SV Waldhof Mannheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Waldhof Mannheim
Logo
Voller Name Sportverein Waldhof Mannheim 07 e.V.
Ort Mannheim, Baden-Württemberg
Gegründet 11. April 1907
Vereinsfarben blau-schwarz
Stadion Carl-Benz-Stadion
Plätze 27.000
Präsident Steffen Künster
Trainer Kenan Kocak
Homepage www.svw07.de
Liga Regionalliga Südwest
Verbandsliga Baden (II.)
2013/14 5. Platz
8. Platz (II.)
Heim
Auswärts

Der SV Waldhof Mannheim 07 ist ein Sportverein aus Mannheim, dessen erste Fußballmannschaft von 1983 bis 1990 in der Bundesliga spielte. Der Verein aus dem Stadtteil Waldhof zählt rund 2100 Mitglieder und ist bekannt für seine Nachwuchsarbeit: Der SV Waldhof Mannheim brachte mit Bernd Förster, Karlheinz Förster, Jürgen Kohler, Maurizio Gaudino, Uwe Rahn und Christian Wörns mehrere Nationalspieler hervor. Heute spielen die Blau-Schwarzen aus dem Mannheimer Norden in der Regionalliga, schaffen es aber dennoch, mehrere Tausend Zuschauer zu ihren Heimspielen ins Carl-Benz-Stadion im Stadtteil Oststadt zu locken.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge des SV Waldhof[Bearbeiten]

Im Jahre 1905 gründeten Jugendliche aus dem im Norden Mannheims gelegenen Arbeiterstadtteil Waldhof eine Mannschaft mit dem Namen Fußballgesellschaft Ramelia. Wurde zunächst nur auf den Straßen und freien Plätzen des Vorortes Fußball gespielt, fanden die ersten Spiele nach der bezirksamtlichen Anmeldung auf dem Exerzierplatz im Stadtteil Käfertal statt. Durch Kontakte der Vereinsmitglieder zur örtlichen Spiegelfabrik von Saint-Gobain konnte auf deren Firmengelände ein Fußballplatz geschaffen werden. Dieser aufgrund seiner schlechten Verfassung „Schlammloch“ genannte Platz war auch der Grund für ein kurzzeitiges Zusammengehen mit dem MFC Phönix 02 Mannheim, der zu diesem Zeitpunkt Platzschwierigkeiten hatte. Diese Verbindung war allerdings nur von kurzer Dauer und am 11. April 1907 gründeten 42 junge Männer, darunter einige Mitglieder von Phönix, im Gasthaus Zum Tannenbaum einen neuen Verein mit dem Namen SV Waldhof 07 und den Farben Blau-Schwarz-Blau. Zum ersten Vorsitzenden wurde der Bankkassierer Emil Menton gewählt, erster Mannschaftskapitän wurde Fritz Streckfuß.

Spielzeit Liga (Stufe) Platz Zuschauer
1908/09 C-Klasse Neckargau (3) 3.
1909/10 C-Klasse Neckargau I (3) 1.
1910/11 B-Klasse Neckargau (2) 1.
1911/12 B-Klasse Neckargau (2) 1.
1912/13 A-Klasse Neckargau I (2) 3.
1913/14 A-Klasse Neckargau I (2) 1.
1914/15
1915/16
1916/17
1917/18
1918/19
1919/20 Liga-Klasse Odenwaldkreis (1) 1.
1920/21 Liga-Klasse Odenwaldkreis (1) 1.
1921/22 Liga-Klasse Odenwaldkreis (1) 2.
1922/23 Liga-Klasse Odenwaldkreis (1) 2.
1923/24 Rheinbezirk (1) 1.
1924/25 Rheinbezirk (1) 3.
1925/26 Rheinbezirk (1) 4.
1926/27 Rheinbezirk (1) 4.
1927/28 Rheinbezirk (1) 1.
1928/29 Rheinbezirk (1) 2.
1929/30 Rheinbezirk (1) 1.
1930/31 Rheinbezirk (1) 1.
1931/32 Rheinbezirk (1) 1.
1932/33 Rheinbezirk (1) 1.
1933/34 Gauliga Baden (1) 1.
1934/35 Gauliga Baden (1) 4.
1935/36 Gauliga Baden (1) 1.
1936/37 Gauliga Baden (1) 1.
1937/38 Gauliga Baden (1) 3.
1938/39 Gauliga Baden (1) 4.
1939/40 Kriegsmeisterschaft
Mannheim/Heidelberg (1)
1.
1940/41 Bereichsklasse Baden (1) 1.
1941/42 Bereichsklasse Baden (1) 1.
1942/43 Gauliga Baden (1) 3.
1943/44 Gauliga Baden Nordgruppe (1) 5.
1944/45 Gauliga Baden Nordgruppe (1) (1.)
1945/46 Oberliga Süd (1) 4.
1946/47 Oberliga Süd (1) 2.
1947/48 Oberliga Süd (1) 6.
1948/49 Oberliga Süd (1) 5.
1949/50 Oberliga Süd (1) 6.
1950/51 Oberliga Süd (1) 14.
1951/52 Oberliga Süd (1) 10.
1952/53 Oberliga Süd (1) 8.
1953/54 Oberliga Süd (1) 15.
1954/55 II. Division Süd (2) 8.
1955/56 II. Division Süd (2) 6.
1956/57 II. Division Süd (2) 7.
1957/58 II. Division Süd (2) 1.
1958/59 Oberliga Süd (1) 16.
1959/60 II. Division Süd (2) 1.
1960/61 Oberliga Süd (1) 13.
1961/62 Oberliga Süd (1) 16.
1962/63 II. Division Süd (2) 3.
1963/64 Regionalliga Süd (2) 11.
1964/65 Regionalliga Süd (2) 4.
1965/66 Regionalliga Süd (2) 3.
1966/67 Regionalliga Süd (2) 11.
1967/68 Regionalliga Süd (2) 12.
1968/69 Regionalliga Süd (2) 11.
1969/70 Regionalliga Süd (2) 20.
1970/71 1. Amateurliga Nordbaden (3) 1.
1971/72 1. Amateurliga Nordbaden (3) 1.
1972/73 Regionalliga Süd (2) 7.
1973/74 Regionalliga Süd (2) 7.
1974/75 2. Bundesliga Süd (2) 8. 7.184
1975/76 2. Bundesliga Süd (2) 8. 4.500
1976/77 2. Bundesliga Süd (2) 11. 5.184
1977/78 2. Bundesliga Süd (2) 8. 5.250
1978/79 2. Bundesliga Süd (2) 16. 2.811
1979/80 2. Bundesliga Süd (2) 11. 3.270
1980/81 2. Bundesliga Süd (2) 6. 4.484
1981/82 2. Bundesliga (2) 6. 7.711
1982/83 2. Bundesliga (2) 1. 8.690
1983/84 Bundesliga (1) 11. 26.724
1984/85 Bundesliga (1) 6. 19.324
1985/86 Bundesliga (1) 8. 13.976
1986/87 Bundesliga (1) 14. 14.176
1987/88 Bundesliga (1) 16. 14.392
1988/89 Bundesliga (1) 12. 13.140
1989/90 Bundesliga (1) 17. 11.897
1990/91 2. Bundesliga (2) 7. 6.311
1991/92 2. Bundesliga Süd (2) 2. 7.531
1992/93 2. Bundesliga (2) 4. 6.900
1993/94 2. Bundesliga (2) 6. 8.405
1994/95 2. Bundesliga (2) 5. 12.441
1995/96 2. Bundesliga (2) 7. 7.476
1996/97 2. Bundesliga (2) 15. 7.582
1997/98 Regionalliga Süd (3) 7. 5.587
1998/99 Regionalliga Süd (3) 1. 6.324
1999/00 2. Bundesliga (2) 12. 8.985
2000/01 2. Bundesliga (2) 4. 8.671
2001/02 2. Bundesliga (2) 9. 6.325
2002/03 2. Bundesliga (2) 18. 5.504
2003/04 Oberliga Baden-Württemberg (4) 4. 3.075
2004/05 Oberliga Baden-Württemberg (4) 11. 2.163
2005/06 Oberliga Baden-Württemberg (4) 8. 1.895
2006/07 Oberliga Baden-Württemberg (4) 10. 2.232
2007/08 Oberliga Baden-Württemberg (4) 3. 3.814
2008/09 Regionalliga Süd (4) 4. 3.617
2009/10 Regionalliga West (4) 14. 3.502
2010/11 Oberliga Baden-Württemberg (5) 1. 3.892
2011/12 Regionalliga Süd (4) 12. 3.367
2012/13 Regionalliga Südwest (4) 6. 3.065
2013/14 Regionalliga Südwest (4) 5. 3.052

