SMS Scharnhorst

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Dieser Artikel behandelt den Großen Kreuzer SMS Scharnhorst aus dem Ersten Weltkrieg, zu weiteren Schiffen mit dem Namen Scharnhorst siehe unter Scharnhorst
SMS Scharnhorst
SMS Scharnhorst by Arthur Renard.jpg
p1
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
Schiffstyp Großer Kreuzer
Klasse Scharnhorst-Klasse
Bauwerft Blohm & Voss, Hamburg
Baunummer 175
Baukosten 20.319.000 Mark
Stapellauf 22. März 1906
Indienststellung 24. Oktober 1907
Verbleib Am 8. Dezember 1914 versenkt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
144,6 m (Lüa)
143,8 m (KWL)
Breite 21,6 m
Tiefgang max. 8,37 m
Verdrängung Konstruktion: 11.616 t
Maximal: 12.985 t
 
Besatzung 764 Mann (bis 838 als Flaggschiff)
Maschine
Maschine 18 Marinekessel Schulz-Thornycroft
3 3-Zyl.-Verbundmaschinen
Maschinen-
leistung
28.783 PS (21.170 kW)
Geschwindigkeit max. 23,5 kn (44 km/h)
Propeller 1 vierflügelig ∅ 4,7 m
2 vierflügelig ∅ 5,0 m
Bewaffnung
  • 8 × Sk 21,0 cm L/40 (700 Schuss)
  • 6 × Sk 15,0 cm L/40 (1.020 Schuss)
  • 18 × Sk 8,8 cm L/35 (2.700 Schuss)
  • 4 × Torpedorohr ∅ 45,0 cm (1 Bug, 2 Seiten, 1 Heck, unter Wasser, 111 Schuss)
Panzerung
  • Gürtel: 80–150 mm auf 50 mm Teak
  • Zitadelle: 150 mm
  • Deck: 35–60 mm
  • vorderer Kommandoturm: 30–200 mm
  • achterer Kommandoturm: 20–50 mm
  • Türme: 30–170 mm
  • Kasematten: 150 mm
  • Schilde schwere Artillerie: 40–150 mm
  • Schilde Mittelartillerie: 80 mm

SMS Scharnhorst war ein Großer Kreuzer (Panzerkreuzer) der Kaiserlichen Marine und Typschiff der nach ihr benannten Scharnhorst-Klasse. Sie war das Flaggschiff des deutschen Ostasiengeschwaders vor und während des Ersten Weltkrieges. Die Namensgebung erfolgte nach dem preußischen Generalfeldmarschall Gerhard von Scharnhorst.

Technik[Bearbeiten]

Umbauten und Erkennungsmerkmale[Bearbeiten]

Der Kreuzer wurde zweimal in geringerem Umfang umgebaut. Zunächst wurden 1912 die Kranbrücken entfernt und die dortigen Scheinwerfer auf neue Plattformen hinter der Brücke und in die Masten versetzt, die ebenfalls modifiziert wurden. Je ein Scheinwerfer kam in den Vortopp und auf die Vormarsdecke und zwei kamen diagonal versetzt auf die Großmarsdecke.[1]

Kurz vor Kriegsbeginn wurde der Fockmast nochmals geändert, u.a. erhielt er einen auffälligen und schon auf große Entfernung sichtbaren Fleckerstand (Ausguck). Vom fast baugleichen Schwesterschiff SMS Gneisenau konnte die Scharnhorst sicher nur durch die Anordnung der Dampfrohre an den Schornsteinen unterschieden werden.[1] Die Gneisenau hatte backbords an der Vorderseite des zweiten Schornsteins ein Dampfrohr, das über das Schornsteingitter hinausragte, während auf der Scharnhorst alle Dampfrohre unterhalb der Schornsteinoberkanten endeten. Zwar wurden später die (ansonsten anders als bei den Vorgängern der Roon-Klasse baugleichen) Bootskräne auf der Scharnhorst normalerweise achteraus und auf der Gneisenau nach vorn verzurrt, aber das war kein sicheres Unterscheidungsmerkmal, da es ursprünglich nicht verwendet wurde. Erst im Krieg waren die beiden Schiffe leichter zu unterscheiden, weil die Gneisenau zwar den ersten Umbau wie die Scharnhorst erhielt, aber nicht den zweiten Umbau, so dass der Fleckerstand im Vormast sofort die Scharnhorst verriet.

