SMS Stosch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
SMS Stosch
SMS Stosch in Kiel, 1894

SMS Stosch in Kiel, 1894

p1
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
Schiffstyp Gedeckte Korvette
ab 1884 Kreuzerfregatte
Klasse Bismarck-Klasse
Bauwerft AG Vulcan, Stettin
Baunummer 77
Baukosten 2.521.000 Mark
Stapellauf 8. Oktober 1877
Indienststellung März 1878
Verbleib Ende Oktober 1907 zum Abwracken verkauft
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
82,0 m (Lüa)
72,18 m (KWL)
Breite 13,7 m
Tiefgang max. 6,3 m
Verdrängung Konstruktion: 2.843 t
Maximal: 2.994 t
 
Besatzung 404 bis 469 Mann
Maschine
Maschine 4 Kofferkessel
3-Zyl.-Dampfmaschine
indizierte
Leistung
Vorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
2.344 PS (1.724 kW)
Geschwindigkeit max. 13,9 kn (26 km/h)
Propeller 1 zweiflügelig ∅ 5,2 m
Takelung und Rigg
Takelung Vollschiff
Anzahl Masten 3
Segelfläche 2.210 m²
Bewaffnung
  • 16 × Rk 15,0 cm L/22 (1.660 Schuss)

Die SMS Stosch war eine dreimastige, als Vollschiff getakelte und mit zusätzlichem Dampfantrieb ausgestattete Gedeckte Korvette der Bismarck-Klasse der deutschen Kaiserlichen Marine.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Schiff lief 1877 bei der AG Vulcan in Stettin vom Stapel. Es war benannt nach dem General und Admiral Albrecht von Stosch, dem ersten Chef der Admiralität. Die Stosch wurde erstmals im März 1878 in Dienst gestellt.

Auslandsdienst[Bearbeiten]

Nach ihrer Indienststellung am 1. April 1881 ging die Stosch sofort nach Ostasien, um Flaggschiff der dort stationierten deutschen Kriegsschiffe zu werden. Am 3. September 1881 waren die Schiffe des neu gebildeten Ostasiengeschwaders erstmals in Tschifu vereint. Kommodore Louis von Blanc war von 1881 bis 1882 gleichzeitig Kommandant der Stosch und erster Chef des Geschwaders. Im Mai 1882 brachte die Stosch den deutschen Gesandten in China, Max von Brandt, zu den Verhandlungen des ersten deutsch-koreanischen Vertrags nach Korea. Am 29. Dezember 1882 setzte sie, gemeinsam mit der Gedeckten Korvette SMS Elisabeth, im sogenannten „Pfannenkrieg von Amoy“ ein Landungskorps im chinesischen Hafen Amoy aus und beschlagnahmte einen Posten Zuckersiedepfannen, die die chinesischen Behörden, im Zuge von Zollstreitigkeiten, ihrerseits bei einem deutschen Kaufmann konfisziert hatten.

Im Juni 1885 segelte die 1884 zur Kreuzerfregatte umklassifizierte Stosch mit dem bisherigen Befehlshaber des Ostasiengeschwaders, Kommodore Karl Paschen, an Bord nach Port Louis (Mauritius), wo sie am 5. Juli eintraf und Teil eines neu formierten Geschwaders wurde, das die deutschen Interessen in Ostafrika sichern sollte und die Zustimmung des Sultans Barghash ibn Said von Sansibar zur deutschen „Schutzherrschaft“ über Deutsch-Ostafrika erzwang. Bis zum 17. August, als Konteradmiral Eduard von Knorr mit ihrem Schwesterschiff SMS Bismarck als neuer Geschwaderchef vor Sansibar eintraf, war die Stosch unter Kommodore Paschen Flaggschiff des Geschwaders. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen mit dem Sultan von Sansibar war der Auslandsstationsdienst der Stosch beendet und sie ging nach Deutschland zurück.

