SMS Nassau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge)
SMS Nassau.jpg
Baudaten
Schiffstyp Großlinienschiff
(Schlachtschiff)
Schiffsklasse Nassau-Klasse
Baubezeichnung: Ersatz Bayern
Bauwerft: Kaiserliche Werft, Wilhelmshaven
Bau-Nr.: 30
Kiellegung: 22. Juli 1907
Stapellauf: 7. März 1908
Fertigstellung: 1. Oktober 1909
Besatzung: 40 Offiziere und 968 Mann
Baukosten: 37,4 Mio. Goldmark
Wappen-Nassau.jpg
Wappen der SMS Nassau
Schwesterschiffe
SMS Westfalen
SMS Rheinland
SMS Posen
Schiffsmaße
Vermessung: 10.351 BRT
6.379 NRT
Wasserverdrängung: Konstruktion: 18.873 t
Maximal: 20.535 t
Länge: KWL: 145,6 m
über alles: 146,1 m
Breite: 26,9 m
Tiefgang: 8,76 m
Seitenhöhe: 13,25 m
Technische Daten
Kesselanlage: 12 Marine-Kessel
(Kohle-/Ölfeuerung)
Maschinenanlage: 3 stehende
3-Zyl.-Dreifachexpansions-
Dampfmaschinen
Anzahl der Propeller: 3 vierflügelig \varnothing 5 m
Wellendrehzahl: 124 min-1
Antriebsleistung: 26.244 PSi
Geschwindigkeit: 20 kn
Fahrbereich: 8.300 sm bei 12 kn
Treibstoffvorrat: 2.700 t Kohle und 160 t Öl
Panzerung
Gürtelpanzer: vorn: 80 mm
Mitte: 300 mm
achtern: 90 mm
Seitenpanzer: vorn: 100 mm
Mitte: 170 mm
achtern: 120 mm
Deck: 55–80 mm
Türme: 90–280 mm
Kasematten: 160 mm (Schilde: 80 mm)
Leitstand (vorn): horizontal: 80 mm
vertikal: 400 mm
Leitstand (achtern): horizontal: 50 mm
vertikal: 200 mm
Bewaffnung
Seezielgeschütze: 12 Sk – 28 cm L/45
in sechs Doppeltürmen
(204 hm, 900 Schuss)
12 Sk – 15 cm L/45
(168 hm, 1.800 Schuss)
14 Sk – 8,8 cm L/45 (bis 1916)
Flak: 2 – 8,8 cm L/45 (ab 1915)
Torpedorohre
\varnothing 45 cm:
1 Bug, 1 Heck, 4 Seiten
(alle unter Wasser)
Kommandanten
Kapitän zur See Schütz Oktober 1909 bis September 1910
Kapitän zur See Gisberth Jasper 16. September 1910 bis 30. September 1912
Kapitän zur See Ludolf von Usslar 1. Oktober 1912 bis 25. August 1915
Kapitän zur See Max Köthner August bis November 1915
Kapitän zur See Robert Kühne November 1915 bis Februar 1916
Kapitän zur See Hans Klappenbach März 1916 bis Januar 1917
Kapitän zur See Victor Reclam Januar 1917 bis November 1918
Kapitän zur See Hermann Bauer 6. November bis 20. Dezember 1918

SMS Nassau war das erste Großlinienschiff (Schlachtschiff) der Kaiserlichen Marine des Deutschen Reiches. Benannt war sie nach der damaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Nassau wurde als Ersatz für die vor der Ausmusterung stehende, über 25 Jahre alte Panzerkorvette Bayern der Sachsen-Klasse in den Marinehaushalt eingeplant. Ebenso wie ihre Schwesterschiffe Westfalen, Rheinland und Posen, die ebenfalls veraltete Panzerkorvetten ersetzten und alle nach preußischen Provinzen benannt waren.

Konstruktion und Bau[Bearbeiten]

Die Nassau-Klasse wird häufig als typischer „Antwortbau“ auf die britische HMS Dreadnought und auf die amerikanische South-Carolina-Klasse verstanden. Dies entspricht jedoch nicht den Tatsachen. Die Planungen für die vier Schiffe dieser Klasse reichen bis ins Jahr 1904 zurück. Die Kaiserliche Marine hatte, ebenso wie die britische und die amerikanische, schon länger erkannt, dass die Probleme der Koordination von Geschützen verschiedener Kaliber durch den Übergang zu einem Schlachtschiff mit einheitlichem Geschützkaliber gelöst werden können. Zudem verdeutlichte die Seeschlacht bei Tsushima im Mai 1905, dass bei zukünftigen Konflikten mit einer erheblich größeren Schussweite der Kanonen gerechnet werden musste. Damalige Annahmen gingen von einer durchschnittlichen Gefechtsentfernung von ca. 2000 bis 3000 Meter aus, während bei Tsushima der Kampf auf 7000 bis 8000 Meter stattfand.

