SM U 20

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Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge)
SM U 20
(vorheriges/nächstesalle U-Boote)
SM U 20 vorne links im U-Boothafen Kiel, 1914

SM U 20 vorne links im U-Boothafen Kiel, 1914
Typ:

U 19-U 22

Werft:

Kaiserliche Werft, Danzig

Stapellauf:

18. Dezember 1912

Indienststellung:

5. August 1913

Einsätze:

29 Feindfahrten

Versenkungen:

36 Schiffe mit Gesamttonnage von 144.300 BRT

Verbleib: Am 4. November 1916 vor der dänischen Küste aufgelaufen. Am nächsten Tag von der Besatzung gesprengt.

SM U 20 war ein Unterseeboot der Kaiserlichen Marine.[1] Zusammen mit den baugleichen Booten U 19, U 21 und U 22 wurde es am 25. November 1910 bei der Kaiserlichen Werft Danzig in Auftrag gegeben. Bekannt wurde dieses Boot, als es am 7. Mai 1915 den britischen Passagierdampfer RMS Lusitania der Cunard Line versenkte.

Einsatzfahrten[Bearbeiten]

In den ersten Kriegsmonaten machte U 20 acht Feindfahrten unter der Führung von Kapitänleutnant Dröscher, bevor Kapitänleutnant Walther Schwieger dieses Boot am 16. Dezember 1914 übernahm. Am 30. April 1915 lief es zu seiner 15. Feindfahrt von seinem Stützpunkt Emden aus. Der bereits am 25. April, durch den F.d.U. (Führer der Unterseeboote), ausgegebene Einsatzbefehl lautete:

„Große englische Truppentransporte zu erwarten, ausgehend von Liverpool, Bristol-Kanal, Dartmouth. Zur Schädigung dieser Transporte sollen U 20 und U 27 möglichst bald entsandt werden. Stationen auf schnellstem Wege um Schottland aufsuchen, innehalten, solange die Vorräte dies gestatten. Boote sollen angreifen: Transporter, Handelsschiffe, Kriegsschiffe.“

Am 5. Mai 1915 hatte U 20 die irische Südküste erreicht. In den nächsten beiden Tagen versenkte es dort einen Segler (Earl of Lathom, 132 BRT) und zwei Frachter (Candidate, 5858 BRT, und Centurion, 5945 BRT). Am Morgen des 7. Mai beschloss Kapitänleutnant Schwieger wegen des dichten Nebels den Rückmarsch anzutreten. Gegen 11:00 Uhr (deutsche Zeit) klarte es auf und U 20 wurde von einem Bewacher zum Tauchen gezwungen. Anschließend lief ein britischer Kreuzer der Eclipse-Klasse, die HMS Juno, über das Boot hinweg, welcher in Richtung Queenstown verschwand. Um 13:45 Uhr tauchte Schwieger wieder auf.

Um 14:20 Uhr sichtete man voraus vier Schornsteine und zwei Masten. Wenig später erkannte man einen großen Passagierdampfer, der in Richtung Galley Head steuerte. Um 14:35 Uhr machte der Dampfer – es handelte sich um die Lusitania – eine Kursänderung nach Steuerbord und nahm Kurs auf Queenstown. Um 15:10 Uhr schoss U 20 aus ca. 700 Metern Entfernung einen Torpedo ab, welcher den Dampfer an der Steuerbordseite, in Höhe der Kommandobrücke, traf. Unmittelbar danach gab es eine zweite Explosion. Die Lusitania sank nach nur 18 Minuten, wenige Seemeilen vor dem Kap Old Head of Kinsale an der Südostküste Irlands. Dabei kamen insgesamt 1198 Menschen ums Leben. Darunter waren auch 128 amerikanische Staatsbürger.

Es wurde der Vorwurf erhoben, ob der deutsche Kommandant mit der Versenkung der Lusitania völkerrechtswidrig gehandelt hat. Demnach hätte er nicht nur ein wehrloses Passagierschiff angegriffen, sondern auf das sinkende Schiff noch einen zweiten Torpedo geschossen. Schwieger hat, nach eigener Aussage, nur einen Torpedo geschossen und den Untergang des Schiffes nicht abgewartet. Die unmittelbar nach dem ersten Torpedotreffer weitere Explosion wurde möglicherweise durch Munition, Kohlen-, Aluminiumstaub o. Ä. ausgelöst. Die Lusitania führte angeblich keine Flagge und hatte eine größere Ladung Munition an Bord.

Im Vorfeld hatte die kaiserliche Gesandtschaft in Washington in allen großen amerikanischen Zeitungen vor dem Antritt einer Transatlantikreise gewarnt, da die Kampfzone auch das Meer um die britischen Inseln einschließe.[2]

Unter Historikern wurde auch darüber spekuliert, ob die USA die Versenkung der Lusitania nutzten, um an der Seite Großbritanniens in den Ersten Weltkrieg einzutreten.

Nachdem U 20 am 13. Mai 1915 von dieser 15. Operation zurückgekehrt war, führte es in der Folgezeit weitere Einsätze durch. Am 4. November 1916 befand sich U 20 auf der Heimfahrt vom 29. Einsatz. Infolge einer Stromversetzung und dichten Nebels lief es vor der dänischen Küste, fünf Seemeilen nördlich von Bovbjerg, beim Horns Riff auf Grund. Alle Bergungsversuche scheiterten. Das Boot wurde am nächsten Tag gesprengt. Fundstücke vom Wrack sind Teil einer Ausstellung im Strandingsmuseum St. George Thorsminde in Dänemark.

U 20 hatte insgesamt 36 Schiffe mit 144.300 BRT versenkt.

Versenkungen von U 20 (Auswahl)[Bearbeiten]

Das gesprengte Wrack von U 20
  • Britischer Schoner Earl of Lathom (132 BRT), versenkt am 5. Mai 1915
  • Britischer Dampfer Centurion (5945 BRT), versenkt am 6. Mai 1915
  • Britischer Dampfer Candidate (5858 BRT), versenkt am 6. Mai 1915
  • Britischer Passagierdampfer RMS Lusitania (30.396 BRT), versenkt am 7. Mai 1915 (1198 Tote)
  • Pferdetransporter Anglo-Californian (7333 BRT), mit U 38 zusammen am 4. Juli 1915 beschossen (21 Tote)
  • Britischer Passagierdampfer RMS Hesperian (10.920 BRT), versenkt am 4. September 1915 (32 Tote)
  • Britischer Passagierdampfer Cymric (13.370 BRT), versenkt am 8. Mai 1916 (5 Tote)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das SM steht für Seiner Majestät und bezieht sich auf den damals regierenden deutschen Kaiser Wilhelm II. Vollständig heißt es: Seiner Majestät U-Boot, bei Überwassereinheiten Seiner Majestät Schiff – kurz SMS.
  2. Abbildung einer Warnung der deutschen Gesandtschaft

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bodo Herzog, Günter Schomaekers: Ritter der Tiefe, graue Wölfe. Die erfolgreichsten U-Bootkommandanten der Welt. 2. erweiterte, ergänzte und berichtigte Auflage. Verlag Welsermühl, Wels u. a. 1976, ISBN 3-85339-136-2.
  • Paul Kemp: Die deutschen und österreichischen U-Boot-Verluste in beiden Weltkriegen. Urbes-Verlag Hans Jürgen Hansen, Gräfelfing vor München 1998, ISBN 3-924896-43-7.

Weblinks[Bearbeiten]