SMS Emden (1908)

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SMS Emden
Bundesarchiv DVM 10 Bild-23-61-13, Kleiner Kreuzer "SMS Emden I".jpg
p1
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
Schiffstyp Kleiner Kreuzer
Klasse Dresden-Klasse
Bauwerft Kaiserliche Werft, Danzig
Baukosten 5.960.000 Mark
Kiellegung 6. April 1906
Stapellauf 26. Mai 1908
Indienststellung 10. Juli 1909
Verbleib Am 9. November 1914 gestrandet
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
118,3 m (Lüa)
117,9 m (KWL)
Breite 13,5 m
Tiefgang max. 5,54 m
Verdrängung Konstruktion: 3.664 t
Maximal: 4.268 t
 
Besatzung 361 Mann
Maschine
Maschine 12 Marinekessel
2 3-Zyl.-Verbundmaschinen
Maschinen-
leistung
16.350 PS (12.025 kW)
Geschwindigkeit max. 24,0 kn (44 km/h)
Propeller 2 dreiflügelig ∅ 4,3 m
Bewaffnung
Panzerung
  • Deck: 20–80 mm
  • Sülle: 100 mm
  • Kommandoturm 20–100 mm
  • Schilde: 50 mm

Die SMS Emden war ein Kleiner Kreuzer der deutschen Kaiserlichen Marine. Sie war nach der gleichnamigen Stadt Emden benannt und das zweite Schiff der Dresden-Klasse.

Ihr Einsatzgebiet lag überwiegend im Fernen Osten. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Emden zum selbständigen Handelskrieg in den Indischen Ozean entsandt. Dort konnte sie innerhalb von zwei Monaten 23 feindliche Handelsschiffe und zwei Kriegsschiffe versenken oder aufbringen, bevor sie am 9. November 1914 in einem Gefecht mit dem australischen Kreuzer Sydney nahe den Kokosinseln unterlag. Die Emden war der erfolgreichste deutsche Kreuzer in überseeischen Gewässern und gehört zu den bekanntesten Kriegsschiffen der Kaiserlichen Marine.

Bau[Bearbeiten]

Seitenriss Kleiner Kreuzer Emden (1908–1914)

Der Kleine Kreuzer Emden wurde im Jahr 1905 bei der Kaiserlichen Werft in Danzig als Ersatz für das veraltete Aviso Pfeil in Auftrag gegeben. Die Kiellegung des Neubaus fand am 6. April 1906 statt. Damaligen Berichten zufolge verlief dieser Bau ohne Probleme. Die Emden war der letzte Kleine Kreuzer der Kaiserlichen Marine, welcher noch mit Kolbenmaschinen ausgestattet wurde. Ihr Schwesterschiff Dresden hatte schon einen Turbinenantrieb.

Am 26. Mai 1908 lief das Schiff vom Stapel. Die Taufe vollzog der damalige Emder Oberbürgermeister Leo Fürbringer. Nach der Fertigstellung wurde das Schiff bis zum 30. September 1909 in der Ostsee erprobt. In dieser Zeit fungierte es im August 1909 als Begleitschiff für die Kaiserliche Yacht Hohenzollern. Nachdem sämtliche Tests erfolgreich beendet waren, wurde die Emden am 1. April 1910 in Dienst gestellt.

Dienst bis 1914[Bearbeiten]

Am 12. April 1910 verließ die Emden Deutschland mit dem Ziel Südamerika. Am 10. Mai 1910 erreichte sie Montevideo und nahm ein paar Tage danach, mit dem Kleinen Kreuzer Bremen, in Buenos Aires an den 100-Jahr-Feiern zur Unabhängigkeit Argentiniens teil. Dann setzte das Schiff die Reise nach Ostasien fort. Nach Zwischenstopps in Punta Arenas und Valparaíso wurden in Talcahuano nochmals die Kohlen ergänzt, bevor die Emden dann am 24. Juni 1910 die Pazifiküberquerung begann. Ohne weitere Brennstoffergänzung erreichte sie am 12. Juli 1910 Papeete auf Tahiti (Französisch-Polynesien). Schließlich traf der Kreuzer am 22. Juli 1910 vor der Insel Apia (Deutsch-Samoa) mit dem Großen Kreuzer Scharnhorst, dem Flaggschiff des Ostasiengeschwaders, zusammen.

