Isaac-Peral-Klasse

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Isaac-Peral-Klasse
Schiffsdaten
Land SpanienSpanien (Nationalflagge) Spanien
Schiffsart AIP Jagd-U-Boot
Bauwerft Navantia, Cartagena
Gebaute Einheiten 4
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
71,0 m (Lüa)
Breite 11,7 m
Tiefgang max. 6,2 m
Verdrängung über Wasser: 2.200 t
unter Wasser: 2.436 t
 
Besatzung 32 (+8) Mann
Maschine
Maschine Elektromotor (3.500 kW),
Dieselgeneratoren (3x 1.200 kW),
Brennstoffzellen (320 kW),
Batterieanlage
Einsatzdaten U-Boot
Tauchtiefe, max. mind. 400 m
Geschwindigkeit getaucht max. 19 kn (Elektromotor)/
4 kn (AIP)
Geschwindigkeit aufgetaucht max. 12+ kn
Bewaffnung

6 x 533-mm-Torpedorohre

Die Isaac-Peral-Klasse, bekannt als S-80A-Klasse, ist eine im Bau befindliche U-Boot-Klasse der spanischen Marine, die vom spanischen Rüstungsunternehmen Navantia entworfen wurde. Sie verfügt neben einem diesel-elektrischen auch über einen außenluftunabhängigen Antrieb basierend auf Brennstoffzellen. Ungewöhnlich für konventionelle Jagd-U-Boote ist, dass die Boote auch für das Verschießen von Marschflugkörpern UGM-109 Tomahawk konzipiert sind.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die ersten Pläne für eine neue U-Boot-Klasse, die langfristig die jeweils unter französischer Lizenz in Spanien gefertigten Boote der S-60- und S-70-Klasse ersetzen sollten, begannen im Jahre 1988. Geplant war zu Beginn die Kooperation mit einer ausländischen Werft mit Erfahrung im U-Boot-Bau. Aus einer engen Zusammenarbeit zwischen der spanischen Staatswerft IZAR (heute Navantia) und der französischen DCN ging schließlich die Scorpène-Klasse hervor, die jedoch letztlich von keiner der beiden Nationen beschafft wurde und so zu einem reinen Exportmodell wurde. Das spanische Verteidigungsministerium entschloss sich 1997 für eine weitestgehend nationale Neuentwicklung, 2001 wurden die Anforderungen für die Klasse festgelegt, darunter ein außenluftunabhängiger Antrieb und die Möglichkeit auch Landziele auf größere Distanz angreifen zu können. Im März 2004 erfolgte die Bestellung von vier Booten, ein ursprünglich geplantes zweites Baulos aus zwei bis vier weiteren Einheiten ist mittlerweile nicht mehr vorgesehen.

Aufgrund des komplexen Antriebssystems und in späterer Folge auch wegen Budgetproblemen, verzögert sich die Fertigstellung der Boote. Gingen ursprüngliche Planungen noch von einer Indienststellung der S-81 im Jahr 2011 aus, so rechnete die Armada 2012 mit einer Auslieferung des ersten Bootes im März 2015. Das von Indra Sistemas gefertigte Simulationssystem wurde im Oktober 2011 an das Militärarsenal in Cartagena geliefert.

Im Mai 2013 gaben Marine und Navantia nach einer Überprüfung der Konstruktion, die kurz vor dem geplanten Stapellauf des Typschiffs erfolgte, aufgrund eines Entwurfsfehlers, der ein Übergewicht von rund 100 t und damit verbundene Probleme beim Auftrieb mit sich führte, eine weitere 1 bis 2-jährige Verzögerung bekannt.[1]

Das Programm verzögert sich dadurch erneut, die Marine hofft 2017 als erstes Boot Nr. 2 zu erhalten. Aufgrund des weit fortgeschrittene Baus gestaltet sich der Umbau des Typschiffs am aufwendigsten, weshalb dies als letztes zur Flotte stoßen soll.

Technik[Bearbeiten]

Antrieb[Bearbeiten]

Neben einem diesel-elektrischen Antrieb, bestehend aus drei von Navantia unter Lizenz gefertigten MTU 16V 396 SE 84L Dieselgeneratoren und Blei-Säure-Akkumulatoren (Tudor/Exide), verfügt die S-80-Klasse auch über einen außenluftunabhängigen Antrieb (AIP) der es den Booten erlaubt bis zu 44 Tage lang ohne Schnorchel getaucht bei einer Geschwindigkeit von etwa vier Knoten betrieben zu werden.[2] Entwickelt wird dieser von Hynergreen, einer Tochterfirma von Abengoa, und basiert auf Polymerelektrolytbrennstoffzellen, die über einen Bioethanol-Reformer mit Wasserstoff versorgt werden.[3] Der bei diesem Prozess anfallende Kohlenstoffdioxid wird durch ein von Bionet Ingeniería entwickeltes System ins Meerwasser abgeleitet.[4] Angetrieben wird das Boot durch einen 3.500 kW Permanentmagneterregungs-Synchronmotor von Cantarey (einem Tochterunternehmen der Gamesa Gruppe).[3]

Bewaffnung[Bearbeiten]

Die U-Boote der S-80A-Klasse verfügen über sechs 533-mm-Ausstoß-Torpedorohre. Die Torpedos werden hier nicht schon im Rohr gestartet, sondern mit Druckwasser aus dem Rohr ausgestoßen und laufen erst kurze Zeit später an, um eine Ortung des Bootes beim Abschuss zu verhindern. Über die Rohre können neben DM2A4 Seehecht Torpedos auch Seezielflugkörper des Typs UGM-84 Sub-Harpoon Block II sowie UGM-109 Tomahawk Marschflügkörper abgefeuert werden. Insgesamt können bis zu 18 Torpedos oder Flugkörper mitgeführt werden, alternativ dazu auch bis zu 36 Seeminen.

