SG Stahl Brandenburg

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Dieser Artikel erläutert die Sportgemeinschaft Stahl Brandenburg; zum Fußballverein BSV beziehungsweise FC Stahl Brandenburg siehe BSV Brandenburg.
Stahl Brandenburg
Logo
Name Sportgemeinschaft Stahl Brandenburg e.V.
Vereinsfarben blau-weiß
Gegründet 20. November 1950
Gründungsort Brandenburg an der Havel
Vereinssitz Bremer Straße 9
14770 Brandenburg an der Havel
Abteilungen 9
Vorsitzender Helga Blawid
Homepage www.sg-stahl.de

Die SG Stahl Brandenburg ist ein Sportverein in der Stadt Brandenburg an der Havel. Der Verein wurde am 20. November 1950 als BSG Stahl Brandenburg gegründet. Bedeutende Abteilungen früherer Jahrzehnte waren beispielsweise der Fußball und der in der höchsten Spielklasse, der Oberliga spielende Handball. Heute sind die Abteilungen Behindertensport, Bowling, Billard, Tischtennis, Kraftsport, Flossenschwimmen, Boxen, Gymnastik und Rugby dem Verein angegliedert.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die BSG Stahl Brandenburg war eine der größten Betriebssportgemeinschaften der DDR. Zeitweise über 2.000 Mitglieder betrieben im Werksverein des Stahl- und Walzwerkes Brandenburg Sport. So gab es zu Hochzeiten mehr als fünfzehn Sektionen. Dies waren unter anderem Fußball, Handball, Rugby, Rudern, Kanu, Leichtathletik, Volleyball, Billard, Schach, Tischtennis, Kegeln, Badminton, Gymnastik, Kraftsport, Boxen und Segeln. Daneben war der BSG ein Spielmannszug angegliedert. Viele der ehemaligen Sektionen wurden im Zuge der Wende in der ehemaligen DDR aufgelöst oder gliederten sich aus. Die Sportler Stahl Brandenburgs konnten zahlreiche nationale und internationale Erfolge erringen. Die Kanutin Birgit Fischer gewann bei Olympischen Spielen beispielsweise achtmal Gold und viermal Silber, womit sie die erfolgreichste deutsche Olympionikin der Geschichte ist. Überregional bekannt wurden auch die Fußballer, die sieben Jahre in der Oberliga spielten und 1986 sogar am UEFA-Pokal teilnahmen. Nach der Wiedervereinigung spielte man noch für eine Saison in der 2. Bundesliga, ehe der sportliche Niedergang und später die Auflösung und eine Neugründung folgten. Auch die Handballer spielten in der DDR-Oberliga und für eine Saison in der Bundesliga. 1992 erfolgte die Ausgliederung als HV 92 Brandenburg. Im weiteren Verlauf und bei anhaltendem sportlichen Niedergang löste sich auch die Handballabteilung auf.[2] Viele der ausgelösten oder neugegründeten Abteilungen, die nicht zur SG gehören, führen auch heute noch den Namen Stahl. So firmieren die Fußballer als FC Stahl, die Kanuten als WSV Stahl Beetzsee[3] und der Spielmannszug als FTV Stahl[4] aufgrund ihrer Geschichte unter dem alten Namen.

Abteilungen[Bearbeiten]

Rugby[Bearbeiten]

Stahl Brandenburg
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Voller Name Sportgemeinschaft Stahl Brandenburg e.V.
Ort Brandenburg an der Havel, Deutschland
Gegründet 1959 (BSG Motor Nord)
1962 (BSG Stahl Brandenburg)
Vereinsfarben blau-weiß
Stadion Medizinsportplatz
Plätze 2
Trainer Torsten Busse
Homepage www.rugby-brandenburg-havel.de
Liga Regionalliga Nordost
Regionalliga Nordost 2012/2013 5. Platz
Heim
Auswärts
Rugbyfeld auf dem Medizinsportplatz