Ihren Stützpunkt Tsingtau erreichte die Emden am 17. September 1910. Von Januar bis März 1911 war der Kreuzer an der Niederschlagung des Aufstandes der Sokehs beteiligt. Dann folgte eine erste Überholung in der Werft von Tsingtau. Im Anschluss daran übernahm die Emden wieder ihre Repräsentationspflichten im ostasiatischen Raum. Hierzu besuchte das Schiff Hongkong sowie diverse Häfen in China und Japan. Im Februar 1913 ging das Schiff wieder in die Werft. Anschließend unternahm die Emden eine Fahrt zu den deutschen Kolonien im Pazifik. Die Reise führte zu den Inseln Yap und Neuguinea, wurde dann jedoch von Unruhen in China unterbrochen. Der Kreuzer wurde auf den Fluss Jangtse beordert und beschoss dort erfolgreich Forts der Aufständischen. Außerdem leistete er Geleitschutz für deutsche Handelsschiffe. Im August 1913 wurden vor Hankau, 500 Kilometer flussaufwärts, mehrere Schiffe von Rebellen beschossen. Vizeadmiral Maximilian von Spee befahl die Emden zur Unterstützung dorthin. Nach Beschießung des Forts Tung-Lin-Chan trat auch dort wieder Ruhe ein.

Nach einer Japanreise mit der Scharnhorst und dem Torpedoboot S 90 lag die Emden Ende 1913 in Shanghai. Im Februar 1914 wurden die Kessel und Maschinen der Emden ein letztes Mal in der Werft von Tsingtao überholt. Am 28. März 1914 kollidierte der Kleine Kreuzer beim Auslaufen zu einem Gefechtsmanöver mit dem Torpedoboot S 90. Die Backbordschraube musste daraufhin repariert werden.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Kreuzerkrieg[Bearbeiten]

Die Fahrt der Emden im Golf von Bengalen
Von Emden in Brand geschossene Öltanks bei Madras
Die Schemtschug

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges verließ die Emden am 2. August 1914[1] das zum deutschen Kaiserreich gehörende Tsingtao und führte zunächst Kreuzerkrieg in der Tsushima-Straße. Das Schiff wurde mit einem falschen Schornstein versehen, um das Aussehen eines britischen Kreuzers der Town-Klasse vorzutäuschen.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Tsingtao verließ der Kleine Kreuzer diesen Stützpunkt am 6. August 1914 erneut, um sich in Pagan auf den Marianen mit dem Ostasiengeschwader zu vereinigen. Um vom Rückzug des Geschwaders unter Admiral Maximilian von Spee durch den Pazifik Richtung Südamerika abzulenken, wurde die Emden im Indischen Ozean auf Handelskrieg geschickt. Sie sollte die Aufmerksamkeit der Royal Navy auf sich ziehen, indem sie vorwiegend britische Frachter aufbrachte. Durch die Inselwelt von Niederländisch-Indien erreichte das Schiff den Indischen Ozean und nahm seine Kaperfahrt im östlichen Indischen Ozean und im Golf von Bengalen auf. Innerhalb einer Woche brachte sie vier britische Handelsschiffe auf und kaperte zwei andere, die sie als Versorger benutzte. Die tief beunruhigte australische Regierung hielt daraufhin die Verschiffung der australischen und neuseeländischen Truppenkonvois an.[2] Am 22. September 1914 beschoss die Emden Ölanlagen bei Madras an der indischen Küste.[3]

Vorbei an Ceylon kreuzte die Emden vor den Malediven und machte Station in Diego Garcia im britischen Chagos-Archipel. Dort hatte man vom Kriegsausbruch noch keine Kenntnis und nahm die Besatzung freundlich auf. Der Kreuzer passierte erneut die Malediven und kreuzte im Seegebiet der Lakkadiven. Danach begab sich das Schiff zu den Nikobaren und griff am 28. Oktober 1914 den Hafen von Penang auf der Malaiischen Halbinsel an. Dabei gelang es der noch immer als britischer Kreuzer getarnten Emden unerkannt in den Hafen einzudringen. Dort eröffnete sie das Feuer auf die Schiffe im Hafen und versenkte den russischen Geschützten Kreuzer Schemtschug durch Torpedo- und Geschützfeuer. Auf dem Weg aus dem Hafen versenkte sie dann noch den französischen Torpedobootzerstörer Mousquet. Danach lief die unbeschädigt aus dem Gefecht hervorgegangene Emden entlang der Westküste Sumatras bis zur Sundastraße, um dann Kurs auf die Kokosinseln zu nehmen.

