SMS Gefion (1893)

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Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge)
S.M. kleiner kreuzer Gefion - restoration, borderless.jpg
Baudaten
Schiffstyp Kreuzerkorvette
ab 1893 Creuzer III. Klasse
ab 1899 Kleiner Kreuzer
Schiffsklasse Einzelschiff
Baubezeichnung: Kreuzerkorvette J
Bauwerft: Ferdinand Schichau in Danzig
Bau-Nr.: 486
Kiellegung: 28. März 1892
Stapellauf: 31. Mai 1893
Fertigstellung: 27. Juni 1894
Baukosten: 5,171 Mio. Goldmark
Schiffsmaße
Vermessung: 2.549BRT
1.147 NRT
Wasserverdrängung: Konstruktion: 3.746 t
Maximal: 4275 t
Länge: KWL: 109,2 m
über alles: 110,4 m
Breite: KWL: 13,2 m
Tiefgang: 6,27–6,47 m
Seitenhöhe: 7,87 m
Technische Daten
Kesselanlage: 6 kohlegefeuerte
querstehende Zylinder-Doppel-Dampfkessel
Maschinenanlage: 2 stehende dreizylindrige
Dreifachexpansions-Dampfmaschinen
Anzahl der Propeller: 2 dreiflügelig Ø 4,2 m
Wellendrehzahl: 142/min
Antriebsleistung: 9.000 PSi
erreicht: 9.827 PSi
Geschwindigkeit: 19,0 kn
erreicht: 20,5 kn
Fahrbereich: 3.500 sm bei 12 kn
6.500 sm bei 10 kn
Treibstoffvorrat: 860 t Kohle
Besatzung: 13 Offiziere und 289 Mann
Panzerung
Material: gehärteter Nickelstahl
Deck: horizontal: 25–30 mm
Böschung: 40 mm
Geschützschilde:  ? mm
Leitstand: horizontal: 30 mm
vertikal: 30 mm
Bewaffnung
Seezielgeschütze: 10 × 10,5-cm-L/35
(807 Schuss, 108 hm)
Torpedoboots-Kanone: 6 × 5,0 cm SK L/40
(1500 Schuss, 62 hm)
Torpedorohre
Ø 45 cm:
2 seitlich auf Deck
Kommandanten
Korvettenkapitän Hans Oelrichs Juni 1894 – Okt. 1894
Kapitän zur See Gustav Schmidt Juni 1895 – Sept. 1895
Fregattenkapitän Hugo Zeye Sept. 1895 – Feb. 1896
Kapitänleutnant Johannes Vanselow Feb. 1896 – März 1896
Kapitän zur See Rudolf von Eickstedt März 1896 – Okt. 1896
Korvettenkapitän Hugo Plachte Okt. 1896 – Sept. 1897
Korvettenkapitän Friedrich Follenius Sept. 1897 – Dez. 1898
Fregattenkapitän Max Rollmann Dez. 1898 – Jan. 1901
Fregattenkapitän Heinrich Bredow Jan. 1901 – Juni 1901
Korvettenkapitän Otto Weniger Juni 1901 – Okt. 1901

SMS Gefion war ein Kleiner Kreuzer der Kaiserlichen Marine. Der Kreuzer wurde nach Gefion, einer Asenjungfrau der germanischen Mythologie benannt.

Die Gefion entstand unter dem Amtsentwurf 1891 als Kreuzerkorvette, wurde später zum Kreuzer III. Classe und 1899 zum Kleinen Kreuzer umklassifiziert. Sie war das erste Schiff dieser Größenordnung der Kaiserlichen Marine, das schon vom Entwurf her keine Hilfsbesegelung mehr erhielt.

Entwurf[Bearbeiten]

Die Kreuzerkorvette war der erste Versuch der Kaiserlichen Marine, einen sowohl für Aufklärungs- und Flottenaufgaben als auch für Überseezwecke geeigneten Kreuzer zu schaffen.

