Südwestafrika

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Südwestafrika
Suidwes-Afrika
South West Africa
Flagge Wappen 1960–1990
Amtssprachen Deutsch und Afrikaans (1884–1990), Englisch
Hauptstadt Windhoek
Staatsform Mandat der Vereinten Nationen unter südafrikanischer Verwaltung
Generaladministratoren
Gründung
Unabhängigkeit 21. März 1990
Währung Südafrikanischer Rand
Autokennzeichen SWA
LocationNamibia.svg
Südwestafrika bis 1990
Briefmarke, Südafrikanisches Mandatsgebiet: S.W.A.-Aufdruck auf südafrikanischer Briefmarke; Bildnis König Georg V.

Südwestafrika (afrikaans: Suidwes-Afrika; englisch: South West Africa (SWA oder S.W.A.)) war die Bezeichnung Namibias während seiner Fremdverwaltung durch Südafrika in den Jahren 1918 bis 1990.

Zeitlich wurde diese Periode der Republik Namibia gefasst durch das Ende der reichsdeutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (1884–1919) und die staatliche Unabhängigkeit des Landes (seit 1990).

Geschichte[Bearbeiten]

Die ehemalige deutsche Kolonie wurde 1919 ein Mandatsgebiet des Völkerbundes und unter Verwaltung der Südafrikanischen Union gestellt. 1946 wurde das Gebiet offiziell in ein Treuhandgebiet der UNO umgewandelt, was den Einfluss der Weltorganisation erhöht hätte, dieser Schritt wurde jedoch von südafrikanischer Seite ignoriert, die darauf begann, das Territorium de facto als Teil ihres Staatsgebietes einzugliedern. So bekam die weiße Minderheit das Recht, eigene Vertreter in das Kapstädter Parlament zu entsenden. Die UNO entzog 1966 der Republik Südafrika das Mandat über Südwestafrika und stellte es zwei Jahre später unter dem Namen Namibia de jure unter eigene Verwaltung. Nachdem der Internationale Gerichtshof 1971 die fortdauernde südafrikanische Präsenz als unrechtmäßig verurteilt hatte, begann ab Mitte der 70er Jahre unter starkem internationalen Druck und inneren Spannungen ein Übergangsprozess, der schließlich 1990 zur Unabhängigkeit der Republik Namibia führte.

Die zeitgenössische Verwendung der Begriffe Südwestafrika oder Südwest wird im heutigen Namibia nicht geschätzt. Sie werden als Zeichen für einen nostalgischen Umgang mit der deutschen Kolonialzeit sowie der Zeit der Apartheid empfunden.

Demographie[Bearbeiten]

Vom Department of Statistics (1970) und nach einem Survey of South West African affairs, herausgegeben 1974 vom Südafrikanischen Außenministerium, wurden folgende Angaben entsprechend den damaligen demographischen Gruppenbezeichnungen bekanntgegeben:

Bevölkerungsgruppe Angehörige zum 6. Mai 1970[1] Angehörige 1974[2]
„Eingeborenen“-Gruppen
Kaokovelders (u.a. Himba) 6.467 7.000
Ovambos 342.455 396.000
Kavangos 49.577 56.000
East Caprivians 25.009 29.000
Damaras 64.973 75.000
Hereros 49.203 56.000
Tswanas 3.719 5.000
Bushmen 21.909 26.000
Andere 14.756 15.000
„Coloured“-Gruppen
Coloureds 28.275 32.000
Rehoboth Basters 16.474 19.000
Namas 32.853 37.000
Weiße 90.658 99.000
Südwestafrika gesamt 746.328 852.000

Politisch-administrative Strukturen[Bearbeiten]

Südafrika regierte und verwaltete das Gebiet von Südwestafrika/Namibia durch sein eigenes Parlament und seine Ministerien. Für die „eingeborene“ Bevölkerung war das Department of Bantu Administration and Development in Pretoria zuständig. Die regierende National Party hatte auch in Windhoek eine territoriales Büro für Südwestafrika (S.W.A.), von der aus ihr regionaler Vorsitzender A. H. du Plessis die Geschäfte führte. Dort befand sich auch die South West Africa Legislative Assembly, die ähnlich den Provinzparlamenten in Südafrika arbeitete und nur aus weißen Vertretern bestand. Deren Vorsitzender war Dirk Mudge. Ein daraus gewähltes Executive Committee (alle waren Mitglieder der National Party) stand unter der Leitung von Eben van Zyl.

Premierminister Balthazar Johannes Vorster berief 1973 angesichts der politischen Drucks aus den Vereinten Nationen bezüglich Südafrikas Namibiapolitik ein Advisory Council mit 40 Mitgliedern ein, das Repräsentanten der Weißen und Coloured-Organisationen, Vertretern aus den Legislativräten der Homelands und Bantu-Behörden für zwei Tage in einem Kapstädter Hotel zusammenführte. In der Folge ernannte zur Fortführung dieses Gremiums der Premierminister einen Mitarbeiter der S.W.A.-Verwaltung, Billy Marais, zum offiziellen Vertreter in Südwestafrika. Es wurde dafür ein Büro in Windhoek eröffnet. Das erste reguläre Treffen des Advisory Council fand am 23. März 1973 in Windhoek statt.[3][4][5]

Im Verlauf des Jahres 1983 präsentierte der Generaladministrator Willie van Niekerk einen Plan zur Errichtung eines Committee for Constitutional Development (deutsch etwa: Komitee zur Entwicklung einer Verfassung). Es sollte sich aus 50 gewählten sowie aus 22 nominierten Vertretern der 11 ethnischen Gruppen zusammensetzen. Für den September oder Oktober waren Wahlen für dieses Gremium angestrebt. Das Vorhaben erhielt jedoch zu wenig Unterstützung und wurde fallengelassen. Aus der damit verbundenen Diskussion führte van Niekerk einen neuen Vorschlag zur Bildung eines State Council in die Debatte ein, womit eine Gruppe der wichtigsten politischen Organisationen zusammengeführt werden sollte, die Vorschläge zur künftigen Verfassungsordnung für ein noch nicht völlig unabhängiges Namibia unterbreiten könnte. Dieser State Council sollte unter dem Vorsitz von Richter Joseph Hefer, dem damaligen Chief Justice of the Transkei, arbeiten. Im Verlauf der Meinungsbildung wurde deutlich, dass der State Council noch geringere repräsentative Unterstützung hätte als die aufgelöste (weiße) National Assembly. Daraufhin wurde der Vorschlag verworfen.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1971. Johannesburg 1972. S. 342
  2. SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1975. Johannesburg 1976. S. 331
  3. SAIRR: Survey 1971, S. 344
  4. SAIRR: Survey 1974, S. 408-409
  5. SAIRR: Survey 1973, S. 381-382
  6. SAIRR: Survey 1983, S. 603-604