Schulschiff[Bearbeiten]

Danach diente sie als Schulschiff für Seekadetten und Schiffsjungen, lange Zeit auch als Flaggschiff des Schulgeschwaders, wobei sie allerdings weiterhin viele und ausgedehnte Auslandsfahrten unternahm und dabei auch mehrfach zur Wahrnehmung deutscher Interessen in mehr als nur repräsentativer Form eingesetzt wurde. So war die Stosch im Juli und August 1895 Teil einer nach Tanger in Marokko entsandten Schiffsgruppe, die dort nach der Ermordung zwei deutscher Kaufleute die Forderungen Berlins durchsetzen sollte.[1] Am 30. Januar 1899 besuchten die Stosch und die Kreuzerfregatte SMS Charlotte Oran und waren damit die ersten deutschen Kriegsschiffe, die nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wieder einen französischen Hafen anliefen.

Im November 1899, während der bewaffneten Erhebung Cipriano Castros gegen den bisherigen Präsidenten Joaquín Crespo in Venezuela, löste die Stosch unter Kapitän zur See Alfred Ehrlich die Kreuzerkorvette SMS Nixe vor dem venezolanischen Hafen Puerto Cabello ab, um deutsche Staatsbürger und Interessen dort zu schützen, griff aber bei der Beschießung und Eroberung der Stadt durch Castros Truppen nicht ein. Von Dezember 1902 bis Januar 1903 war die Stosch wieder in Venezuela, diesmal als Teil der am 16. Dezember gebildeten Ostamerikanischen Kreuzerdivision unter Kommodore Georg Scheder auf dem Großen Kreuzer SMS Vineta, die gemeinsam mit britischen Schiffen die venezolanischen Häfen blockierte, um Präsident Cipriano Castro zur Zahlung seiner ausstehenden Schulden zu zwingen.

Verbleib[Bearbeiten]

Die Stosch wurde am 27. Mai 1907 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und im Oktober 1907 an eine niederländische Firma zum Abwracken verkauft.

Kommandanten[Bearbeiten]

April 1881 bis Januar 1882 Kapitän zur See Louis von Blanc
Januar 1882 bis November 1883 Kapitän zur See Glomsda von Buchholtz
November 1883 bis August 1885 Kapitän zur See von Nostitz
August bis September 1885 Korvettenkapitän Geissler
September bis Dezember 1885 Kapitän zur See Otto von Diederichs
Dezember 1885 bis April 1889 Kapitän zur See Franz Junge
April bis September 1891 Kapitän zur See Otto Diederichsen
April bis September 1892 Kapitän zur See Rudolf Rittmeyer
Mai 1893 bis April 1894 Kapitän zur See Rudolf Rittmeyer
April bis Juli 1894 Kapitän zur See Oscar von Schuckmann
Juli 1894 bis September 1895 Kapitän zur See Hugo von Schuckmann
September 1895 bis April 1897 Kapitän zur See August Thiele
April bis August 1898 Kapitän zur See Curt von Maltzahn
August 1898 bis April 1901 Fregattenkapitän / Kapitän zur See Alfred Ehrlich
April 1901 bis April 1903 Fregattenkapitän / Kapitän zur See Georg Janke
April 1903 bis März 1904 Kapitän zur See Otto Mandt
März 1904 bis März 1906 Fregattenkapitän / Kapitän zur See Hartwig von Dassel
März 1906 bis April 1907 Kapitän zur See Franz von Holleben

Literatur[Bearbeiten]

  •  Gröner, Erich / Dieter Jung / Martin Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Band 1: Panzerschiffe, Linienschiffe, Schlachtschiffe, Flugzeugträger, Kreuzer, Kanonenboote, Bernard & Graefe, München 1982, ISBN 3-7637-4800-8, S. 70f.
  •  Hildebrand, Hans H. / Albert Röhr / Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien – ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart. Band 7: Schiffsbiographien von Preußischer Adler bis Ulan, Mundus Verlag, Ratingen o. J..

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Zu diesem Geschwader gehörten außerdem das Küstenpanzerschiff SMS Hagen, der Kreuzer SMS Kaiserin Augusta und die Korvette SMS Marie.