Sątoczno

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Sątoczno
Sątoczno führt kein Wappen
Sątoczno (Polen)
Sątoczno
Sątoczno
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Kętrzyn
Gmina: Korsze
Geographische Lage: 54° 14′ N, 21° 6′ O54.23166666666721.098611111111Koordinaten: 54° 13′ 54″ N, 21° 5′ 55″ O
Einwohner: 126
Postleitzahl: 11-431
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NKE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: KrelikiejmyStudzieniec
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
Kaliningrad
Sątoczno

Sątoczno (deutsch Leunenburg) ist ein Dorf in Polen in der Wojewodschaft Ermland-Masuren. Es gehört zur Gemeinde Korsze (Korschen) im Powiat Kętrzyński.

Geographie[Bearbeiten]

Sątoczno liegt im Norden Polens, etwa zwölf Kilometer südlich zur Staatsgrenze zum russischen Oblast Kaliningrad.

Geschichte[Bearbeiten]

Sątoczno ist der älteste Ort der Gemeinde Korsze und des Powiats Kętrzyński.[1] 1325/1326 ließ Dietrich von Altenburg eine Burg an der Stelle des heutigen Sątoczno errichten.[2] Das zugehörige Dorf verfügte über eine Fläche von 20 Hufen.[3] Das Gebiet wurde Lunen genannt, was Morast bedeutet und auf den damaligen Untergrund der Gegend hinweist.[4] 1340 wurde der Ort als Kammeramt bezeichnet, ab 1342 oder 1343 war der Ort Sitz einer Komturei. Diese wurde aber bereits 1347 wieder aufgelöst, nachdem ein Angriff der Litauer zu schweren Zerstörungen geführt hatte,[4] wobei auch die hölzerne Kirche zerstört wurde.[3] Die Gegend gehörte nun wieder zur Komturei Balga, später wurde sie der Komturei Rhein und danach dem Pfleger in Rastenburg (Kętryzn) unterstellt.[4] Der Ort erholte sich schnell von dem Angriff und die Burg wie auch die Häuser wurden wieder aufgebaut. Es gab im 14. Jahrhundert eine Mühle und acht Schenken.[3] Leunenburg erhielt auch Stadtrecht, die Handfeste dazu ist aber nicht erhalten und es ist daher unklar, wann die Rechtevergabe erfolgte.[4] Ritter Albrecht Vogt von Ammerthal[4] (auch Albrecht Voith oder Veith[5]) erhielt 1468 das Gut vom Deutschen Orden als Belohnung für seine Kämpfe gegen die Litauer.[5][3] Seine Tochter Barbara heiratete 1490, nach seinem Tod, Botho zu Eulenburg und brachte zusätzlich den Ort Prassen (Prosno) in dessen Familien mit ein. Bis 1610 war Leunenburg Stammsitz der Grafen zu Eulenburg, danach war Prassen der Sitz.[4] 1526 gehörten zu Pfarrei Leunenburg die Ortschaften Glittehnen, Kaltwangen, Wangnick, Bloßkeim, Wormen, Schlömpen und Köskeim. 1580, 1586 und 1591 wüteten schwere Brände im Ort und zerstörten die meisten Häuser.[3] 1625 wütete die Pest[3] und während des Schwedisch-Polnischen Kriegs wurde 1628 die Burg zerstört[4]. Weitere Zerstörungen richteten die Tataren an, die 1656/1657 die Stadt plünderten und Gebäude niederbrannten. 1709 starben erneut zahlreiche Einwohner an der Pest. 1785 gab es noch 28 Wohnhäuser in Leunenburg. Die Napoleonischen Kriege führten zu weiteren Zerstörungen und Plünderungen, so dass der Ort nicht wieder zu seiner alten Bedeutung zurückkehren konnte. 1817 wurde die Ortschaft nur noch als Dorf erwähnt.[3] 1945, am Ende des Zweiten Weltkrieges, marschierte die Rote Armee in die Gegend ein. Als Folge des Krieges wurde das Dorf Teil Polens und es erfolgte die Umbenennung von Leunenburg zuerst in Laukinikowo und später in Sątoczno.[3] Der Ort wurde Sitz einer Gemeinde, die eine Fläche von 10.388 Hektar mit 33 Ortschaften umfasste. 1949 wurde ein Kino und 1950 eine Dorfbibliothek eingerichtet. Später erfolgte der Bau einer Schule. Als 1954 die Gemeinden aufgelöst wurden, wurde Sątoczno Sitz einer Gromada.[3] 1973 wurden die Gromadas aufgelöst und das Dorf wurde Sitz eines Schulzenamtes (sołectwo) mit sechs Ortschaften.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