Elektronik[Bearbeiten]

Die S-80A-Klasse verfügt über ein von Lockheed Martin entwickeltes Sonarset bestehend aus Zylindersonar am Bug, Flankensonar, passives Entfernungsmesssonar, Abfangsonar für feindliche Sonarsignale und aktivem Hochfrequenzsonar. Ein Eigengeräuschkontrollsystem sowie das Schleppsonar werden vom spanischen Unternehmen S. A. de Electrónica Submarina (SAES) erzeugt. Als Optische Sensoren stehen Angriffs- und Überwachungs-Sehrohre von Kollmorgen Electro-Optical/Calzoni zur Verfügung.[3] Für die Navigation im aufgetauchten Zustand sorgt ein ARIES-S LPI Radar von Indra Sistemas.

Das Führungs- und Waffeneinsatzsystem wurde von Lockheed Martin in Zusammenarbeit mit Navantia FABA entwickelt und basiert im Wesentlichen auf dem der Virginia-Klasse. Die Steuerung des Einsatzsystems erfolgt über zwölf von Sainsel produzierte CONAM SUB Konsolen.

Einsatzprofil[Bearbeiten]

Neben den klassischen Einsatzprofilen eines Jagd-U-Boots, im Wesentlichen der Bekämpfung von Über- und Unterwasserschiffen sowie der Aufklärung, sind die Boote der S-80-Klasse auch für taktische Angriffe auf Landziele und zur Unterstützung amphibischer Operationen in Küstennähe konzipiert. Darüber hinaus kann eine bis zu acht Mann starke Spezialeinheit wie Kampfschwimmer mitgeführt werden, die für verdeckte Operationen über eine Druckschleuse das Boot verlassen und wieder betreten können.

Einheiten[Bearbeiten]

SpanienSpanien (Nationalflagge) Spanien

Benannt werden die vier Einheiten nach den spanischen U-Boot-Pionieren Isaac Peral, Narciso Monturiol und Cosme García sowie nach dem Kommandanten der ersten U-Boot-Flottille der Armada Mateo García de los Reyes. Die in der Tabelle aufgeführten Stapellauf- und Indienst-Termine werden sich durch die weiter oben erwähnten Stabilitäts-Probleme deutlich verschieben.

Kennung Name[5] Kiellegung Stapellauf Indienststellung
S-81 Isaac Peral 2006
S-82 Narciso Monturiol 2007 2017Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren (geplant)
S-83 Cosme García 2008
S-84 Mateo García de los Reyes 2009

Export[Bearbeiten]

Da die spanische Marine sich letzten Endes nur für den Kauf von vier statt den ursprünglich bis zu acht geplanten Einheiten entschied, strebt Navantia danach die Boote am Exportmarkt zu platzieren. Da die meisten am Markt befindlichen Konkurrenzprodukte, im wesentlich AIP-Jagd-U-Boote wie die U-Boot-Klasse 214, die Scorpène-Klasse oder die schwedische A26-Klasse, in der Regel kleiner und nicht für Angriffe auf Landziele ausgelegt sind, rechnet man sich gute Chancen aus. Lediglich die japanische Sōryū-Klasse ähnelt dem spanischen Design, wird aber nicht international angeboten.[6] Interesse haben bislang unter anderem schon die Royal Australian Navy sowie die Norwegische, Indische und Thailändische Marine bekundet.[7][8]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steve Tallantyre: €530m bill for Spain's 'sinking submarines'. thelocal.es, 20. Mai 2013, abgerufen am 24. Mai 2013 (englisch).
  2. Las entrañas del ‘Tiburón Negro’ in: navantia.es aus: Revista española de defensa Nr.: 274, Juni 2011, abgerufen am 17. Oktober 2011 (Spanisch)
  3. a b c Spain’s S-80A submarine comes up to the surface in: navantia.es aus: Jane’s Navy International December 2007, abgerufen am 2. September 2010 (Englisch)
  4. La empresa Bionet crea un sistema para la eliminación de CO2 de los submarinos S-80 in: iies.es, abgerufen am 2. September 2010 (Spanisch)
  5. Defensa asigna los nombres de los cuatro ‘padres’ del submarino para los S-80 que construye Navantia. In: murciaeconomía.com. 30. Januar 2012, abgerufen am 30. Januar 2012.
  6. Navantia’s Type S-80 in: navantia.es aus: Naval Forces, Nr. III/2010, abgerufen am 2. September 2010 (Englisch)
  7. Navantia aumenta sus posibilidades de construir doce S-80 para Australia in: laverdad.es, abgerufen am 2. September 2010 (Spanisch)
  8. Finaliza la construcción del casco resistente del primer submarino de la serie 80 in: infodefensa.com, abgerufen am 12. Oktober 2010 (Spanisch)