SIG 550

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
SIG 550
Stgw 90.jpg
Allgemeine Information
Zivile Bezeichnung: SIG 550
Militärische Bezeichnung: Sturmgewehr 90 (Stgw 90)
Einsatzland: siehe Verwendung
Entwickler/Hersteller: SIG Holding / Swiss Arms
Herstellerland: Schweiz
Produktionszeit: seit 1981
Modellvarianten: siehe Modellvarianten
Waffenkategorie: Sturmgewehr
Ausstattung
Gesamtlänge: 998 mm,
angeklappt: 772 mm
Gesamthöhe: 210 mm
Gewicht: (ungeladen) 4,1 kg
Visierlänge: 540 mm
Lauflänge: 528 mm
Technische Daten
Kaliber: 5,56 × 45 mm
(Gw Pat 90)
Mögliche Magazinfüllungen: 5, 10, 20, 30 Patronen
Munitionszufuhr: Kurvenmagazin
Kadenz: (je nach Stellung der Gasdüse) 600 oder 900 Schuss/min
Feuerarten: Einzelschuss, 3-Schuss-Automatik, Dauerfeuer
Anzahl Züge: 6
Drall: 178 mm (7”),
254 mm (10”)
Visier: Diopter
Montagesystem: Picatinny-Schiene
(optional)
Verschluss: Drehkopfverschluss
Ladeprinzip: indirekter Gasdrucklader
Listen zum Thema

Das SG550, auch SIG 550 oder Sturmgewehr 90, abgekürzt Stgw 90, ist ein leichtes Sturmgewehr, das von der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft entwickelt und hergestellt wurde. Es ist die Standardwaffe der Schweizer Armee. Bis heute wurden etwa 450.000 Sturmgewehre 90 an die Schweizer Armee geliefert. Die Zivilversion SG 550 PE erfreut sich auch bei Sportschützen grosser Beliebtheit und wurde alleine in der Schweiz über 33.000 Mal verkauft. Auf Französisch heisst die Waffe Fusil d'assaut 90 und auf Italienisch Fucile d'assalto 90, abgekürzt wird sie in beiden Sprachen als Fass 90 bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfang der 1980er Jahre suchte die Schweizer Armee einen Ersatz für das Sturmgewehr 57. Um die Unabhängigkeit vom Ausland zu garantieren, kamen nur inländische Firmen zur Herstellung des neuen Gewehres in Frage.

Nach verschiedenen Vormodellen (SIG 540 und Modellvarianten dieser) wurden im Auftrag der damaligen GRD (Gruppe für Rüstungsdienst) zeitgleich je eine Prototypserie des SIG 550 und eines Modells der eidg. Waffenfabrik Bern (W+F) vom Kaliber 6,45 und 5,56 hergestellt sowie auch die Entwicklung der beiden Kaliber in den Munitionsfabriken Thun und Wimmis vorangetrieben. Schliesslich wurde das SIG 550 im Kaliber 5,56 als Sieger erkoren, und ab 1981 wurde die Waffe im Truppenversuch getestet. Nach zahlreichen Härtetests konnte es 1983 offiziell als „tauglich für den Truppendienst“ mit der Bezeichnung Sturmgewehr 90 (Stgw 90) eingeführt werden und ersetzte nach und nach den Vorgänger. Das Gewehr wird heute von der SAN Swiss Arms AG, Nachfolgerin der SIG Arms AG, hergestellt. Die Bezeichnung SIG 550 änderte sich mit dem Wechsel auf SG 550.[1]

Eigenschaften[Bearbeiten]

