SSB GT4

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SSB GT4
SSB GT4
Nummerierung: SSB: 401–750
VGA/AVG: 401–420, 451–470
Anzahl: 380, davon 350 SSB
Hersteller: Maschinenfabrik Esslingen
Baujahr(e): 1959–1965
Achsformel: (1A)(A1)
Länge über Kupplung: 18.800 mm
Breite: 2.200 mm
Leermasse: 19,5 t
Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
Stundenleistung: 2×100 kW = 200 kW
Stromsystem: 600/750 V Gleichstrom
Stromübertragung: Oberleitung
Sitzplätze: 45-47 (je nach Ausführung)

Der GT4 der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), nach dem Hersteller, der Maschinenfabrik Esslingen, auch Esslinger GT4 genannt, ist ein vierachsiger Kurzgelenktriebwagen, welcher von 1959 bis Dezember 2007 im regulären Betrieb im Netz der Stuttgarter Straßenbahnen eingesetzt wurde.

Mit der Eröffnung des Südastes der Stadtbahnlinie U15 auf dem Abschnitt der bisherigen Linie 15 am 8. Dezember 2007 ging die 48 Jahre währende Ära der Straßenbahntriebwagen GT 4 in Stuttgart zu Ende. Insgesamt sind zehn Triebwagen vom Typ GT 4 in Stuttgart museal erhalten, sieben davon betriebsfähig und drei als nicht betriebsfähige Museumswagen. Drei weitere werden außerdem als Ersatzteilspender vorgehalten, zwei wurde von den SSB zu stationären Seminar- bzw. Aufenthaltsräumen umfunktioniert (s.u.). Die Vermietung und Vermarktung der Museums-GT4 obliegt dem Verein Stuttgarter Historische Straßenbahnen e. V. Die übrigen 31 GT4 wurden 2008 nach Iaşi verkauft.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Stückzahlen

Von den 380 gebauten GT4 gingen 350 (ohne Nachbauten wegen Unfall) an die Stuttgarter Straßenbahnen. Sie waren für Einrichtungsbetrieb und Meterspur ausgelegt und hatten drei Doppeltüren. 19 ebenfalls meterspurige Fahrzeuge für Zweirichtungsbetrieb gingen nach Freiburg im Breisgau und weitere drei nach Reutlingen.

Die verbleibenden acht GT4 waren normalspurige Zweirichtungsfahrzeuge für Neunkirchen (Saar). Sie hatten wegen der großen Steigungen von bis zu elf Prozent Allachsantrieb, während bei den übrigen Fahrzeugen nur zwei der vier Achsen angetrieben waren. Die Neunkircher Straßenbahn wurde 1978 eingestellt.

[Bearbeiten] Technik

Der GT4 wurde entwickelt, weil sich die längeren sechsachsigen Gelenktriebwagen mit Jakobsdrehgestell für das kurven- und steigungsreiche Stuttgarter Streckennetz nicht eigneten. Die Gelenkkonstruktion ist einmalig: Beide Drehgestelle sind durch einen Träger miteinander verbunden, auf dem in der Mitte das Gelenk ruht. Dieser Träger ist an den Innenseiten der Drehgestelle angelenkt, sodass er bei Kurvenfahrt mitsamt dem Gelenk in Richtung Kurvenaußenseite gedrückt wird und damit das Knicken des Wagenkastens bewirkt (Bild: siehe Weblink).

Bis auf die normalspurigen Fahrzeuge für Neunkirchen sind bei den GT4 jeweils nur die inneren Achsen jedes Drehgestells angetrieben; die Achsfolge ist also (1A)(A1). Konstruktionsbedingt lasten auf den beiden Antriebsachsen etwa 2/3 des Fahrzeuggewichts.

Die Zweirichtungsversion unterschied sich bis auf den zweiten Führerstand, die zusätzlichen Türen und die fehlende Druckluftbremse nicht von der Einrichtungsversion.

[Bearbeiten] Beitriebwagen

Die GT4 können in Dreifachtraktion verkehren, was aber nur bei Betriebsfahrten angewendet wurde. Im Linienbetrieb waren die Fahrzeuge meist in Doppeltraktion eingesetzt, bis in die 70er Jahre teilweise auch noch zusätzlich mit einem Beiwagen B2. Alle Fahrzeuge wurden ursprünglich als führende Triebwagen ausgeliefert, später wurde in einen Teil der Fahrzeuge nachträglich eine geschlossene Fahrerkabine eingebaut, die übrigen Fahrzeuge wurden zu 'geführten Beitriebwagen' (Abdeckung des unteren Frontscheinwerfers, keine Fahrerkabine) und erhielten eine verschließbare Abdeckung des Fahrschalters. Dies betraf 24 Fahrzeuge der ersten Bauserie, 30 der zweiten Serie, 98 der dritten und vierten sowie 8 der fünften Bauserie, insgesamt also 180 Triebwagen. Ab 1989 wurden insgesamt 48 GT4 zu sogenannten „GT4 2000“ mit Polstersitzen, neuer Verkabelung und modernerer Ausstattung für den Einsatz über das Jahr 2000 hinaus umgestaltet, es gibt hier allerdings nur voll ausgestaltete führende Triebwagen, die aber nach wie vor meist im Zugverband eingesetzt werden. Hierfür wurden sogar sieben ehemals „geführte“ Triebwagen wieder ertüchtigt. Ab 1998 wurde nach dem stadtbahnmäßigen Ausbau der Linie 13 der Einsatz der „geführten“ GT4 offiziell beendet; 2002 wurden auch die letzten beiden nicht zu „GT4 2000“ umgebauten Triebwagen, die zum Schluss nur noch als Beitriebwagen zum Einsatz kamen, aus dem Plandienst genommen.

