SG Dresden-Friedrichstadt

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Die SG Dresden-Friedrichstadt war ein Dresdner Fußballverein. Der Nachfolger des Dresdner SC wurde 1950 DDR-Vizemeister und wenig später aufgelöst.

Der Verein wurde 1945 als Nachfolgeverein des mehrfachen Deutschen Fußballmeisters Dresdner SC 1898 gegründet, bewahrte aber mit dem alten Wappen, den gleichen Spielern und Anhängern zunächst den Charakter des erfolgreichen Vorgängers. So spielte etwa der spätere Fußballbundestrainer und DSC-Spieler Helmut Schön weiterhin bei der SG Dresden-Friedrichstadt. Die Zuschauermassen strömten wieder in das heimische Stadion Ostragehege, welches inzwischen nach einem antifaschistischen Widerstandskämpfer in Heinz-Steyer-Stadion umbenannt worden war: Die SG Dresden-Friedrichstadt verzeichnete bereits 1949/1950 wieder einen Zuschauerschnitt von 28.000, mehr als das Doppelte des Oberliga-Zuschauerschnitts.

In der ersten Saison der DDR-Oberliga überhaupt wurde die Mannschaft am 16. April 1950 Vizemeister. Die SG Dresden-Friedrichstadt verlor dabei die Tabellenführung erst am letzten Spieltag mit einer 1:5-Heimniederlage vor 60.000 Zuschauern gegen den direkten Konkurrenten ZSG Horch Zwickau. Nach dem Spiel kam es zu schweren Zuschauerausschreitungen: Die Dresdner vermuteten eine Manipulation, um dem ungeliebten bürgerlichen Verein SG Dresden-Friedrichstadt zu schaden. Tatsächlich war das Spiel von einigen äußerst umstrittenen Entscheidungen des Schiedsrichters geprägt. Sportlich gesehen verlief das Spiel allerdings deutlich zugunsten der überlegenen Zwickauer, die sich dadurch den Titel in der Oberliga-Saison 1949/50 sicherten.

Die Frage einer konkreten sportpolitischen Manipulation des „Skandalspiels“ konnte historisch bis heute nicht geklärt werden. Als sicher kann jedoch gelten, dass der Triumph der sozialistischen Betriebssportgemeinschaft Horch Zwickau dem sportpolitischen Plan der SED-Führung stark entgegenkam. So kommentierte Manfred Ewald, damals Leiter der Abteilung Sport im Deutschen Sportausschuss, das Ergebnis folgendermaßen:

„Besonders aber begrüßen wir es, dass die Sportler der großen Betriebssportgemeinschaft eines volkseigenen Betriebes diesen Sieg errungen haben. [...] Und darum werden die provokanten Ausschreitungen nach dem Spiel der Anlass dazu sein, nun erst recht die Arbeit in den Betriebssportgemeinschaften zu verstärken“ [1]

Die praktische Folge dieser Sportpolitik war die Auflösung und formale Angliederung der SG Dresden-Friedrichstadt an den unterklassigen VVB Tabak Dresden im Mai 1950. Aus Protest gegen diese Entscheidung verließen nahezu alle noch verbliebenen Spieler den Verein in Richtung Bundesrepublik bzw. West-Berlin (allein elf von ihnen schlossen sich Hertha BSC an, wo sie Verträge unterschrieben, auch Helmut Schön war als Spielertrainer dabei). Den Friedrichstädter Oberliga-Platz sollte zunächst die Tabak-Elf übernehmen, für die einige der bisherigen Spieler des Vizemeisters im Mai 1950 auch in zwei oder drei Freundschaftsspielen aufliefen.[2] Nach deren Abwanderung zu Hertha BSC verblieb Tabak jedoch in der Landesklasse und den vakanten Platz in der Oberliga übernahm die SG Volkspolizei Dresden – die Mannschaft, die noch am „Skandalspieltag“ im Vorspiel gegen Volkspolizei Plauen angetreten war.

In Berlin wurden die meisten Dresdner Spieler nicht dauerhaft heimisch. Acht von ihnen wanderten 1951 nach Heidelberg weiter und schlossen sich dem dortigen – eigens umbenannten – DSC Heidelberg an; die Buchstaben standen für Dresdner SC. Die Hoffnung, mit dieser Mannschaft als Vertragsspieler in der 2. Liga Süd antreten zu können, erfüllte sich nicht, doch wurde der Verein im Jahr darauf in die Amateurliga Nordbaden „befördert“, wobei er zwei Spielklassen übersprang.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andreas Baingo, Michael Horn: Die Geschichte der DDR-Oberliga. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2004, ISBN 3895334286, S. 18.
  2. Neue Fußball-Woche, z. B. Bericht vom Spiel Empor Lauter gegen Tabak Dresden, Mitte Mai 1950.