Präzision[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu den meisten Sturmgewehren arbeitet das SG 550 nicht mit einem Direkt-, sondern mit einem Druckpunktabzug, welcher das Präzisionschiessen begünstigt. Durch die geringen Fertigungstoleranzen, den geschmiedeten, kalt gehämmerten und gehärteten Lauf sowie der Gw-Pat-90-Munition zählt das SG 550 zu den präzisesten Sturmgewehren weltweit. Der schwere Lauf ist auch für das für ein Sturmgewehr relativ hohe Gewicht verantwortlich. Um überhaupt einen schweren Lauf einbauen zu können, hat man bei vielen Teilen Kunststoff verwendet, um das Gewicht wieder zu reduzieren. In der unterirdischen 300-m-Schiessanlage des Herstellers im schweizerischen Neuhausen am Rheinfall werden alle Gewehre, die das Werk verlassen, auf ihre Präzision getestet. Die Streukreise mit normaler Schweizer Armeemunition (Gw Pat 90) dürfen dabei in einer 10er-Serie einen Durchmesser von 11 cm nicht überschreiten, ansonsten muss das Gewehr nachbearbeitet werden. Entsprechend vermag prinzipiell jedes Sturmgewehr der Schweizer Armee diese Vorgabe zu erfüllen.

Führigkeit[Bearbeiten]

Generell sind die Modelle der SG 550-Linie sehr führig, nicht frontlastig und gut greifbar. Grosse Hände haben jedoch nur knapp genügend Platz auf dem Pistolengriff, dessen abgerundetes Ende lässt dies jedoch verschmerzen. Eine Besonderheit stellt der Kolben dar, der bei beengten Platzverhältnissen wie im Häuserkampf eingeklappt werden kann, ohne dass sich dadurch Einschränkungen bei der Funktion ergeben.

Kontrollierbarkeit[Bearbeiten]

Feuerstösse lassen sich bei allen Modellen der SG 550-Linie relativ gut kontrollieren; das Gewehr hat nicht die Neigung, in eine bestimmte Richtung auszubrechen. Lediglich ein gewisser Hochschlag ist vorhanden, der jedoch gut kontrollierbar ist, sogar beim sehr kurzen, leichteren SG553.

Handhabung[Bearbeiten]

SG 550 1: Verschlussfanghebel 2: Magazinauswurfhebel 3: Abzug 4: Abzugsbügel 5: Sicherung 6: Seriefeuersperre 7: Schulterstützenarretierung

Sicherung[Bearbeiten]

Das SG 550 besitzt eine von beiden Seiten bedienbare Sicherung, welche auch als Feuerwahlhebel dient. Die SG 550-Linie verfügt neben Einzelfeuer und Vollautomatik noch über eine Kurzfeuereinstellung, welche beim Betätigen des Abzuges drei Schuss abfeuert. Die Stellungen sind als 1, 3 und 20 markiert. Der Feuerwahlhebel kann durch eine Seriefeuersperre daran gehindert werden, die Stellungen 3 und 20 zu erreichen, wonach nur noch die Stellungen Einzelfeuer und Sicher verwendet werden können. Zur Aktivierung/Deaktivierung der Seriefeuersperre muss das Abzugsgehäuse von der Laufbaugruppe separiert werden. Bei aktivierter Seriefeuersperre ist auf der linken Seite der Waffe ein weisser Punkt zu sehen.

Abzug[Bearbeiten]

Der Abzug ist ein Druckpunktabzug, welcher bei ca. 35 N bricht. Der Abzugsbügel kann um 90° nach rechts gedreht werden, um ungehinderten Zugang zum Abzug zu erlangen. Dies weil der Abzugsbügel nicht genug Freiraum lässt, um mit dicken Handschuhen den Abzug zu betätigen.

Verschlussfang[Bearbeiten]

Das SG 550 besitzt einen Verschlussfang. Wenn das Magazin leergeschossen ist, wird der Verschlussfang im Gehäuse von der Magazinfeder nach oben gedrückt. Bewegt sich der Verschluss nach hinten und über den Verschlussfang, wird dessen Bewegung nach vorne unterbunden. Nun kann das Magazin gewechselt werden, wobei der Verschlussfang nun durch den Verschluss gehalten wird, welcher durch die Verschlussfeder nach vorne gedrückt wird. Die Kraft der eingebauten Feder im Verschlussfang reicht nicht aus, um die Reibung zwischen Verschlussfang und Verschluss zu überbrücken. Durch betätigen des Verschlussfanghebels auf der linken Seite der Waffe wird der Verschlussfang nach unten gedrückt und gibt den Verschluss frei. Alternativ kann der Verschluss mit dem Ladehebel nach hinten gedrückt werden, womit dieser nicht mehr den Verschlussfang hält und damit auch den Verschluss freigibt, insofern der Verschlussfang nicht durch ein leeres Magazin nach oben gedrückt wird. Der Verschlussfanghebel kann bei Rechtsschützen (Waffe rechts geschultern, rechte Hand am Pistolengriff) mit der linken Hand betätigt werden, mit welcher auch das Magazin gewechselt wird. Linksschützen können der Verschlussfanghebel mit dem Abzugsfinger erreichen, da mit der rechten Hand das Magazin gewechselt wird und sich der Verschlussfanghebel auf der linken Seite befindet.