Hier sollte am 9. November 1914 ein Treffen mit dem Versorgungsschiff Buresk stattfinden. Außerdem führte die Besatzung der Emden ein Landungsunternehmen gegen die Kabelstation auf Direction Island durch, die zerstört werden sollte. Dieses Kommando, unter dem jungen Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke, bestand aus drei Offizieren, sechs Unteroffizieren sowie 38 Mannschaften, darunter ein ehemaliger französischer Fremdenlegionär. Sie führten vier Maschinengewehre mit je 2.000 Schuss Munition, 29 Gewehre Typ Mauser G98 sowie 24 Pistolen mit. Die Besatzung der Funk- und Kabelstation ergab sich kampflos, doch gelang es ihr, einen Notruf abzusetzen. Dieser Notruf wurde auf dem australischen Kreuzer Sydney empfangen, bis er plötzlich abbrach.

Gefecht bei den Kokosinseln[Bearbeiten]

Das Wrack der Emden von Steuerbord

Aus dem Begleitschutz eines britischen Konvois, der in etwa 50 Seemeilen Entfernung die Kokosinseln passierte, wurde die Sydney daraufhin entlassen und gegen die Emden angesetzt. Der Kommandant der Sydney hoffte, die Emden zu überraschen und im Kampf stellen zu können. Dies gelang nicht vollständig, da der Ausguck der Emden die Rauchfahne der mit hoher Fahrt herankommenden Sydney frühzeitig sichtete. An Bord des deutschen Kreuzers sah man diese jedoch zunächst als zum erwarteten Kohlentender Buresk gehörend an. Erst auf nähere Entfernung wurde das sich nähernde Schiff als gegnerischer Kreuzer erkannt. Es blieb keine Zeit mehr, den abgesetzten Landungszug wieder an Bord zu nehmen, und die Emden lief aus der engen Reede von Port Refuge heraus dem Gegner entgegen.

Die Sydney
Einer der Überlebenden (1964): Maschinistenmaat Harms-Emden (links)

Die Emden setzte Toppflaggen[4] und eröffnete das Feuer auf das feindliche Schiff, wobei dessen genaue Identität zu diesem Zeitpunkt noch ungeklärt war. Die Sydney erwiderte den Beschuss unmittelbar nach der Feuereröffnung, konnte zunächst aber keine Treffer auf der Emden erzielen. Zahlreiche 10,5-cm-Granaten des deutschen Kreuzers hingegen fanden ihr Ziel, konnten aber aufgrund der überlegenen Panzerung der Sydney – abgesehen von einem Treffer in die Feuerleitanlage und einem Blindgängereinschlag in eine Munitionskammer – nur geringe Schäden anrichten. Sich der überlegenen Reichweite und Durchschlagskraft seiner 15,2-cm-Granaten bewusst, vergrößerte der Kommandant der Sydney in der Folge den Abstand zur Emden, wobei der australische Kreuzer aufgrund seiner überlegenen Geschwindigkeit nicht fürchten musste, dass die Emden seinem Zugriff entkommen konnte.

Im weiteren Verlauf des Gefechts konnte die Sydney der Emden dann entscheidende Treffer beibringen: Neben der Zerstörung der Funkbude wurden die Schornsteine zerschossen, der Vormast mit dem Gefechtsbeobachtungsstand gefällt und die meisten Geschütze außer Funktion gesetzt. Zudem führte ein Treffer in die Rudermaschine dazu, dass der Kreuzer nur noch mit seinen beiden Schrauben steuern konnte. Die personellen Verluste waren überdies rasch sehr hoch, so dass sich Kommandant Karl von Müller entschloss, sein wrackes Schiff nach dem Ausfall der letzten Geschütze auf dem Korallenriff von North Keeling Island aufzusetzen, um es vor dem Sinken zu bewahren und so den Überlebenden eine größere Chance auf Rettung zu verschaffen. Um 11.20 Uhr lief die Emden vor der Insel im rechten Winkel zur Küstenlinie auf. Die Sydney verfolgte nun das mittlerweile ebenfalls herangekommene Kohlenschiff Buresk und holte es nach einiger Zeit ein. Die deutsche Prisenbesatzung versenkte daher das Schiff. Die Sydney übernahm die Deutschen und kehrte gegen 16.00 Uhr zur Emden zurück. Da mehrere Signalanfragen bzgl. einer Übergabe nicht beantwortet wurden und die Kriegsflagge immer noch im Topp wehte, setzte die Sydney den Beschuss des Wracks fort, bis die Kriegsflagge eingeholt wurde. Dadurch wurden sieben Männer getötet und 13 verwundet. Bei dem Versuch an Land zu schwimmen ertranken vier Seeleute.

Boot mit Überlebenden vor dem Wrack der Emden

Am nächsten Tag wurden die Überlebenden der deutschen Besatzung vom Wrack bzw. von North Keeling geborgen. Danach lief die Sydney nach Direction Island. Doch die 50 Männer vom Landungszug, unter dem Kommando von Kapitänleutnant von Mücke, waren am Abend zuvor mit dem alten Schoner Ayesha entkommen. Nach einer abenteuerlichen Odyssee über Arabien und Konstantinopel konnten sie im Juni 1915 nach Deutschland zurückkehren.

Die Emden hatte nach diesem Gefecht 136 tote Besatzungsmitglieder zu beklagen. 197 Seeleute, darunter 65 Verwundete sowie die 16 Mann Prisenbesatzung von der Buresk, gerieten in Gefangenschaft, so auch der Kommandant Karl von Müller (bis September 1918). Auf der Sydney gab es lediglich vier Tote und zwölf Verwundete. Die erlittenen Schäden waren vergleichsweise gering.

Die gefangenen Seeleute wurden nach Singapur gebracht, das nach Abzug eines britischen Bataillons nur noch vom aus nordindischen Muslimen bestehenden 5th Indian Light Infantry Regiment und den Malay States Guides geschützt wurde. Es gelang den deutschen Kriegsgefangenen, ihre Bewacher zur Meuterei anzustiften, die am 15. Februar 1915 ausbrach, aber bald von der Polizei und von Matrosen im Hafen liegender Schiffe niedergeschlagen wurde.[5][6]

Die Emden in der zeitgenössischen Presse[Bearbeiten]

Die großen Erfolge der Emden bei ihrer Kaperfahrt und vor allem die dabei dem Gegner erwiesene Ritterlichkeit fanden nach der Zerstörung des Kreuzers in der internationalen Presse ein breites Echo. Der Kleine Kreuzer wurde rasch zu einem der bekanntesten Schiffe des gesamten Ersten Weltkriegs. Bemerkenswert sind vor allem die Reaktionen der damaligen Gegner. So schrieb die Londoner The Times:

„Die Nachricht, dass die ‚Emden‘ schließlich ihr unvermeidliches Ende gefunden hat, ist hierzulande natürlich mit großer Befriedigung aufgenommen worden. […] Ihr Schicksal hat aber noch andere Gefühle erweckt: Seit den ersten Septembertagen, als die ‚Emden‘ im Golf von Bengalen erschien, waren ihre Taten durch Wagemut und Unternehmungslust gekennzeichnet, Eigenschaften, die in einem Volk mit der Marinetradition Englands Anerkennung finden müssen. […] Ihr Schicksal war ein ehrenvoller Kampf ums Dasein. […] Dennoch hat man ihr keine Handlung von Rohheit oder Gewalttätigkeit nachsagen können. […] Wir begrüßen Kapitän von Müller als einen tapferen und ritterlichen Gegner. […] Es gibt nur wenige Ereignisse in der neueren Seekriegsgeschichte, die bemerkenswerter wären als die glänzende Laufbahn der kleinen ‚Emden‘.“[7]

Auch im neutralen Ausland waren die Stimmen außergewöhnlich positiv. So veröffentlichte die italienische Corriere della Sera am 12. November 1914 einen nahezu pathetischen Artikel, in dem es hieß:

„Das einsame Schiff […] hat der deutschen Marine einen Lorbeerkranz gewunden, den weder Zeiten noch Schicksale verwelken lassen werden. […] Ruhm der ‚Emden‘ in den Weiten des Ozeans und im Gedächtnis der Menschheit.“[8]