Im Zuge eines Länderspiels zwischen der Nationalmannschaft der DDR und dem Team Rumäniens am 12. Oktober 1958 auf dem Werner-Seelenbinder-Sportplatz in Brandenburgs Stadtteil Nord, dem mehr als 3000 Zuschauer beiwohnten und in dem die DDR ihr einziges Unentschieden in ihrer Länderspielgeschichte gegen die Rumänen erzielte, wurde eine Sektion Rugby an der damaligen Thälmannwerft gegründet. Im Jahr 1959 schloss sich die neugegründete Sportabteilung der BSG Motor Nord, der Betriebssportgemeinschaft der Werft an. Da die Thälmannwerft 1962 geschlossen und in diesem Zusammenhang die BSG Motor Nord aufgelöst wurde, mussten sich die Rugbyspieler einen neuen Heimatverein suchen und traten so der BSG Stahl Brandenburg bei. 1975 gewann die Jugendmannschaft Stahls die DDR-Meisterschaft.[5]

Mit dem Beginn der 1980er wurde der Medizinsportplatz hinter der damaligen Bezirksnervenklinik zu einem Rugbyplatz umgebaut und ist seitdem Heimstätte der Abteilung. Das Team spielte zu dieser Zeit in der ersten, der Oberliga der DDR. Ihren größten Erfolg erzielte Stahl Brandenburg in der Saison 1987/88 unter dem damaligen Trainer Gerd Wendler, als man hinter Stahl Hennigsdorf Zweiter und somit DDR-Vizemeister werden konnte und sich als Spitzenmannschaft etablierte. In dieser Zeit waren fünf Spieler, unten ihnen die Brüder Torsten Busse und Helmut Busse, Mitglieder der Nationalmannschaft. Zweieinhalb Jahre später, im Jahr 1990 wurden die A-Schüler unter dem Trainergespann Holger Thomas und Reiner Hermann letzter Meister der DDR.[6]

Mit der politischen Wende verließen viele Spieler den Verein oder beendeten ihre sportliche Laufbahn. Dies wurde zu einem derartigen Problem, dass man über die Auflösung der Abteilung Rugby nachdachte. Es folgte eine schrittweise Konsolidierung, sodass in der Spielzeit 1999/2000 nach einem zweiten Platz in der Regionalliga Ost und einer folgenden erfolgreichen Qualifikationsrunde der Sprung in die 2. Bundesliga gelang.[7] Wichtiger Spieler jener Zeit war der vom USV Potsdam nach Brandenburg gewechselte ehemalige Nationalspieler Jens Riechers. Brandenburg konnte sich zwei Spielzeiten in der Liga halten, ehe der Abstieg zurück in die Regionalliga folgte.[8] 2004/2005 konnte man die Meisterschaftsrunde der Regionalligen im Nordosten für sich entscheiden und somit den Wiederaufstieg feiern.[9] In der darauf folgenden Spielzeit wurde Brandenburg nach Siegen gegen die anderen brandenburgischen Zweitligavereine Hennigsdorf, Potsdam und Hohen Neuendorf in der Endabrechnung Fünfter und schaffte sicher den Klassenerhalt.[10] Dies war zugleich die beste Platzierung der Nachwendezeit, die Brandenburg erzielen konnte. Eine Spielzeit später, 2007 wurde man abgeschlagen Letzter der 2. Bundesliga Nord und stieg wieder in die Regionalliga ab. [11] Seit diesem Abstieg verschlechterte sich Brandenburg sportlich von Saison zu Saison und spielt trotz Ligareform, die eine Aufstockung der Bundesligen und in diesem Zusammenhang ein Abziehen von gegnerischen Mannschaften aus den unteren Ligen in die 1. und 2. Bundesliga mit sich brachte, im unteren Bereich der Regionalliga Ost.

Erfolge
  • DDR-Oberliga: 2. Platz 1988

Flossenschwimmen[Bearbeiten]

Die Gründung einer Sektion Tauchsport in Brandenburg an der Havel geht auf das Jahr 1960 zurück. Damals lief die heutige Sektion als Grundorganisation der Gesellschaft für Sport und Technik. Nachdem die GST im Jahr 1989 aufgelöst wurde, mussten sich die Taucher und Flossenschwimmen neu orientieren. Statt einen eigenständigen Verein zu gründen, schloss man sich dem damaligen BSV Stahl Brandenburg an. Die Sektion wurde Mitglied im Verband Deutscher Sporttaucher und entwickelte sich zu einem im nationalen und internationalen Maßstab sehr guten Verein. So erzielten Brandenburger Taucher und Flossenschwimmer gute Platzierungen bei Welt-, Europa- und Deutschen Meisterschaften. Aufgrund der erfolgreichen Arbeit der Abteilung entschloss sich der Landessportbund in Brandenburg einen Landesleistungsstützpunkt zu etablieren. Aufgrund der hervorragenden Nachwuchsarbeit wurde die Abteilung 2000 mit dem Grünen Band für vorbildliche Talentförderung im Verein ausgezeichnet.[12]

Tischtennis[Bearbeiten]

Anfang 1950 gründeten sportinteressierte Arbeiter des Stahl- und Walzwerk Brandenburg die Sektion Tischtennis in der BSG Stahl Brandenburg. 1964 brannte die Sporthalle der Abteilung an der Gördenbrücke vollständig aus. Drei Jahre später konnte nach Umbau Räume in der ehemaligen Opelkantine, die heutige Sporthalle an der Gördenbrücke in Betrieb genommen werden. In der Folge etablierte sich die Sektion und Tischtennisspieler von Stahl Brandenburg gehörten zu den Besten des Bezirkes Potsdam. So erzielte man die größten Erfolge in den 1970er Jahren. In einer Saison gelang es der BSG sogar alle Einzel- und Mannschaftstitel des Bezirkes zu erringen. Im Nachwuchsbereich gehörte Stahl Brandenburg zu den nationalen Spitzenvereinen. Vor der politischen Wenden fanden in Brandenburg auch regelmäßig Länderspiele, DDR-Meisterschaften, Bezirksmeisterschaften und Leistungsklassenturniere statt. Mit der politischen Wende 1989/1990 hatte die Abteilung Tischtennis etwa 85 Mitglieder. In den folgenden Jahren wuchs diese Zahl auf etwa 100 an, wovon 40 Prozent im Kinder- und Jugendbereich trainierten. 13 Mannschaften nahmen zwischenzeitlich am aktiven Wettkampfbetrieb teil. Derzeit sind es zehn Teams.[13]

Ehemalige Abteilungen[Bearbeiten]

Fußball[Bearbeiten]

Heimstätte der Fußballer: Stahlstadion
Hauptartikel: BSV Brandenburg#Fußball

Die Fußballabteilung war die bekannteste der BSG Stahl Brandenburg und wurde 1950 gegründet. Bis zum Jahr 1955 spielte der Verein in der fünftklassigen Bezirksklasse. Da die Fußballabteilung der BSG Einheit Brandenburg aufgelöst wurde, übernahm die BSG Stahl deren Startplatz in der viertklassigen Bezirksliga. Bereits drei Jahre später, 1958, stieg der Verein in die II. DDR-Liga auf, stieg jedoch nach einem Jahr wieder ab. Nach dem Wiederaufstieg und dem Etablieren in der dritten Liga gelang 1970 Aufstieg in die DDR-Liga, der zweiten Liga im System des Deutschen Fußballverbandes. Dort entwickelte sich Stahl schnell zur Spitzenmannschaft, sodass man bereits im Jahr 1973 Vizemeister wurde. 1983 gewann die BSG erstmals ihre Staffel, scheiterte jedoch in der Aufstiegsrunde zur DDR-Oberliga. Ein Jahr später folgte der Aufstieg in der erste, in die Oberliga. Nachdem man in der Saison 1985/86 den fünften Platz in der Oberliga einnahm, spielte Stahl Brandenburg in der folgenden Saison im UEFA-Cup, in dem man in der zweiten Runde am späteren Europapokalsieger IFK Göteborg scheiterte. Die Spiele im UEFA-Pokal: In der 1. Runde am 16. September 1986 beim Coleraine FC 1:1 vor 3.000 Zuschauern. Das Tor für Brandenburg erzielte Eberhard Janotta. Im Rückspiel am 1. Oktober 1986 siegte Stahl Brandenburg vor 18.000 Zuschauer durch ein Tor von Frank Jeske 1:0. Das Spiel am 22. Oktober beim IFK Göteborg verlor Brandenburg 2:0, das Rückspiel am 5. November 1986 endete vor 22.000 Zuschauern 1:1 (Torschütze Jan Voß).

Die beste Oberligasaison war die Spielzeit 1987/88, als man in der Endabrechnung den 4. Tabellenplatz einnahm. Nach der politischen Wende trennten sich die Fußball- und die Handballabteilung vom Gesamtverein und firmierte in der Folge als selbstständiger BSV Stahl Brandenburg.

Trainerhistorie
  • von Juli 1972 bis zum März 1974 Wilfried Klingbiel (zwei Saisons)
  • von Juli 1974 bis Juni 1975 Karl Schäffner (eine Saison)
  • vin Juli 1975 bis Juni 1978 Siegfried Ziem (drei Saisons)
  • von Juli 1978 bis Juni 1983 Karl Schäffner (fünf Saisons)
  • von Juli 1983 bis Juni 1985: Heinz Werner (zwei Saisons)
  • von Juli 1985 bis Juni 1989 Peter Kohl (vier Saisons)
  • von Juli 1989 bis März 1990 Gerd Struppert (eine Saison)

Handball[Bearbeiten]

Stahlpalast, die ehemalige Stahlsporthalle, in der die Oberliga- und Bundesligaspiele ausgetragen wurden
Hauptartikel: BSV Brandenburg#Handball

Die Handballabteilung der BSG Stahl Brandenburg stieg in einer Spielgemeinschaft mit der BSG Lokomotive Kirchmöser 1986 erstmals in die Handball-DDR-Oberliga, der höchsten Spielklasse auf. Die Spielgemeinschaft trug ihre Heimspiele in der Stahlhalle aus. Die Saison 1986/87 lief wenig erfolgreich. Nach nur eine Spielzeit folgte der Wiederabstieg, nachdem man mit drei Siegen und zwei Unentschieden auf den neunten Platz der Zehnerliga kam. Nach dem sofortigen Wiederaufstieg gelang es der Spielgemeinschaft, sich in der 1988 auf zwölf Mannschaften vergrößerten Oberliga zu behaupten. In der Spielzeit 1988/89 kam man mit fünf Siegen und zwei Unentschieden auf den zehnten, in der folgenden Saison 1988/90 auf den neunten Tabellenplatz. 1990 gliederte sich die Sektion mit den Fußballern aus der BSG aus.[14]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stahl Brandenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Abteilungen der SG. Eingesehen am 3. Januar 2014
  2. Stahl Brandenburg (Handball). Eingesehen am 3. Januar 2014
  3. Stahl Brandenburg Kanu. Eingesehen am 3. Januar 2014
  4. Stahl Brandenburg Spielmannszug. Eingesehen am 3. Januar 2014
  5. Rugby - DDR-Meisterschaften. Eingesehen am 7. Januar 2014.
  6. Geschichte der Abteilung Rugby. Eingesehen am 3. Januar 2014
  7. Qualifikation 2. Rugby Bundesliga Nord/Ost Frühjahr 2000. Eingesehen am 3. Januar 2014
  8. 2. Bundesliga Nord/Ost 2001/2002. Eingesehen am 3. Januar 2014
  9. Meisterrunde Nordost 2004/2005. Eingesehen am 3. Januar 2014
  10. 2. Bundesliga Nord 2005/2006. Eingesehen am 3. Januar 2014
  11. 2. Bundesliga Nord 2006/2007. Eingesehen am 3. Januar 2014
  12. Geschichte der Abteilung Flossenschwimmen. Eingesehen am 3. Januar 2014
  13. Chronik der Abteilung Tischtennis. Eingesehen am 3. Januar 2014
  14. BSV STAHL BRANDENBURG. Eingesehen am 26. Dezember 2014.