Magazinauswurf[Bearbeiten]

Der Magazinauswurfhebel ist in der Gewehrmitte vor dem Abzugsbügel angebracht. Dadurch kann das Magazin mit der Hand umfasst und gleichzeitig der Magazinauswurfhebel betätigt werden. Alternativ kann man den Magazinauswurfhebel auch mit dem Abzugsfinger erreichen.

Technik[Bearbeiten]

Funktion[Bearbeiten]

Verschluss mit Verschlussträger und Drehkopfverschluss, welcher sich in entriegelter Stellung befindet. Dahinter ist die Zwangskurve zu sehen.

Das SG 550 ist ein indirekter Gasdrucklader, der Aufbau ist mit einer AK-47 beinahe identisch. Dabei wird der für das automatische Nachladen benötigte Gasdruck von einer Laufbohrung bei der Mündung in das Gasrohr geleitet. Dort bewegt dieser die Gasstange, welche mit dem Verschlussträger verbunden ist, gegen den Federdruck. Die Zwangskurve im Verschlussträger dreht zuerst den Drehkopfverschluss und entriegelt ihn damit, dann wird auch dieser vom Verschlussträger nach hinten gezogen. Die Hülse wird vom Drehkopfverschluss ausgezogen und durch den Hülsenauswerfer ausgestossen. Nun ist der Gasdruck im Gasrohr abgefallen und die Feder um die Gasstange bewegt diese, den Verschlussträger und den Drehkopfverschluss wieder nach vorne. Dabei nimmt der Drehkopfverschluss wenn vorhanden eine neue Patrone aus dem Magazin und führt sie ins Patronenlager vor dem Lauf. Der Verschluss liegt jetzt satt am Patronenlager und wird über die Zwangskurve im Verschlussträger verriegelt, während dieser seinen Weg bis zum Anschlag beendet. Durch das System mit einer Gasstange kommen keine Verbrennungsgase in das Patronenlager, Verschmutzungen durch Rückstände der abgebrannten Treibladung im Patronenlager und damit Zufuhr- und Zündstörungen können somit verhindert werden.

Der Unterschied zur AK-47 besteht darin, dass die Verschlussfeder nicht hinter dem Verschluss angebracht ist, sondern die Gasstange umschliesst.

Bei einer Versuchsreihe der Schweizer Armee wurde das Stgw 90 unter Gefechtsumständen getestet. Nach dem Verschuss von jeweils fünf 20er-Magazinen wurden Pausen eingelegt um den Lauf abkühlen zu lassen; es wurden so mit einem einzelnen Gewehr rund 15.000 Schuss abgefeuert, ohne das Gewehr dazwischen zu reinigen. Es zeigten sich dabei keinerlei Ladehemmungen, Materialermüdungen oder Einbussen in der Präzision.

Aufbau[Bearbeiten]

(von oben nach unten, von links nach rechts) oberer Handschutz, unterer Handschutz, Ladehebel, Drehkopfverschluss, Gasstange mit Feder, Verschlussträger, Gasrohr, Laufbaugruppe, 20-Schuss Magazin, Abzugsgehäuse mit Schulterstütze

Die SG 550-Reihe kann in weniger als einer Minute in ihre Hauptbestandteile zerlegt werden. Dazu müssen zuerst die 2 Kugelsperrbolzen, welche Abzugsgehäuse und Laufbaugruppe miteinander verbinden, herausgezogen werden. Nach dem Entfernen des Abzugsgehäuses kann der untere und der obere Handschutz aus dem Kornhalter gezogen werden. Um Gasrohr und Gasstange zu demontieren, muss zuerst der Ladehebel aus dem Verschluss gezogen werden, denn dieser verbindet Verschluss und Gasstange. Danach wird ein gefederter Bolzen an der Gasdüse heruntergedrückt und das Gasrohr um 90° gedreht, und das Gasrohr mitsamt Gasdüse und Gasstange kann entfernt werden.

