordregionen. Man kennt etwa 50 Arten höherer Pflanzen, die auf Südgeorgien wachsen, die dominanteste Art ist das Tussockgras.[1] Ebenso finden sich Moose und Flechten. Bäume und Sträucher fehlen gänzlich.

Südgeorgien gilt als eines der wichtigsten Brutgebiete des Königspinguins. Es wird geschätzt, dass dort etwa 400.000 Tiere dieser Art leben. Der Bestand an Goldschopfpinguinen wird auf rund fünf Millionen Exemplare geschätzt. Des Weiteren stellt Südgeorgien einen wichtigen Lebensraum für Seeelefanten und Antarktische Seebären dar. Daneben kommen vier weitere Robbenarten vor: Seeleopard, Krabbenfresser, Weddell-Robbe und Subantarktischer Seebär. Rentiere, Ratten und Mäuse wurden vom Menschen eingeschleppt. Es ist geplant, die seit dem 19. Jahrhundert entstandene Rattenpopulation wegen der ökologischen Schäden ab 2011 innerhalb von vier Jahren durch Einsatz von Brodifacoum wieder vollständig zu beseitigen.[2][3] 2011 wurden bereits erste Erfolge erzielt.[4]

Im November 1911 unternahmen Carl Anton Larsen und Lauritz Edward Larsen bei Ocean Harbour den Versuch, Rentiere (Rangifer tarandus) auf Südgeorgien anzusiedeln. 1912 und 1925 wurden zwei weitere Versuche unternommen.[5]

Eine Beobachtungsstation für Seevögel und Robben befindet sich auch auf Bird Island, einer kleinen Insel vor der Nordwestspitze Südgeorgiens.

Klima[Bearbeiten]

Die Südküste ist den Furious Fifties ausgesetzt und deshalb in der Witterung kalt, stürmisch und im Allgemeinen sehr unwirtlich. Die Nordküste liegt im Windschatten der Berge und das Wetter ist sehr viel angenehmer, die Buchten sind ruhiger.

Insgesamt ist das Klima rau, kühl und feucht. Im Winter (Juni–August) ist der Großteil der Insel mit Schnee bedeckt, jedoch gibt es auch einige Küstenstreifen, die das ganze Jahr weitgehend schneefrei bleiben. So liegen die Temperaturen im Juli tagsüber knapp über 0 °C, nachts ist es frostig. Dazu kommen häufig Schneestürme und tagelanger Nebel. Die Sonne scheint im Winter sehr selten. Das Meer friert zwar auch im Winter nicht zu, trotzdem liegen häufig Treibeisfelder in dieser Region.

Im Frühling, der im September beginnt, wird es allmählich milder und die Sonne zeigt sich häufiger. Im November sind die Küsten dann überwiegend eisfrei.

Der Sommer ist nur kurz und mit kaum 10 °C sehr kühl. Auch zu dieser Jahreszeit kann es nachts Frost geben und sogar gelegentlich schneien. Die Gipfel der Berge weiter im Landesinneren sind das ganze Jahr mit Schnee bedeckt. Der Sommer ist auch die regenärmste Zeit des Jahres. Stürme und starke Niederschläge wie im Winter sind aber auch im Sommer häufig, die Sonne zeigt sich meist nur 5–6 Stunden am Tag. Die häufigste Wetterlage im Sommer sind schnelle Wechsel von Sonnenschein und Bewölkung mit gelegentlichen Regenschauern.

Im März, wenn der Herbst beginnt, wird es wieder kühler und dunkler; im Mai oder Juni fällt meist der erste Schnee.

Im Jahr fallen auf Südgeorgien rund 1.500 mm Niederschlag bei rund 165 Regentagen. Die Sonne lässt sich dagegen nur an rund 1.200 Stunden im Jahr blicken. Die Wassertemperaturen schwanken meist zwischen 3 und 6 °C.

Südgeorgien
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
118
 
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2
 
 
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4
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-1
 
 
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8
0
 
 
119
 
9
1
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Südgeorgien
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 9 10 8 6 4 2 2 2 4 6 8 9 Ø 5,8
Min. Temperatur (°C) 2 3 1 0 -2 -3 -4 -4 -2 -1 0 1 Ø −0,8
Niederschlag (mm) 118 115 139 126 174 123 113 121 102 89 92 119 Σ 1.431
Sonnenstunden (h/d) 6 5 4 3 1 0 1 2 4 5 6 6 Ø 3,6
Regentage (d) 14 15 15 15 15 13 14 12 10 13 13 14 Σ 163
Wassertemperatur (°C) 6 6 6 6 5 4 3 3 3 3 4 5 Ø 4,5
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Quelle: fehlt

Geschichte[Bearbeiten]

Wahrscheinlich wurde Südgeorgien bereits im April 1675 von dem englischen Kaufmann Anthony de la Roché entdeckt. Dieser geriet vor Kap Hoorn in schlechtes Wetter und wurde weit vom Kurs abgetrieben. Er sichtete ein weites, gebirgiges Land mit tiefen Buchten, welches dann auf einigen historischen Karten als Roche-Insel bezeichnet wurde. Es konnte sich der geographischen Lage wegen nur um Südgeorgien gehandelt haben.