[Bearbeiten] Museumswagen in Stuttgart

[Bearbeiten] Betriebsfähig

  • 401 (Baujahr 1961, mit Fahrschuleinrichtung und Taufbeschriftung "Stammheim")
  • 450 (Baujahr 1961, trug bei seinem Ausscheiden Ende 2007 eine Vollwerbung für das inzwischen geschlossene Straßenbahnmuseum Zuffenhausen)
  • 471 (Baujahr 1961, durch unterbliebenen Umbau zum Typ „GT4 2000“ noch weitgehend mit originaler Innenausstattung, allerdings mit Fahrer- und ohne Schaffnerkabine erhalten)
  • 629 (Baujahr 1963)
  • 630 (Baujahr 1963)
  • 631 (Baujahr 1963)
  • 632 (Baujahr 1963)

[Bearbeiten] Nicht betriebsfähig

  • 519 (Baujahr 1959, geführter Beitriebwagen im letzten Betriebszustand von 1990)
  • 642 (Baujahr 1963, geführter Beitriebwagen im äußeren Zustand der 1980er-Jahre)
  • 722 (Baujahr 1964, führender Triebwagen im äußeren Zustand der 1980er-Jahre)

[Bearbeiten] Denkmaltriebwagen (eingeschränkt öffentlich zugänglich)

  • 454 (Baujahr 1961), Seminarraum am Hochseilgarten im SSB-Veranstaltungszentrum Waldaupark
  • 638 (Baujahr 1963), Aufenthaltsraum am Stadtbahn-Betriebshof Remseck-Aldingen

[Bearbeiten] Verkauf in andere Städte

GT4 in Arad, Rumänien

Seit den 1980er Jahren wurden in Stuttgart durch die Umstellung des Netzes auf Stadtbahnbetrieb und Normalspur viele GT4 frei. Die überzähligen Wagen gelangten in verschiedene andere Städte, darunter Ulm (14 Stück), Freiburg (10 Stück), Augsburg (43 Stück, davon 3 Ersatzteilspender), Nordhausen (15 Stück, davon 3 Ersatzteilspender), Halberstadt (13 Stück, davon 2 Ersatzteilspender, nach Abbruch der Arbeiten zum Partywagen wurde der TW 586 ebenfalls als Ersatzteilspender genutzt. Somit also insgesamt 3 Ersatzteilspender von ex Stuttgarter GT4 Wagen) Halle (Saale) (42 Stück, 32 von Stuttgart mit Ersatzteilspender und 9 von Freiburg, d.h. 39 Stück für den Linienbetrieb und 2 Ersatzteilspender), Halberstadt (13 Stück, davon 3 Ersatzteilspender),[1] Arad (Rumänien) (Gesamt 45 Stück, davon 30 direkt aus Stuttgart, davon 2 Ersatzteilspender und 13 aus Ulm)[2][3], Iaşi (Rumänien) (Gesamt 94 Stück, davon 57 direkt aus Stuttgart, davon 1 Ersatzteilspender, 10 aus Augsburg und 27 aus Halle)[4][5] und Kōchi (Japan) (1 Stück, 2 mussten gekauft werden um daraus einen für Zweirichtungsbetrieb zu bekommen). Einige Fahrzeuge wurden bei einem Großbrand im Stuttgarter Depot Feuerbach im Jahr 1986 zerstört.

Die Reutlinger Zweirichtungsfahrzeuge gelangten nach längerer Abstellzeit in Stuttgart, wo sie zuletzt als Ersatzteilspender dienten, 1982 (ex-RT 60), 1983 (ex-RT 59) und 1984 (ex-RT 61) nach Ulm. Dort wurden sie in Einrichtungsfahrzeuge umgebaut, jedoch schon im Laufe des Jahres 1988 verschrottet und durch eine größere Serie einheitlicher ehemaliger Stuttgarter Wagen ersetzt.

Das im Jahr 1989 ins japanische Kōchi gelangte Fahrzeug ist ein ungewöhnlicher Umbau: Aus zwei Einrichtungsfahrzeugen (SSB Nr. 714 und 735) wurde ein Zweirichtungsfahrzeug. Das Fahrzeug erhielt dabei keine zusätzlichen Türen, sodass wegen des in Japan herrschenden Linksverkehrs jeweils nur die beiden Türen an der in Fahrtrichtung hinteren Hälfte verwendbar sind.

