SBB Cargo

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Schweizerische Bundesbahnen SBB Cargo AG
Unternehmensform Aktiengesellschaft
Gründung 1999
Unternehmenssitz Basel, Schweiz
Unternehmensleitung

Nicolas Perrin
(CEO)
Andreas Meyer
(VR-Präsident)

Mitarbeiter

4'406 (2007)

Umsatz

1,269 Mrd. CHF (2007)

Branche Transportunternehmen
Produkte

Güterverkehr

Website

www.sbbcargo.com

Durchdiealpen.ogg
Güterzug auf dem Weg durch die Alpen
Container unterwegs nach Süden.ogg
Container auf der Nord-Süd-Achse

SBB Cargo ist das im Schienengüterverkehr tätige Tochterunternehmen der Schweizerischen Bundesbahnen von der sie als Division Güterverkehr geführt wird. 1999 wurde die SBB als ehemaliger Regiebetrieb des Bundes als Folge der ersten Bahnreform in der Schweiz in eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft umgewandelt und in die drei unabhängigen Divisionen Personenverkehr, Güterverkehr und Infrastruktur aufgeteilt. Der Hauptsitz der Schweizerische Bundesbahnen SBB Cargo AG, wie das Unternehmen juristisch heisst, ist Basel. SBB Cargo wird von Nicolas Perrin geleitet und hat rund 4400 Mitarbeitende. Das Unternehmen hat von seinem Eigner – die Schweizerische Eidgenossenschaft – den Auftrag, in der Schweiz im Rahmen der Eigenwirtschaftlichkeit ein flächendeckendes Netz für den Wagenladungsverkehr zu betreiben und im Transit mit qualitativ hochstehenden Gütertransporten massgeblich zur Verkehrsverlagerung von der Strasse auf die Schiene beizutragen.

SBB Cargo ist marktführend im Schweizer Schienengüterverkehr und die Nummer zwei auf der alpenquerenden Nord-Süd-Achse, das heisst von den Nordseehäfen und Deutschland nach Italien. Mit dem Anschluss von Rotterdam an das stark erweiterte internationale Netzwerk für Wagenladungs- und Haus-Haus-Transporte werden seit Mai 2007 auch Transporte von oder nach den Niederlanden angeboten. Im Juni 2007 haben SBB Cargo und die französische Güterbahn FRET SNCF eine gemeinsame grenzüberschreitende Produktion zwischen Mülhausen und Buchs SG vereinbart, die den grenzüberschreitenden Ost-West-Gütertransport auf dieser Strecke vereinfacht und die Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Strasse steigern soll.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Strategische Ausrichtung

Seit der europäischen Bahnliberalisierung stehen die Streckennutzungsrechte allen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) offen. SBB Cargo verfolgt im Nord-Süd-Verkehr eine offensive Wachstumsstrategie und baut ihre Dienstleistungen kontinuierlich aus. Ihr erklärtes Ziel ist es, zwischen den Nordseehäfen und Norditalien als Güterbahn die Marktführerschaft zu erlangen. Dabei setzt sie auf durchgehende Transportverantwortung. Um diese wahrnehmen zu können, hat sie Tochtergesellschaften in Deutschland und in Italien gegründet. Die Unternehmen operieren in den jeweiligen Ländern mit eigenen Lokomotiven und eigenem Personal. SBB Cargo steht damit in direkter Konkurrenz zu anderen Güterbahnen in Deutschland und Italien.