Karte von James Cook (1777)

1756 wurde die Insel von Duclos Guyot gesichtet und 1775 durch den englischen Seefahrer James Cook wieder gefunden, welcher am 17. Januar 1775 an Bord der HMS Resolution in einer Bucht landete, die er kurzerhand Possession Bay nannte. Cook kartographierte einen Teil der Küstenlinie und segelte weiter bis zur Südspitze der Insel, die er dann Cape Disappointment nannte, weil ihm nun klar wurde, dass diese Insel (Südgeorgien) nicht der antarktische Kontinent sein konnte, nach dem er eigentlich suchte. Cook nannte die Insel alsdann „Isle of Georgia“, zu Ehren des Königs Georg III..

Im Zuge des ersten Internationalen Polarjahrs vom 1. August 1882 bis 31. August 1883 wurde auf Südgeorgien in der Royal Bay, im Moltke-Hafen, eine Forschungsstation errichtet. Ziel dieser Internationalen Polarjahr-Expedition auf Südgeorgien war die Ermittlung von Klima- und geophysikalischen Daten durch gleichzeitige meteorologische, magnetische und Bodenmessungen. Zusätzliches Ziel der Forschungsreise war die Beobachtung des sehr seltenen Venustransits vor der Sonne am 6. Dezember 1882[6]. Die Expedition unter Leitung von Carl Schrader sowie den Mitgliedern Karl von den Steinen (Arzt und Ethnologe), Peter Vogel (Mathematiker), Otto Clauss (Astronom und Physiker), Hermann Will (Botaniker und geologischer Sammler) und E. Mosthaff (Ingenieur und Maler) bestand zudem jeweils aus einem Mechaniker, Koch, Tischler, Segelmacher und Bootsmann. Die Mitglieder erreichten am 12. August 1882, auf der S.M.S Moltke unter Kapitän Pirner zum ersten Mal Südgeorgien[7]. Nach acht Tagen mit schlechten Wetterbedingungen erreichten sie einen geeigneten weitläufigen Hafen in der Royal Bay an der Nordostküste der Insel.[7] Angekommen errichteten sie mit Hilfe von 100 Seeleuten die Materiallager und brachten 40 Tonnen Kohlen an Land. Zudem errichteten sie Holzhütten, das Observatorium zur Beobachtung des Venustransits, Schuppen für die Geräte und einen Stall für drei Rinder, siebzehn Schafe und neun Ziegen. Am 3. September waren die Vorbereitungen abgeschlossen. Im Anschluss verließ Kapitän Pirner mit der S.M.S Moltke die Insel. Während des folgenden Jahres erfolgten geregelte meteorologische Beobachtungen, Messungen des Magnetismus und astronomische Beobachtungen. Das Ufer der Royal Bay und die äußere Küste zum Norden wurden erforscht. Zudem erfolgten kleinere Bergbesteigungen und Besichtigungen zweier großer Gletscher, die in die Royal Bay münden. Am 1. September 1883 lief die Korvette Marie unter Kapitän Krokisius in den Hafen in der Royal Bay ein.[7] Am 6. September 1883 verließ die Expedition auf der Marie die Insel in Richtung Montevideo.[7][8]

Ehemalige Walfang-Siedlungen und Forschungsstationen

Von Anfang des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts diente Südgeorgien vornehmlich Robben- und Walfängern als Landstützpunkt. Der britische Polarforscher Ernest Henry Shackleton erreichte Südgeorgien am Ende der dramatisch gescheiterten Expedition Endurance. Sein Schiff, die Endurance, war im Packeis zerdrückt worden und die Mannschaft konnte sich über das Eis nach Elephant Island retten. Sechs Männer segelten im Rettungsboot James Caird an die Südküste Südgeorgiens. Shackleton überquerte die Gletscher zu Fuß und traf am 20. Mai 1916 in Stromness ein. Anschließend gelang es ihm, die Rettung der gesamten Mannschaft zu organisieren.

1928 kamen Ludwig Kohl-Larsen, seine Frau und der Kameramann Albert Benitz zur ersten wissenschaftlichen Erkundung der Insel. Nach Kohl-Larsen ist ein Plateau benannt.[9]

Während des Falklandkrieges war Südgeorgien kurzzeitig unter argentinischer Besatzung. Am 25. April 1982 wurden die Inseln von der Royal Navy und Landungstruppen zurückerobert.

Walfängerhäfen[Bearbeiten]

In der Zeit der Walfangindustrie wurden folgende Orte (von Nord nach Süd) gegründet und wieder verlassen:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J Shenklin: The flora of King Edward Point & Grytviken
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDas letzte Jahr der Ratte - Weltgrößte Nagerbekämpfungsaktion soll Inselparadies retten. spektrumdirekt, 19. März 2010, abgerufen am 20. März 2010.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSGHT Habitat Restoration Project. South Georgia Heritage Trust, 19. März 2011, abgerufen am 11. März 2012.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format'Success' in South Georgia rat eradication. BBC, 4. Mai 2011, abgerufen am 11. März 2012.
  5. Robert K. Headland: The Island of South Georgia. Cambridge 1984, ISBN 0-521-25274-1
  6. Tuatara: Volume 18, Issue 2, July 1970 - Botany of the Southern Zone - Exploration, 1847-1891 by E. J. Godley - Seite 79 - The International Polar Investigation 1882-83 [1]
  7. a b c d E. J. Godley: Botany of the Southern Zone - Exploration, 1847-1891, S. 82 f.
  8. Durch Central-Brasilien (1886) - Karl von den Steinen - Vorwort
  9. Kohl-Larsen-Plateau (geographic.org)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Südgeorgien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien