SS-Standarte Kurt Eggers

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ärmelstreifen der SS-Kriegsberichter

Die SS-Standarte Kurt Eggers wurde im Januar 1940 als SS-Kriegsberichter-Kompanie aufgestellt. Ihre Züge, bestehend aus Kriegsberichtern, häufig gelernte Journalisten und auch Schriftsteller, waren den kämpfenden Einheiten der Waffen-SS zugeteilt. Im August 1941 wurde die Kompanie zur SS-Kriegsberichter-Abteilung. Mehr PK-Männer wurden für die inzwischen zahlreichen Frontverbände der Waffen-SS benötigt.

Im Dezember 1943 wurde die Einheit nach dem im August 1943 gefallenen Schriftsteller Kurt Eggers benannt.

In der Standarte dienten auch ausländische Freiwillige der Waffen-SS, darunter der US-Amerikaner Martin James Monti sowie die Briten Railton Freeman, Dennis John Leister und Francis Paul Matton. Einheitsführer war SS-Standartenführer Gunter d'Alquen.

Die Stärke der Einheit betrug 1943 141 Mann und erhöhte sich bis 1944 auf 1180 Mann.

Ein Mitglied der SS-Standarte Kurt Eggers wurde wegen Kriegsverbrechen verurteilt. Karl Gustav Lerche wurde vom Landgericht München I wegen der Erschießung eines britischen Kriegsgefangenen zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.[1] Das Verbrechen ereignete sich am 24. September 1944 nach einem Trinkgelage von SS-Offizieren in der Unterkunft der SS-Einheit Skorpion-West in Arnhem.[2]

Ein bekanntes Mitglied der SS-Standarte Kurt Eggers war der spätere Herausgeber des Printmagazins Der Stern, Henri Nannen, der in der Untereinheit Südstern bis 1945 in Italien tätig war.[3][4] Er verlegte, auch im eigenen Buchverlag, Produkte seines SS-Kameraden Paul Carell, z. B. 1964: "Die Wüstenfüchse. Mit Rommel in Afrika", eine Verherrlichung von Erwin Rommel. Auch Willem Sassen, der in Argentinien Tonaufnahmen von Adolf Eichmann anfertigte und die Transkripte unter anderem dem Stern verkaufte, gehörte der Standarte an.[5]

Ebenfalls als Kriegsberichterstatter war der Schriftsteller und Journalist Joachim Fernau in der Standarte tätig.[6]

Zur SS-Standarte gehörte auch der Reichsfilmdramaturg Carl-Dieter von Reichmeister.

Gliederung[Bearbeiten]

Stab

  • Adjutant
  • Verbindungsoffizier bei SS-FHA und OKW
  • Ordonanzoffizier
  • Standarteingenieur
  • Zensuroffizier
  • Gruppenleiter Ausland
  • Gruppenleiter Wort
  • Gruppenleiter Bild
  • Gruppenleiter Film
  • Referatsleiter Film
  • Gruppenleiter Rundfunk
  • Gruppenleiter RF Technik (RF = Rundfunk)
  • Gruppenleiter RF Sendung
  • Gruppenleiter Zeichen

Abteilung Verwaltung

  • Unterkunftsverwaltung

Gruppe Wort

  • Verbindungsführer Presse

Gruppe Bild

  • Referat Bildtechnik
  • Referat Bildschriftleitung
  • Referat Bildarchiv

Gruppe Rundfunk

  • Referat Rundfunktechnik
  • Referat Rundfunksendung
  • Abschnitt Rußland-Nord
  • Abschnitt Rußland-Süd
  • Abschnitt Lettland und Lettische Einheiten
  • Abschnitt Südost
  • Abschnitt West
  • Sonderunternehmen Südost
  • Kommando Oslo
  • Kommando Kopenhagen
  • Kommando Frankreich
  • Kommando Brüssel
  • Kommando Südost
  • Kommando Adria

Ersatz-Kompanie

  • Ausbildungsgruppe

Gruppe Kampfpropaganda

  • 2 × SS-Kampfpropaganda Zug

Sonderunternehmen "Südstern"

  • „Skorpion Ost“
  • „Skorpion West“ (Ober-Rhein)
  • Unternehmen „Wintermärchen“

Kennzeichnung[Bearbeiten]

Ärmelstreifen der SS-Standarte Kurt Eggers

Die Soldaten trugen am linken Arm den Ärmelstreifen Kurt Eggers.

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner H. Krause: SS-Standarte »Kurt Eggers« – Die Propagandaeinheit der Waffen-SS. Bericht und Dokumentation., Druffel & Vowinckel-Verlag, Stegen am Ammersee 2009.
  • Ortwin Buchbender: Das tönende Erz. Deutsche Propaganda gegen die Rote Armee im Zweiten Weltkrieg. Seewald-Verlag, Stuttgart 1978, ISBN 3-512-00473-3.
  • Georg Schmidt-Scheeder: Reporter der Hölle. Kriegsberichterstatter im 2. Weltkrieg. 2. Auflage, Stuttgart 1990. (Neuauflage, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-02237-0.)
  • Miriam Y. Arani: „Und an den Fotos entzündete sich die Kritik“. Die „Wehrmachtsausstellung“, deren Kritiker und die Neukonzeption. Ein Beitrag aus fotohistorisch-quellenkritischer Sicht. In: Fotogeschichte. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie. Heft 85/86 (2002). Jonas Verlag, Marburg 2002, S. 96–124. Online verfügbar: Archiv

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Justiz und NS-Verbrechen. Die westdeutschen Verfahren wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen
  2. Juristische Fakultät der Universität Amsterdam
  3. Artikel in der Süddeutschen Zeitung
  4. http://www.sueddeutsche.de/kultur/735/510850/text/?NEWSLETTER=taeglich Artikel in der Süddeutschen Zeitung
  5. Bettina Stangneth in taz.de
  6. Peter Wapnewski: Joachim Fernau und die deutsche Seele Die Zeit, 3. Februar 1967