Mit dieser strategischen Entscheidung positionierte sich SBB Cargo auf der europäischen Nord-Süd-Achse früh als grenzüberschreitender Qualitätsanbieter („alles aus einer Hand“) und konnte im internationalen Geschäft die transportierte Menge und den Umsatz jedes Jahr markant steigern. Der Markteintritt in Deutschland und Italien war allerdings auch mit hohen Investitions- und Aufbaukosten verbunden. Der intensive Wettbewerb auf der Nord-Süd-Achse führte zu einem hohen Druck auf die Preise. SBB Cargo erreichte die für die erbrachten Leistungen nötigen Preise nicht. Der Wegfall von lukrativen Transitverkehren auf der ehemaligen Monopolstrecke durch die Schweiz erfolgte schneller als erwartet und erzwang eine wiederholte Anpassung der Kostenstrukturen durch Personalreduktion. Die Kostenstruktur von SBB Cargo mit seiner für Europa mittleren Grösse ist jedoch immer noch so ungünstig das regelmässig rote Zahlen geschrieben werden.

In der Schweiz wurde wie in keinem anderen Land Westeuropas der Schienengüterverkehr früh und umfassend liberalisiert. Als Folge davon verlor SBB Cargo als Ex-Monopolist auf der begehrten Nord-Süd-Achse am Gotthard rasch Marktanteile. Die im Binnenverkehr auf den kurzen Transportdistanzen des Schweizer Netzes erwirtschafteten Erträge erlauben es dem Unternehmen nicht, den notwendigen Aufbau im Ausland und die mittel- und langfristigen Ersatzinvestitionen für Anschlussgleise und veraltetes Rollmaterial aus dem laufenden Betrieb zu finanzieren. Zudem wurden die Beiträge des Bundes für den Wagenladungsverkehr (Einzelwagen und Wagengruppen) seit 2002 von rund 70 Millionen Franken bis 2008 auf Null reduziert. SBB Cargo erreicht mit der eigenen Instandhaltung keine wettbewerbsfähigen Preise für das eigene Rollmaterial. Für die Wartung der Fahrzeugflotte von SBB Cargo sollen künftig verstärkt die Unterhaltskapazitäten des Personenverkehrs genutzt werden, um in diesem Bereich zusätzliche Synergien zu erzielen.

Die Strategie von SBB wird kontinuierlich weiter überprüft und weiterentwickelt. Laut einer Medienmitteilung vom 6. März 2008 hat sich “im internationalen Verkehr (…) die grenzüberschreitende Produktion aus einer Hand von SBB Cargo auf der Nord-Süd-Achse bewährt und soll weiter entwickelt werden. Im zunehmend sich konsolidierenden europäischen Schienengüterverkehrsmarkt ist SBB Cargo auf die Zusammenarbeit mit Partnern oder Gruppierungen mehrerer Partnerbahnen angewiesen, um langfristig im Markt zu bestehen. Für die europäischen Güterbahnen ist es notwendig und sinnvoll, in Zukunft eng zusammenzuarbeiten, um die Position der Bahnen im intermodalen Wettbewerb zu stärken. Derzeit prüft die SBB mehrere Kooperationsfelder.“ Die verschiedenen Angebote werden danach beurteilt, ob sie einen nachhaltigen Beitrag zur strategischen Positionierung leisten, ob Geschäftsrisiken in nennenswertem Umfang mitgetragen werden und ob Beiträge zur Optimierung des Geschäftsergebnisses geleistet werden.

[Bearbeiten] SBB Cargo Schweiz

Im Binnenmarkt bedient SBB Cargo mit ihrem Grundnetz 323 Güterzustellpunkte. Darüber hinaus werden 200 kundenspezifische Transportstrecken gefahren, die ausserhalb des Grundnetzes liegen. In der Schweiz wird der Güterverkehr über die drei grossen Rangierbahnhöfe (Verschiebebahnhöfe) Basel-Muttenz, Zürich-Limmattal und Lausanne-Triage abgewickelt. Betrieben werden die Rangierbahnhöfe von SBB Infrastruktur.

Die wichtigste Transitachse ist die Gotthardroute. Die zweite alpenquerende Achse durch den Lötschberg- und den Simplontunnel wird vor allem von der Mitbewerberin BLS Cargo benutzt. Dennoch wird auch sie von SBB-Cargo-Zügen befahren. Im schweizerischen alpenquerenden Verkehr hat die Schiene mit 65 % europaweit den grössten Marktanteil.

