Südtirol (Weinbaugebiet)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Daten
Weinbaugebiet Südtirol
Land Südtirol, Italien
Weinanbau seit circa 1000.v.Chr.
Anbaufläche 5.300 ha
Ertrag 350.000 hl
Anteil Qualitätsweine 98 %
Website www.suedtirolwein.com
Karte
Südtiroler Weinbaugebiet mit sieben DOC-Unterregionen
Weinernte in Südtirol, romantisierende Darstellung von Eduard Schönfeld, 19. Jahrhundert
Weingarten in Eppan an der Südtiroler Weinstraße
Reife Trauben des Gewürztraminers in Tramin
Weingärten von St. Magdalena bei Bozen mit St. Justina und Rosengarten im Hintergrund

Der Weinbau in Südtirol hat eine lange Tradition, die sich aufgrund von Indizien bis vor die Römerzeit zurückverfolgen lässt.

Das Südtiroler Weinbaugebiet ist stark vom Mittelmeerklima geprägt, welches im Etschtal (Unterland, Überetsch, Bozen, Terlan, Burggrafenamt) bis nach Meran reicht. Es ermöglicht in Südtirol einen vielseitigen Weinbau fast aller roten und vieler weißen Rebsorten. Der Vinschgau und besonders das Eisacktal sind etwas rauer im Klima und deshalb eher auf weiße Rebsorten spezialisiert.

Es gibt drei autochthone Rebsorten, die in Südtirol kommerziell angebaut werden: Vernatsch, Gewürztraminer und Lagrein.[1]

Anbaugebiete[Bearbeiten]

Südtirol ist ein kleines, aber facettenreiches Weinanbaugebiet. Italienweit einzigartig wachsen rund 20 verschiedene Rebsorten auf nur 5.300 Hektar Weinanbaugebiet und ergeben im Durchschnitt jährlich an die 350.000 hl Wein. Dank seiner geografischen Lage zwischen alpinem und mediterranem Klima und einer Höhenlage, die von 200 bis 1.000 Meter Seehöhe reicht, ist Südtirol eines der kleinsten Weinanbaugebiete Italiens. Südtirol weist jedoch eine hohe Dichte an DOC-Weinen (DOC), also Weinen mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung auf.

Das Weinbaugebiet Südtirol ist in sieben DOC-Unterregionen aufgeteilt: Um die Stadt Meran herum befindet sich die Lage „Südtirol Meraner“, weiter westlich liegen die Rebhänge des „Südtirol Vinschgau“. In der Hügellandschaft des Überetsch befindet sich das Anbaugebiet „Südtirol Kalterersee“ und etwas nördlich davon der „Südtirol Terlaner“. Im Eisacktal zwischen Vahrn und Völs der „Südtirol Eisacktaler“, östlich der Stadt Bozen der „Südtirol Bozner Leiten“ und nördlich davon der „Südtirol St. Magdalener“. Zwischen diesen Gebieten und etwas darüber hinaus sind Regionen für den Wein mit der Bezeichnung „Südtirol“ zugelassen.[2]

Die ca. 5.000 Weinbaubetriebe in Südtirol liefern ihre Trauben an ca. 160 Kellereien, die eine große Vielfalt an Südtiroler Weißweinen, Rotweinen und Sekten produzieren, obwohl sie in kleinen Strukturen arbeiten. Aber gerade diese lassen sie flexibel und individuell das Beste aus den Rebsorten holen. Rund 70 % des Südtiroler Weines wird in genossenschaftlich geführten Kellereien gekeltert. Weitere 25 % der jährlichen Weinproduktion kommen aus dem Verband „Südtiroler Weingüter“ und die restlichen 5 % der Südtiroler Weine stellen die „Freien Weinbauern Südtirol“.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Durch Funde von Traubensamen aus der Eisenzeit (Stufels bei Brixen) und archäologische Ausgrabungen von ca. 400 v. Chr. wird auf einen Weinbau schon vor 3000 Jahren geschlossen. Die vermutlich ältesten Quellen stammen von den Römern über die damaligen Weine aus Rätien. Marcus Porcius Cato hat in seinem Werk De agricoltura den rätischen Wein hervorgehoben, bevor dieses Einzugsgebiet von den Römern erobert wurde. Die Römer übernahmen von den Rätern Weinlagerung und -transport in Holzfässern (nach Plinius). Besonders Augustus und Tiberius (Spitzname „Biberius“) schätzten den rätischen Wein.

Im Jahre 720 n. Chr. beauftragte Korbinian, der erste Bischof von Freising, Weingärten im Burggrafenamt anzulegen. Seit dem 12. Jahrhundert geben Aufzeichnungen von den regen Aktivitäten der süddeutschen Klöster und Adeliger Aufschluss über den Weinbau.

