S-300WM

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S-300WM

9A83ME TEL - Antey-2500 SAM 02.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Boden-Luft-Lenkwaffensystem
Heimische Bezeichnung: S-300WM, Antei-2500, 9K81M
NATO-Bezeichnung: SA-23 Gladiator / Giant
Herkunftsland: RusslandRussland Russland
Hersteller: Almas-Antei
Entwicklung: 1993
Indienststellung: 1997
Einsatzzeit: im Dienst
Technische Daten
Länge: 9M82M: 9,91 m
9M83M: 7,90 m
Durchmesser: 9M82M: 1.125 mm
9M83M: 915 mm
Gefechtsgewicht: unbekannt
Spannweite: 9M82M: 1.150 mm
9M83M: 850 mm
Antrieb:
Erste Stufe:
Zweite Stufe:

Feststoffbooster
Feststoffraketentriebwerk
Geschwindigkeit: 9M82M: Mach 7,8
9M83M: Mach 4,9
Reichweite: 9M82M: 200 km
9M83M: 100 km
Ausstattung
Lenkung: INS, Datenlink
Zielortung: SARH plus Track-via-Missile oder HOJ
Gefechtskopf: 150 kg Splittersprengkopf
Zünder: Aufschlag- und Näherungszünder
Waffenplattformen: MT-TM Kettenfahrzeug
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Die S-300WM (russisch С-300ВМ, NATO-Codename SA-23 Gladiator / Giant) ist ein mobiles, allwetterfähiges Langstrecken-Boden-Luft-Lenkwaffensystem zur Bekämpfung von Kampfflugzeugen, Marschflugkörpern sowie ballistischen Kurz- und Mittelstreckenraketen. Der GRAU-Index ist 9K81M.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die SA-23 ist eine modernisierte Ausführung der SA-12 Gladiator / Giant. Das neue System unterscheidet sich wesentlich von ihrem Vorgängermodell und bekamen von der NATO die Bezeichnung SA-23.[1]

Die Ausführung S-300WM entstand als Reaktion auf die US-amerikanischen Erfahrungen im Golfkrieg 1991. Bei der Entwicklung dieses Systems wurde höchste Priorität auf die Bekämpfung von ballistischen Mittelstreckenraketen gelegt. Auch sollte das System störfester werden. Ebenso sollten Abstands-Störflugzeuge wie die EF-111 Raven und die EA-6 Prowler bekämpft werden können.[2] Das S-300WM-System wurde in den Jahren 1993 bis 1997 Jahre bei Almas-Antei entwickelt. Gegenüber dem Vorgängermodell, wurden bei der SA-23 die Rechnerkomponenten durch modernere, leistungsstärkere Komponenten ersetzt. Ebenso wurde ein neues Softwarepaket für die Lenkwaffensteuerung installiert. Auch sämtliche Kommunikationskanäle und deren Schnittstellen wurden erneuert. Mit diesen neuen Komponenten konnte die Reaktionszeit des Systems deutlich reduziert werden.[3] Das System wurde primär für den Exportmarkt entwickelt.[1]

Varianten[Bearbeiten]

  • S-300W (NATO: SA-12): Vorgängersystem.
  • S-300WM: 2. Serienversion, eingeführt 1997.
  • S-300WME Antey-2500: Exportversion der S-300WM.
  • S-300W3/W4: Nachrüstprogramm ab 2012 für die russischen Streitkräfte.
  • S-300WMK: Version basierend auf dem BAZ-69096 LKW. Nur Prototyp.

Technik[Bearbeiten]

Die SA-12 nutzt verschiedene Phased-Array-Radarsysteme zur Luftraumüberwachung und Feuerleitung: Das 9S15MV (NATO: Bill Board-B) Suchradar mit einer Reichweite von über 330 km, das 9S19M2 Imbir (NATO: High Screen) Sektorüberwachungsradar mit einer Reichweite von über 250 km sowie das 9S32M (NATO: Grill Screen) Feuerleitradar mit einer Reichweite von bis zu 250 km.[1] Die Feuerkampfführung erfolgt in der 9S457-1–Kommandostation. Als Werferfahrzeuge kommt das 9A83M–TELAR (NATO: Gladiator) für vier 9M83M-Lenkwaffen und das 9A82M–TELAR (NATO: Giant) für zwei 9M82M-Lenkwaffen zum Einsatz. Sämtliche Komponenten basieren auf den MT-TM Kettenfahrzeugen. Das Erstellen der Feuerbereitschaft dauert 5-6 Minuten. Die Fahrzeuge benutzen zur Datenübertragung untereinander ausfahrbare Antennen. Die Kommandostation verwendet redundante Echtzeit-Computersysteme und kann zeitgleich 24 Flugziele verfolgen und diesen 48 Lenkwaffen zur Bekämpfung zuweisen[1]. Mit den Systemen SA-17 Grizzly, SA-20 Gargoyle und SA-21 Growler ist eine vernetzte Operationsführung möglich.[1]

Die Lenkwaffen werden senkrecht aus ihren Start- und Transportbehältern gestartet. Dabei werden die Lenkwaffen durch eine Gasladung nach oben aus dem Container ausgestoßen. Erst in rund 20 m Höhe wird der Raketenbooster gezündet. Nach dem Ausbrennen des Boosters wird dieser abgesprengt und das Raketentriebwerk der rund 1.200 kg schweren Rakete zündet. Die kleineren 9M83M Lenkwaffen werden primär zur Bekämpfung von manövrierenden Flugzielen eingesetzt und haben eine maximale Reichweite von 100 km. Die größeren 9M82M Lenkwaffen kommen bei der Bekämpfung von ballistischen Kurz- und Mittelstreckenraketen zum Einsatz und haben eine maximale Reichweite von 200 km.[2] Die Lenkwaffen werden nach dem Prinzip der Proportionalnavigation, auf einer semiballistischen Flugbahn an den voraus errechneten Kollisionspunkt des Zieles und der Lenkwaffe verschossen.[1] Die Lenkwaffe hält sich mit dem Trägheitsnavigationssystem auf dem vorgegeben Kurs. Anfallende Kurskorrekturen werden von dem Feuerleitradar mittels Datenlink an die Lenkwaffe gesendet. Für den Zielanflug wird der lenkwaffeneigene halbaktive Radarsuchkopf und das Track-via-Missile-System aktiviert. Kommt das Flugziel in den Ansprechradius des Näherungszünders, wird der Splittergefechtskopf gezündet. Bei einem Direkttreffer wird der Sprengkopf durch den Aufschlagzünder ausgelöst.

Mit dem S-300WM-System können ballistische Raketen mit einer Maximalreichweite von 2.500 km abgefangen werden. Diese können bis zu einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 4.500 m/s auf eine Distanz von 40 km bekämpft werden. Ein SA-23-Bataillon ist fähig, ein Gebiet von rund 2.500 km² gegen einen Angriff mit Abstandswaffen und ballistischen Raketen zu verteidigen.[1][2]

Kapazität[Bearbeiten]

System S-300WM (SA-23 Gladiator/Giant)
Lenkwaffen 9M83M + 9M82M
Einführungsjahr 1997
Einsatzdistanz bei Flugzeugbekämpfung 6–200 km
Einsatzdistanz bei Raketenbekämpfung 6–40 km
Einsatzhöhe bei Flugzeugbekämpfung 25–30.000 m
Einsatzhöhe bei Raketenbekämpfung 1–30.000 m
Max. Zielgeschwindigkeit 4.500 m/s
gleichzeitig bekämpfbare Ziele 24
gleichzeitig einsetzbare SAMs 48
Treffererwartung Einzelschuss auf ein Kampfflugzeug 80–93 %
Treffererwartung Einzelschuss auf ein ballistische Rakete 50–80 %
Zeit zum Erstellen der Feuerbereitschaft 5–6 Minuten
Min. Reaktionszeit 7,5–15 Sekunden
Minimal erfassbarer RCS 0,02 m²

Verbreitung[Bearbeiten]

RusslandRussland Russland

Zur Zeit befinden sich rund 100 S-300W-Systeme sowie eine einzelne S-300WM-Batterie bei den russischen Streitkräften im Einsatz. Ältere S-300W-Systeme sollen auf den Stand S-300W3/W4 nachgerüstet werden.[1]

VenezuelaVenezuela Venezuela

Venezuela bestellte im Jahr 2008 ein Bataillon (vier Batterien) Antey-2500 mit 200 Lenkwaffen. Die ersten Komponenten trafen im Januar 2013 in Venezuela ein.[4][5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Land-Based Air Defence Edition 2005, Jane's Verlag
  • Das Boden- Luft Lenkwaffensystem SA-12 GLADIATOR/GIANT, DTIG – Defense Threat Informations Group, Dezember 2006
  • RUSSIA'S ARMS 2004 CATALOG, Military Parade Publishing House
  • RUSSIA'S ARMS AND TECHNOLOGIES. THE XXI CENTURY ENCYCLOPEDIA Volume 9 – Air and ballistic missile defense, The Publishing House – Arms and Technologies

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Self Propelled Air Defence System SA-12/SA-23 Giant/Gladiator Ausairpower, Zugriff: 8. April 2013 (englisch)
  2. a b c SA-12 Gladiator/Giant (PDF; 118 kB) DTIG, Zugriff: 8. April 2013 (deutsch)
  3. S-300W/WM Land based antiaircraft-antimissile system, Hudi’s russian combat vehicle page, Zugriff: 8. April 2013 (polnisch)
  4. Trade Register auf sipri.org, Abgerufen am 8. April 2013
  5. Венесуэльские "Бук-М2Э" и С-300ВМ Saidpvo.Livejournal, Zugriff: 8. April 2013 (russisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: S-300WM – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien