Słupsk

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Słupsk
Wappen von Słupsk
Słupsk (Polen)
DEC
Słupsk
Słupsk
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Fläche: 43,15 km²
Geographische Lage: 54° 28′ N, 17° 2′ O7Koordinaten: 54° 28′ 0″ N, 17° 2′ 0″ O
Einwohner: 97.757 (30. Juni 2007)
Postleitzahl: 76-200 - 76-210, 76-215, 76-216, 76-218, 76-280
Telefonvorwahl: (+48) 59
Kfz-Kennzeichen: GS
Wirtschaft & Verkehr
Straße: E28 DanzigStettin
Schienenweg: StettinDanzig
Nächster int. Flughafen: Danzig
Verwaltung (Stand: 2008)
Stadtpräsident: Maciej Kobyliński
Adresse: pl. Zwycięstwa 3
76-200 Słupsk
Webpräsenz: um.slupsk.pl

Słupsk [ˈswupsk] (deutsch Stolp) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Pommern und Kreisstadt des Powiat Słupski und hat etwa 98.000 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geographie

Słupsk liegt am Ufer des Flusses Stolpe (poln. Słupia), 18 Kilometer von der Ostseeküste entfernt, und erstreckt sich über eine Fläche von 43,15 Quadratkilometern. Durch die Stadt führen die Fernstraße 6 und die Bahnstrecke von Stettin nach Danzig. Die Nachbarstädte Köslin (Koszalin) und Lauenburg (Lębork) sind 70 bzw. 50 Kilometer entfernt.

[Bearbeiten] Geschichte

Im 9. Jahrhundert entstand am Ostufer des Flusses Stolpe, an einer flachen Furt, eine wendische Siedlung und bald darauf die Burg Slupsk. Durch die Furt führte der Handelsweg von Danzig nach Stargard. 1240 wurde Slupsk erstmals urkundlich erwähnt. 1220 bis 1266 war die Burg Residenz des Herzogs Swantepolk von Pommerellen. 1276 gründeten deutsche Kaufleute und Handwerker aus Westfalen und Holstein am Westufer des Flusses eine neue Siedlung. 1278 wurde ein Dominikanerkloster gegründet. Nachdem Herzog Mestwin II. 1295 starb, entbrannte zwischen Polen, dem Deutschen Orden, Bogislaw IV. und dem Herzog von Pommern ein Streit um das Erbe. 1309 wurde Pommerellen im Frieden zu Stolp geteilt. Der westliche Teil mit Stolp und Schlawe gingen an Brandenburg. Am 9. September 1310 verlieh der Markgraf von Brandenburg der Siedlung deutsches Stadtrecht nach lübischem Muster. Die Stadt wurde seitdem offiziell Stolp genannt. 1316 erwarb der pommersche Herzog Wartislaw IV. die Stadt und band sie enger an das Greifengeschlecht an. Nachdem Stolp zu Wohlstand gekommen war, erwarben die Bürger 1337 den Hafen Stolpmünde und das Dorf Arnshagen. Zwischen 1329 bis 1388 wurde die Stadt von den pommerschen Herzögen Bogislaw V., Barnim IV. und Wartislaw V., die wegen zahlreicher Kriege in Geldnot geraten waren, dreimal an den Deutschen Orden verpfändet. Weil die Herzöge die Stadt nicht auslösen konnten, die Einwohner aber nicht unter der Herrschaft des Ordens leben wollten, brachten die Bürger selbst die Ablösesumme von 6.766 Silbermark nach lübisch Gewicht auf. Das war für damalige Verhältnisse eine ungeheure Summe. 1365 wurde Stolp Mitglied der Hanse. Stolp erhielt 1368 das Münzrecht zum Prägen von Finkenaugen.

Die Stadtpfarrkirche St. Marien
Die Stadtpfarrkirche St. Marien

1476 brannte die Stadt bis auf das Rathaus, die Kirchen und wenige Häuser nieder. 1478 wütete die Pest in der Stadt. 1497 richtete ein Hochwasser großen Schaden an. Stolp beteiligte sich 1481 an einem Landfriedensbündnis der hinterpommerschen und stiftischen Städte. Die Stadt wurde zwischen 1544 und 1589 immer wieder von Feuersbrünsten und Epidemien heimgesucht. Rund 2.000 Menschen kamen dabei ums Leben. Ein jahrelanger Streit mit den Herzögen ließ die Stadt verarmen und zwang sie dazu, aus der Hanse auszutreten. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Stolp 1630 von Schweden erobert. Wallensteins Truppen besetzten die Stadt 1637. Schwedische Truppen unter General Banner vertrieben sie und ruinierten Stolp vollständig. Nach Beendigung des Krieges 1648 fiel Stolp im Westfälischen Frieden wieder an Brandenburg.

Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat nach dem Wiener Kongress gehörte Stolp seit 1816 zum gleichnamigen Kreis im Regierungsbezirk Köslin in der preußischen Provinz Pommern und wurde Sitz des Landratsamtes. 1869 wurde die Eisenbahnstrecke Köslin-Stolp, ein Jahr später die Bahnstrecke Stolp-Zoppot und 1878 die Strecke Stolp-Stolpmünde eröffnet. 1894 wurde mit dem Bau der Kreisbahn nach Rathsdamnitz begonnen. Am 1. April 1898 schied Stolp aus dem Kreis aus und bildete mit rund 26.000 Einwohnern einen eigenen Stadtkreis. 1899 begann der Bau des neuen Rathauses, der mit der Einweihung am 4. Juli 1900 beendet wurde. 1910 wurde das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Rathausvorplatz in Anwesenheit der Kaiserfamilie eingeweiht. 1910 bekam Stolp ein Straßenbahnnetz mit vier Linien in Meterspur, 1926 einen Flugplatz.

Bis zum Zweiten Weltkrieg war Stolp Garnisonsstandort und eine gewerbereiche Stadt mit einer bedeutenden Möbelindustrie, Bernsteinindustrie, Maschinenfabriken und Stickereien. Über die pommerschen Landesgrenzen hinaus bekannt wurde Stolp unter anderem auch durch den dort seit dem 21. August 1921 in der Käserei des süddeutschen Fabrikanten Heinrich Reimund hergestellten Camembert-Käse ‚Stolper Jungchen‘. Dieser Weichkäse wird heute wieder produziert: in dem 25 km von Stolp entfernten Ort Zielin (Sellin).

Im Jahr 1938 wurde der Rundfunksender Stolp errichtet.

Blücherplatz um 1900
Blücherplatz um 1900

[Bearbeiten] Deutsche Parteien und Wahlen

Politisch galt Stolp bis zum Ersten Weltkrieg als Hochburg der Liberalen. Die Fortschrittliche Volkspartei errang bei der Reichstagswahl 1912 43,3 % der Wählerstimmen, die SPD 30,9 %. In der Weimarer Republik wandelte sich das Bild: Bei der Reichstagswahl 1924 gaben 44,3% der Einwohner der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) ihre Stimme.

Das Stadtparlament von Stolp mit 37 Sitzen setzte sich vor der nationalsozialistischen Machtübernahme am 30. Januar 1933 wie folgt zusammen: 17 Bürgerliche Einheitsliste, 15 SPD, 2 NSDAP, 1 DDP, 2 sonstige.

Nach der Machtübernahme war eine freie Meinungsbildung nicht mehr gesichert. Dennoch konnte die NSDAP am 12. März 1933 mit 16 Sitzen nicht die Mehrheit erringen, die SPD und die Kampffront Rot-Weiß-Rot erlangten jeweils 10 Sitze.

Bei der letzten freien Reichstagswahl am 6. November 1932 stimmten in Stolp für die NSDAP 36,1%, für die SPD 24,4%, die DNVP 23,0 % und die KPD 7,8%.

Auch bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 erhielten die Nationalsozialisten keine Mehrheit der Stimmen aus Stolp. Es wählten 49,5% die NSDAP. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.

[Bearbeiten] Die Vertreibung und die Zeit nach 1945

Am 8. März 1945 wurde Stolp von der Roten Armee besetzt und die Innenstadt in Brand gesetzt. Im Juli 1945 wurde die Stadt der polnischen Verwaltung übergeben, in Slupsk umbenannt, und es begann die Ansiedlung von Polen, die vorwiegend aus Gebieten östlich der Curzon-Linie stammten, wo sie von den sowjetischen Behörden vor die Alternative gestellt worden waren, entweder eine neue Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder aussiedeln zu müssen. Soweit sie nicht bereits vor Kriegsende vor der näherrückenden Roten Armee geflohen war, wurde die verbliebene deutsche Zivilbevölkerung in den folgenden Monaten aus der Stadt vertrieben.

Rathaus (Sommer 2007)
Rathaus (Sommer 2007)
Am Neuen Tor
Am Neuen Tor
Partie an der Stolpe
Partie an der Stolpe

Von 1945 bis 1950 gehörte Słupsk zur Wojewodschaft Stettin, dann bis 1975 zur Woiwodschaft Koszalin. Während der Existenz der Woiwodschaft Słupsk (1975-1998) war es deren Hauptstadt.

[Bearbeiten] Gegenwart

Słupsk ist heute ein industrielles Zentrum in der Woiwodschaft Pommern. In der Stadt werden Landmaschinen, Schiffszubehör, Möbel, Süßwaren, Schuhe, Haushaltswaren und Kosmetik hergestellt. In der Peripherie entstanden große Einkaufszentren. Die Słupsker Wirtschaftszone im Norden der Stadt bietet seit 1997 ansiedlungswilligen Firmen Steuervergünstigungen über einen Zeitraum von zehn Jahren. Słupsk beherbergt viele Bildungseinrichtungen. Es gibt ein Lehrerkolleg, ein Marketing- und Management-College, verschiedene Oberschulen und technische Fachschulen. Kulturell lockt Słupsk mit vielen historischen Gebäuden, dem Mittelpommerschen Museum, dem städtischen Orchester, einem Theater, einem Puppentheater, Galerien, Bibliotheken und Kinos. Durch ihre Nähe zur Ostsee und zum Seebad Ustka (dt. Stolpmünde) ist die Stadt im Sommer auch ein Touristenzentrum. Seit 2000 befindet sich in der Nähe von Słupsk die Umspannstation der HGÜ Swepol.

