SOS Mitmensch

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SOS Mitmensch
SOS Mitmensch Logo
Zweck: Menschenrechtsorganisation
Vorsitz: Nadja Lorenz
Gründungsdatum: 1992
Sitz: Wien
Website: http://www.sosmitmensch.at/

SOS Mitmensch ist eine Menschenrechtsorganisation in Österreich. Der Verein versteht sich als Pressure Group, die sich für die Durchsetzung von Menschenrechten einsetzt. Ziel ist die Gleichberechtigung und Chancengleichheit aller Menschen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Organisation wurde am 10. Dezember 1992 als Verein gegründet. SOS Mitmensch fungierte als Plattform zivilgesellschaftlicher Gruppen, um dem Volksbegehren der FPÖ Österreich zuerst, von Kritikern auch „Anti-Ausländervolksbegehren“ genannt, mit dem Lichtermeer etwas entgegenzusetzen.

Im November 1992 versammelten sich die Initiatoren von SOS Mitmensch im Haus von André Heller, um über eine passende Reaktion auf das angekündigte Volksbegehren zu beraten; darunter der damalige Caritas-Direktor Helmut Schüller, der Musiker Willi Resetarits, der Schriftsteller Josef Haslinger, der grüne Politiker Peter Pilz und der sozialdemokratische Minister Rudolf Scholten.

Der Aufruf Allianz der Vernunft wurde entworfen und erste Ideen für ein Lichtermeer gewälzt. Auch der Begriff SOS Mitmensch kam ins Gespräch; eine Mischung aus dem Namen der französischen Bewegung SOS Racisme und dem Motto Mitmenschlichkeit zuerst, das als Alternative zum Titel des FPÖ-Begehrens gehandelt wurde. Der Begriff Rassismus galt den Initiatoren damals als zu scharf.

Neben gewerkschaftlichen, kirchlichen und Flüchtlingsgruppen schlossen sich in der Folge zahlreiche Kulturschaffende und auch Politiker an - unter anderem die ÖVP-Familienministerin Marilies Flemming. Dies führte zu Konflikten vor allem mit den Flüchtlingsgruppen, die von einer Kritik an der Asylpolitik der Bundesregierung nicht absehen und eine zu starke Fokussierung auf die FPÖ verhindern wollten.

Das Lichtermeer wurde von den Initiatoren als Erfolg gewertet, umso schärfer fiel die Kritik an der SPÖ-ÖVP-Koalition aus, deren Fremdenrechtsverschärfung im März 1993 als Verrat gewertet wurde. Zahlreiche Proponenten zogen sich darauf hin zurück, SOS Mitmensch entwickelte sich von einer Plattform zu einer eigenständigen Organisation.[1]

Kampagnen und Projekte[Bearbeiten]

Der Kabarettist Josef Hader initiierte als Ehrenvorsitzender die Wanderausstellung "... von Armut bedroht". Das mobile Zirkuszelt beherbergte eine Foto-Ausstellung zum Thema. An dutzenden Plätzen in österreichischen Städten und Gemeinden machte die Ausstellung Station. Die Bilder von Raphael Bolius wurden auch als Buch publiziert.[2]

1999 stiftete SOS Mitmensch den Ute-Bock-Preis für Zivilcourage. Der Preis ist nach der ersten Trägerin benannt, der Flüchltingshelferin Ute Bock. Der Anerkennungspreis wird jährlich an Einrichtungen und Personen vergeben, die sich besonders um die Wahrung oder Durchsetzung der Menschenrechte verdient gemacht haben.[3] Folgende Personen wurden mit dem Preis ausgezeichnet: Ute Bock, Gertrude Hennefeld, Vinzipfarrer Wolfgang Pucher, der Sozialarbeiter Bülent Öztoplu, die Plattform "Gerechtigkeit für Seibane Wague" und der Verein LEFÖ. Weiters der Verein "Ehe ohne Grenzen", Elias Bierdel, Robert Zahrl und vier weitere Anti-Abschiebeaktivisten.[4]