Laufbaugruppe[Bearbeiten]

Lauf und Visierung sind fest miteinander verbunden, damit die Visierung immer auf den Lauf abgestimmt ist und ein gutes Schussbild erhalten bleibt (wird werkseitig geprüft).

Visierung[Bearbeiten]

Die Mündung eines SG 550. Gut zu sehen sind der Mündungsfeuerdämpfer, die verstellbare Gasdüse und das Korn mit aufgeklapptem Nachtkorn

An der Visiertrommel sind die Stellungen 1, 2, 3 und 4 einstellbar:

  • Stellung 1 - offenes Visier als Fluchtvisier für den Nahkampf sowie mit zwei seitlich angebrachten Leuchtzellen und dem aufgeklappten Nachtkorn als Nachtvisierung.
  • Stellung 2 - Kampfvisier für Distanzen von 0 bis 305 m (Standardeinstellung bei der Schweizer Armee).
  • Stellung 3 - Für den 300-Meter-Schiessstand, wobei die Zielmitte anvisiert wird (Haltepunkt „Fleck“).
  • Stellung 4 - „Rot 3 / Weiss 4“ für den 300-Meter-Schießstand mit Haltepunkt am unterem Rand der Scheibe. In diesem Kimmenloch ist ein Gewindestift in eine Bohrung eingeschraubt. Wird dieser entfernt, ist diese Stellung als alternatives Nahkampfvisier bis zu 100 m zu gebrauchen.

Am Ringkorn kann ein Nachtkorn aufgeklappt werden, welches wie die Visierstellung 1 mit einer Leuchtzelle versehen ist.

Gasdüse[Bearbeiten]

Bei der SG-550-Linie kann die für die Sicherstellung der Funktion notwendige Gasmenge durch Umstellen der Gasdüse von einer kleineren auf eine grössere Durchlassbohrung gesteuert werden. Die Gasdüse befindet sich am vorderen Ende des Gaszylinders unter dem Kornvisier und ist von Hand umstellbar. Grundsätzlich wird in der Stellung „senkrecht“ geschossen, um das Gewehr nicht unnötig zu belasten und den Rückstoss nicht zu verstärken. Bei starker Verschmutzung oder Vereisung wird die Gasdüse auf die zweite Position verstellt, um Zufuhr- beziehungsweise Auswurfstörungen zu verhindern. Bei einem sauberen Gewehr unter normalen Bedingungen erhöht die Umstellung der Gasdüse die Feuerrate auf bis zu 1000 Schuss/min, kann aber auch Zufuhr- oder Auswurfstörungen hervorrufen.

Abzugsgehäuse und Schulterstütze[Bearbeiten]

SG 550 mit eingeklappter Schulterstütze
SG 551 Short Barrel mit gekoppelten 20-Schuss-Magazinen

Im Abzugsgehäuse ist die Mechanik des Abzuges und der Schlaghahn untergebracht und wird mittels zwei Kugelsperrbolzen an der Laufbaugruppe befestigt. Ausserdem wird damit das Magazin aufgenommen und die Schulterstütze daran befestigt. Die Schulterstütze kann nach rechts (von der Schulterstütze Richtung Mündung blickend) geklappt und mittels Klemmstück arretiert werden, wodurch die Waffe um 226 mm kürzer wird. So kann die Waffe bequem für das nicht gefechtsmässige Verschieben an Brust oder Rücken getragen werden. Da sich dadurch keine Einschränkungen in der Funktion ergeben (jedoch können keine gekoppelten Magazine mehr verwendet werden), wird dies oft im Einsatz in beengten Verhältnissen angewendet.