Die Einkellerung an Südtiroler Weinhöfen hatte im endenden Mittelalter und in der Habsburgerzeit eine Blüte. Durch die Tätigkeiten der Weinhandelsfamilien seit dem 19. Jh. und der Kellereigenossenschaften seit Beginn des 20. Jh. hat sich die Produktion und Vermarktung des Weines zum heutigen Stand entwickelt. Im 20. Jh. gab es mehrere Krisen: zu Beginn die Reblaus (Phylloxera), dann Erster Weltkrieg und Abtrennung von den traditionellen Märkten (Österreich-Ungarn, Bayern) mit Repression unter den Faschisten, sowie der Zweite Weltkrieg. Durch Massenproduktion bis in die 1980er konnte sich die Weinwirtschaft konsolidieren. In den 1980er Jahren wurde im Südtiroler Weinbau eine Krise der damals geläufigen Vermarktungskanäle akut, insbesondere der Offenweinverkauf in die Schweiz in Tanks. Die Kellereien änderten ihre Absatzstrategie. Es wurden fortan mehr Qualitätsweine hergestellt; der reine Quantitätgedanke trat in den Hintergrund und spielt heute keine Rolle mehr. Entscheidend war in Südtirol für den Weinbau auch die auf das Jahr 1971 zurückgehende Eingrenzung und Aufwertung der Weinlagen mit der DOC Regelung. Die Qualitätsproduktion, welche seit nunmehr über 20 Jahren forciert wird, sowie die vermehrte Abfüllung in die 0,75 l-Flasche hat dem kleinen Weinbaugebiet zu höchstem Renommee verholfen. Dies gilt vor allem in Italien für die Weißweine, aber in Insider-Kreisen zunehmend auch in den internationalen Märkten.[4]

Einen Überblick über Geschichte und traditionelle Techniken des lokalen Weinbaus bietet das Südtiroler Weinmuseum in Kaltern.

Anbau[Bearbeiten]

Mit umweltschonenden Anbaumethoden in den Weinbergen, oftmals durch Handarbeit in steilen Hanglagen, gewinnen die Südtiroler Winzer ihre Weintrauben. Der Mehraufwand dient sowohl der Qualität als auch dem Landschaftsschutz. Durch so genannten integrierten Weinbau unterstützen die Südtiroler Winzer die Widerstandskräfte der Trauben, schonen damit Nützlinge und begünstigen deren Ausbreitung. Strenge Ertragsbegrenzung und konsequente Umstellung von der klassischen Pergel- auf die moderne Drahtrahmenerziehung steigern die Qualität der Rebe.

Sorten[Bearbeiten]

Die weißen Rebsorten nehmen mehr als 58 % der Südtiroler Weinbaufläche ein. Pinot Grigio, Gewürztraminer, Weißburgunder und Chardonnay sind mengenmäßig die beliebtesten Weißweine in Südtirol. Aber auch Sauvignon Blanc, Müller Thurgau, Sylvaner, Kerner (Rebsorte), Riesling, Veltliner und Goldmuskateller werden angebaut.

Bei den Rotweinen sind in Südtirol seit weit über hundert Jahren neben den beiden autochthonen Rebsorten Vernatsch und Lagrein auch alle anderen wichtigen klassischen Rebsorten heimisch: Blauburgunder, Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Rosenmuskateller. Sie nehmen knapp 42 % der gesamten Rebfläche ein.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Matthias Ladurner-Parthanes: Vom Perglwerk zur Torggl. Athesia, Bozen 1972.
  • Südtiroler Weinwerbung: suedtirolerwein.com. Bozen: 2006, Statistiken, Weingeschichte, Kellereien
  • Stocker, Barbara: Der Wein und seine Geschichte. Thaur/Bozen: deleatur, Südtirol in Wort und Bild, 49. Jg., 3. Quartal/2005
  • Andergassen, Gotthard: Südtiroler Weinbau und Weinwirtschaft um Mittelalter. Thaur/Bozen: deleatur, Südtirol in Wort und Bild, 49. Jg., 3. Quartal/2005
  • Zwerger, Roland: Vom Weißen Lagrein über den „Weißterlinger“ zum Gewürztraminer. Kleine Südtiroler Sortengeschichte mit besonderer Berücksichtigung von Tramin. Bozen: Athesiadruck, Der Schlern 79/2005, Heft 8/9
  • Nössing, Josef: Bozens Weinhandel im Mittelalter und in der Neuzeit. Linz: Druckerei R. Trauner, Stadt und Wein, 1996
  • Freie Weinbauern Südtirol: Geschichte Vereinigung. 15. Juni 2007 – PDF-Datei Geschichte Chronik Weinbauern
  • Jens Priewe unter Mitarbeit von Christoph Tscholl: Die Weine von Südtirol. Der Guide für Kenner und Geniesser. Collection Rolf Heyne, Ausgabe 2006, ISBN 3-89910-299-1
  • Kilchmann, Martin: Weine aus Südtirol. Müller Rüschlikon, 1995, ISBN 3-275-01168-5
  • Meininger Einkaufsführer: Weine und Winzer aus Südtirol. Meininger Verlag, 2005, ISBN 3-87524-161-4 (PDF)
  • Busche Infoguide: Winzer & Weingüter. Deutschland, Elsass, Luxemburg, Österreich und Südtirol. 4. Auflage. Busche Verlag, 2006, ISBN 3-89764-223-9
  • Peter Moser: Falstaff Weinguide Österreich Südtirol. 2005/2006. Falstaff-Verlag, ISBN 3-9501628-6-0
  •  Andreas Otto Weber: Studien zum Weinbau der altbayerischen Klöster im Mittelalter. Steiner, 1999, ISBN 3-515-07290-X.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.facebook.com/Alto-Adige-Wines/ Aufgerufen im April 2011
  2. Meiniger Einkaufsführer „Weine und Winzer aus Südtirol“., Meininger 2005, S. 15
  3. Konsortium Südtiroler Wein, Weinbau in Südtirol.
  4. Kategorie Diskussion:Südtirol (Weinbaugebiet) - April 2011; Merum 4/2010 Leserbrief Roland Brunner