Im Jahr 2000 bildete SOS Mitmensch mit dem Republikanischen Club die Demokratische Offensive, um den Protest gegen die Schwarz-Blaue Regierungskoalition in einer Großdemonstration zu kanalisieren: Am 19. Februar demonstrierten nach Angaben der Veranstalter 250.000 Menschen am Wiener Heldenplatz.[5]

Seit 2005 bringt SOS Mitmensch "mo - Magazin für Menschenrechte" heraus. Das Magazin "gegen Rassismus und Diskriminierung, für Demokratie, Menschenrechte und Migration" erscheint vierteljährlich und wird als Beilage zu Tageszeitungen sowie in Straßenkolportage vertrieben.[6][7]

Rassismus streichen ist eine Internetplattform zur Dokumentation von rassistischen Beschmierungen im öffentlichen Raum. "Rassismus-Paparazzi" können solche Graffities mit dem Mobiltelefon fotografieren und auf der Seite posten. Die Beschmierungen werden in eine Google-Map, den "Antirassistischen Stadtplan" eingetragen, über ZARA - Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit wird die Entfernung veranlasst. Das Projekt erhielt 2007 den Anerkennungspreis der Ars Electronica.[8]

Von 2007 bis 2009 betrieben antirassistische Gruppen und Flüchtlingsorganisationen nach deutschem Vorbild eine Kampagne, um ein Bleiberechtsgesetz durchzusetzen. SOS Mitmensch koordinierte die Plattform Bleiberecht, welche als Drehscheibe für die Aktivitäten diente; unter anderem das Sesselmeer am Tag des Bleiberechts, dem 10. Oktober 2008.[9] An diesem Tag stellten Bürger in ganz Österreich Sessel an zentrale Plätze in Österreich. Ein Bleiberechtsgesetz trat am 1. April 2009 in Kraft, wurde allerdings von NGOs als mangelhaft beurteilt.[10]

Nachdem SOS Mitmensch bereits beim WKR-Ball 2011 intensiv dagegen Position einnahm,[11][12] kritisierten sie anschließend, dass der von der FPÖ organisierte „Wiener Akademikerball“ in der Hofburg stattfinden soll.[13]

Organisation[Bearbeiten]

Das Koordinationsbüro mit Sitz in Wien beschäftigt rund 10 Mitarbeiter.[14] Die Organisation wurde am 10. Dezember 1992 als Verein gegründet, als Leitungsgremium fungiert der Vorstand. Im Leitbild gibt SOS Mitmensch an, offen für Kooperation mit Menschen und Initiativen zu sein, die sich für gleiche Ziele engagieren.[15]

In einigen europäischen Ländern existieren Schwesterorganisationen, auch in Österreich sind regionale Initiativen aktiv, die allerdings unabhängig voneinander agieren.

Repräsentanten[Bearbeiten]

SOS Mitmensch wurde neben den vereinsrechtlichen Repräsentanten auch von Persönlichkeiten öffentlich vertreten, die für eine Periode den Ehrenvorsitz übernahmen oder als Pate für ein Projekt eintraten.

Name Funktion Amtszeit
Josef Haslinger Josef Haslinger Vorsitzender 1992–1993
Willi Resetarits Willi Resetarits Sprecher 1992–1993
Martin Schenk Martin Schenk Vorsitzender 1993–1995
Josef Hader Josef Hader Vorsitzender 1995–1997
Christine Nöstlinger Christine Nöstlinger Vorsitzende 1997–1998
Karl Merkatz Karl Merkatz Vorsitzender 1998–2000
Georg Danzer Georg Danzer Vorsitzender 2000–2002
Max Koch Max Koch Sprecher 1999–2001
Philipp Sonderegger Philipp Sonderegger Sprecher 2001–2011
Marinne Mendt Marianne Mendt Vorsitzende 2002–2003
Nadja Lorenz Nadja Lorenz Vorsitzende 2003–2014
Max Koch Max Koch Vorsitzende 2014–
Alexander Pollak Alexander Pollak Sprecher 2011–

Von 1992 bis 1998 wurde die Funktion des Generalsekretärs vom Mitgründer der Organisation Nikolaus Kunrath übernommen.