Der Anstrich wechselte mehrfach. Fertiggestellt im weiß/ocker des „Auslandsanstrichs 98“ als Kaiserbegleitschiff, dann in das typische hellgrau/mittelgrau umgepönt, wurde die Scharnhorst nach Verlegung nach Ostasien nochmals kurzzeitig in den „Auslandsanstrich 98“ als sog. Tropenanstrich umgestrichen (dann schon im Aussehen nach dem ersten Umbau), um ab 1911 endgültig grau zu werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Scharnhorst wurde als zweites Schiff einer neuen Klasse von Großen Kreuzern (sowohl die Panzerkreuzer als auch die Schlachtkreuzer wurden in der Kaiserlichen Marine aufgrund der rechtlichen Festlegungen der Flottengesetze so bezeichnet) im Jahre 1905 bei der Werft Blohm & Voss in Hamburg auf Kiel gelegt. Sie war wie ihr Schwesterschiff Gneisenau für den Einsatz in den Gewässern der deutschen Kolonien Deutsch-Neuguinea, Deutsch-Samoa und Kiautschou konzipiert. Ihr Stapellauf war am 22. März 1906 und ihre Indienststellung fand am 24. Oktober 1907 statt. Am 1. Mai 1908 trat sie, SMS Yorck ablösend, ihren Dienst als Flaggschiff des Befehlshabers der Aufklärungsstreitkräfte (B.d.A.) der Hochseeflotte an. Bis zum 11. März 1909 übte sie diese Funktion aus. Danach wurde sie nach Ostasien (Tsingtau) entsandt.

Auslandseinsatz[Bearbeiten]

Am 1. April 1909 verließ sie mit Konteradmiral Friedrich von Ingenohl an Bord Kiel und traf am 29. April in Colombo mit SMS Fürst Bismarck, dem bisherigen Flaggschiff des deutschen Ostasiengeschwaders, zusammen. An diesem Tag wurde die Scharnhorst Flaggschiff des Geschwaders. Ab 1909 war sie als solches in Tsingtau stationiert. Am 14. März 1911 traf das Schwesterschiff Gneisenau in Tsingtau ein. Bis zum Kriegsausbruch im Jahr 1914 kreuzte die Scharnhorst in chinesischen und japanischen Gewässern und unternahm mehrere Fahrten in die Südsee.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs befand sich das Schiff mit dem Ostasiengeschwader in Ponape. Da der Stützpunkt Tsingtau aufgrund der zu erwartenden japanischen Besetzung aufgegeben werden musste, entschloss sich der Befehlshaber des Geschwaders Vizeadmiral Maximilian von Spee, nach Deutschland zu gelangen. Zunächst lief man die Insel Pagan auf den damals deutschen Marianen (Teil Deutsch-Neuguineas) an, wo die Kleinen Kreuzer SMS Nürnberg und SMS Emden zum Geschwader stießen. Am 14. August 1914 verließen die Schiffe die Insel wieder. Die Emden wurde in den Indischen Ozean entlassen, um dort selbständig Kreuzerkrieg zu führen. Das Geschwader durchquerte dann in langsamer Fahrt den Pazifik. Dadurch erreichte Vizeadmiral Graf Spee die Wirkung einer Fleet-in-being, bei der das Kriegsgeschehen durch die bloße Anwesenheit einer Flotte beeinflusst wird. Es folgten verschiedene Kohlenübernahmen bei den Marshallinseln und vor Deutsch-Samoa. Am 22. September wurde auf der Reede von Papeete (Tahiti) das französische Kanonenboot Zelee versenkt. Am 12. Oktober lief das Geschwader die Osterinsel an, um hier erneut zu kohlen. Hier stießen die Kleinen Kreuzer SMS Dresden und SMS Leipzig dazu. Zwei Tage später ging die Fahrt weiter.

Gefecht bei Coronel[Bearbeiten]

Postkarte mit der SMS Scharnhorst
Hauptartikel: Seegefecht bei Coronel

Vor der chilenische Küste traf Graf Spee mit seinem Geschwader am 1. November 1914 auf eine britische Kampfgruppe unter Vizeadmiral Christopher Cradock. Es kam zum Seegefecht bei Coronel. Graf Spee verzögerte die Annahme des Gefechts so lange, bis seine von der Abendsonne beschienenen Schiffe in der Dämmerung mit dem Grau der chilenischen Küstengebirge verschwammen, wohingegen die zuerst von blendender Abendsonne gestörten deutsche Geschützbedienungen nach Sonnenuntergang die britischen Schiffe als klare Silhouetten vor sich hatten. In relativ kurzer Zeit wurden die veralteten britischen Panzerkreuzer HMS Good Hope und HMS Monmouth versenkt, wobei die Scharnhorst als Spitzenschiff auf das britische Flaggschiff Good Hope feuerte, und trotz schwerer See und starkem Wind ca. 30-40 Treffer erzielte.