Die norwegische Zeitung Aftenposten schrieb:

„Was die ‚Emden‘ geleistet hat, ist ohnegleichen in der Kriegsgeschichte.“[9]

Zusammenfassung[Bearbeiten]

Während ihres Kreuzerkrieges hatte die Emden in zwei Monaten 23 Handelsschiffe mit 101.182 BRT feindlichem Schiffsraum aufgebracht. Allein 16 britische Handelsschiffe wurden versenkt und weitere sieben Schiffe wurden aufgebracht. Weiterhin wurden Öllager in Madras zerstört, der russische Geschützte Kreuzer Schemtschug sowie der französische Torpedobootzerstörer Mousquet im Hafen von Penang versenkt. Die Versenkung des weitaus größeren russischen Kreuzers stellte angesichts der schwächeren Bewaffnung der Emden in jedem Fall eine bemerkenswerte Leistung dar. Ihre Aktivität hielt eine große Anzahl alliierter Kriegsschiffe, die gegen sie eingesetzt werden mussten, von anderen wichtigen Aufgaben ab.

Aufgrund ihrer teils spektakulären Erfolge avancierte die Emden zu einem der bekanntesten deutschen Kriegsschiffe überhaupt, auch bedingt durch entsprechende Präsenz in den damals zugänglichen Medien: Der Prisenoffizier der Emden, Julius Lauterbach, berichtete später in Büchern und Vorträgen von seinen Erlebnissen.[10] Kapitänleutnant von Mücke, der Führer des Landungsunternehmens auf den Kokosinseln, verfasste zwei Bücher, ‚Emden‘ und ‚Ayesha‘, die noch im Krieg hohe sechsstellige Auflagen erzielten.

Im Tamil bedeutet das Wort emṭaṉ, gesprochen [ˈemɖən], bis heute „schlauer Fuchs“ oder „gewiefter Bursche“.[11]

Auszeichnung[Bearbeiten]

Die Überlebenden des letzten Gefechts erhielten das Recht, den vererbbaren Namenszusatz „-Emden“ anzunehmen.[12] Das Schiff selbst wurde nachträglich für seine erzielten Erfolge mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Aufgrund ihrer Leistungen tragen alle vier Nachfolger des gleichen Namens das Eiserne Kreuz an Bug bzw. Aufbauten. 1919 erhielt der letzte Kommandant des Schiffes, der inzwischen zum Kapitän zur See beförderte Karl von Müller, die Ehrenbürgerschaft der Stadt Emden.

Die Reste der Emden nach dem Gefecht[Bearbeiten]

Geschütz der Emden im Hyde Park in Sydney
Das Wrack der Emden 1915

Das auf dem Korallenriff festsitzende und völlig zerschossene Wrack der Emden blieb nach der Bergung der Überlebenden dort liegen. Das kleine britische Kriegsschiff Cadmus erhielt rund zwei Wochen nach dem Gefecht Befehl, die an Bord der Emden und auf North Keeling verbliebenen Toten zu bergen und zu bestatten; eine nach Berichten von Matrosen des britischen Schiffes angesichts des tropischen Klimas außergewöhnlich unangenehme Aufgabe.[13] Auch einige der Torpedos der Emden wurden aus den Unterwasserrohren geborgen und zur Untersuchung nach Großbritannien gesandt.[14] Das Wrack verblieb ohne weitere Maßnahme an seinem Platz; wider Erwarten konnten ihm die schwere Brandung und die Taifune der kommenden Jahre nur wenig anhaben. Erst in den frühen 1920er Jahren brach dann das beim Gefecht besonders in Mitleidenschaft gezogene Heckteil des Schiffes mitsamt dem Rest des Großmastes ab und versank.[15] In den 1930er Jahren begann eine japanische Bergungsfirma mit der Ausschlachtung des Wracks, wobei insbesondere die wertvollen Buntmetalle und Panzerstahl abgeborgen wurden.[16] Messer aus dem qualitativ hochwertigen Schiffbaustahl galten in der Region lange Zeit als besonders begehrt.[17] Unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg, wurde diese Ausschlachtung erst in den 1950er Jahren beendet. Im Jahr 1954 riss dann ein besonders heftiger Sturm die letzten sichtbaren Teile der Emden unter Wasser.[18] Noch heute sind aber Teile der Kielsektion, der Maschinenanlage und einer der beiden Propeller an Ort und Stelle. Da die Insel North Keeling unbewohnt ist und nur selten zur Kokosernte aufgesucht wird, war der Liegeplatz der letzten Überreste der Emden rasch aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden und ist auch seit dem wiedererwachten Interesse an der Geschichte des Schiffes in den 1970er Jahren nur sehr schwierig zu erreichen. 1982 stellte dann die australische Regierung die Reste des Wracks unter Denkmalschutz; es darf seither nur mit einer Sondergenehmigung betaucht werden.[17] Am 15. März 1927 besuchte der Leichte Kreuzer Emden, zweite Namensnachfolgerin der ersten Emden, die Stelle und hielt am noch verhältnismäßig intakten Wrack eine Gedenkfeier ab; bis heute der einzige (offizielle) Besuch eines deutschen Marineschiffes auf der Insel.[19]