Der Schiffskörper war den damaligen Gegebenheiten entsprechend als Quer- und Längsspant-Stahlbau ausgeführt, wobei die Schiffsunterseite aus Muntzmetall auf Holzplanken bestand, um den Bewuchs des Schiffsbodens zu verhindern. Ursprünglich waren als Bewaffnung zehn 15-cm Mantelringkanonen vorgesehen, diese wurden jedoch noch vor der Indienststellung durch neu entwickelte und wesentlich modernere Schnellladekanonen vom Kaliber 10,5-cm ersetzt. Dieses Geschütz blieb - von einigen Modifikationen abgesehen - bis 1912 das Standardkaliber der Marine bei den Kleinen Kreuzern.

Einsätze[Bearbeiten]

SMS Gefion in den 1890er Jahren

Nach der Erprobungs- und Einfahrphase wurde die Gefion am 2. Oktober 1894 in den aktiven Dienst übernommen. Schon in der Einfahrphase hatten sich Unzulänglichkeiten an der Maschinenanlage herausgestellt, die nicht grundlegend behoben werden konnten: Kleinere Havarien, zu schwach dimensionierte Verbände und Vibrationen bei höheren Fahrtstufen minderten den Einsatzwert und die Betriebssicherheit beträchtlich. Hinzu kam die äußerst schlechte Belüftung der Maschinenräume, die im Dauereinsatz extreme Anforderungen an die physischen Kräfte des Heizpersonals stellte und konstruktionsbedingt nur geringfügig gemildert werden konnte.

Im Juni 1895 nahm das Schiff an den Eröffnungsfeierlichkeiten für den Kaiser Wilhelm Kanal teil. Anschließend diente es aufgrund seines verhältnismäßig großen Fahrbereichs bis 1897 jährlich als Begleitschiff der Kaiseryacht SMY Hohenzollern bei den üblichen Sommerreisen. Am 30. April 1897 begleitete die Gefion das schwedische Passagierschiff Rex bei dessen Eröffnungsfahrt der Postdampferlinie von Sassnitz nach Trelleborg.

Von September bis Dezember 1897 wurde die Gefion grundüberholt, um anschließend am 16. Dezember des Jahres die Fahrt zur Ostasiatischen Kreuzerdivision in Tsingtau anzutreten. Dort erfüllte sie die üblichen Repräsentationspflichten eines Stationsschiffes und besuchte mehrfach russische und japanische Häfen. Während des Boxer-Aufstands stellte das Schiff unter Kapitänleutnant Otto Weniger, dem späteren Kommandanten, ein Landungskorps, welches an der gescheiterten Seymour-Expedition im Juni 1900 teilnahm. Danach wurde die Gefion umgehend nach Deutschland zurückbeordert. Nach der Ankunft im Wilhelmshaven am 22. September 1901 stellte die Gefion außer Dienst und wurde anschließend bis 1904 einer Grundinstandsetzung unterzogen. Danach erhielt sie bis 1914 einen Reservestatus und war am 10. August 1914 zur Mobilisierung vorgesehen. Aufgrund von Personalmangel unterblieb aber die Wiederindienststellung, und 1916 wurde die Gefion Wohnschiff in Danzig.

Am 5. November 1919 erfolgte die Streichung aus der Liste der Kriegsschiffe und der Verkauf an die Norddeutsche Tiefbaugesellschaft in Berlin. Diese ließ das Schiff 1920 in Danzig zum Motorschiff umbauen. Dabei wurden die meisten Aufbauten sowie die Maschinenanlage entfernt und stattdessen zwei Ladebäume samt zugehörigen Stauraum eingebaut. Die Antriebsanlage bestand nun aus zwei je 1500 PS starken Dieselmotoren, die ursprünglich für U-Kreuzer der Kaiserlichen Marine bestellt worden waren. Unter dem Namen Adolf Sommerfeld wurde der ehemalige Kreuzer von der Danziger Hoch- und Tiefbau GmbH bereedert, aber schon 1923 ebendort abgewrackt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Gröner: Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945. Band 1. Panzerschiffe, Linienschiffe, Schlachtschiffe, Flugzeugträger, Kreuzer, Kanonenboote. Bonn: Bernard & Graefe 1998 ISBN 3-7637-4800-8.
  • Hans H. Hildebrandt, Albert Röhr und Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 3, Herford: Koehlers Verlagsgesellschaft mbH 1983 ISBN 3-7822-0371-2.
  • Robert Gardiner: Conway’s All the World’s Fighting Ships 1860-1905. London: Conway Maritime Press 1979 ISBN 0-85177-133-5.

Weblinks[Bearbeiten]