Magazine[Bearbeiten]

Die Magazine sind aus schlagfestem, transparentem Kunststoff gefertigt. Damit sind sie 30 % leichter als Magazine aus Metall, und der Ladezustand ist sichtbar, bei eingesteckten Magazinen ab neun Patronen. 20-Schuss-Magazine werden einseitig mit Nocken und auf der Gegenseite mit Aufnahmen für die Nocken hergestellt. Damit können Magazine für den schnellen Wechsel im sogenannten „jungle style“ theoretisch unbegrenzt gekoppelt werden (wobei mehr als drei Stück aneinander nicht praktikabel sind). Ebenfalls sind 5- und 10-Schuss-Magazine ohne Nocken sowie 30-Schuss-Magazine mit und ohne Nocken und 100-Schuss-Beta-C-Magazine erhältlich.

Munition[Bearbeiten]

Die Schweizer Armee verwendet die Gewehrpatrone 90, kurz Gw Pat 90 im Kaliber 5,56 × 45 mm NATO, von der Armee auf 5.6 mm aufgerundet[2]. Sie unterscheidet sich nur minimal von der Natomunition M193, die 55 grains wiegt im Gegensatz zur Gw Pat 90 mit 4 g oder 62 grains[3]. In Kombination mit der Gw Pat 90 wird in der Schweizer Armee als auch in den Schweizer Schützenvereinen das SG 550-1 mit einer Dralllängen von 254 mm (10 Zoll) verwendet. Für den Export werden auch Versionen mit einer Dralllänge von 178 mm (7 Zoll) hergestellt, da diese für die meist leichteren Geschosse Kaliber 5.56 gängiger ist.

Modellvarianten[Bearbeiten]

Schweizer Soldat mit SG 550.

SG 550[Bearbeiten]

Das SG 550 ist das Standardmodell in regulärer Grösse. In der Schweizer Armee wurde das SG 550-1 unter der Bezeichnung Sturmgewehr 90 (kurz Stgw 90) eingeführt und als persönliche Waffe abgegeben. Der untere Handschutz ist mit einem Zweibein ausgerüstet.

SG 550-1 Sniper[Bearbeiten]

Nicht mehr hergestellt wird die Scharfschützenversion. Es war eines der wenigen Scharfschützengewehre im Kaliber 5,56 × 45 mm.

SG 551[Bearbeiten]

SG 551 LB, ausgestattet mit einer Picatinny-Schiene statt dem Diopter-Visier.

Das SG 551 ist die verkürzte Ausführung, welche als Long Barrel (LB) und Short Barrel (SB) hergestellt werden. Sie eignet sich besonders für Einsätze im maritimen Umfeld. Bei beiden Versionen kann der GL 5140 montiert werden, das Bajonett jedoch nur bei der LB-Version. Das SG 551 ist unter anderem bei der GSG 9 im Einsatz.

SG 553[Bearbeiten]

SG 553 SB, ausgestattet mit einer Picatinny-Schiene statt des Diopter-Visiers und des Picatinny-4-Schienen-Handschutzes.

Mit annähernd den Abmessungen einer Maschinenpistole ist das SG 553 die kompakteste Ausführung. Der Vorgänger SG 552 zeichnete sich als einziges Modell der Reihe durch die verkürzte Gasstange mit der Schliessfeder hinter dem Verschluss aus. Diese muss beim Öffnen gehalten werden. Das SG 552 wird seit 2008 nicht mehr produziert. Es wurde ersetzt durch das äusserlich baugleiche SG 553. Geändert wurden die Gasstange und die Schliessfeder, welche nun wie bei den grossen Modellen eine Einheit bilden. Ebenfalls wurde nun ein einheitlicher Ladehebel eingesetzt. Somit hat das SG 553 keine Feder mehr hinter dem Verschluss, sondern auf der Gasstange wie bei allen Modellen. Auch hiervon gibt es eine Version Long Barrel (LB) und Short Barrel (SB), wobei nur auf der LB-Version Granatwerfer GL 5340 und Bajonett montiert werden können.

Das SG 553 LB ohne Diopter-Visier, sondern mit einer Picatinny-Schiene, wurde als Sturmgewehr 04 (Stgw 04) in der Schweizer Armee eingeführt. Es wird KSK-Einheiten wie den Fallschirmaufklärern und dem AAD 10 als Korpswaffe ausgegeben. Es handelt sich somit nicht um eine persönliche Waffe, die nach dem Dienst nach Hause mitgenommen wird, sondern sie wird wieder eingezogen. Das Stgw 04 wird in einen dienstlichen Waffenkoffer mit 5 30-Schuss Magazinen, zusätzlichem Handschutz mit Picantinny-Schienen, einem Vordergriff, einer Weisslichtlampe, einer Trijicon ACOG-Zieloptik, einem Aimpoint-Reflexvisier, einem Infrarot-Zielbeleuchter für den Einsatz mit Nachtsichtgeräten und einem NGST-Tragriemen verpackt.[4]

Modellübersicht[Bearbeiten]

Alle Versionen sind wahlweise mit Diopter-Visier oder Picatinny-Schiene sowie als halbautomatische Zivilversionen (PE) nach dem schweizerischen Waffengesetz erhältlich. Soldaten der Schweizer Armee erhalten die Möglichkeit, ihr persönliches Stgw 90 nach ihrer Dienstzeit mit einem gültigen Waffenerwerbsschein gegen ein Entgelt in privates Eingentum zu übernehmen. Diese Waffen werden dann so modifiziert, dass sie nicht mehr in der 3-Schuss-Automatik und Seriefeuer betrieben werden können, sondern nur noch halbautomatisch schiessen.

Bezeichnung Länge Lauflänge Visierlänge Waffengewicht Mündungsenergie Granatwerfer Bajonett
SG 550 (Stgw 90) 998 mm / 772 mm 528 mm 540 mm 4,1 kg 1700 Joule GL 5040 montierbar
SG 550-1 Sniper 1128 mm / 912 mm 658 mm 670 mm 7 kg k. A. nicht montierbar nicht montierbar
SG 551 Long Barrel 924 mm / 698 mm 454 mm 466 mm 3,6 kg 1600 Joule GL 5140 montierbar
SG 551 Short Barrel 833 mm / 607 mm 363 mm 466 mm 3,4 kg 1460 Joule GL 5140 nicht montierbar
SG 553 Long Barrel (Stgw 04) 822 mm / 593 mm 347 mm 339 mm 3,4 kg 1480 Joule GL 5340 montierbar
SG 553 Short Barrel 730 mm / 501 mm 277 mm 339 mm 3,2 kg 1240 Joule nicht montierbar nicht montierbar

Zubehör[Bearbeiten]

Schweizer Soldat mit Stgw 90 und montiertem Granatwerfer GL 5040.
SG 550 mit Zielfernrohrträger und 4x24 Zielfernrohr, wie es die ZF-Schützen der Schweizer Armee einsetzten.
SG 550 mit montierter Picatinny-Schiene.
SG 551 SB mit diversem Zubehör
Bajonett der SG 550-Reihe montiert mit Scheide.

Der aus Aluminium gefräste Picatinny-4-Schienen-Handschutz ermöglicht die gleichzeitige Montage von optischen Zielhilfen/Nachtsichtgeräten und taktischen Lichtern wie Laser und Weisslicht. Die untere Schiene gestattet vorne die Montage eines vertikalen Handgriffs und/oder einen Zweibeins. Der Picatinny Handschutz kann in Sekunden ohne Werkzeuge angebracht oder entfernt werden und ist für alle Versionen erhältlich.

Statt des unteren Handschutzes kann bei den Varianten SG 550 (Stgw 90) der Granatwerfer GL 5040, beim SG 551 LB der GL 5140 und beim SG 553 LB (Stgw 04) der GL 5340 montiert werden. An SG Ausführungen ohne Bajonetthalterung (z. B. US-Versionen) kann es nicht montiert werden. Der Granatwerfer eignet sich auch für Polizeieinsätze als Primärinterventions-Waffe. Er wiegt ohne Granate 2,5 kg, seine Einsatzdistanz liegt zwischen 25 und 200 Metern. Es sind verschiedene Geschosstypen erhältlich (Blendgranate, CN Reizstoffe, Spreng/Splittergranaten, etc.).