Finanzen[Bearbeiten]

SOS Mitmensch finanziert sich durch private Spenden und eine Benefiz-Kunstauktion; mo - Magazin für Menschenrechte wird durch Kolportage, Abonnements und Inseratenverkäufe finanziert. Das jährliche Gesamtbudget betrug laut Finanzbericht der Organisation zuletzt 267.000 Euro.[16]

Schwesterorganisationen[Bearbeiten]

Europäische Länder

  • SOS Racisme Suisse
  • SOS Racisme Frankreich
  • SOS Racisme Katalunya
  • SOS Rassismus - AktionCourage e.V. Deutschland
  • SOS Racismo Portugal
  • SOS Racisme Dänemark
  • SOS Razzismo Italien
  • SOS Rasisme Norges Norwegen

Österreich

  • SOS Mitmensch Burgenland
  • SOS Mitmensch Regionalvertretung Tirol
  • Aktion Mitmensch Wiener Neustadt[17]

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Kargl, Silvio Lehmann: Land im Lichtermeer, Picus Verlag, Wien, 1994. ISBN 3-85452-252-5
  • Asylkoordination: asyl aktuell - Zeitschrift der Asylkoordination 2011/2
  • Robert Foltin: Und wir bewegen uns noch - Zur jüngeren Geschichte sozialer Bewegungen in Österreich, Mandelbaum Verlag, Wien, 2011. ISBN 978-3-85476-602-5

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Josef Haslinger: Der Hammel war ein Bär. In: Land im Lichtermeer. Picus, Wien 1994, ISBN 3-85452-252-5
  2. Raphael Bolius: Von Armut bedroht, auf buchfreund.de
  3. Phs: Der Ute Bock Preis für Zivilcourage, auf sosmitmensch.at
  4. Apo: Ute Bock Preis für Zivilcourage 2011 geht an 5 junge Anti-AbschiebeaktivistInnen!, Beitrag auf sosmitmensch.at
  5. Demokratiezentrum Wien: Demonstration "Nein zu Rassismus. Nein zu Rechtextrimismus" in der Wiener Innenstadt, auf www.demokratiezentrum.org
  6. Webpräsenz des Magazins mo
  7. Sebastian Seidl: Kolportageprojekt SOS Mitmensch
  8. Rassismus streichen, auf der Webpräsenz der Ars Electronica
  9. asylkoordination: asyl aktuell, 2011/2, S. 7
  10. asylkoordination österreich, Diakonie Flüchtlingsdienst, SOS Mitmensch, Verein Projekt Integrationshaus, Volkshilfe Österreich (Hrsg.): Ein Jahr „Bleiberecht“. Eine Analyse mit Fallbeispielen, auf asyl.at (PDF-Datei; 1,10 MB)
  11. Der Standard: SOS Mitmensch: Verletzung des Pachtvertrages zwischen Hofburg und Republik; abgerufen am 10. März 2012
  12. Der Standard: SOS-Mitmensch-Sprecher Pollak fordert Klarstellung und Streichung des WKR-Balls von Kulturgüter-Liste ; abgerufen am 10. März 2012
  13. ORF-Online: „WKR-Ball neu“ in Hofburg: Kritik von SOS Mitmensch; abgerufen am 10. März 2012
  14. phs: Über uns, auf sosmitmensch.at
  15. lex: Leitbild, auf sosmitmensch.at
  16. Finanzbericht und Tätigkeitsbericht 2010, auf sosmitmensch.at
  17. phs: Unsere Schwestern, auf sosmitmensch.at