Die gerettete Reichskriegsflagge konnte nach Deutschland transportiert werden und hing schließlich in der Lübecker Marienkirche.

Einige Gegenstände von der Emden wurden später von den Australiern geborgen. So wurden zwei Geschütze des deutschen Kreuzers in Sydney bzw. Canberra aufgestellt. Das Heckemblem befindet sich im Australian War Memorial. Die Schiffsglocke, die mehrmals verschwunden war, kann seit etwa 40 Jahren im Australian War Memorial in Canberra besichtigt werden.[20]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Chronologie der aufgebrachten und versenkten Schiffe[Bearbeiten]

Schiffstyp Schiffsname Land Datum Verbleib Bemerkungen
Frachtschiff Rjasan Russland 4. August 1914 Prise – später Hilfskreuzer Cormoran
Frachtschiff Pontoporos Griechenland 9. September 1914 Prise
Frachtschiff Indus Großbritannien 10. September 1914 versenkt
Frachtschiff Lovat Großbritannien 11. September 1914 versenkt
Frachtschiff Kabinga Großbritannien 12. September 1914 aufgebracht am 14. September 1914 entlassen wegen US-amerikanischer Ladung
Frachtschiff Killin Großbritannien 12. September 1914 aufgebracht am 13. September 1914 versenkt
Frachtschiff Diplomat Großbritannien 13. September 1914 versenkt
Frachtschiff Trabboch Großbritannien 14. September 1914 versenkt
Frachtschiff Clan Matheson Großbritannien 15. September 1914 versenkt
Beschießung der Öltanks von Madras Indien 22. September 1914 in Brand geschossen / zerstört
Frachtschiff King Lud Großbritannien 25. September 1914 versenkt
Frachtschiff Tymeric Großbritannien 26. September 1914 versenkt
Frachtschiff Gryfevale Großbritannien 26. September 1914 aufgebracht mit den Gefangenen entlassen
Frachtschiff Buresk Großbritannien 26. September 1914 Prise später entlassen, am 9. November 1914 von der Prisenbesatzung selbst versenkt
Frachtschiff Ribera Großbritannien 27. September 1914 versenkt
Frachtschiff Foyle Großbritannien 27. September 1914 versenkt
Frachtschiff Clan Grant Großbritannien 16. Oktober 1914 versenkt
Baggerschiff Ponrabel Großbritannien 16. Oktober 1914 versenkt
Frachtschiff Benmohr Großbritannien 16. Oktober 1914 versenkt
Frachtschiff Troilus Großbritannien 18. Oktober 1914 versenkt
Frachtschiff St. Egbert Großbritannien 18. Oktober 1914 versenkt
Frachtschiff Exford Großbritannien 18. Oktober 1914 Prise später entlassen
Frachtschiff Chilkana Großbritannien 19. Oktober 1914 versenkt
Geschützter Kreuzer Schemtschug Russland 28. Oktober 1914 versenkt Angriff auf den Hafen von Penang (Malaysia)
Torpedobootszerstörer Mousquet Frankreich 28. Oktober 1914 versenkt Angriff auf den Hafen von Penang (Malaysia)
Frachtschiff Newburn Großbritannien 30. Oktober 1914 aufgebracht mit den französischen Gefangenen entlassen
Angriff auf die Kabelstation auf Direction Island Australien 9. November 1914 Seegefecht gegen den australischen Kreuzer Sydney