Der neue Klub wurde am 12. März 1908 vom Verband Süddeutscher Fußball-Vereine aufgenommen und konnte so ab der Saison 1908/09 in der C-Klasse Neckargau am Punktspielbetrieb teilnehmen. Mit einem 8:1 bei der FG Ladenburg 03 konnte ein erfolgreiches Pflichtspieldebüt gefeiert werden, doch der Aufstieg in die B-Klasse ließ noch eine weitere Saison auf sich warten. Zu den Spielen um die Westkreis-Meisterschaften der B-Klasse konnte 1911 hinter der Waldhofschule ein neues Spielfeld mit einer Holztribüne, der „Sandacker“, eingeweiht werden. 1912 folgte der Aufstieg in die A-Klasse und 1914 konnte der SVW zum ersten Mal die höchste Spielklasse erreichen. Während des Ersten Weltkrieges kam der Spielbetrieb zum Erliegen, es kam nur zu sogenannten Kriegshilfe-Fußballrunden. Erst mit der Saison 1919/20 wurde wieder regulär Fußball gespielt. Der SV Waldhof kam über die Liga-Klasse Odenwaldkreis zu einem zweiten Platz in der Gruppe Nord der Süddeutschen Meisterschaft, hinter dem 1. FC Nürnberg.

Im Jahre 1921 kam es zu einer Affäre um den Jungnationalspieler Sepp Herberger. Herberger hatte das Interesse der Mannheimer Konkurrenz geweckt und bereits 10.000 Reichsmark für einen Wechsel zu Phönix Mannheim erhalten, als er sich für den als bürgerlich angesehenen Rivalen VfR Mannheim entschied. Dieser hatte ihm für einen Wechsel mietfreies Wohnen und eine Stelle bei der Dresdner Bank angeboten. Dadurch zog Herberger sowohl den Unmut der Waldhöfer auf sich, die ihn als „Verräter“ beschimpften, als auch eine Sperre durch den Süddeutschen Fußball-Verband wegen Verstößen gegen den Amateurparagraphen. Nachdem er das Geld zurückgezahlt hatte wurde die Sperre aufgehoben und Herberger Spieler des VfR. 1923 wurde dem SVW ein Platz im Wäldchen an den Schießständen von der Stadt zur Verfügung gestellt, wo der Verein seither seine Heimat hat. Bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten konnte der SVW sich noch einige Male für die Endrunde um die Süddeutsche Meisterschaft qualifizieren, allerdings keinen Meistertitel gewinnen. Größter sportlicher Rivale aus Mannheim war Ende der 1920er-Jahre im Rheinbezirk der VfL Neckarau, aus dem südlich gelegenen Stadtteil.

Auftreten des SVW auf nationaler Ebene[Bearbeiten]

Mit der „Machtergreifung“ wurde der Fußball in Deutschland neu organisiert und „gleichgeschaltet“, unter anderem wurden 16 Gauligen eingerichtet. Durch den Gewinn des Titels der Gauliga Baden konnte sich der SVW für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1933/34 qualifizieren. Das Halbfinalspiel gegen den späteren Meister FC Schalke 04 in Düsseldorf ging vor 2000 mitgereisten Waldhof-Anhängern mit 2:5 verloren, nachdem es zehn Minuten vor Schluss noch 2:2 gestanden hatte. In der folgenden Saison verpasste Waldhof die Teilnahme an der nationalen Endrunde und wurde hinter dem VfR und dem VfL Neckarau sogar nur dritte Kraft im Mannheimer Fußball. Im Pokalwettbewerb, dem auch als Tschammerpokal bekannten Vorläufer des DFB-Pokals, musste sich der SVW erst im Halbfinale dem 1. FC Nürnberg geschlagen geben. 1935/36 und 1936/37 konnte Waldhof die Gruppenphase nicht überstehen. Als überragender Spieler des SVW in den 1930er-Jahren gilt Otto Siffling, Teilnehmer an den Weltmeisterschaften 1934 und 1938, der im legendären Spiel der Breslau-Elf 1937 fünf von acht Toren erzielte. Siffling starb im Alter von 27 Jahren wegen einer schweren Krankheit.

Auch bei der Endrunde 1939/40, der ersten Kriegsmeisterschaft, war Waldhof im Halbfinale Schalke 04 unterlegen. Anlässlich der beiden Spiele um den dritten Platz gegen den SK Rapid Wien sprach die Berliner Presse wegen des jungen Alters zahlreicher SV-Spieler von den Waldhof-Buben, ein Begriff der den Verein bis in die Gegenwart begleitet hat. Im selben Jahr gelang mit der Teilnahme am Pokalfinale gegen den 1. FC Nürnberg – trotz einer 0:2-Niederlage – der bislang größte Pokalerfolg.

Nachkriegszeit und Unterklassigkeit[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg und den durch diesen verursachten Schwierigkeiten für die Aufrechterhaltung des Spielbetriebes – unter anderem das Risiko von Luftangriffen und dem dadurch verursachten Zuschauer- und Einnahmenschwund – wurde 1945 von den Behörden der Amerikanischen Besatzungszone die Einrichtung einer Oberliga Süd gestattet. 1947 wurde der SVW Zweiter und wäre damit für eine Deutsche Meisterschaftsendrunde qualifiziert gewesen, so in diesem Jahr denn eine stattgefunden hätte. Zweiter Deutscher Meister nach dem Krieg wurde 1949 zur Enttäuschung der Waldhöfer Stadtrivale VfR.

Regionalliga-Spiel zwischen Heilbronn und Waldhof Mannheim 1970

In den 1950er-Jahren war der SVW nur Mittelmaß in der Oberliga Süd und musste 1954 den Abstieg in die 2. Liga Süd hinnehmen, womit der Verein zum ersten Mal seit 40 Jahren nicht mehr erstklassig spielte. Nach dem Aufstieg 1958 entwickelte sich der Verein zu einer Fahrstuhlmannschaft zwischen Ober- und 2. Liga und hatte dadurch keine Chance, sich für die neugeschaffene Bundesliga zur Saison 1963/64 zu qualifizieren. Als Unterbau der Bundesliga wurden Regionalligen eingerichtet, an denen der SVW bis zum Abstieg 1970 ohne Hoffnung auf Erstklassigkeit teilnahm. Nach zwei Jahren in der 1. Amateurliga Nordbaden gelang Waldhof der Wiederaufstieg, der dem Verein in der Saison 1973/74 die Möglichkeit gab, sich für die neugeschaffene, aus einer Nord- und einer Südstaffel bestehenden 2. Bundesliga zu qualifizieren, zusammen mit dem VfR Mannheim, der sich dort jedoch nur ein Jahr halten konnte.

Vereinswappen als „SV Chio Waldhof“

1972 hatte sich der Verein in Chio Waldhof 07 umbenannt und dafür 190.000 DM von der Firma Chio Chips erhalten. 1975 folgte die Umbenennung in SV Chio Waldhof 07. In den folgenden Jahren war der 1978 in SV Waldhof Mannheim 07 umbenannte SVW eine im Mittelfeld der 2. Liga etablierte Mannschaft. 1981 konnte sich der Verein für die neue eingleisige 2. Bundesliga qualifizieren, da in den zur Teilnahmeberechtigung hinzugezogenen Spielzeiten genügend Punkte erreicht werden konnten. Nach der Saison 1982/83 stand Waldhof als Aufsteiger, und damit 36. Bundesligaverein seit deren Gründung, fest.

Bundesliga-Aufstieg 1983 und sieben Jahre Erstklassigkeit[Bearbeiten]

In das erste Jahr startete der SVW weiter mit Trainer Klaus Schlappner, neun von 20 Spielern stammten aus der eigenen Jugend. Da keines der Mannheimer Stadien, darunter das eigene Stadion am Alsenweg zu diesem Zeitpunkt erstligatauglich war, musste in das Ludwigshafener Südweststadion umgezogen werden. Zunächst bestand eine auf ein Jahr befristete Ausnahmegenehmigung, da Heimspiele auf verbandsfernem Gebiet (in diesem Fall auf dem Gebiet des Südwestdeutschen Fußballverbandes) eigentlich untersagt waren. Der Umzug in die Vorderpfalz wurde vom Ligakonkurrenten 1. FC Kaiserslautern in Hinblick auf befürchtete Zuschauerverluste nicht mit Wohlwollen aufgenommen. In der Aufstiegssaison 1983/84 verzeichnete der SV Waldhof einen deutlich besseren Zuschauerschnitt (26.982 Zuschauer) als die Pfälzer Ligarivalen (19.017 Zuschauer), doch sank der Schnitt des SVW in den folgenden Jahren kontinuierlich.

In den ersten Jahren der Erstklassigkeit sorgte der Verein, der fast ausschließlich mit Eigengewächsen agierte, bundesweit für Furore. Klaus Schlappner und seine Mannschaft schafften es mit ihrer Unbeschwertheit, sich in der deutschen Eliteklasse zu etablieren. Talente aus der eigenen Jugend, wie etwa Jürgen Kohler, Christian Wörns und Maurizio Gaudino, machten sich schnell einen Namen und avancierten später gar zu Nationalspielern. Uwe Zimmermann im Tor, Fritz Walter im Sturm, Günter Sebert in der Abwehr sowie Alfred Schön im Mittelfeld waren Stützen der Mannschaft des Bundesliganeulings. In der zweiten Bundesligasaison 1984/85 verpassten die „Waldhof-Buben“ den UEFA-Pokal-Einzug nur wegen der schlechteren Tordifferenz. Im DFB-Pokal 1985/86 konnte Waldhof das Halbfinale erreichen, wo die Mannschaft dem späteren Titelträger FC Bayern München unterlag. In der Saison 1989/90 wurden die Heimspiele wieder im Waldhofstadion ausgetragen, zumal das Stadion in Ludwigshafen zu teuer wurde und man dem allgemeinen Zuschauerschwund in der höchsten deutschen Spielklasse Rechnung tragen musste. Unter Trainer Günter Sebert gelang zunächst ein sehr guter Saisonstart, der sogar auf einen UEFA-Cup-Platz hoffen ließ (unter anderem gelang ein Heimsieg gegen Bayern München und ein 4:0-Erfolg gegen den Erzrivalen aus Kaiserslautern), doch häuften sich die Verletzungen besonders bei Stammspielern derart, dass der Verein am Ende der Saison den Gang in die 2. Liga antreten musste.

Gescheiterte Wiederaufstiegsversuche, Abstieg 1997[Bearbeiten]

Nach zwei knapp gescheiterten Wiederaufstiegsversuchen 1991/1992, 1992/1993 konnte der SV Waldhof in der Saison 1994/1995 seine neue Heimstätte, das Carl-Benz-Stadion einweihen. Dieses, so hoffte man, würde dem Verein nicht nur beim Wiederaufstieg in die Bundesliga helfen, sondern auch die inzwischen notwendig gewordene finanzielle Sanierung ermöglichen.

Stattdessen zeigte sich, nachdem der Aufstieg in der Saison 1994/95 erneut knapp verpasst wurde, in der Folgezeit immer deutlicher eine Führungskrise im Präsidium unter dem damaligen Präsidenten Wilfried Gaul. Durch häufige Trainerwechsel, gepaart mit Fehleinkäufen und persönlichen Querelen im Umfeld, geriet der Verein sowohl sportlich als auch finanziell immer mehr in Bedrängnis.

Einen ersten Tiefpunkt erlebte die Krise im Jahr 1997 mit dem Abstieg in die Regionalliga. Dem finanziell stark angeschlagenen Verein gelang mit einem stark verjüngten Kader in der Saison 1998/99 unter Trainer Uwe Rapolder nach zwei Jahren die Rückkehr in den Profifußball.

Nach dem Wiederaufstieg wurde bereits innerhalb kürzester Zeit das Ziel Bundesliga ausgegeben, welches mit Sponsorengeldern, v.a. der Firma Sportwelt, erreicht werden sollte. Als jedoch die Firma Sportwelt Konkurs anmelden musste und die Zahlungen einstellte, wurden die Finanzprobleme des Vereins wieder akut.

Im Jahr 2001 stand der SV Waldhof kurz vor dem Aufstieg in die erste Bundesliga. Am letzten Spieltag führte man zu Hause gegen Mainz 05 mit 4:0 und stand fünfzehn Minuten vor Ende der Partie auf dem dritten Aufstiegsplatz. Der bereits aufgestiegene 1. FC Nürnberg unterlag jedoch noch im Spiel gegen den Aufstiegskonkurrenten St. Pauli, der dadurch den 3. Platz an Stelle von Waldhof Mannheim erreichte.

Da nach dem knapp verpassten Bundesliga-Aufstieg 2001 die Erwartungen von Fans und Präsidium stark gestiegen waren, musste Rapolder nach einem schlechten Saisonstart in der darauf folgenden Saison gehen. Im Jahr 2002 folgte dann auch der Rücktritt des mittlerweile umstrittenen Präsidenten Wilfried Gaul.[1] Dieser Schritt brachte jedoch keine Ruhe in den Verein und die Querelen in der Führungsspitze dauerten weiterhin an.

Fünf Jahre Oberliga 2003–2008[Bearbeiten]

Mit dem erneuten Abstieg aus der 2. Bundesliga 2003 wurde das ganze Ausmaß der finanziellen Krise offenbar. Durch die Nichterteilung der Lizenz für die Regionalliga erfolgte der direkte Abstieg in die Oberliga Baden-Württemberg. Nach erneuten heftigen Führungsquerelen im Präsidium im Jahr 2004 versuchte der Verein nun unter einem neuen Präsidium, geführt von Hans-Joachim Bremme, die Querelen der letzten Jahre hinter sich zu lassen, zu alter Stärke zurückzufinden und den zuvor verspielten Kredit bei Fans und Sponsoren wieder zu gewinnen.

Der Aufstieg in die Regionalliga Süd wurde 2004 ebenso verpasst wie 2005. Für die Saison 2005/06 wurden zahlreiche neue Spieler mit Erfahrung im Profibereich verpflichtet, um den Aufstieg in die Regionalliga anzustreben. Der Etat wurde auf 1,2 Millionen Euro ausgeweitet, jedoch konnte der Verein trotz inzwischen etwas entspannterer finanzieller Lage nach wie vor finanziell nicht gerade aus dem Vollen schöpfen.

Im April 2007 feierte der Traditionsverein sein 100-jähriges Bestehen. Anlässlich des Vereinsjubiläums gastierte der FC Bayern München zu einem Freundschaftsspiel im Carl-Benz-Stadion, in dem die Waldhof-Buben nur knapp mit 1:2 unterlagen.

Nachdem das Saisonziel Aufstieg in die Regionalliga 2006/2007 abermals deutlich verfehlt wurde, mobilisierte der SV Waldhof vor Beginn der Saison 2007/2008 noch deutlich mehr Mittel. Mit erfahrenen Spielern, die teils Bundesliga- und Zweitliga-Erfahrung mitbrachten, qualifizierte sich der Verein am 24. Mai 2008 mit einem 2:0 gegen den SV Linx im heimischen Carl-Benz-Stadion vorzeitig für die neue Regionalliga. Wirtschaftlich allerdings geriet der Verein in eine Krise, konnte aber durch eine kurzfristige Finanzspritze von 500.000 Euro von dem Mäzen Dietmar Hopp vor der Insolvenz bewahrt werden.[2] Von ihm wurde auch das neue Jugendförderzentrum unterstützt, mit dem an die traditionell gute Jugendarbeit angeknüpft werden soll. Im Herbst 2007 wurde Mario Nöll Präsident des SV Waldhof.[3] Mittelfristig wollte der Verein – der sich einer für Oberliga-Verhältnisse sehr großen Zuschauerresonanz erfreute – wieder zurück in die höchsten deutschen Fußballklassen.

Waldhof viertklassig mit erneutem Lizenzentzug[Bearbeiten]

In der nach Einführung der neuen 3. Liga umstrukturierten Regionalliga belegten die Mannheimer in der Saison 2008/09 den 4. Platz in der Südstaffel. In der Saison 2009/10 spielte Waldhof in der Weststaffel der Regionalliga und konnte sich dort mit dem 14. Tabellenplatz knapp vor dem Abstieg retten. Zu der Spielzeit 2010/11 erhielten die Mannheimer vom DFB keine Lizenz für die Regionalliga und traten in der Oberliga Baden-Württemberg an.[4] Am 16. Dezember 2010 wurde der Unternehmer Steffen Künster mit 230 von 321 abgegebenen Stimmen zum neuen Präsidenten des SV Waldhof gewählt.

Aufstieg in Regionalliga und Zuschauerrekord in Oberliga[Bearbeiten]

