SBB RABDe 8/16

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SBB RABDe 8/16
RABDe 8/16 im HB Zürich 1982
RABDe 8/16 im HB Zürich 1982
Nummerierung: 2001–2004
RABDe 511 000–003 (UIC)
Anzahl: 4
Hersteller: SWS, SIG, SAAS, Schindler Waggon
Baujahr(e): 1976
Ausmusterung: 1997
Achsformel: Bo'Bo'+2'2'+2'2'+Bo'Bo'
Länge über Puffer: 100.000 mm
Leermasse: 149,0 t
Höchstgeschwindigkeit: 125 km/h
Anfahrzugkraft: 187 kN
Sitzplätze: 278
54 (1. Klasse)
224 (2. Klasse)
Regionalzug nach Rapperswil in Zürich

RABDe 8/16 ist die Bezeichnung für ein Schweizer Eisenbahnfahrzeug.

Diese Fahrzeuge stellten eine konsequente Weiterentwicklung der RABDe 12/12-Triebzüge dar. Sie waren wie die RABDe 12/12-Triebzüge auf hohe Beschleunigung für Regionalverkehr ausgelegt, erreichten dieses Ziel aber weniger über hohe Antriebsleistung, sondern über niedriges Gewicht. Es wurden vier 1970 bestellte Prototypen gebaut, diese wurden aber bereits 1997 ausgemustert und inzwischen abgebrochen – die «Chiquita» gehören damit zu denjenigen SBB-Fahrzeugen mit der kürzesten Betriebsdauer.

Die ersten Entwürfe sahen noch ein dreiteiligen Zug, sprich ein ABDe 8/12 vor.[1] Der Triebzug wurde aber noch während des Baus um einen antriebs-losen Mittelwagen 2. Klasse verlängert. So dass er am bei Auslieferung als vierteiliger Zug, die Achsfolge Bo'Bo'+2'2'+2'2'+Bo'Bo hatte. Die Triebzüge hatten die ursprünglichen Nummern 1121–1124. Schon beim Bau der Zugseinheiten bogen sich die Wagenböden «wie eine Banane» durch, weshalb die Züge den Beinamen «Chiquita» erhielten. Mit ihrem einzigartigen violett-gelben Farbanstrich und der völlig neuartigen Front zogen sie viele Eisenbahnfans in ihren Bann.

Konstruktion und Technik[Bearbeiten]

Um das geringe Gewicht von 149 t für einen vierteiligen Zug zu erreichen, wurde konsequent die damals revolutionäre Leichtbauweise aus Aluminium eingesetzt. Die Fahrzeuge litten aber darunter, dass noch die Erfahrung mit dieser Leichtbauweise fehlte, es konnte sogar ein Durchhängen des Wagenkastens beobachtet werden mit allen damit verbundenen Problemen, hauptsächlich mit den Türen. Diese Schwächen führten dazu, dass es bei den vier Prototypen blieb.

Bezüglich Komfort für die Fahrgäste setzten diese Fahrzeuge neue Standards, hauptsächlich dank dem tiefen Boden und den grosszügigen, von Anfang an automatischen Türen. Neu war auch die Antriebstechnik: so wurden leichte und kleine Gleichstrommotoren eingesetzt, die mit einer Thyristorsteuerung stufenlos betrieben werden konnten, im Gegensatz zu den groben Stufenschaltern der RABDe 12/12. Die Laufdrehgestelle entsprachen jenen der Einheitswagen III. Auch waren automatische Schwenkschiebetüren eingebaut, die per Knopfdruck geöffnet werden konnten. Bei offenen Türen war eine Abfahrt nicht möglich, und die Türen wurden während der Fahrt automatisch verriegelt. Die Türen konnten auch seiten-selektiv freigegeben werden. Die Türflügel waren so ausgebildet, dass die Trittbretter bei geschlossener Türe abgedeckt waren.

Eine Komposition verfügte über 54 Sitzplätze erster und 224 Sitzplätze zweiter Klasse, der Zwischenwagen erster Klasse verfügte zudem über ein Gepäckabteil.

Marketingfachleute der SBB hatten die Idee, alle Regionalverkehrsmittel wie die NPZ-Kompositionen und die Doppelstockzüge der Zürcher S-Bahn einheitlich zu designieren. Die Trieb- und Steuerwagen des Neuen Pendelzüge (NPZ) sind äusserlich eine Weiterentwicklung der Chiquitas. Auch die Schwenktüren wurden nach dem Vorbild des RABDe 8/16 installiert.

Ablieferungen;
Nr. 2001 27 Januar 1976
Nr. 2002 18 Mai 1976
Nr. 2003 13 April 1976
Nr. 2004 31 August 1976

Betrieb[Bearbeiten]

Die Fahrzeuge wurden im Betrieb nicht getrennt. Weil kein Hochspannungskabel durch den Zug vorhanden war, wurden beide Triebköpfe mit eigenen Stromabnehmern ausgestattet. Sie verfügten ausserdem über je einen Führerstand und über eine automatische +GF+-Kupplung. Die Fahrzeuge verfügten alle über Vielfachsteuerung, wobei technisch gesehen alle vier Einheiten zusammen verkehren konnten, wofür aber die Perronlänge normalerweise nicht ausreichte. Mechanisch kuppelbar waren sie mit den RABDe 12/12.

Die Chiquitas wurden ab 1976 auf dem rechten Seeufer des Zürichsees eingesetzt. Die fahrplanmässige Fahrten wurden von der Nummer 2001 auf der Linie Zürich–Meilen–Rapperswil am 1. Februar 1976 gemacht[2]. Auf Grund massiver Probleme vor allem mit der Türsteuerung, die auf Grund des Durchhängen der Wagen nicht korrekt funktionierte, waren sie später vorwiegend auf Nebenlinien im Kreis III (Nordostschweiz) tätig. Obwohl bekannt war, dass mit diesen Triebzügen erhebliche Probleme im Betrieb entstanden, wurden diese zuletzt auf der Linie des Fahrplanfeldes 821 Stein am Rhein - Etzwilen - Winterthur im Regelbetrieb eingesetzt. Im Jahre 1990 bzw. 1991 bekamen noch zwei Triebzüge (2001 sowie 2003) die NPZ-Farbgebung und wurden revidiert. Der Triebzug 2001 wurde noch im neuen Kleid auf die Ortsgemeinde Kaltenbach-Etzwilen getauft, als neue Aera auf der Strecke. Der Regelbetrieb der Linie wurde jedoch durch die Pannen der Triebwagen erheblich gestört, sodass sich die SBB 1992 von einem Tag auf den anderen gezwungen sah, alle vier Züge ausser Betrieb zu setzen und alle vier als funktionsunfähig abzuschreiben. Statt sie einer erneuten Revision zu unterziehen, wurden alle vier Züge in den Jahren 1992 und 1993 auf Abstellgleise in Glarus gebracht. Letzter SBB Einsatztag war 7. Januar 1993.

Von 24. August 1993 bis Juli 1994 wurde die Einheit 2003 an die Mittelthurgaubahn vermietet, dann bis Dezember 1994 vom 2004 ersetzt. Dabei wurde jeweils der Mittelwagen B ausgereiht; der AD dagegen musste bleiben, da er einen Teil der Zugssteuerung beherbergte. Per 30. September 1997 wurden alle Chiquitas ausrangiert und 1998 abgebrochen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: SBB RABDe 8/16 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. EA 9/72 Seite 262
  2. EA 3/76 Seite 124