[Bearbeiten] Streik 2008

Nachdem die SBB Cargo 2007 ein Rekorddefizit von 190,4 Millionen Franken eingefahren hat, verabschiedete der Verwaltungsrat der SBB am 6. März 2008 ein umfassendes Restrukturierungsprogramm für die Güterbahn. Es soll mittelfristig zu Ergebnisverbesserungen von jährlich über 70 Mio. Franken führen. Die geplante Streichung von 401 Stellen führte zu heftigen Protesten. Unter anderem sollten 114 der 142 Stellen beim Unterhaltsdienst für die Cargo-Loks in Bellinzona verschwinden, die übrigen 28 Stellen nach Yverdon und Chiasso verlegt werden. Daraufhin gingen die 430 SBB-Angestellten in Bellinzona in den Streik. [1] [2] [3] Nach dessen Ende wird nun an einem Runden Tisch über die Zukunft des Werks weiter verhandelt. Als Mediator hat der Bundesrat den ehemaligen Urner Nationalrat und ehemaligen FDP-Präsidenten Franz Steinegger eingesetzt. Die Tessiner Werkstätte hat eine Zukunft, muss aber rentabler werden. Bis 2010 soll das Resultat des Industriewerks um mindestens 10 Mio. Franken verbessert werden. Die eingesetzte Arbeitsgruppe soll das Programm nun vertiefen und Lösungen für noch nicht bereinigte Punkte suchen.

[Bearbeiten] SBB Cargo Deutschland

SBB Cargo Deutschland wurde 2002 gegründet und hat ihren Sitz in Duisburg. Das Unternehmen, das zu 100 % SBB Cargo gehört, plant, disponiert und fährt Güterzüge in Deutschland. Destinationen/Abfahrtsorte für Wagengruppen/Ganzzüge in Deutschland sind Duisburg, Köln, Aachen, Rheinhausen, Siegen, Saarbrücken, Ludwigshafen/Mannheim, Karlsruhe, Freiburg im Breisgau, Singen, Lübeck, Bremerhaven/Bremen, Hamburg, Kehl, Vohburg/Neustadt, Dortmund/Bochum, Gelsenkirchen, Ingolstadt, Neuss, Gießen/Mainzlar, Weil am Rhein. Plattformen für den Umschlag Schiene/Strasse in Deutschland sind Bremen, Duisburg, Worms, Weil am Rhein.

SBB Cargo Deutschland ist seit dem 30. Oktober 2007 anerkannter Ausbildungsbetrieb.

[Bearbeiten] SBB Cargo Italia

SBB Cargo Italia wurde 2003 gegründet und hat ihren Sitz in Gallarate. Das Unternehmen gehört ebenfalls zu 100 % SBB Cargo und plant, disponiert und führt Güterzüge in Italien. Ausserdem bildet es auch Lokomotivführer aus. Seit dem Frühjahr 2008 fährt SBB Cargo auch bis nach Bologna und verstärkt damit die Zusammenarbeit mit ERS Railways – seitdem sind wöchentlich 36 Containerzüge zwischen Rotterdam und Norditalien unterwegs.

Destinationen/Abfahrtsorte für Wagengruppen/Ganzzüge in Italien sind Desio, Lecco, Oggiono, Molteno, Carimate, Gallarate, Novara, Melzo, Brescia, Padua, Trecate, Turin, Verzuolo, Parma und Bologna.. Plattformen für den Umschlag Schiene/Strasse in Italien sind Desio, Lonato, Brescia, Camnago-Lentate und Turin.

