SMS Dresden (1907)

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SMS Dresden
SMS Dresden German Cruiser LOC 16727.jpg
p1
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
Schiffstyp Kleiner Kreuzer
Klasse Dresden-Klasse
Bauwerft Blohm & Voss, Hamburg
Baunummer 195
Baukosten 7.460.000 Mark
Stapellauf 5. Oktober 1907
Indienststellung 14. November 1908
Verbleib Am 14. März 1915 selbstversenkt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
118,3 m (Lüa)
117,9 m (KWL)
Breite 13,5 m
Tiefgang max. 5,54 m
Verdrängung Konstruktion: 3.664 t
Maximal: 4.268 t
 
Besatzung 361 Mann
Maschine
Maschine 12 Marinekessel
2 Satz Parsons-Turbinen
Maschinen-
leistung
18.880 PS (13.886 kW)
Geschwindigkeit max. 25,2 kn (47 km/h)
Propeller 4 dreiflügelig ∅ 1,95 m
Bewaffnung
Panzerung
  • Deck: 20–80 mm
  • Sülle: 100 mm
  • Kommandoturm 20–100 mm
  • Schilde: 50 mm

Die SMS Dresden war ein Kleiner Kreuzer der deutschen Kaiserlichen Marine und das Typschiff der nach ihr benannten Dresden-Klasse. Ihr Stapellauf erfolgte am 5. Oktober 1907 bei Blohm & Voss in Hamburg. Am 11. November 1908 wurde das Schiff von der Kaiserlichen Marine in Dienst gestellt.

Die Dresden verfügte über vier Propeller mit Turbinenantrieb und war das erste Schiff dieser Werft mit einer solchen Antriebsanlage. Sie hatte eine Länge von 118,3 m, eine Breite von 13,5 m und einen Tiefgang von 5,54 m. Die Wasserverdrängung betrug 4.268 t. Die Maschinen leisteten 18.880 PS; damit erreichte das Schiff eine Höchstgeschwindigkeit von 25,2 kn.

Die Bewaffnung bestand aus zehn Seezielkanonen vom Kaliber 10,5 cm mit 1.500 Schuss, acht Schnellladekanonen vom Kaliber 5,2 cm, zwei Maschinengewehren, und zwei Unterwasser-Torpedorohren von 45 cm Durchmesser. Sechs der Hauptgeschütze waren an Deck positioniert, die anderen waren in Kasematten unter Deck aufgestellt.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor dem Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Die Dresden 1909 im Hafen von New York

Erster Kommandant des Schiffes war Korvettenkapitän Graf Harry von Posadowsky-Wehner. Am 28. November 1908 wurde bei einer Messfahrt versehentlich die schwedische Galeasse Cäcilie zum Sinken gebracht. Zwischen dem 24. September und 9. Oktober 1909 nahm die Dresden an den 300-Jahr-Feierlichkeiten anlässlich der Entdeckung des Hudson Rivers in New York, teil. Offizieller deutscher Vertreter war Großadmiral Hans von Koester an Bord des Schulschiffes SMS Victoria Louise. Zu dem deutschen Verband gehörten noch das Schulschiff SMS Hertha und der Stationskreuzer SMS Bremen,
Am 16. Februar 1910 kam es zu einer Havarie mit dem Kleinen Kreuzer SMS Königsberg. Während des Ersten Balkankrieges wurde das Schiff vom 6. April bis 23. September 1913 zusammen mit dem Kleinen Kreuzer SMS Straßburg der Mittelmeerdivision zugeteilt. Beide Schiffe erreichten am 13. April Valletta. Am 23. September traf die Dresden zusammen mit der Straßburg wieder in Kiel ein.

Am 13. Dezember 1913 lief die Dresden von Kiel aus, um den Kleinen Kreuzer SMS Bremen auf der ostamerikanischen Station (Golf von Mexico, Karibik) abzulösen. Ab dem 21. Januar 1914 lag das Schiff in Veracruz. In Mexiko herrschte zu dieser Zeit Bürgerkrieg. Zur Wahrung der deutschen Interessen patrouillierten dort Schiffe der Kaiserlichen Marine. Im Juli reiste der ehemalige mexikanische Präsident Victoriano Huerta auf der Dresden ins Exil nach Jamaika. Am 26. Juli 1914 wurde das Schiff auf der Reede von Port-au-Prince (Haiti) vom Kleinen Kreuzer SMS Karlsruhe abgelöst. Dort wurden auch die Kommandanten der beiden Kreuzer ausgetauscht. Nun führte wieder Fregattenkapitän Lüdecke die Dresden. Angesichts der drohenden Kriegsgefahr trat das Schiff noch am gleichen Tag die Heimreise an. Am 31. Juli 1914 übernahm man in Saint Thomas (Jungferninseln) noch einmal Kohlen. Etwa Mitte August sollte die Dresden in Wilhelmshaven eintreffen. Doch kurz nach dem Verlassen von St. Thomas empfing man ein Telegramm von der deutschen Marineleitung: „Drohende Kriegsgefahr − nicht heimkehren − Kreuzerkrieg führen!“

Beginn des Ersten Weltkrieges[Bearbeiten]

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges beabsichtigte der Kommandant der Dresden, Kreuzerkrieg in der Zone Drei (Ostküste von Südamerika) zu führen. Auf dem Weg zur Mündung des Rio de la Plata wurden Anfang August drei britische Handelsschiffe angehalten. Deren Kapitäne wussten angeblich noch nichts vom Kriegszustand. Deshalb entließ Kommandant Lüdecke sie wieder. Er hielt sich damit an einen Paragraphen des Haager Abkommens. Per Funk wurde der deutsche Dampfer Corrientes der Reederei Hamburg-Süd zur Dresden beordert. Er hatte in Pernambuco eine Ladung Kohlen übernommen und sollte dem Kreuzer als Versorgungsschiff dienen. Nach einer Kohlenübernahme kreuzte die Dresden auf den Handelsrouten im Südatlantik. Am 14. August 1914 konnte sie den britischen Dampfer Hyades versenken. Am 26. August 1914 folgte der Dampfer Holmwood. Zwei weitere britische Schiffe mussten aufgrund ihrer neutralen Ladung wieder entlassen werden. Mittlerweile waren weitere Kohlenschiffe zur Dresden gestoßen. Mit dem Hapag-Dampfer Baden und der Santa Isabel, ebenfalls von der Reederei Hamburg-Süd, lief die Dresden nun nach Süden. Die Santa Isabel konnte in Punta Arenas Proviant sowie dringend benötigte Maschinenteile beschaffen. Dabei erfuhr man, dass die alten britischen Panzerkreuzer HMS Good Hope und HMS Monmouth östlich der Magellanstraße standen. In aller Eile wurden am 5. September 1914 in der Orange Bay, bei Kap Hoorn, Proviant und Kohlen ergänzt sowie Reparaturen ausgeführt. Die Dresden erhielt Befehl, in den Pazifik zu wechseln und sich mit dem Kleinen Kreuzer SMS Leipzig zu vereinen. Am 3. Oktober 1914 bekam man mit der Leipzig Verbindung. Ferner erfuhr man, dass das Ostasiengeschwader unter Vizeadmiral Maximilian von Spee bald vor der chilenischen Küste zu erwarten war. Am 12. Oktober 1914 trafen sich schließlich alle Schiffe bei der Osterinsel.

Am 18. Oktober 1914 setzte das deutsche Geschwader seine Reise fort und nahm Kurs auf die Küste von Chile. Am 1. November 1914 kam es dort zum Seegefecht bei Coronel. Nach dem erfolgreichen Ausgang dieses Gefechts gelang es der Dresden und der Leipzig in den nächsten Tagen zwei Segler aufzubringen. Die übrigen Schiffe des Geschwaders waren zur Versorgung in Valparaíso eingelaufen. Schließlich konnten dort auch die beiden restlichen Schiffe am 13. November 1914 ihre Vorräte auffüllen. Anschließend nahm das Ostasiengeschwader Kurs auf Kap Hoorn. Die Dresden konnte hierbei den Frachter North Wales versenken. In der St.-Quentin-Bucht wurde wieder Kohle aufgenommen. Am 6. Dezember 1914 ging es weiter und der Verband erreichte den Atlantik.

Die Flucht nach der Schlacht bei den Falklandinseln[Bearbeiten]

HMS Kent

Am 8. Dezember 1914 kam es dann zum Seegefecht bei den Falklandinseln. Hierbei entging die Dresden, insbesondere dank der durch den Turbinenantrieb bedingten größeren Höchstgeschwindigkeit, als einziges Schiff der Vernichtung des Ostasiengeschwaders. In der Folgezeit versteckte es sich in den Fjorden Feuerlands vor seinen britischen Verfolgern. Dabei erhielt das Schiff Unterstützung durch den Deutsch-Chilenen Albert Pagels, der dort als Lotse tätig war. Britische Kriegsschiffe suchten immer wieder die einsamen Buchten und Fjorde Feuerlands nach der Dresden ab.