Die sechs Geschütztürme der Nassau waren in Hexagonalaufstellung eingebaut. Dies hatte den Nachteil, dass bei insgesamt zwölf Geschützrohren des Kalibers 28 cm nur acht gleichzeitig nach den Seiten hin feuern konnten; nach vorn und nach achtern waren es sogar nur sechs. Andererseits verfügte man so über eine so genannte Feuerleereserve. Das heißt, wären im Gefecht die Türme der einen Schiffseite zerstört worden, hätten nach einem Wendemanöver oder im Mêlée noch die der anderen Seite eingesetzt werden können.

Ein Grund für diese ungünstige Aufstellung war der Umstand, dass die Nassau und ihre drei Schwesterschiffe mit konventionellen Kolbendampfmaschinen ausgerüstet werden mussten. Die deutsche Industrie konnte zur Zeit ihres Baues noch keine Dampfturbinen herstellen. Die Bauhöhe der Maschinen ließ es nicht zu, die mittleren Geschütztürme auf der Mittellinie des Schiffskörpers einzubauen, von wo aus sie nach beiden Seiten hätten feuern können. Eine sogenannte „überhöhte Endaufstellung“, d. h. vor und hinter den Maschinen wie bei der South-Carolina-Klasse, bei der ein Turm über den anderen hinwegfeuern konnte, wurde verworfen, weil man befürchtete, dass beim Feuern über die Schiffsenden der entstehende Gasdruck zu Schäden am unteren, überfeuerten Turm führen könnte. Erst bei der Planung der späteren Kaiser-Klasse waren diese Bedenken zerstreut.

Ein weiterer Grund war, dass Admiral von Tirpitz großen Wert auf eine starke Rundumfeuerkraft legte, da er Nahkämpfe zwischen Schlachtschiffen nach wie vor für möglich hielt. Um die Breite des Rumpfes in Grenzen zu halten, waren anfangs seitliche Einzeltürme eingeplant, die beim endgültigen Entwurf aber durch Doppeltürme ersetzt wurden, da das Verhältnis zwischen der Feuerkraft und dem Gewicht von Türmen und Panzerung sonst zu ungünstig gewesen wäre. Der dadurch bedingte große Abstand zwischen der Außenwand des Rumpfes und dem Torpedoschott verbesserte die Standfestigkeit gegen Unterwassertreffer durch Minen und Torpedos.

Wegen der großen Rumpfbreite nahm man anfangs an, auf Schlingerkiele verzichten zu können. Während der Erprobungen stellte sich jedoch heraus, dass es auf bestimmten Kursen zu einer Synchronität mit der Dünung der Nordsee kam, was heftige Rollbewegungen (um die Längsachse) des Schiffes verursachte. Durch den nachträglichen Anbau der Schlingerkiele wurden die Schiffsbewegungen wesentlich ruhiger, was auch einen positiven Einfluss auf die Zielgenauigkeit der Geschütze hatte.

Einsatz[Bearbeiten]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Die SMS Nassau hat bei vielen Unternehmen der Kaiserlichen Marine in der Nordsee mitgewirkt. Höhepunkt war ihre Beteiligung an der Skagerrakschlacht, in der sie durch zwei Granattreffer der Mittleren Artillerie und eine Kollision mit dem britischen Zerstörer HMS Spitfire beschädigt wurde. Elf Tote und 16 Verwundete waren auf dem Schiff zu beklagen.

Nach anschließendem Werftaufenthalt zur Reparatur der Schäden war die SMS Nassau am 10. Juli 1916 wieder einsatzbereit.

1917 kam es zu einer Matrosenmeuterei gegen die Weiterführung des Krieges unter maßgeblicher Beteiligung von Joseph Götz.

Liste der Einsätze[Bearbeiten]

Verbleib[Bearbeiten]

Gemäß den Bedingungen des Versailler Vertrages musste die Nassau am 5. November 1919 aus der Flottenliste gestrichen und am 7. April 1920 als Reparationsschiff B an Japan ausgeliefert werden. Da die Japaner keine Verwendung für das ihnen zugesprochene Schiff hatten, verkauften sie es im Juni 1920 an eine britische Schrottfirma, die es in Dordrecht abwracken ließ.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Gröner, Dieter Jung, Martin Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945 Band 1. Bernard & Graefe, München 1982, ISBN 3-7637-4800-8.
  • Siegfried Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1905–1970. J. F. Lehmanns Verlag, München 1970, ISBN 3-88199-474-2.
  • Roger Chesneau, Eugene M. Kolesnik: Kriegsschiffe der Welt 1860 bis 1905 – Band 1: Großbritannien und Deutschland. Bernard & Graefe, Koblenz 1983, ISBN 3-7637-5402-4.
  • Axel Grießmer: Linienschiffe der Kaiserlichen Marine 1906–1918. Bernard & Graefe, Bonn 1999, ISBN 3-7637-5985-9.
  • Vorschrift der Kaiserlichen Marine - D.E. Nr. 371,116 - Schiffskunde S.M.S. Nassau - 1913
  •  Conway’s All the World’s Fighting Ships 1906–1921. Conway Maritime Press Ltd, London 1985, ISBN 0-85177-245-5, S. 145.