SM U 156

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SM U 156
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Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
Schiffstyp U-Kreuzer
Bauwerft Atlaswerke (Bremen)
Baunummer 151
Stapellauf 14. April 1917
Indienststellung 28. August 1917
Verbleib seit 25. September 1918 vor der schottischen Küste verschollen
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
65,00 m (Lüa)
Breite 8,90 m
Tiefgang max. 5,50 m
Verdrängung aufgetaucht: 1512 t
getaucht: 1875 t
 
Besatzung 6/50, zusätzlich 1/19 als Prisenkommando
Maschine
Maschine Diesel- und Elektromotoren
Maschinen-
leistung
800 PS (588 kW)
Einsatzdaten U-Boot
Tauchzeit 80 s
Geschwindigkeit getaucht max. 5,2 kn (10 km/h)
Geschwindigkeit aufgetaucht max. 12,4 kn (23 km/h)
Bewaffnung

Zusätzlich an Bord:

  • 2 8,8-cm-Schnellfeuerkanonen zur Ausstattung von Prisen als Hilfskreuzer

SM U 156 war ein deutscher U-Kreuzer der U-151-Klasse, der im Ersten Weltkrieg im Nordatlantik und in nordamerikanischen Gewässern operierte. Er ging vermutlich am 25. September 1918 auf einer Minensperre vor der schottischen Küste verloren und ist seitdem verschollen.

Einsätze[Bearbeiten]

Nachrichtendienstliche Operation vor den Kanarischen Inseln[Bearbeiten]

Im Dezember 1917 wurde U 156 zusammen mit U 157 zu den Kanarischen Inseln entsandt. Offenbar unter Beteiligung der Nachrichtenabteilung des Admiralstabs (Marinenachrichtendienst) war geplant, aus dem neutralen Spanien eine Schiffsladung Wolframerz nach Deutschland einzuführen. Das Erz wurde auf der spanischen Brigantine Erri Berro in Begleitung eines deutschen Agenten transportiert und sollte vor der Insel El Hierro auf die beiden U-Boote umgeladen werden.

Durch das Abhören des deutschen Funkverkehrs durch eine Abteilung des britischen Marinenachrichtendienstes (Room 40) war die Royal Navy über das Unternehmen informiert. Britische Agenten in Spanien beschatteten die Erri Berro, die nach dem Auslaufen aus spanischen Gewässern von dem Hilfskreuzer HMS Duke of Clarence abgefangen und ins Schlepp genommen wurde. Bevor das Schiff gekapert wurde, gelang es jedoch dem deutschen Agenten an Bord, die Bodenventile zu öffnen, sodass die Erri Berro beim Abschleppen nach Plymouth voll Wasser lief und schließlich durch Beschuss versenkt werden musste.

Inzwischen war das britische U-Boot E 48 zum Treffpunkt der deutschen U-Boote mit der Erri Berro bei El Hierro entsandt worden, um die deutschen Boote dort zu vernichten. E 48 schoss drei Torpedos auf U 156 ab, von denen einer das Boot mittschiffs traf, jedoch nicht explodierte. U 156 gelang die Flucht. Dabei wurden zwei Besatzungsmitglieder beim Schnelltauchen von Deck gespült, denen es jedoch gelang, die Küste zu erreichen.

Operationen in nordamerikanischen Gewässern[Bearbeiten]

Am 15. Juni 1918 lief das Boot nach Nordamerika aus. Vor New York wurde eine Minensperre gelegt; auf eine dieser Minen lief am 19. Juli mutmaßlich der Schwere Kreuzer USS San Diego auf und sank innerhalb einer halben Stunde, wobei sechs Besatzungsangehörige ums Leben kamen.

Am 21. Juli 1918 erschien U 156 vor dem kleinen Küstenort Orleans auf der Halbinsel Cape Cod und beschoss dort einen Schlepper mit vier Frachtkähnen. Dieser Vorgang ging als Angriff auf Orleans in die amerikanische Marinegeschichte ein.

Anschließend versenkte Feldt im Golf von Maine diverse Fischdampfer.

Am 20. August 1918 brachte U 156 südwestlich von Cap Canso (Kap-Breton-Insel) vor der kanadischen Ostküste den kanadischen Trawler Triumph auf und rüstete ihn als Hilfskreuzer aus. Dazu erhielt der Fischdampfer die zwei zu diesem Zweck mitgeführten 8,8-cm-Schnellfeuerkanonen und eine Besatzung von 16 ebenfalls für diese Aufgabe mitgebrachten Mann. Die Triumph operierte als Falle für britische und kanadische Fischdampfer und versenkte innerhalb von fünf Tagen acht derartige Schiffe, ehe sie am 25. August 1918 durch ihre Prisenbesatzung selbstversenkt wurde.

Über das Ende U 156 sind keine Einzelheiten bekannt. Es scheint am 25. September 1918 beim Versuch, nach Deutschland zurückzukehren, vor der schottischen Küste auf eine Minensperre gelaufen zu sein. Alle 77 Besatzungsmitglieder gelten als verschollen. Nach britischer Darstellung fand der letzte Funkkontakt zwischen U 156 mit deutschen Marinedienststellen am 24. September statt.

Kommandanten[Bearbeiten]

  • Bis zum 31. Dezember 1917: Konrad Ganser
  • Ab dem 1. Januar 1918: Richard Feldt

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Gröner: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945, Bd. 3: U-Boote, Hilfskreuzer, Minenschiffe, Netzleger, Sperrbrecher, München (Bernard & Graefe) 1985, S. 47f. ISBN 3-7637-4802-4
  • Paul G. Halpern: A Naval History of World War I, Annapolis, MD 1994, S. 432f.
  • Hans Joachim Koerver (Hg.): Room 40. German Naval Warfare 1914–1918, Vol. I: The Fleet in Action, Steinbach/Österreich 2007, S. 332-336. ISBN 978-3-902433-76-3

Weblinks[Bearbeiten]