Saïd Aouita

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Saïd Aouita, 1987

Saïd Aouita (arabisch ‏سعيد عويطة‎, DMG Saʿīd ʿAwīṭa; * 2. November 1959 in Kenitra) ist ein ehemaliger marokkanischer Mittel- und Langstreckenläufer, der 1984 Olympiasieger über 5000 m wurde.

Saïd Aouita dominierte während der 1980er Jahre die Mittelstreckendistanzen zwischen 800 und 5000 Metern. Da er auch über 10000 m und 3000 m Hindernis in der erweiterten Weltspitze war, bezeichnet man ihn oft als den Zehnkämpfer unter den Langstreckenläufern. Bis heute gelang es nur Aouita 800 m unter 1:44 Minuten, 1500 m unter 3:30 Minuten, 3000 m unter 7:30 Minuten und 5000 m unter 13:00 Minuten zu laufen. Er gewann Rennen gegen die Olympiasieger Joaquim Cruz (800 m), Peter Rono (1500 m), John Ngugi (5000 m) und Alberto Cova (10000 m) auf ihren jeweiligen Spezial-Distanzen.

Aouitas erster großer Erfolg gelang ihm bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1983 in Helsinki über 1500 m. Im Finallauf zeigte Aouita aber noch taktische Schwächen und musste Steve Cram und Steve Scott den Vortritt lassen. Daraufhin entschloss sich Aouita im folgenden Jahr bei den Olympischen Spielen in Los Angeles über 5000 m anzutreten. Das 5000-Meter-Finale wurde bei einem hohen Tempo zunächst von António Leitão aus Portugal angeführt. In der letzten Runde gelang es Aouita, Leitão im Sprint zu überholen.

In der nächsten Saison stellte Aouita zwei Weltrekorde auf: 5000 m in 13:00,40 min am 27. Juli in Oslo und 1500 m in 3:29,46 min am 23. August in Berlin. Vorausgegangen war Aouitas bitterste Niederlage (und eine von nur vier in 119 Rennen zwischen 1983 und 1990). In einem 1500-Meter-Rennen in Nizza am 16. Juli hatte Steve Cram den Weltrekord gebrochen und war als erster Mensch unter 3:30 Minuten geblieben. Aouita blieb nur Rang zwei, obwohl er in diesem Rennen die letzten 100 m in 13,0 Sekunden lief und Cram fast noch geschlagen hätte, was seinen Ruf als Superspurter begründete. 1986 gewann Aouita den IAAF Grand Prix. 1987 gelang es ihm auch den von Steve Cram gehaltenen Weltrekord über 2000 m in einer Zeit von 4:50,81 min zu brechen. Nur sechs Tage später verbesserte er seinen eigenen Weltrekord über 5000 m und lief als erster Mensch diese Distanz unter 13 Minuten in 12:58,39 min.

Bei den WM 1987 in Rom lief über 5000 m John Ngugi aus Kenia zunächst ein moderates Tempo. Aouita vertraute auf seine höhere Endgeschwindigkeit und entschied das Rennen nach einem Massensprint auf der letzten Runde in einer Zeit von 13:26,44 min für sich.

Bei den Olympischen Sommerspielen 1988 in Seoul versuchte er das Double, allerdings nicht wie im Vorfeld erwartet über 5000 m und 10.000 m, sondern über 800 m und 1500 m. Zwar gelang es ihm, bis ins Finale des 800-Meter-Laufs zu kommen, aufgrund einer Verletzung musste er sich schließlich aber mit der Bronzemedaille zufriedengeben. Aouita ist damit der einzige Athlet in der Geschichte der Olympischen Spiele, der Medaillen im 800- und im 5000-Meter-Lauf gewann. Wegen der Verletzung konnte er zum Halbfinale über 1500 m nicht mehr antreten.

Die 3000 m bei den Hallenweltmeisterschaften des folgenden Jahres konnte Aouita für sich entscheiden. In der Freiluftsaison gelang es ihm beim ASV-Sportfest in Köln endlich, den Weltrekord von Henry Rono über 3000 m, den er mehrfach vergeblich attackiert hatte, zu brechen. Auch hier betrat er in 7:29,45 m als erster Mensch unter 7:30 Minuten Neuland. Mit Beginn der 1990er Jahre häuften sich allerdings die Verletzungen und Aouita konnte nicht mehr an alte Zeiten anknüpfen. 1991 erreichte er bei den WM in Tokio lediglich einen 11. Platz über 1500 m. 1992 meldete er sich noch einmal mit einem Hallenweltrekord über 3000 m (7:36,66 min) zurück, der ihm jedoch von der IAAF aberkannt wurde, weil Aouita eine Bahnbegrenzungsmarke übertreten hatte. Weitere Comeback-Versuche 1993 und 1995 scheiterten.

Saïd Aouita gehört zu den großen Legenden im Mittel- und Langstreckenlauf. Er hielt zeitweise die Landesrekorde von Marokko auf sämtlichen Strecken von 800 m bis 10000 m inklusive 3000 m Hindernis. In der „ewigen“ Weltbestenliste rückte er zu unterschiedlichen Zeitpunkten seiner Karriere bis auf folgende Positionen vor: 800 m (13); 1000 m (6); 1500 m (1); 1 Meile (2); 2000 m (1); 3000 m (1); 2 Meilen (2); 5000 m (1); 10000 m (6); 3000 m Hindernis (82). Eine halbwegs vergleichbare Bandbreite kann in der Geschichte der Leichtathletik einzig der Kenianer Kipchoge Keino vorweisen.

Weblinks[Bearbeiten]