Liste der an der Suche nach der Emden beteiligten Kriegsschiffe[Bearbeiten]

Russischer Kreuzer Askold (ab Aug. 1918: Brit. Glory IV)
Französischer Zerstörer Mousquet
Schiffstyp [2] Schiffsname Land Klasse Bemerkungen
Geschützter Kreuzer Askold Russland Einzelschiff
Geschützter Kreuzer Schemtschug Russland Izumrud-Klasse Versenkt von der Emden
Kreuzer Dupleix Frankreich Dupleix-Klasse
Torpedokanonenboot D'Iberville Frankreich D'Iberville-Klasse
Torpedobootszerstörer Mousquet Frankreich Arquebuse-Klasse Versenkt von der Emden
Panzerkreuzer Minotaur Großbritannien Minotaur-Klasse
Panzerkreuzer Hampshire Großbritannien Devonshire-Klasse
Leichter Kreuzer Yarmouth Großbritannien Weymouth-Klasse
Leichter Kreuzer Melbourne Australien Chatham-Klasse
Leichter Kreuzer Sydney Australien Chatham-Klasse Zerstörte die Emden bei den Kokosinseln
Leichter Kreuzer Psyche Großbritannien Pelorus-Klasse
Leichter Kreuzer Pyramus Großbritannien Pelorus-Klasse
Leichter Kreuzer Philomel Neuseeland Pearl-Klasse
Kreuzer Chikuma Japan Tone-Klasse
Kreuzer Ibuki Japan Ibuki-Klasse
Panzerkreuzer Nisshin Japan Kasuga-Klasse

Literatur[Bearbeiten]