Gewehre der SG 550-Reihe, welche mit der Diopter-Visierung ausgestattet sind, können verschiedene Zielfernrohrträger und Picatinny- und Weaver-Schienenträger aufnehmen. Diese sind mit einem Stift ausgestattet, welcher in eine Bohrung in der Diopteraufnahme eingeführt wird. Beim Schnellverschlusssystem ist der Stift gefedert und drückt somit den Träger auf den Gegenhalter, bei der Schraubenklemmung ist der Stift über ein Gewinde mit dem Träger verbunden und wird bei der Montage herausgedreht und damit in die Aufnahmebohrung getrieben, bis der Träger satt gegen den Gegenhalter gedrückt wird. Im Schiessstand wird durch diese Trägeraufnahme auch ein Hülsenabweiser montiert, welcher das Fliegen der Patronenhülsen zum nebenan liegenden Schützen und somit dessen Irritation verhindern soll.

Das Abzugsgehäuse aus Stahl kann durch eines aus Aluminium ersetzt werden, dies bringt eine Gewichtseinsparung von ca. 100 g. Auch aus Aluminium ist das Abzugsgehäuse, welches für den US-Markt entwickelt wurde und STANAG-Magazine wie vom M16 aufnehmen kann.

Die einklappbare Schulterstütze kann mit einer Wangenauflage versehen werden, die ein längeres Zielen bequemer macht. Eine in 2 Stufen um je 20 mm einschiebbare und klappbare Schulterstütze kann ebenfalls verwendet werden, jedoch verunmöglicht dies die Verwendung einer Wangenauflage.

An den Modellen SG 550 (Stgw 90), SG 551 LB und SG 553 LB (Stgw 04) kann ein Bajonett montiert werden. Dieses hat eine Gesamtlänge von 310 mm und eine Klingenlänge von 180 mm. Die Klinge ist einschneidig und besitzt keine Blutrinne. Die Bajonette werden exklusiv für die Schweizer Armee von Victorinox und in der Vergangenheit von Wenger gefertigt, bis Victorinox Wenger im Jahr 2005 übernahm. Mit einem passenden Adapter kann ebenfalls das M-9 des M16 und des M4 eingesetzt werden.

Jeder Soldat der Schweizer Armee, welcher mit dem Stgw 90 ausgerüstet wird, erhält ausserdem das dazugehörige Bajonett, Putzzeug und einen Tragriemen.

Verwendung[Bearbeiten]

  • AgyptenÄgypten Ägypten – diverse Elemente der ägyptischen Sicherheitskräfte nutzen verschiedene Versionen des Stgw 90[12]

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Schweizer Eidgenossenschaft; Schweizer Armee: 5,6 mm Sturmgewehr 1990 (5.6 mm Stgw 90), Dokumentation 53.096.01 d, Stand am 1. November 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: SIG 550 – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SIG 55X STGW90. Abgerufen am 22. Dezember 2012 (PDF; 1,4 MB).
  2. Datenblatt RUAG Ammotec (Version vom 17. Juni 2009 im Internet Archive)
  3. vgl.Datenblatt M193 (Version vom 17. Juni 2009 im Internet Archive)
  4. SIG 55X STGW90. Abgerufen am 21. Dezember 2012 (PDF; 1,4 MB).
  5. Persönliche Ausrüstung: Bewaffnung. Abgerufen am 21. Dezember 2012.
  6. SIG 55X STGW90. Abgerufen am 21. Dezember 2012 (PDF; 1,4 MB).
  7. Die heimlichen Helden vom Rhein. In: caliber. 2006, S. 17, archiviert vom Original am 16. Juli 2011, abgerufen am 6. Oktober 2012 (PDF).
  8. SIG 551. 7. Juli 2010, abgerufen am 6. Oktober 2012 (französisch).
  9. Shishir Gupta: Post 26/11, NSG aims for corner shot weapons, 'through-the-wall’ radars. In: The Indian Express. 6. November 2009, abgerufen am 6. Oktober 2012 (englisch).
  10. TERRY DATE: Exeter's Sigarms gets $115 million federal rifle contract. In: Foster's Online. 11. Juli 2003, abgerufen am 6. Oktober 2012 (englisch).
  11. Das Sturmgewehr. In: Neue Zürcher Zeitung. 30. Januar 2011, abgerufen am 6. Oktober 2012.
  12. Mit-Schweizer-Gewehren-im-Kampf-gegen-Islamisten. In: Tagesanzeiger. 28. November 2013, abgerufen am 28. November 2013.