SMS Leipzig (1875)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge)
Kreuzerfregatte Leipzig 01.jpg
SMS Leipzig
Baudaten
Klasse Leipzig-Klasse
Schiffstyp Gedeckte Korvette
(ab 1884: Kreuzerfregatte)
Bauwerft AG Vulcan, Stettin
Bau-Nr.: 72
Bauname Gedeckte Korvette Thusnelda
Baukosten 4.061.000 Mark
Stapellauf 13. September 1875
Indienststellung 1. Juni 1877
Verbleib Am 27. August 1894 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen.
Nach Nutzung als Hulk 1921 abgewrackt.
Technische Daten
Wasserverdrängung Konstruktion: 3.980 t
Maximal: 4.626 t
Länge KWL: 87,0 m
über Alles: 87,5 m
Breite 14,0 m
Tiefgang 6,9 m
Takelung Vollschiff
Segelfläche 2.600 m²
Antriebsanlage
Maschinenleistung 6.050 PSi
Geschwindigkeit 15,8 kn
Fahrbereich 2.330 sm bei 10 kn
Bewaffnung
  • 2 x 17 cm L/25 Rk
  • 10 x 17 cm L/20 Rk (gesamt 1.226 Schuss)

ab Umbau zusätzlich:

  • 4 x 3,7 cm Rev
  • 4 Torpedorohre \varnothing 35 cm (2 Seiten, 2 Bug, über Wasser, 10 Schuss)
Besatzung 425 Mann

Die SMS Leipzig war eine Gedeckte Korvette bzw. ab 1884 Kreuzerfregatte der deutschen Kaiserlichen Marine, die 1875 in Stettin gebaut und 1921 in Wilhelmshaven abgewrackt wurde. Sie war an zahlreichen Unternehmungen der deutschen Kolonialpolitik beteiligt sowie ein Instrument deutscher Kanonenbootpolitik. Von 1888 bis 1892 war sie das Flaggschiff des Kreuzergeschwaders. Ihr Name bezog sich nicht auf die Stadt Leipzig, sondern auf die Völkerschlacht bei Leipzig von 1813.

Weltreise 1877–1879[Bearbeiten]

Nach ihrer Indienststellung wurde die Korvette als Seekadettenschulschiff unter Korvettenkapitän Karl Paschen auf eine Weltreise entsandt. Dabei war sie im März 1878 Teil einer deutschen Marinedemonstration in Corinto/Nicaragua im Kontext der Eisenstuck-Affäre. Nach dem Ende der Affäre besuchte die Leipzig mexikanische und US-amerikanische Häfen. Im Juli 1878 traf sie in Japan ein. Im April 1879 besuchte sie chinesische Häfen und kehrte dann über Singapur, Kapstadt und Plymouth am 27. September 1879 nach Kiel zurück.

Weltreise 1882–1884[Bearbeiten]

Nach einigen Umbauten, u.a. dem Einbau von vier Torpedorohren, trat die Leipzig am 19. Oktober 1882 ihre zweite Weltreise an. Im Juni 1883 wurde sie dem Ostasiatischen Kreuzergeschwader zugeteilt. Ende 1883 transportierte sie den deutschen Generalkonsul in Schanghai, Zappe, nach Tschemulpo, der dort den ersten deutsch-koreanischen Handelsvertrag unterzeichnete. Damit verbunden war der Besuch einiger Schiffsoffiziere sowie des Musikkorps am Hof von König Taiwen-kun in Seoul. Im März 1884 schied die Leipzig aus dem Kreuzergeschwader aus und trat die Heimreise an. Vor Borneo bzw. in der Nähe von Sandakan lief das Schiff auf und musste in Singapur sieben Wochen lang repariert werden. In dieser Zeit brach eine Fieberepidemie an Bord aus, so dass ein Teil der erkrankten Besatzung ausgeschifft werden musste.

Auf der weiteren Rückreise wurde die Leipzig überraschend zur Teilnahme an der Inbesitznahme der deutschen Kolonien in Westafrika (Deutsch-Südwestafrika, Kamerun und Togo) befohlen. Am 6. August 1884 nahm sie an der Proklamation zur Inbesitznahme von Deutsch-Südwestafrika vor Angra Pequeña teil. Am 30. August 1884 traf sie zur Unterstützung des deutschen Reichskommissars Gustav Nachtigal vor Fernando Poo ein und wurde von ihm beauftragt, zur Sicherung der deutschen Herrschaft in verschiedenen Küstenorten Kameruns die deutsche Flagge zu hissen. Dies erfolgte am 5. September 1884 auch vor Porto Seguro und Klein-Popo im späteren Togo. Am 9. Oktober 1884 lief das Schiff wieder in Wilhelmshaven ein.

Umbau[Bearbeiten]

Am 25. November 1884 wurde die Leipzig als Kreuzerfregatte klassifiziert und einer Grundüberholung unterzogen. Das Schiff erhielt eine neue Maschinenanlage und einen zweiten Schornstein. Da das Schiff als Flaggschiff des Kreuzergeschwaders vorgesehen war, wurden außerdem die Räumlichkeiten zur Unterbringung eines Admirals samt Stab verändert. Nach diversen technischen Schwierigkeiten, die sich durch die Umbaumaßnahmen ergaben, stellte das Schiff erst im April 1888 wieder in Dienst.