HMS Glasgow

Schließlich entschied sich Kapitän Lüdecke, in den Pazifik auszubrechen und dort so lange wie möglich Kreuzerkrieg zu führen. Den Versuch, in die Heimat durchzubrechen, musste man mangels Kohle aufgeben. Zudem waren die Maschinen durch mehrfache Überbelastung auf der Flucht vor ihren Verfolgern − wobei sie zeitweise eine Geschwindigkeit von 26 kn erreichte − in einem sehr schlechten Zustand.

Die in Montevideo befindliche Sierra Cordoba des Norddeutschen Lloyd (NDL) wurde nach der Falklandschlacht am 18. Dezember mit 1.600 t Kohlen, Proviant und Ersatzteilen zur Unterstützung des Kreuzers entsandt. Sie erreichte am 24. Dezember 1914 die Magellanstraße und lief in Punta Arenas ein. Anschließend wurde sie vom britischen Panzerkreuzer HMS Kent kontrolliert. Da in neutralen Gewässern, konnten die Briten das Schiff nicht aufhalten, und deutschen Lotsen gelang es, sie in einer nicht kartierten Bucht − wie auch schon die Dresden  − zu verbergen. Allerdings lagen die Schiffe nun in verschiedenen Buchten, und erst am 19. Januar 1915 gelang die Zusammenführung der beiden deutschen Schiffe, die zuletzt in Punta Arenas gesichtet worden waren (die Dresden vor 37 Tagen und die Sierra Cordoba vor 26 Tagen).[1] Am 13. Februar brachen beide Schiffe aus der Magellanstraße in den Pazifik aus und müssen dabei den britischen Panzerkreuzer HMS Carnarvon sehr dicht passiert haben. Sie versuchten dann auf den bekannten Dampferwegen vor der chilenischen Küste Dampfer aufzubringen, konnten jedoch nur Segler finden. Am 27. Februar 1915 wurde der britische Segler Conway Castle versenkt. Es war die letzte Beute der Dresden. Per Funk bat man um eine weitere Versorgung mit Kohlen. Da die Kohlenvorräte schwanden, wurde die Sierra Cordoba am 3. März nach Callao, Peru entlassen, wo sie 1.200 t Kohlen übernahm und dann wieder in See ging.[2] Am 20. Februar war die Gotha des NDL unter Kapitän Hillmann mit 3.000 t Kohlen und Maschinenersatzteilen aus Montevideo zur Dresden entsandt worden. Sie sollte etwa am 5. März die Dresden im Pazifik treffen. Doch statt der Versorger kam am 7. März 1915 der britische Panzerkreuzer Kent in Sicht – durch die Funksprüche hatte er die Spur der Dresden wiedergefunden. Nach fünf Stunden Höchstfahrt gelang es der Dresden, ihrem Verfolger noch einmal zu entkommen. Sie nahm Kurs auf die zum neutralen Chile gehörende Insel Robinsón Crusoe.

Die Cumberland Bay auf der Robinsón-Crusoe-Insel heute. Die Lage des Wracks der Dresden ist am rechten Bildrand als dunkler Schatten im Wasser erkennbar.

Am 9. März 1915 ging der deutsche Kreuzer in der Cumberlandbucht der Robinsón-Crusoe-Insel vor San Juan Bautista vor Anker. Er hatte nur noch 80 t Kohle an Bord, und die Maschinen waren durch die lange Höchstfahrt nahezu unbrauchbar geworden. Am nächsten Tag beschloss der Kommandant, das Schiff in Chile internieren zu lassen. Statt der erwarteten chilenischen Streitkräfte kamen am Morgen des 14. März 1915 die britischen Kreuzer HMS Glasgow und Kent in Sicht. Unter Missachtung der Neutralität beschossen sie die vor Anker liegende Dresden. Dabei fanden acht Seeleute den Tod. Der Kommandant schickte seinen Adjutanten, Oberleutnant zur See Wilhelm Canaris, um zu verhandeln. Doch seine Vorhaltungen wegen der neutralen Gewässer beeindruckten die Briten nicht; darüber könne nach dem Krieg gesprochen werden. Immerhin gewann der Kommandant der Dresden dadurch Zeit, um die Versenkung seines Schiffes vorzubereiten. Nach dem Öffnen der Seeventile sank die Dresden um 11.15 Uhr in der Cumberland Bay auf der Position 33° 38′ 6″ S, 78° 49′ 30″ W-33.635-78.825Koordinaten: 33° 38′ 6″ S, 78° 49′ 30″ W.

