Südkamerun

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Lage Südkameruns in Kamerun

Südkamerun (geografisch präziser Süd-West-Kamerun) ist ein Teil Kameruns, der nach Ende der deutschen Kolonialherrschaft 1922–1961 britisches Mandatsgebiet war, während das übrige Land unter französischer Treuhandschaft stand. Bis heute ist Südkamerun überwiegend englischsprachig, während das übrige Kamerun frankophon ist. Teile der südkamerunischen Bevölkerung fühlen sich im Gesamtstaat Kamerun marginalisiert und streben die Unabhängigkeit des Gebietes an. Sie verwenden für Südkamerun auch die Bezeichnung Ambazonia oder Ambazania.

Geschichte[Bearbeiten]

Orange: Deutsche Kolonie, Rot: Britisches Kamerun nach dem 1. WK, Blau: Französisches Kamerun nach dem 1. WK, Grün: unabhängiges Kamerun ab 1960

Kolonialzeit[Bearbeiten]

Nachdem Deutschland den Ersten Weltkrieg verloren hatte, wurde die deutsche Kolonie Kamerun wie die anderen deutschen Kolonien zum Völkerbundsmandatsgebiet. Nachdem das 1911 von Frankreich erworbene Neukamerun abgetrennt worden war und wieder unter französische Verwaltung fiel, wurde am 28. Juni 1919 das Mandatsgebiet Kamerun unter den Siegermächten Großbritannien und Frankreich aufgeteilt. Während Frankreich den größeren Ostteil erhielt, wurde Großbritannien ein schmaler Gebietsstreifen im Westen an der Grenze zu Nigeria als Britisch-Kamerun zugeschlagen. Britisch-Kamerun war eingeteilt in eine südliche Zone (South Cameroons) und eine nördliche (North Cameroons).

Nach Gründung der Vereinten Nationen im Jahre 1945 wurden die Mandatsgebiete zu UN-Treuhandgebieten.

Unabhängiges Kamerun[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1960 entließ Frankreich entsprechend den Mandatsbestimmungen Französisch-Kamerun in die Unabhängigkeit. Zuvor hatte die UN-Generalversammlung am 13. März 1959 die Resolution 1350 verabschiedet, die Volksabstimmungen im nördlichen und südlichen Britisch-Kamerun zur Zukunft dieses Gebietes vorsah. Am 11. und 12. Januar 1961 konnten die Bewohner Britisch-Kameruns in einer Abstimmung zwischen dem Anschluss an das angrenzende, englischsprachige Nigeria und einer Autonomie innerhalb Kameruns wählen; eine vollständige Unabhängigkeit stand nicht zur Wahl. Während sich der nördliche Teil für Nigeria entschied, verblieb der südliche Teil – das heutige Südkamerun – bei Kamerun. Die zugesprochenen Autonomierechte Südkameruns wurden jedoch durch die zentralistische Verfassung des Gesamtstaates zusehends abgebaut. So sorgte die Vereinheitlichung des Bildungssystems in französischer Sprache für Unmut unter den englischsprachigen Südkamerunern, die sich dadurch benachteiligt fühlten.

Unabhängigkeitsbestrebungen[Bearbeiten]

Nachdem das Kapitel Unabhängigkeit lange Zeit von der Bildfläche verschwand, verfasste 1985 der Autor Fon Fongum Gorji-Dinka eine Schrift namens The New Social Contract, in der er die Unabhängigkeit Südkameruns forderte. Daraufhin wurde er unverzüglich vor ein Militärgericht gestellt, dort jedoch freigesprochen.

Anfang der 1990er Jahre bildete sich eine Studentenorganisation zur Befreiung von Ambazonia, die im Jahr 2001 einen bedeutenden Gerichtssieg für sich verbuchen konnte. Ein nigerianisches Gericht verbot der nigerianischen Regierung, die Bürger Ambazonias weiterhin „Kameruner“ zu nennen und forderte Kamerun auf, Schritte in Richtung einer Unabhängigkeit von Ambazonia zu unternehmen.

1999 erklärte die gewaltlose sezessionistische Organisation Southern Cameroons National Council (SCNC) die Unabhängigkeit Ambazonias. 1999 und 2000 kam es zu Demonstrationen und auch Ausschreitungen von Sezessionisten. Seit 2004 ist die SCNC stellvertretend für Südkamerun Mitglied der UNPO. 2006 proklamierte die Southern Cameroons People’s Organisation (SCAPO) erneut die Unabhängigkeit Ambazonias einschließlich der Bakassi-Halbinsel. Alle Unabhängigkeitserklärungen blieben ohne praktische Auswirkungen.

Quellen[Bearbeiten]