Im Araberaufstand in Ostafrika 1888/89[Bearbeiten]

Als Flaggschiff des Kreuzergeschwaders unter Vizeadmiral Karl August Deinhard war die Leipzig an der Niederschlagung des so genannten Araberaufstands in Deutsch-Ostafrika beteiligt. Am 8. Mai 1889 nahm auch ein Landungskorps der Kreuzerfregatte an der Erstürmung des Buschiri-Lagers bei Bagamojo teil. Ein weiteres Landungskorps nahm an der Eroberung von Pangani am 8. Juli 1889 teil. Nach der Beendigung des Aufstands wurde die Leipzig im Kapstadt überholt.

Ostasien 1890–1891[Bearbeiten]

Nach einem Zwischenaufenthalt im Mittelmeer lief die Kreuzerfregatte Anfang 1890 nach Ostasien aus und unterstand ab Mai dem neuen Chef des Kreuzergeschwaders, Konteradmiral Victor Valois. In dieser Zeit versah sie Routinedienst und besuchte u.a. auch Neuseeland und Samoa. Anfang 1891 wurden chinesische Häfen besucht.

Chilenischer Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Im Mai 1891 erhielt Admiral Valois den Befehl, deutsche Interessen im chilenischen Bürgerkrieg zu schützen. Auf der Anreise nach Chile gingen der Leipzig die Kohlen aus, so dass sie 97 Stunden lang geschleppt werden musste. Als sich der Bürgerkrieg im August 1891 zuspitzte, setzte die Leipzig Ende des Monats zusammen mit der britischen HMS Champion ein Landungskorps in Valparaíso aus, um deutsch bzw. britisch bewohnte Stadtviertel zu schützen.

Südafrika[Bearbeiten]

Nach dem Ende des chilenischen Bürgerkriegs besuchte die Leipzig verschiedene südamerikanische Häfen und wurde in Kapstadt erneut überholt. Im März 1892 ankerte sie in der Delagoa-Bucht, von wo aus eine Besucherdelegation unter dem neuen Chef des Kreuzergeschwaders, Konteradmiral Friedrich von Pawelsz, den Präsidenten der Burenrepublik Transvaal, Paul Kruger, besuchte.

Ende der aktiven Dienstzeit[Bearbeiten]

Bei einem erneuten Reparaturaufenthalt in Kapstadt stellte sich heraus, dass das Schiff aufgrund starker Abnutzungserscheinungen einer weiteren Grundüberholung unterzogen werden musste, selbst wenn dafür das Kreuzergeschwader aufgelöst werden musste. Die Leipzig kehrte daher im Frühjahr 1892 nach Wilhelmshaven zurück. Eine Untersuchung ergab, dass eine Verwendung für überseeische Tätigkeiten ausgeschlossen war, der Rumpf jedoch gut genug war, um ihn als Wohnhulk zu nutzen. In dieser Funktion diente sie noch 25 Jahre. So wurde auf ihr die Funktelegraphie-Schule der Marine eingerichtet. Im Ersten Weltkrieg diente sie U-Boots-Schülern als Quartier.

Am 5. Mai 1919 legte sie sich plötzlich im Hafenbecken auf die Seite, wobei niemand zu Schaden kam, da sich keine Personen an Bord befanden. Sie wurde erst 1921 wieder gehoben und dann abgewrackt.

Kommandanten[Bearbeiten]

1. Juni 1877 bis 12. Juni 1877 Korvettenkapitän Paul Zirzow
13. September bis 18. Oktober 1879 Korvettenkapitän / Kapitän zur See Carl Paschen
3. Oktober 1882 bis 22. Oktober 1884 Korvettenkapitän / Kapitän zur See Otto Herbig
1. September bis 20. Oktober 1886 Korvettenkapitän Herbing
12. Oktober bis 12. November 1887 Korvettenkapitän Herbing
6. April bis August 1888 Korvettenkapitän Eduard Hartog
August 1888 bis Februar 1889 Kapitän zur See Franz Strauch
Februar bis März 1889 Kapitänleutnant Hermann da Fonseca-Wollheim (in Vertretung)
März 1889 bis November 1890 Kapitän zur See Max Plüddemann
November 1890 bis Oktober 1892 Kapitän zur See Fritz Rötger
16. Oktober 1892 bis 2. Juni 1893 Kapitän zur See Richard Hornung

Literatur[Bearbeiten]

  • Gröner, Erich / Dieter Jung / Martin Maass: Panzerschiffe, Linienschiffe, Schlachtschiffe, Flugzeugträger, Kreuzer, Kanonenboote. Bernard & Graefe Verlag, München 1982. (Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Bd. 1) ISBN 3-7637-4800-8.
  • Hans Hildebrand / Albert Röhr / Hans-Otto Steinmetz: Schiffsbiographien von Kaiser bis Lütjens. Mundus Verlag, Ratingen o. J. (Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien – ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart. Bd. 5).
  • Janssen, Jens: Kreuzerfregatte „Leipzig“ I. Zum erstenmal Eisen statt Holz. München 1959. (SOS Schicksale deutscher Schiffe. Bd. 179.)
  • Nagel, Alfred G.: Vier Kreuzer „Leipzig“. Berlin o.J.
  • Paschen, Carl: Aus der Werdezeit zweier Marinen. Erinnerungen an meine Dienstzeit in der k.k. österreichischen und kaiserlich deutschen Marine. Berlin 1908.