1817 lebten im Ort 186 Menschen in 27 Häusern.[3] 1970 betrug die Einwohnerzahl 163.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Christus-König-Kirche (Kościół pw. Chrystusa Króla) des Ortes wurde um 1350 errichtet. Bereits um 1400 erfolgten einige Umbauten. So wurden ein Kirchturm und die Sakristei errichtet. Weiterhin wurde im Süden des Kirchenschiffs die Vorhalle mit spitzbogigem Eingang und Staffelgiebel, im Innern überwölbt von einem achtteiligen Sterngewölbe errichtet. 1591, nach einem Stadtbrand, wurde der Turm erhöht, 1842 erhielt er neogotische Staffelgiebel und wurde ein weiteres Mal erhöht. Zur Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert wurde der achteckige Chor errichtet. 1839 bis 1842 erfolgten unter Pfarrer Simon Gemmel Renovierungsarbeiten. Die Orgel der Kirche wurde 1745 von Adam Gottlob Casparini gebaut. Der Altar wurde 1824 von Karl Ludwig Biereichel aus Rößel geschaffen.[7][1]

Die Grabkapelle der Familie zu Eulenburg befindet sich neben der Kirche und wurde Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet. Die Inschriftplatte stammt aus dem Jahr 1785, der Giebel von 1887.[7]

Die Reste der 1628 zerstörten Burg des Deutschen Ordens waren 1992/1993[4] und erneut 2003 Gegenstand von archäologischen Untersuchungen.[1]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch das Dorf führt eine Nebenstraße, die im Norden nach sieben Kilometern durch Sępopol führt. Im Süden mündet die Straße bei Glitajny in die Wojewodschaftsstraße 590 (droga wojewódzko 590).

Eine weitere Nebenstraße führt im Osten nach zwölf Kilometern durch Skandawa und im Westen mündet sie nach etwa neun Kilometern bei Sporwiny in die Wojewodschaftsstraße 592.

Über eine eigene Bahnstation verfügt Sątoczno nicht. Die nächste Bahnstation befindet sich im sieben Kilometer südlich gelegenen Korsze, wo es Direktverbindungen nach Olsztyn und Posen gibt.

Der nächstgelegene internationale Flughafen ist der Flughafen Kaliningrad, der sich etwa 80 Kilometer nordwestlich auf russischem Hoheitsgebiet befindet. Der nächste internationale Flughafen auf polnischem Staatsgebiet ist der etwa 170 Kilometer westlich befindliche Lech-Wałęsa-Flughafen Danzig.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Tadeusz Swat: Dzieje Wsi. In: Aniela Bałanda u. a.: Kętrzyn. Z dziejów miasta i okolic. Pojezierze, Olsztyn 1978, S. 220–222 (Seria monografii miast Warmii i Mazur).
  • Karl Borchardt: Urkunden aus Leunenburg in Ostpreußen von 1368 bis 1563. In: Beiträge zur Geschichte Westpreußens. 16, 1999, ISSN 0341-9436, S. 55–93.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sątoczno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b c korsze.com, Sątoczno, abgerufen am 5. April 2009
  2. Swat 1978, S. 220
  3. a b c d e f g h i j Swat 1978, S. 221
  4. a b c d e f g h ostpreussen.net, Geschichte von Satoczno - Leunenburg, 1. Mai 2003 (WebCite)
  5. a b Universität Hamburg, Das virtuelle Preußische Urkundenbuch - PrUB, JS 437, 1468 Januar 10. Königsberg, abgerufen am 5. Mai 2009
  6. a b Swat 1978, S. 222
  7. a b ostpreussen.net, Kirche in Leunenburg, 1. Mai 2003 (WebCite)