[Bearbeiten] Dienstleistungen

Ihre Dienstleistungen unterteilt SBB Cargo in die Kategorien Haus-zu-Haus-Logistikkonzepte mit Wagenladungen (Produkte Cargo Rail und Cargo Express) Ganzzüge (Produkt Cargo Train) sowie den kombinierten Verkehr (Traktionsleistungen für KV-Shuttlezüge aller wichtigen Operateure wie Hupac, ERS, ICF sowie Produkt Cargo Domino). Dabei werden sowohl standardisierte Produkte als auch individuelle Kundenlösungen angeboten. Im September 2007 schloss SBB Cargo mit Hupac einen neuen Rahmenvertrag für 2008 bis 2010 ab; der Verkehrstakt bei bestehenden Relationen wurde erhöht. Auch für Intercontainer (ICF) bedient SBB Cargo eine neue Relation und verdichtete auf bestehenden Strecken die Frequenz.

[Bearbeiten] Rollmaterial

4-System-Lok Re 484 von SBB Cargo
Diesellok Typ Am 843 von SBB Cargo

SBB Cargo hatte Mitte 2008 rund 10.500 Güterwagen im Umlauf (davon mehr als ein Viertel lärmarme). Für den Verkehr Schweiz–Deutschland hat SBB Cargo 50 Zweisystem-Güterzuglokomotiven Re 482 beschafft, 15 davon können zudem in Österreich eingesetzt werden. Für die Traktion Schweiz–Italien setzt SBB Cargo Zweistromlokomotiven ein: 18 Lokomotiven vom Typ Re 484, 12 Lokomotiven vom Typ Re 474. Dazu kommen 3 Diesellokomotiven vom Typ Am 840 für nicht elektrifizierte Strecken. Insgesamt stehen bei SBB Cargo heute 466 Streckenlokomotiven im Dienst. Dazu kommen 215 Rangierlokomotiven und -traktoren. Für den Schweizer Binnenverkehr und den Einsatz in Deutschland setzt SBB Cargo zudem 45 neue Rangierdiesellokomotiven mit umweltfreundlichem Russpartikelfilter ein. Sie ermöglichen eine wirtschaftlichere Produktion und sind mit Funkfernsteuerungen ausgerüstet.

[Bearbeiten] Kennzahlen

Im Jahr 2007 realisierte SBB Cargo eine Verkehrsleistung von 13,37 Milliarden Nettotonnenkilometern, ein Zuwachs von 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Den Löwenanteil produziert die SBB-Tochter dabei im alpenquerenden Verkehr durch die Schweiz. Während das Schweizer Geschäft um 4,8 % zurückging, stieg die Verkehrsleistung in Deutschland erneut um über 30 % auf knapp 3,9 Milliarden Nettotonnenkilometer, in Italien um mehr als 51 %. Damit fährt SBB Cargo über 35% der gesamten Transportleistung im Ausland.

Im Jahr 2007 verzeichnete die Gütersparte der SBB einen massiven operativen Verlust von CHF -87,9 Mio. Im Vorjahr hatte SBB Cargo einen Verlust von insgesamt CHF -37,3 Mio. ausgewiesen. Im Zusammenhang mit der notwendigen Restrukturierung und Repositionierung von SBB Cargo mussten 2007 Rückstellungen von insgesamt CHF 102,5 Mio. für Personalmassnahmen, Rückbau und Sonderabschreibungen vorgenommen werden. SBB Cargo schloss das Geschäftsjahr 2007 mit einem Verlust von insgesamt CHF -190,4 Mio.

[Bearbeiten] Weitere Beteiligungen

Nebst den 100-%-Beteiligungen an SBB Cargo Italia Srl und SBB Cargo Deutschland GmbH hält SBB Cargo auch das gesamte Aktienkapital der ChemOil Logistics AG in Basel (Transporte von Chemikalien und Mineralölprodukten) sowie Minderheitsanteile an der RAlpin AG, Bern (30 %), an der Hupac SA, Chiasso (23,85 %) und der Termini SA, Chiasso (20 %).

[Bearbeiten] Quellen

  1. SBB Cargo überprüft Bellinzona-Entscheid Swissinfo, 26. März 2008
  2. [1] Basisgruppe Bahn zum Streik bei SBB Cargo
  3. [2] unabhängige Berichterstattung zum Streik

[Bearbeiten] Weblinks

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