  • Henning Bess: 100 Jahre SMS Emden. Marineforum 11/2012, S. 51–53
  • Hellmuth von Mücke: Emden. Scherl-Verlag, Berlin 1915
  • Hellmuth von Mücke: Ayesha. Scherl-Verlag, Berlin 1915 (später als gemeinsamer Sammelband erschienen)
  • Karl-Theo Beer, Helmut Debelius: S.M.S. Emden. Koehlers Verlagsges., ISBN 3-7822-0810-2.
  • R. K. Lochner: Die Kaperfahrten des Kleinen Kreuzers EMDEN. Wilhelm Heyne Verlag, ISBN 3-453-00951-7.
  • Peter Günter Huff: S.M.S Emden 1909–1914, Schicksal eines Kleinen Kreuzers. Hamecher Verlag, ISBN 3-920307-49-6.
  • Schiffe-Menschen-Schicksale:
    • Kleiner Kreuzer Emden: Kaperkrieg in fernen Meeren 1914. Text ergänzt von Uwe Greve, Heft Nr. 54, Verfasser: Otto Mielke, Maximilian-Verlag Schober, Hamburg 1998
    • Schoner Ayesha: Eine Abenteuerfahrt im Ersten Weltkrieg. Heft Nr. 97, Verfasser: Otto Mielke, Stade-Verlag, Kiel 2002
  • Hugo von Waldeyer-Hartz: Von Tsingtau zu den Falklandinseln. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Königliche Hofbuchhandlung, Berlin 1917.
  • Ostfriesisches Landesmuseum Emden/Emder Rüstkammer: Fregatte Emden 1983–2003 – 20 Jahre im Dienst der Deutschen Marine. ISBN 3-89995-032-1.
  • Addi Dreier: Die Odyssee oder der weite Weg zurück. (Erscheinungsjahr 2005) Zu beziehen über die Bordgemeinschaft der Emdenfahrer.
  • Georg Lehfels: Der Herr des Meeres: Fahrten und Abenteuer der „Emden“ im Weltkrieg. Verlag von Velhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig 1915.
  • Fritz-Otto Busch: Die Emden jagt. Franz Schneider Verlag, 1935, Bestellnummer 331
  • Georg Gellert: Heldenfahrten der „Emden“ und „Ayesha“: Abenteuer und Kämpfe der „Emden“-Mannschaft während des Weltkrieges, mit Bildern von A. Roloff. letzte Auflage: Globus Verlag, Berlin 1943
  • Rudolf Wolff-Emden: Von den Kokosinseln nach Deutschland – Meine Erlebnisse beim Landungszug der „Emden-Ayesha“ 1914/15. Lutherstadt Wittenberg, Verlag Hermsen 1940
  • Reinhard Roehle: Emden-Ayesha: Heldenfahrten und Abenteuer deutscher Seeleute im Weltkrieg, nach Berichten von Teilnehmern erzählt. Union Verlag Stuttgart, Berlin, Leipzig 1915
  • Hermann Oesterwitz, Walter Stein: Auf der Emden und Ayesha: Erlebnisse eines Teilnehmers (Obermaat Ardenpfuhl) nach den Aufzeichnungen aus seinem Tagebuche geschildert, Vorrede: Walter Stein. Wollmann Verlag, Berlin-Lankwitz 1916
  • Olaf Fritsche: Wüstenmatrosen. Cecile Dressler Verlag, Hamburg 2008
  • Ulrich van der Heyden: Die EMDEN und die Kriegsziele im Pazifik 1914. Auf Wacht und fern der Heimant, in: Schiff Classic. Magazin für Schifffahrts- und Marinegeschichte, H. 1, 2013, S. 31.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: SMS Emden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Bordgemeinschaft der Emdenfahrer: Mehr über die Emden
  2. a b Elmar B. Potter, Chester W. Nimitz: Seemacht, Seekriegsgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Deutsche Fassung herausgegeben im Auftrag des Arbeitskreises für Wehrforschung von Jürgen Rohwer, Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching, ISBN 3-88199-082-8.
  3. R.K. Lochner: Die Kaperfahrten des Kleinen Kreuzers Emden. 3. Aufl., Heyne, München 1979, ISBN 3-453-00951-7, S.140ff.
  4. Das Setzen der Kriegsflagge im Großtopp (d.h. an der Spitze des höchsten Schiffsmastes) war das traditionelle Zeichen, dass sich ein Kriegsschiff im Gefecht mit feindlichen Einheiten befand. Es galt als unmissverständliches Signal, dass man bereit war, einen Kampf anzunehmen und durchzuschlagen. Das Niederholen der im Großtopp gehissten Flagge signalisierte dementsprechend die Bereitschaft zur Kapitulation. Diese Regulierungen galten so streng, dass selbst offensichtlich kampfunfähige Schiffe weiter beschossen wurden, solange die Großtoppflagge – evtl. nur noch aus technischen Gründen, wenn z.B. eine Beschädigung der Takelage das Niederholen verhinderte – wehte (so z.B. im Fall der Emden nach der Strandung oder bei der Versenkung des zerschossenen britischen Panzerkreuzers Monmouth durch den deutschen Kreuzer Nürnberg nach dem Seegefecht bei Coronel).
  5. Hack, Karl; Rettig, Tobias (Hrsg.); Colonial Armies in Southeast Asia; Abingdon 2006, ISBN 978-0-415-33413-6; S 254f
  6. vgl. Tarling, Nicholas; The Singapore Mutiny of 1915; Journal of the Malaysian Branch of the Royal Asiatic Society (JMBRAS), Vol. 55 (1982), No. 2
  7. Lochner: Die Kaperfahrten des Kleinen Kreuzers Emden. Ein Tatsachenbericht, München 1979, S.390.
  8. Lochner: Die Kaperfahrten des Kleinen Kreuzers Emden. Ein Tatsachenbericht, München 1979, S.391.
  9. Ebenda.
  10. Lauterbach, Julius: 1000 Pfund Kopfpreis – tot oder lebendig: Fluchtabenteuer des ehemaligen Prisenoffiziers S.M.S. „Emden“. Berlin, 1917
  11. Thomas Malten: Emden Wörterbuch Tamil-Deutsch, Institut für Indologie und Tamilistik, Köln 1994, S. 44.
  12. Bordgemeinschaft der Emdenfahrer: Der Namenszusatz Emden
  13. Peter Günter Huff: S.M.S. Emden 1909–1914, Kassel 1994, S. 253ff.
  14. Huff, S. 254f.
  15. Huff, S. 266
  16. Huff, S.255
  17. a b Lochner, S. 417.
  18. Huff, S. 266.
  19. Huff, S. 268
  20. cas.awm.gov.au: Australian War Memorial: Ship's bell from SMS Emden : HMAS Sydney, in englischer Sprache, abgerufen am 7. Dezember 2011
  21. Dokumentarfilm Unter kaiserlicher Flagge auf www.fregatte-emden.de.