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung


[Bearbeiten] Landgemeinde Słupsk

Die Landgemeinde (gmina wiejska) Słupsk stellt eine eigene Verwaltungseinheit dar. Sie hat ihren Amtssitz in der kreisfreien Stadt Słupsk (ul. Sportowa 34, 76-200 Słupsk), ohne dass das Stadtgebiet jedoch zum Gebiet der Landgemeinde gehört.

Die Gmina Słupsk gehört zum Kreis Słupsk in der Woiwodschaft Pommern (1975-1998: Woiwodschaft Stolp). Die Einwohnerzahl beläuft sich auf 13.676 (30. Juni 2007), und die Gemeindefläche umfasst bei 260,58 km² etwa 11 Prozent der Fläche des gesamten Landkreises.

Im Ortsteil Redzikowo (deutscher Name: Reitz) liegt ein früherer Flugplatz der deutschen Luftwaffe. Bis in die 80er Jahre wurde dieser zivil und von den polnischen Luftstreitkräften militärisch sowie bis zum Jahr 2007 noch zur Luftraumüberwachung genutzt. Der Flugplatz ist als einer der beiden europäischen Standorte eines Raketenschildes der USA vorgesehen, dafür sollen in Redzikowo zehn Abfangraketen stationiert werden.

Nachbargemeinden der Gmina Słupsk sind: Damnica (deutscher Name: Hebrondamnitz), Dębnica Kaszubska (Rathsdamnitz), Głowczyce (Glowitz), Kobylnica (Kublitz), Postomino (Pustamin), Słupsk (Miasto) (Stolp/Stadt), Smołdzino (Schmolsin) und Ustka (Stolpmünde).

[Bearbeiten] Ortsteile

Ansicht des Ortsteils Bierkowo
Ansicht des Ortsteils Bierkowo

Zur Landgemeinde Słupsk gehören 29 Ortsteile (sołectwo) und drei Siedlungen (osiedle):

und die Siedlungen

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt

[Bearbeiten] Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt haben

  • Christian Wilhelm Haken (1723–1791), ab 1771 Pfarrer an der Marienkirche, schrieb über die Geschichte Pommerns

[Bearbeiten] Verweise

[Bearbeiten] Literatur

  • Werner Reinhold: Chronik der Stadt Stolp. Kölling, Stolp 1861
  • Rudolf Bonin: Geschichte der Stadt Stolp. Verlag Heinrich Langenhagen, Stolp i.P., 1910
  • Walther Bartholdy (Hrsg.): O Stolpa du bist ehrenreich ...: kulturgeschichtliche Beiträge zur Kirchen- u. Stadtgeschichte von Stolp. Stolp 1910
  • Karl-Heinz Pagel, Heimatkreis Stolp (Hrsg.): Stolp in Pommern - eine Ostdeutsche Stadt. Ein Buch über unsere pommersche Heimat. Lübeck 1977
  • Karl-Heinz Pagel: Der Landkreis Stolp in Pommern: Zeugnisse seiner deutschen Vergangenheit. Bonn 1989
  • Walter Witt: Urgeschichte des Stadt- und Landkreises Stolp. Stolp i.P. 1931
  • Lisaweta von Zitzewitz (Hrsg.): Poczatki miasta Slupska: nowe wyniki badawcze z Niemiec i z Polski. Akad. Europ. Kulice-Külz, Nowogard 1999
  • Mariusz Wojciechowski, Beata Zgodzinska: Rok 1901. Slupsk przed stu laty. Muzeum Pomorza Srodkowego w Slupsku, Slupsk 2001, ISBN 83-91577-62-7
  • Zygmunt Szultka: Szkola Kadetów w Slupsku: (1769–1811). Zrzeszenie Kaszubsko-Pomorskie, Gdansk 1992, ISBN 83-85011-49-8
  • Otto Knoop (Hrsg.): Volkssagen und Erzählungen aus der Stadt und dem Landkreis Stolp. Eulitz, Stolp 1925
  • Wioletta Knütel: Verlorene Heimat als literarische Provinz: Stolp und seine pommersche Umgebung in der deutschen Literatur nach 1945. Lang, Frankfurt a.M. 2002, ISBN 3-631-39781-X
  • Volker Stolle, Jan Wild: Zum Beispiel Stolp, Slupsk: Lutherische Kontinuität in Pommern über Bevölkerungs- und Sprachwechsel hinweg. Oberursel 1998, ISBN 3-921613-36-1
  • Horst Hylla: Erinnerungen eines Jungen aus Stolp, Homberg 2007.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons
 Commons: Słupsk – Bilder, Videos und Audiodateien


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