In der Felsenküste hinter dem letzten Liegeplatz der Dresden stecken noch heute einige Granaten aus den Geschützen der britischen Kreuzer.

Schicksal des Schiffes und der Mannschaft[Bearbeiten]

Die Schiffsglocke der Dresden

Die Besatzung wurde in Chile interniert, wo sie sich selbst versorgen musste. Die Männer hielten Hühner und Kühe und legten auch Gärten an. Mehreren Leuten, darunter auch Wilhelm Canaris, gelang es, zu fliehen und nach Deutschland zurückzukehren. Die übrige Mannschaft der Dresden kehrte erst am 30. Dezember 1919 nach Deutschland zurück.

Die Dresden liegt seit der Selbstversenkung bei der Robinsón-Crusoe-Insel auf dem Grund der Cumberland-Bucht in 60 m Tiefe. Das Wrack wurde zum chilenischen Nationalgut erklärt.

Am 24. Februar 2006 wurde die gut erhaltene, 155 kg schwere Glocke des Schiffes von deutschen und chilenischen Tauchern geborgen. Nach einer Restaurierung im Archäologischen Landesmuseum Schleswig ist sie, 100 Jahre nach Indienststellung des Schiffes, seit dem 14. November 2008 im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden ausgestellt.

Tradition[Bearbeiten]

Der Name dieses Schiffes wurde noch während des Krieges an den Kreuzerneubau SMS Dresden vergeben.

Kommandanten[Bearbeiten]

  • Korvettenkapitän Graf Harry von Posadowsky-Wehner – November 1908
  • Kapitänleutnant Max Fleck – November 1908 bis Januar 1909
  • Korvettenkapitän Graf Harry von Posadowsky-Wehner – Januar bis März 1909
  • Fregattenkapitän Eduard Engels – April bis Juli 1909
  • Kapitänleutnant Max Fleck – Juli bis September 1909
  • Fregattenkapitän/Kapitän zur See Eduard Varrentrapp – September 1909 bis September 1911
  • Fregattenkapitän/Kapitän zur See Max Köthner – September 1911 bis September 1912
  • Fregattenkapitän Heinrich Retzmann – September 1912 (in Vertretung)
  • Fregattenkapitän Fritz Emil Lüdecke – September 1912 bis Dezember 1913
  • Fregattenkapitän Erich Köhler – Dezember 1913 bis Juli 1914
  • Fregattenkapitän/Kapitän zur See Fritz Emil Lüdecke – Juli 1914 bis März 1915

Bilder[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Einige Berge der Coast Mountains entlang der kanadischen Pazifikküste sind nach Schiffsnamen des Seegefechts bei Coronel benannt, so der 2656 m hohe Mount Dresden, der im Jahre 2006 zur 800-Jahr-Feier der Stadt wieder bestiegen wurde.[3]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Dresden und Sierra Cordoba in der Bahia Christmas, Patagonien (Datum nicht zutreffend)
  2. So Parker de Bassi, S. 406, bei anderen Autoren läuft die Sierra Cordoba Valparaíso an.
  3. Don Serl: Coast Mountains Roundup, 8. Dezember 2006, abgerufen am 15. September 2013

Literatur[Bearbeiten]

  • Parker de Bassi, Maria Teresa: Kreuzer Dresden: Odyssee ohne Wiederkehr. Koehler Verlagsgesellschaft, Herford 1993, ISBN 3-7822-0591-X.
  • John Walter: Piraten des Kaisers. Deutsche Handelsstörer 1914–1918. 202 Seiten, Motorbuch Verlag, 1996, ISBN 3-613-01729-6.

Film[Bearbeiten]

Dokumentationen[Bearbeiten]

  • Jürgen Stumpfhaus (Regie): Unter kaiserlicher Flagge – Hetzjagd vor Kap Horn. 2-teilige Dokumentation, Deutschland 2006, RBB, Erstausstrahlung 2006 arte. Dazu J. Stumpfhaus über die Dreharbeiten (arte.tv).
  • Schulungsfilm der Royal Navy aus den 1920er Jahren: „The Battle of Coronel and the Falklands“.

Spielfilm[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: SMS Dresden (1907) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien