Słobity

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Słobity
Wappen fehlt
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Słobity (Polen)
Słobity
Słobity
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Braniewo
Gmina: Wilczęta
Geographische Lage: 54° 8′ N, 19° 48′ O54.14055555555619.791944444444Koordinaten: 54° 8′ 26″ N, 19° 47′ 31″ O
Einwohner: 549 (2007)
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: NBR

Słobity (deutsch Schlobitten) ist ein Dorf in Polen. Es gehört zur Gemeinde Wilczęta im Powiat Braniewski, Woiwodschaft Ermland-Masuren im früheren Ostpreußen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Namen des Ortes als Slobita, Slobithe, Slobuthe und Schlobitten waren preußischen Ursprungs. 1525 kam der Besitz an Peter zu Dohna (1483–1553) und blieb von 1589 bis 1945 ununterbrochen in der Familie von Dohna. Hier befand sich der Hauptsitz des Adelsgeschlechtes Dohna-Schlobitten. Schlobitten liegt nordöstlich der Stadt Preußisch Holland, im gleichnamigen Kreis der Provinz Ostpreußen. Der Ort ist prußischen Ursprungs, war im 15. Jahrhundert im Besitz der Familie von Marwitz und dann bis Anfang des 16. Jahrhunderts im Besitz der Familie von Landgreff. 1525 wurde Peter Burggraf zu Dohna (1482-1553), auf Carwinden, mit Hof und Dorf Schlobitten, „welches nachgelassene Güter des Hans von Haubitz seien“ belehnt.

Schloss[Bearbeiten]

Schloss Dohna-Schlobitten (2009)
Schloss Schlobitten um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Peter Dohnas Sohn, Achatius I. (1533-1601), ließ das vorhandene mittelalterliche Herrenhaus um 1589 herstellen und ausbauen und nahm dort seinen Wohnsitz. In diesem Haus logierte 1611 auch Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg bei seiner Durchreise nach Königsberg. Der im Ingenieur- und Festungsbauwesen geschulte Sohn des Grafen Achatius, Abraham II. Burggraf und Graf zu Dohna (1579-1631), ließ schließlich 1621-1624 – vermutlich neben dem alten Herrensitz – ein vollkommen neues Schloss auf H-förmigem Grundriss im Spätrenaissancestil erbauen, von dem eine alte Ansicht auf einem Dohna’schen Stammbaum überliefert ist und für das er selbst sehr genaue Entwurfszeichnungen (Grundrisse und Schnitt) angefertigt hatte. Nach der Verwüstung und Ausplünderung des Schlosses während des schwedisch-polnischen Krieges 1629 ließ Abraham es erneut herstellen. Es war ein zweigeschossiger massiver Putzbau mit Kellergeschoss und den für die Renaissance typischen Zwerchhäusern mit dreizonigen Schweifgiebeln, die zwei Etagen aufwiesen. 1627 erfolgte in der nördlichen Flucht des Schlosses, in östlicher Richtung und nur wenig abgesetzt vom Hauptbau die Errichtung eines galerieartigen eingeschossigen Bibliotheksgebäudes (33 m lang und 6 m tief). Die langgestreckte Galerie wurde von Kreuzgratgewölben überspannt. Der Neubau des Schlosses im Barockstil wurde von Alexander zu Dohna (1661–1728) beauftragt. Der Bau zog sich von 1696 bis 1736 hin. Die Architekten waren Jean Baptiste Broebes (1660–1720) und Johann Caspar Hindersin (1667–1738).

Das fertige Schloss war ein ostpreußisches Königsschloss, mit der Aufgabe dem preußischen König auf seinen Reisen als Unterkunft zu dienen.

1945 wurde das Schloss durch Brandstiftung nach Einmarsch der Roten Armee zerstört.[1] Heute stehen nur noch die Umfassungsmauern des Gebäudes.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Krollmann: Schlobitter Erinnerungen an das Jahr 1807. In: Oberländische Geschichtsblätter. Heft 9, Königsberg 1907, S. 1-13.
  • Christian Krollmann: König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise in Schlobitten 1802. In: Oberländische Geschichtsblätter, Bd. 3 (Heft 11-15), Königsberg 1909-1913
  • Richard Dethlefsen: Stadt- und Landhäuser in Ostpreußen, München 1918.
  • Anton Ulbrich: Geschichte der Bildhauerkunst in Ostpreußen vom Ausgang des 16. bis in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, 2. Band, Königsberg 1929, S. 454-475.
  • Carl von Lorck: Ostpreußische Gutshäuser, Königsberg 1933
  • Ernst Gall: Deutschordensland Preußen, bearbeitet unter Mitwirkung von Bernhard Schmid und Grete Tiemann. In: Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, München, Berlin 1952
  • Carl von Lorck: Ostpreußische Gutshäuser. Bauform und Kulturgehalt, Kitzingen 1953
  • Ursula Gräfin zu Dohna: Gärten und Parke in Ostpreußen. 400 Jahre Gartenkunst, Herford 1993
  • Wulf D. Wagner: Stationen einer Krönungsreise - Schlösser und Gutshäuser in Ostpreußen, Katalog zur Ausstellung. Wagner, Berlin 2001.
  • Alexander Fürst zu Dohna-Schlobitten: Erinnerungen eines alten Ostpreußen. Rautenberg im Verlags-Haus Würzburg, Würzburg 2006, ISBN 3-8003-3115-2.
  • Alexander Fürst zu Dohna, Christine Mertens, Carl Grommelt, Lothar Graf zu Dohna, Christian Krollmann: Das Dohnasche Schloss Schlobitten in Ostpreußen. 2. Auflage. W. Kohlhammer-Verlag, Stuttgart 1965, (Bau- und Kunstdenkmäler des deutschen Ostens. Reihe B, 5).
  • Friedrich Graf zu Dohna-Schlobitten: Der Weg des Schlobitter Inventars seit 1943. In: Schönhausen. Rokoko und Kalter Krieg. Die bewegte Geschichte eines Schlosses und seines Gartens, hrsg. von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdam 2009, S. 146-148
  • Guido Hinterkeuser: Zwischen Politik, Ökonomie und Repräsentation – Berlin und die großen Schlösser des preußischen Adels (Dohna, Dönhoff, Finckenstein). In: Landgüter in den Regionen des gemeinsamen Kulturerbes von Deutschland und Polen – Entstehung, Verfall und Bewahrung (= Das Gemeinsame Kulturerbe, Bd. 4), Warschau 2007
  • Lothar Graf zu Dohna: Die Dohnas und ihre Häuser. Profil einer europäischen Adelsfamilie, 2 Bde., Göttingen 2013, ISBN 978-3-8353-1237-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Słobity – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.masuren.de Schloss Schlobitten - Slobity