SS-23 Spider

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SS-23 Spider

Startfahrzeug 9P71 und Rakete 9M714
Startfahrzeug 9P71 und Rakete 9M714

Allgemeine Angaben
Typ: Kurzstreckenrakete
Heimische Bezeichnung: OTR-23 Oka
NATO-Bezeichnung: SS-23 Spider
Herkunftsland: Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller: Konstruktionsbüro KBM, Kolomna
Entwicklung: 1971
Indienststellung: 1980
Einsatzzeit: 1980-1991
Technische Daten
Länge: 7,53 m
Durchmesser: 914 mm
Gefechtsgewicht: 4.690 kg
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk
Geschwindigkeit: Mach 8,6
Reichweite: 480 km
Ausstattung
Lenkung: INS
Gefechtskopf: AA-75 Nukleargefechtskopf 10-50 kt
Waffenplattformen: BAZ-6944 LKW
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Die SS-23 Spider war eine in der Sowjetunion entwickelte und produzierte ballistische Boden-Boden-Rakete taktischer Bestimmung. Sie gehörte zur Klasse der Kurzstreckenraketen (SRBM). Der GRAU-Index lautet OTR-23 Oka. Der Systemindex der russischen Streitkräfte lautet R-400 Oka, die Lenkwaffe trägt die Bezeichnung 9M714.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die SS-23 wurde als Nachfolgemodell der SS-1C Scud-B konzipiert. Im Jahre 1971 wurde im Konstruktionsbüro Kolomna KBM mit der Systementwicklung begonnen. Die feststoffbetriebene SS-23 wurde im Jahr 1980 bei der Sowjetarmee eingeführt. In den darauf folgenden Jahren wurden 127 Start- und Transportfahrzeuge sowie 239 Lenkwaffen hergestellt. Die Entwicklung der verbesserten Ausführung 9K714U Oka-U mit der modifizierten 9K714U-Rakete wurde 1987 eingestellt.

Eine Weiterentwicklung der SS-23 ist das System SS-26 Stone/Iskander.

Varianten[Bearbeiten]

  • 9K714 Oka: Standardversion.
  • 9K714U Oka-U: Verbesserte Version mit 9M714U-Rakete mit Endphasen-Lenksystem. Entwicklung eingestellt.
  • Volga: Projekt einer zweistufigen 9M714V-Rakete. Projekt abgebrochen.
  • Sphäre: Projekt einer Trägerrakete auf der Basis der 9M714-Rakete. Projekt abgebrochen.

Raketen[Bearbeiten]

Im Herstellerwerk Kolomna KBM wurden drei Lenkwaffentypen produziert:

  • Die Version 9M714B mit dem AA-75-(9N74B)-Nuklearsprengkopf mit einer variablen Sprengleistung von 10-50 kT. Die Reichweite liegt bei 480 Kilometern.
  • Die Version 9M714B1 mit dem AA-92-(9N63)-Nuklearsprengkopf mit einer variablen Sprengleistung von 100-200 kT. Die Reichweite liegt bei 400-450 Kilometern.
  • Die Version 9M714F mit einem 450 Kilogramm schweren konventionellen Splittergefechtskopf. Die Reichweite liegt bei rund 450 Kilometern.
  • Die Version 9M714K mit einem 715 Kilogramm schweren Gefechtskopf für Bomblets (Submunition). Die Reichweite liegt bei rund 300 Kilometern.

Technik[Bearbeiten]

Das System war auf dem geländegängigen BAZ-6944-Osnowa-LKW untergebracht. Der Systemindex der russischen Streitkräfte für dieses Fahrzeug lautet 9P71. Das System war hochmobil und schnell verlegbar. Es wurde eine minimale Reaktionszeit aus voller Fahrt bis zum Raketenverschuss von unter sechs Minuten erreicht. Jedes Fahrzeug war mit einer 9M714-Rakete bestückt.

Die SS-23 wurde von einem hochenergetischen Feststofftreibsatz angetrieben, welcher die Rakete auf eine Marschgeschwindigkeit von Mach 8,6 beschleunigte. Die Steuerung der SS-23 erfolgte mittels einer Trägheitsnavigationsplattform. Es wurde eine Präzision (CEP) von 50–350 Metern erreicht.

Die Verbesserte Ausführung 9K714U war mit einem Radar-Endphasen-Lenksystem ausgerüstet. Dieses enthielt ein digital arbeitendes Radarsystem in der Lenkwaffenspitze. Das Radarsystem steuerte die Rakete im Zielendanflug selbstständig auf einen Punkt zu, welcher zuvor auf einer digitalen Radar-Satellitenkarte markiert wurde. Mit diesem Zusatzsystem wurde eine Präzision (CEP) von 30–50 Metern erreicht.

Der Bomblet-Gefechtskopf der 9M714K sollte sich in einer Höhe von 3.000 Metern öffnen und die Bomblets in einem kreisförmigen Gebiet von 80.000–100.000 Quadratmetern verteilen.

Die SS-23 verfügte über eine ganze Reihe von Systemen zur Überwindung von gegnerischen Abwehrmaßnahmen. Sie wies eine flache semiballistische Flugbahn auf. Bei der maximalen Schussdistanz der SS-23 (rund 480 Kilometer) betrug das Apogäum lediglich 120 Kilometer. Eine solch flache Flugbahn erschwert die Zielerfassung durch Suchradar. Während der Schlussphase des Zielanfluges (Wiedereintrittes) führte die Rakete nach dem Zufallsprinzip mehrere abrupte Ausweichmanöver mit einer Belastung von 25 g durch. Auch befand sich an Bord ein etwa 30 Kilogramm schwerer Störsender, welcher auf das Feuerleitradar der MIM-104 Patriot abgestimmt war.

Einsatz[Bearbeiten]

Während der 1980er-Jahre war die SS-23 in der Sowjetunion auf dem Gebiet der Ukraine und Weißrusslands stationiert, außerdem bei den in der DDR, ČSSR und Polen stationierten Truppenkontingenten der Sowjetarmee. Daneben wurden in der ČSSR und in Bulgarien eine Anzahl dieser Systeme eingeführt. Die Nationale Volksarmee der DDR erhielt 1985 vier Startrampen des Systems SS-23, stationiert in Demen.[1] [2] Sowjetische Stationierungsstandorte in der DDR waren Jena-Forst und Weißenfels.[3]

Im Zuge des INF-Abrüstungsabkommen (Intermediate-Range Nuclear Forces) wurde die SS-23 ab 1991 ausgemustert und verschrottet.

Verbreitung[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: OTR-23 Oka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sigurd Hess: NVA übte Atomwaffeneinsätze noch 1990. In: Marineforum 7/8-1999 S.3f
  2. Harald Nielsen: Die DDR und die Kernwaffen, Die nukleare Rolle der Nationalen Volksarmee im Warschauer Pakt. Nuclear History Program, Internationale Politik und Sicherheit Band 30/6, hrsg. von der Stiftung Wissenschaft und Politik Ebenhausen, Baden-Baden 1998
  3. TREATY BETWEEN THE UNITED STATES OF AMERICA AND THE UNION OF SOVIET SOCIALIST REPUBLICS ON THE ELIMINATION OF THEIR INTERMEDIATE-RANGE AND SHORTER-RANGE MISSILES