Südtirol (Weinbaugebiet)

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Weinernte in Südtirol, romantisierende Darstellung von Eduard Schönfeld, 19. Jahrhundert
Weingarten in Eppan an der Südtiroler Weinstraße
Reife Trauben des Gewürztraminers in Tramin
Weingärten von St. Magdalena bei Bozen mit St. Justina und Rosengarten im Hintergrund

Der Weinbau in Südtirol hat eine lange Tradition, die sich aufgrund von Indizien bis vor die Römerzeit zurückverfolgen lässt.

Das Südtiroler Weinbaugebiet ist stark vom Mittelmeerklima geprägt, welches im Etschtal (Unterland, Überetsch, Bozen, Terlan, Burggrafenamt) bis nach Meran reicht. Es ermöglicht in Südtirol einen vielseitigen Weinbau fast aller roten und vieler weißen Rebsorten. Der Vinschgau und besonders das Eisacktal sind etwas rauer im Klima und deshalb eher auf weiße Rebsorten spezialisiert.

Es gibt drei autochthone Rebsorten in Südtirol: Vernatsch, Gewürztraminer und Lagrein. Die ehemals weitaus dominierende Sorte Vernatsch ist mit 22 % auch 2010 noch die wichtigste angebaute Sorte.[1]

Anbaugebiete[Bearbeiten]

In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts werden etwa 5.000 Hektar in 52 von 116 Gemeinden Südtirols mit etwa 25 geläufigen DOC-Weinrebsorten durch etwa 5.000 Weinbau-Betriebe angebaut. Das ist nur etwa ein Drittel der zugelassenen Anbaufläche; der Anbau auf den übrigen Flächen wäre unwirtschaftlich. Die Südtiroler Weinbauregion ist in sieben DOC-Unterregionen aufgeteilt: Um die Stadt Meran herum befindet sich die Lage Südtirol Meraner, weiter westlich an den Südhängen der Etsch zu liegen die Rebhänge des Südtiroler Vinschgau. Westlich im Mündungsgebiet des Eisacks in die Etsch, Überetsch genannt, das Anbaugebiet Südtirol Kalterersee und an den gleichen Hängen oberhalb davon der Südtirol Terlaner. Im Eisacktal zwischen Vahrn und Völs der Südtirol Eisacktaler, südöstlich von Bozen der Südtiroler Bozner Leiten und nordwestlich davon der Südtirol St. Magdalener. Zwischen diesen Gebieten und etwas darüber hinaus sind Regionen für den Wein mit der Bezeichnung Südtiroler zugelassen.[2]

Aus dem Lesegut werden etwa 320.000 hl Wein gekeltert. Es gibt noch weitere Rebflächen (ca. 200 ha), welche mit Land- und Tafelweinsorten bepflanzt sind. 16 Kellereigenossenschaften (75 % der Weinmenge), 35 Private Kellereien (20 %) und etwa 100 Weinhöfe keltern den Wein ein und vermarkten diesen.

Geschichte[Bearbeiten]

Durch Funde von Traubensamen aus der Eisenzeit (Stufels bei Brixen) und archäologische Ausgrabungen von ca. 400 v. Chr. wird auf einen Weinbau schon vor 3000 Jahren geschlossen. Die vermutlich ältesten Quellen stammen von den Römern über die damaligen Weine aus Rätien. Marcus Porcius Cato hat in seinem Werk De agricoltura den rätischen Wein hervorgehoben, bevor dieses Einzugsgebiet von den Römern erobert wurde. Die Römer übernahmen von den Rätern Weinlagerung und -transport in Holzfässern (nach Plinius). Besonders Augustus und Tiberius (Spitzname „Biberius“) schätzten den rätischen Wein.

Im Jahre 720 n. Chr. beauftragte Korbinian, der erste Bischof von Freising, Weingärten im Burggrafenamt anzulegen. Seit dem 12. Jahrhundert geben Aufzeichnungen von den regen Aktivitäten der süddeutschen Klöster und Adeliger Aufschluss über den Weinbau.