Am Ende der Saison 2010/11 konnte der Verein von der Oberliga erneut in die Regionalliga aufsteigen. Erst am vorletzten Spieltag gelang es, den seit Saisonbeginn an der Spitzenposition stehenden FC Nöttingen vom ersten Tabellenplatz zu verdrängen. Am letzten Spieltag trennten die beiden Konkurrenten noch immer lediglich zwei Punkte in der Tabelle. Im letzten, entscheidenden Spiel gegen den FV Illertissen traten die Akteure dabei vor einer Rekordkulisse an: 18.313 Zuschauer verfolgten das Fernduell im Carl-Benz-Stadion in Mannheim.[5] Dies ist die höchste Zuschauerzahl, die jemals bei einem Fünftligaspiel in Deutschland erreicht wurde (vormaliger Rekord: FC Sachsen gegen 1. FC Lok (14.968 Zuschauer)). Der SVW gewann das Spiel mit 6:0 (4:0) (Reule (12./22./36.), Kyei (38.), Malchow (75.), Dautaj (87.)), während der FC Nöttingen zuhause gegen den FC 08 Villingen mit 0:3 verlor. Mit 83 Punkten und fünf Punkten Abstand zum zweitplatzierten FC Nöttingen sicherte sich der SV Waldhof Mannheim die Meisterschaft und den direkten Aufstieg in die Regionalliga. 2011/12 hielt Mannheim die Klasse in der Regionalliga und beendete die Saison auf dem zwölften Tabellenplatz. Zur Saison 2012/13 wurde der Kader umgebaut und man visierte einen einstelligen Tabellenplatz an. Im April 2013 kehrte der ehemalige Spieler Jürgen Kohler als sportlicher Leiter kurz zum Verein zurück. Gleichzeitig trat Trainer Reiner Hollich zurück und übergab die Mannschaft an den bisherigen Co-Trainer Andreas Clauß.[6]

Entwicklung des Vereinswappens[Bearbeiten]

Kader 2014/15[Bearbeiten]

Stand: 28. August 2014[7]

Nr. Spieler Nationalität
Torhüter
1 Dennis Broll Deutscher
44 Sebastian Brune Deutscher
Abwehr
2 Dennis Kopf Deutscher
3 Christian Mühlbauer Deutscher
4 Mike Schulz Deutscher
5 Marcel Seegert Deutscher
13 Nikola Mladenovic Deutscher Serbe
15 Marco Müller Deutscher
16 Cem Islamoglu Türke
20 Frederic Brill Deutscher
23 Robin Neupert Deutscher
26 Christoph Becker Deutscher
Mittelfeld
6 Sebastian Lindner Deutscher
7 Lutz Radojewski Deutscher
8 Daniel di Gregorio Italiener Deutscher
10 Nico Seegert Deutscher
14 Nauwid Amiri Deutscher
17 Steffen Straub Deutscher
18 Philipp Förster Deutscher
21 Morris Nag Deutscher
22 Talha Yazgan Türke
25 Héctor Róbinson Panamaer Spanier
Angriff
9 Marcel Sökler Deutscher
11 Squipon Bektasi Deutscher
19 Yanick Haag Deutscher
29 Salvatore Bari Italiener
Aktueller Trainerstab
Name Funktion
Kenan Kocak Chef-Trainer
Klaus Heitz Co-Trainer
Marius Todericiu Torwart-Trainer
Dirk Stelly Fitnesstrainer

Bekannte Spieler[Bearbeiten]

Trainer[Bearbeiten]

Stadion[Bearbeiten]

Innenraum des Carl-Benz-Stadions
Aus Sicht des Fernmeldeturms

Seit 1994 trägt der SV Waldhof seine Spiele im Carl-Benz-Stadion mit einem Fassungsvermögen von 27.000 Plätzen aus.

Nach der Gründung 1907 waren die ersten Spielstätten der Blau-Schwarzen das „Schlammloch“ und der „Sandacker“ hinter der Waldhof-Schule im gleichnamigen Stadtteil Mannheim-Waldhof. 1924 zog der SVW ins Stadion am Alsenweg – welches sich ebenfalls auf dem Waldhof befindet – um, wo er bis Ende 1993 seine Spiele austrug. Dort befindet sich auch heute noch das Vereinsgelände mit Trainingsplätzen, Clubhaus und Geschäftsstelle. Eine Ausnahme stellten die Jahre 1983 bis 1989 dar, in denen die erste Mannschaft des SV Waldhof Mannheim aufgrund von DFB-Auflagen für ihre Spiele in der Bundesliga ins benachbarte Ludwigshafener Südweststadion ausweichen musste.

Vor der Saison 2008/2009 wurde das Stadion umfangreich renoviert. Unter anderem wurde eine neue Anzeigetafel installiert. Das Stadion entspricht jetzt den Standards der Bundesliga. Die Renovierung fand statt, weil die TSG 1899 Hoffenheim in der Vorrunde der Saison 2008/2009 ihre Heimspiele in Mannheim austrug. Das eigene Stadion, die Rhein-Neckar-Arena wurde erst in der Winterpause fertig.