Dem Leichten Kreuzer Glasgow gelang leicht beschädigt die Flucht. Der Hilfskreuzer Otranto war schon vorher abgelaufen. Die Deutschen verließen das Gefecht zwar fast unbeschädigt, hatten jedoch teilweise die Hälfte ihrer Munition verschossen.

Nachdem das Geschwader am 4. November in Valparaíso seine Vorräte ergänzt hatte, setzte es seine Fahrt südwärts fort. Anfang Dezember erreichte es das Kap Hoorn. Nach einer letzten Kohlenübernahme wollte Graf Spee am Morgen des 8. Dezember 1914 die Funkanlagen der Falklandinseln zerstören und sich der dortigen Kohlenvorräte bemächtigen. Außerdem war geplant, den britischen Gouverneur gefangen zu nehmen. Die Briten hatten jedoch mittlerweile zwei Schlachtkreuzer in den Südatlantik und einen (HMS Princess Royal) in die Karibik geschickt, um das deutsche Geschwader abzufangen. Die britische Kampfgruppe im Südatlantik, unter Admiral Frederik Doveton Sturdee, war mit ihren beiden Schlachtkreuzern HMS Invincible und HMS Inflexible sowie den drei alten Panzerkreuzern HMS Kent, HMS Carnarvon und HMS Cornwall den deutschen Schiffen an Geschwindigkeit und Bewaffnung weit überlegen.

Versenkung bei den Falklandinseln[Bearbeiten]

Achterer 21-cm-Doppelturm der Scharnhorst

Am 8. Dezember 1914 lief der deutsche Kreuzerverband bei den Falklandinseln bei Port William diesem überlegenen britischen Geschwader vor die Rohre und es kam zum Seegefecht bei den Falklandinseln. Zunächst versuchte Graf Spee, mit seinem Geschwader nach Osten zu entkommen. Zu seinem Unglück herrschte klare Sicht. Gegen Mittag hatten die Briten aufgeholt. Die drei Kleinen Kreuzer wurden mit dem Signal: „Entlassen - versuchen zu entkommen!“ aus dem Verband entlassen und drehten nach Süden ab, wurden aber von zwei britischen Panzerkreuzern und der Glasgow verfolgt, während die Scharnhorst und die Gneisenau von der Invincible, der Inflexible und dem Panzerkreuzer Carnarvon angegriffen wurden. Die beiden deutschen Panzerkreuzer versuchten durch ihren hinhaltenden Kampf den Kleinen Kreuzern das Entkommen zu ermöglichen. Die britischen Schiffe führten das Gefecht sehr vorsichtig auf größte Distanz, was zur Folge hatte, dass sie fast ihre gesamte Munition verbrauchten. Die deutschen Panzerkreuzer konnten dadurch das Feuer oft nur mit den beiden Zwillingstürmen erwidern, während die mittlere Artillerie der Kasemattgeschütze mangels Reichweite nicht eingesetzt werden konnte. Die Widerstandsfähigkeit der Scharnhorst-Klasse war enorm. Die Scharnhorst ging mit Admiral Graf Spee und ihrer gesamten Besatzung von 860 Mann erst um 16.17 Uhr, mit dem Bug voran, unter, nachdem sie ab 16.04 Uhr starke Schlagseite bekommen hatte. Auch die Gneisenau, die Kleinen Kreuzer Leipzig und Nürnberg und die beiden Versorger Santa Isabel und Baden (7.676 BRT) wurden versenkt. Insgesamt gingen in der Schlacht bei den Falklandinseln über 2.000 Deutsche mit ihren Schiffen unter. Der Kleine Kreuzer Dresden konnte als einziges Schiff des Verbandes in die chilenischen Küstengewässer entkommen.

Die Scharnhorst-Flagge[Bearbeiten]

Mitte 1915 entdeckte ein Küstendampfer vor Brasilien die im Meer treibende Leiche eines deutschen Matrosen. Daran war eine 21-cm-Kartuschbüchse befestigt, welche die im achteren Turm aufbewahrte Reservegaffelflagge der Scharnhorst enthielt. Die Flagge kam in das Museum für Meereskunde nach Berlin, ging aber während des Zweiten Weltkrieges verloren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans H. Hildebrand, Albert Röhr, Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien – ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart, Hamburg 1979–1983.
  • Erich Gröner, Dieter Jung, Martin Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945, Band 1, Bernard & Graefe Verlag, München 1982.
  • Hans Pochhammer: Graf Spee’s letzte Fahrt, Erinnerungen an das Kreuzergeschwader, Verlag der täglichen Rundschau, Berlin 1918.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: SMS Scharnhorst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Erich Gröner, Dieter Jung und Martin Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Band 1. Bernard & Graefe Verlag, München 1982, S. 78-80