[Bearbeiten] GT4 in Augsburg

Zwischen 1991 und 1996 haben die Verkehrsbetriebe Augsburg je 20 Trieb- und Beitriebwagen und 3 GT4 als Ersatzteilspender von der SSB übernommen. Die zehn 1996 beschafften Paare wurden im Rahmen eines Umbaus bei der Firma MGB in Mittenwalde unter anderem mit einer geänderten Inneneinrichtung versehen, bei der die Sitze jetzt überwiegend in Fahrtrichtung angeordnet waren.

Sechs Paare und der letzte GT4 von 3 Ersatzteilspendern wurde Ende 2003 verschrottet. Wegen der kurzfristigen Abstellung einiger Züge vom Typ Combino wurden bereits abgestellte GT4 seit März 2004 wieder eingesetzt, ab Mai nur noch umgebaute Züge. Fünf Paare (4 Paare original und ein Paar umgebaut) wurden im April 2004 nach Iaşi (Rumänien) verkauft.

Seit Anfang 2006 befinden sich noch acht betriebsfähige Paare sowie ein nicht mehr betriebsfähiges Paar im Bestand der Stadtwerke Augsburg, obwohl fast alle Combinos wieder unterwegs sind.

Für ihren Einsatz in Augsburg erhielten die Triebwagen das Zugbeeinflussungssystem ZUB 100 / ZUB 200, welches in Stuttgart den S-DT 8 vorbehalten war. Die GT 4 in Augsburg verfügen somit über eines der modernsten punktförmigen Zugbeeinflussungssysteme in Deutschland.

2004 wurde der GT4 TW 414 wegen eines Unfallschadens verschrottet und dafür wieder der GT4 TW 415 betriebsfähig gemacht. Ebenso wurde 2008 der GT4 TW 464 wegen eines Unfallschadens verschrottet und dafür wieder der GT4 TW 465 betriebsfähig gemacht.

Sieben der acht Augsburger Garnituren wurden Ende Februar 2009 bereits vorab, noch vor der offiziellen Ausmusterung, nach Iaşi in Rumänien verkauft. Nicht betroffen davon ist die GT4-Garnitur 411/461. Diese Garnitur wird museal in Augsburg erhalten und geht nach ihrer Ausmusterung in den Besitz und Bestand der „Freunde der Augsburger Straßenbahn“ über und steht dann zukünftig für Sonderfahrten in Augsburg zur Verfügung. Die restlichen aus 14 Wagen bestehenden 7 Garnituren sollen nach Anlieferung und Indienststellung der ersten 8 von insgesamt 27 neuen Straßenbahnen vom Typ Bombardier Flexity Outlook "CityFlex" (siebenteilig, achtachsig) (Der erste ist Anfang Mai 2009 in Augsburg eingetroffen und trägt die Wagennummer 871) ausgemustert und auf dem Schienenweg nach Iaşi überführt werden. In Iaşi werden die GT4 jedoch nicht wie in Augsburg in Doppeltraktion, also als Garnitur mit Triebwagen und geführtem Triebwagen verkehren, sondern jeder Wagen einzeln als eigenständiger Triebwagen.[6]

[Bearbeiten] GT4 in Halle (Saale)

Im August 1990 erhielt die HAVAG den Stuttgarter Wagen 749, der sich im Einsatz bewährte. Daraufhin wurden weitere 30 Wagen aus Stuttgart und 9 ehemalige Stuttgarter GT4 aus Freiburg übernommen und ab Dezember 1990 in Betrieb genommen; zusätzlich wurden weitere Wagen als Ersatzteilspender beschafft. Ab 1993 wurde ein Großteil des Bestands im Mittenwalder Gerätebau umfassend saniert und die Wagen erhielten das rot-silbergraue Design der HAVAG bzw. Vollwerbung.

Im März 2003 konnte die HAVAG auf die noch 27 betriebsfähigen Fahrzeuge verzichten, die nach Rumänien abgegeben wurden.

[Bearbeiten] Literatur

  • Hans J. Knupfer: Gelber Klassiker - Der GT 4, Stuttgarts Straßenbahnwagen für fünf Jahrzehnte. Stuttgart 2006/2007, ISBN 978-3-9811082-0-0

[Bearbeiten] Bilder

Die letzten Straßenbahntriebwagen vom Typ GT 4 (und ein DoT4) im denkmalgeschützten Straßenbahnbetriebshof Bad Cannstatt (Dezember 2006)

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Wagenparklisten deutscher Straßenbahnbetriebe, traminfo.de, abgerufen 21. September 2008
  2. http://www.railfaneurope.net/pix/ro/trams/Arad/GT4/pix.html
  3. http://arad.stfp.net/?la=D (Gesamtanzahl und Auflistung der Herkunftsstädte)
  4. http://iasi.stfp.net/?la=D (Gesamtanzahl und Auflistung der Herkunftsstädte)
  5. http://www.railfaneurope.net/pix/ro/trams/Iasi/GT4/pix.html
  6. RATP cumpără 14 tramvaie, Meldung der Zeitung Evenimentul vom 18. Februar 2009 (rumänisch)
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