Erfolge[Bearbeiten]

Fußball
Handball

Handball[Bearbeiten]

In den ersten Jahrzehnten der Waldhof-Geschichte waren die Handballer besonders erfolgreich. Die Herren-Mannschaft wurde 1933 durch einen 7:5-Erfolg im Endspiel gegen den Polizei-SV Burg als erster Nicht-Polizei-Sportverein Deutscher Meister der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik im Feldhandball. Mit Wilhelm Müller und Fritz Spengler waren zwei Waldhöfer am Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin beteiligt. Philipp Zimmermann errang mit der deutschen Nationalmannschaft den Weltmeistertitel 1938.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann Waldhof als Vertreter der Amerikanischen Besatzungszone die erste interzonale Meisterschaft im Feldhandball 1946; im Endspiel der Zonenmeister in Hagen wurde der Vertreter der Britischen Zone, der Sportring 33 Gevelsberg mit 11:4 geschlagen.[8] Anschließend konnte der Verein noch zweimal das Endspiel um die Deutsche Feldhandball-Meisterschaft erreichen. Beide Male gab es jedoch knappe Niederlagen: Bei der ersten Deutschen Meisterschaft der Nachkriegszeit 1947, die als Offene Meisterschaft der Britischen Besatzungszone ausgetragen wurde, scheiterte Waldhof mit 6:8 gegen den RSV Mülheim, ein Jahr später beim interzonalen Endrundenturnier 1948 unterlag die Mannschaft mit 8:10 gegen den Turnverein Hassee-Winterbek aus Kiel (siehe dazu auch: Zonenmeisterschaft).

In den 1950er und 1960er Jahren dominierte die Damen-Mannschaft den badischen Handball und wurde regelmäßig badischer Meister. In jener Zeit wurde die Torhüterin Monika Eichenauer 55 mal in die Deutsche Nationalmannschaft berufen.

Tischtennis[Bearbeiten]

Anfang der 1970er Jahre war der SV Waldhof auch im Tischtennis erfolgreich. 1971 gelang der Aufstieg in die Oberliga Süd, die damals zweithöchste deutsche Spielklasse (nach der Tischtennis-Bundesliga). Dort konnten sich die Mannheimer sofort etablieren. Nach drei Jahren wechselte die Mannschaft jedoch (unter Mitnahme des Staffelplatzes) zur DJK Käfertal über. Heute gibt es keine Tischtennisabteilung mehr im Verein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dr. med. Helmut Klingen: 50 Jahre SV Waldhof Mannheim. A. Rausch, Heidelberg 1957
  • Rudolf Hahner: 75 Jahre SV Waldhof Mannheim 07 e.V.. Mannheim 1982
  • Joachim Bremser: Wunder Waldhof. Biblis 1983
  • Fritz Glanzner und Kurt Schaller: Günter Sebert – Waldhof ist mein Leben. TIP-Verlag, Lampertheim 1985
  • Günter Rohrbacher-List: Blau und Schwarz – Der SV Waldhof. Waldkirch Verlag, Mannheim 2004, ISBN 3-927455-15-6.
  • Günter Rohrbacher-List: das SV WALDHOF lexikon. Waldkirch Verlag, Mannheim 2007, ISBN 978-3-927455-33-7.
  • Karl-Heinz Schwarz-Pich: 100 Jahre SV Waldhof Mannheim 1907–2007. Grunert Medien & Kommunikation GmbH, Mannheim 2007, ISBN 978-3-00-019800-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.netzeitung.de/sport/zweiteliga/182678.html?Gaul_tritt_als_Waldhof-Praesident_zurueck
  2. Süddeutsche Zeitung 7. Januar 2009
  3. Schwetzinger Zeitung 1. Oktober 2007
  4. SV Waldhof Mannheim: DFB erteilt keine Regionalligalizenz, 8. Juni 2010
  5. kicker-online 11. Juni 2011
  6. Jürgen Kohler neuer Sportlicher Leiter beim SV Waldhof / Trainer Reiner Hollich bittet um sofortige Freistellung. SV Waldhof Mannheim 07 e.V., 2. April 2013, abgerufen am 3. April 2013.
  7. [1]
  8. Webers (Red.): Feldhandball-Meisterschaft der britischen und amerikanischen Besatzungszone 1946 (abgerufen 5. März 2014)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: SV Waldhof Mannheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.5318416666678.4843861111111Koordinaten: 49° 31′ 55″ N, 8° 29′ 4″ O