Die Einkellerung an Südtiroler Weinhöfen hatte im endenden Mittelalter und in der Habsburgerzeit eine Blüte. Durch die Tätigkeiten der Weinhandelsfamilien seit dem 19. Jh. und der Kellereigenossenschaften seit Beginn des 20. Jh. hat sich die Produktion und Vermarktung des Weines zum heutigen Stand entwickelt. Im 20. Jh. gab es mehrere Krisen: zu Beginn die Reblaus (Phylloxera), dann Erster Weltkrieg und Abtrennung von den traditionellen Märkten (Österreich-Ungarn, Bayern) mit Repression unter den Faschisten, sowie der Zweite Weltkrieg. Durch Massenproduktion bis in die 1980er konnte sich die Weinwirtschaft konsolidieren. In den 1980er Jahren wurde im Südtiroler Weinbau eine Krise der damals geläufigen Vermarktungskanäle akut, insbesondere der Offenweinverkauf in die Schweiz in Tanks. Die Kellereien änderten ihre Absatzstrategie. Es wurden fortan mehr Qualitätsweine hergestellt; der reine Quantitätgedanke trat in den Hintergrund und spielt heute keine Rolle mehr. Entscheidend war in Südtirol für den Weinbau auch die auf das Jahr 1971 zurückgehende Eingrenzung und Aufwertung der Weinlagen mit der DOC Regelung. Die Qualitätsproduktion, welche seit nunmehr über 20 Jahren forciert wird, sowie die vermehrte Abfüllung in die 0,75 l-Flasche hat dem kleinen Weinbaugebiet zu höchstem Renommee verholfen. Dies gilt vor allem in Italien für die Weißweine, aber in Insider-Kreisen zunehmend auch in den internationalen Märkten.[3]

Einen Überblick über Geschichte und traditionelle Techniken des lokalen Weinbaus bietet das Südtiroler Weinmuseum in Kaltern.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Matthias Ladurner-Parthanes: Vom Perglwerk zur Torggl. Athesia, Bozen 1972.
  • Südtiroler Weinwerbung: suedtirolerwein.com. Bozen: 2006, Statistiken, Weingeschichte, Kellereien
  • Stocker, Barbara: Der Wein und seine Geschichte. Thaur/Bozen: deleatur, Südtirol in Wort und Bild, 49. Jg., 3. Quartal/2005
  • Andergassen, Gotthard: Südtiroler Weinbau und Weinwirtschaft um Mittelalter. Thaur/Bozen: deleatur, Südtirol in Wort und Bild, 49. Jg., 3. Quartal/2005
  • Zwerger, Roland: Vom Weißen Lagrein über den "Weißterlinger" zum Gewürztraminer. Kleine Südtiroler Sortengeschichte mit besonderer Berücksichtigung von Tramin. Bozen: Athesiadruck, Der Schlern 79/2005, Heft 8/9
  • Nössing, Josef: Bozens Weinhandel im Mittelalter und in der Neuzeit. Linz: Druckerei R. Trauner, Stadt und Wein, 1996
  • Freie Weinbauern Südtirol: Geschichte Vereinigung. 15. Juni 2007 - PDF-Datei Geschichte Chronik Weinbauern
  • Jens Priewe unter Mitarbeit von Christoph Tscholl: Die Weine von Südtirol. Der Guide für Kenner und Geniesser. Collection Rolf Heyne, Ausgabe 2006, ISBN 3-89910-299-1
  • Kilchmann, Martin: Weine aus Südtirol. Müller Rüschlikon, 1995, ISBN 3275011685
  • Meininger Einkaufsführer: Weine und Winzer aus Südtirol. Meininger Verlag, 2005, ISBN 3-87524-161-4 (PDF)
  • Busche Infoguide: Winzer & Weingüter. Deutschland, Elsass, Luxemburg, Österreich und Südtirol. 4. Auflage. Busche Verlag, 2006, ISBN 3-89764-223-9
  • Peter Moser: Falstaff Weinguide Österreich Südtirol. 2005/2006. Falstaff-Verlag, ISBN 3-9501628-6-0

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.facebook.com/Alto-Adige-Wines/ Aufgerufen im April 2011
  2. Meiniger Einkaufsführer „Weine und Winzer aus Südtirol“., Meininger 2005, S. 15
  3. Kategorie Diskussion:Südtirol (Weinbaugebiet) - April 2011; Merum 4/2010 Leserbrief Roland Brunner
  •  Andreas Otto Weber: Studien zum Weinbau der altbayerischen Klöster im Mittelalter. Steiner, 1999, ISBN 3-515-07290-X.