Saab 2000

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Saab 2000
Golden Air SE-LTX 20071020.JPG
Saab 2000 der Golden Air
Typ: Regionalverkehrsflugzeug
Entwurfsland: SchwedenSchweden Schweden
Hersteller: Saab
Erstflug: 26. März 1992
Indienststellung: 1994
Produktionszeit: 1994 bis 1999
Stückzahl: 64
Cockpit einer Saab 2000

Die Saab 2000 ist eine Weiterentwicklung des erfolgreichen Regionalflugzeuges Saab 340. Sie hat einen im Vergleich zur 30-sitzigen Saab 340 gestreckten Rumpf, so dass nunmehr 50 Passagiere transportiert werden können. Die Saab 2000 ist mit einer Reisegeschwindigkeit von ca. 665 km/h (360 kt) eines der schnellsten Turboprop-Flugzeuge, das jemals zivil entwickelt wurde. Konzeptionell vergleichbar mit der deutlich kleineren Dornier 328, fliegt sie mit nahezu jetähnlicher Leistung, ist aber im Vergleich sparsamer.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Projekt wurde von Saab 1988 begonnen. Es war mit Beteiligungen von CASA (Spanien), Westland (England) und Valmet (Finnland) europäisch angelegt. Die erste Maschine flog 1992.

Im Rahmen der Entwicklung kam es zu verschiedenen technischen Neuerungen: So wurden leistungsstarke Allison-Turboprop-Triebwerke mit großen langsamdrehenden sechsblätterigen Propellern eingebaut. Diese Triebwerke leisten pro Seite ca. 3096 kW, in der Kabine sorgt ein elektronisch geregeltes Antischall-System mit vielen Lautsprechern für ein geringes Innengeräusch (Active Noise Control System) und im Cockpit wurde ein modernes EFIS-Cockpit von Rockwell Collins mit sechs Monitoren eingebaut.

Die ehemalige Schweizer Regionalfluglinie Crossair setzte die Saab 2000 im Regionalbetrieb erfolgreich ein. Doch kaum eine andere Fluggesellschaft war an dem Flugzeug interessiert. Das lag nicht zuletzt daran, dass Regional-Jets anderer Hersteller wie etwa die Embraer ERJ-145 oder die Bombardier CRJ200 für den gleichen Anschaffungspreis bessere Flugleistungen brachten. Schließlich zog sich Saab nach 63 gebauten Saab 2000 – wovon 34 alleine an Crossair gingen – aus dem zivilen Flugzeugbau zurück. Von den gebauten Saab 2000 fliegen heute noch 54 Stück.

Bei der Crossair (seit 2002 als Swiss firmierend, 2005 von der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa übernommen), wurde dieser Typ in der Nomenklatur der BAe 146 „Jumbolino“ auch „Concordino“ genannt, da seine Reisegeschwindigkeit nahezu auf Jet-Niveau liegt.

Varianten[Bearbeiten]

Saab 2000
Regionalairliner bzw. Zubringerflugzeug mit 50–58 Sitzen für Passagiere sowie im Heck ein Gepäckabteil.
Saab 2000FI
Messflugzeuge für das japanische Civil Aviation Bureau, wovon zwei Stück produziert wurden.
Saab 2000 Erieye AEW & C
Die Luft- und Seeraumüberwachungs- und Führungsleitzentrale-Variante (englisch Airborne Early Warning & Control) ist mit einem AESA-Erieye-Radar ausgestattet. Das Radar des Typ PS 890 der Firma Ericsson ist einem neun Meter langen kastenförmigen Behälter auf dem Rumpfrücken fix montiert. Das hochauflösende Radar soll relativ resistent gegen EKF-Störeinflüsse sein und Ziele in Kampfflugzeuggrösse auf Entfernungen von 450 Kilometern erkennen; Marschflugkörper können in 150 Kilometern Entfernung erkannt werden. Hierzu wird anders als bei üblichen AWACS keine kontinuierliche Rundumsuche betrieben, sondern mittels eines keilförmigen Radarsuchstrahl der Sektor überwacht, welcher von Interesse ist. In der Kabine sind drei Konsolenstationen installiert, wovon Radaroperatoren den Luftraum überwachen. Den Prototypen hat Saab am 27. März 2008 in Linköping vorgestellt.
Saab 2000MPA „Swordfish“
Diese Seeüberwachungsvariante ist in Planung für Marinen und Offshorekunden. Die Sensorik umfasst ein Seeüberwachungsradar Selex Galileo Seaspray 7500 mit Rundumsicht, ein Ultra-Electronics-Aktivsonarsystem zur Detektion von U-Booten mittels Bojen, Freund-Feind-Erkennung (IFF), elektronische Aufklärungssysteme, ein Selbstverteidiungssystem (DASS) mit Täuschkörperwerfern, Datenlink, Satellitenfunk sowie einen elektroptischen Turm mit Fernseh- und FLIR-Kamera verbunden mit einem automatischen Idetifikationssystem (AIS).

Zivile Betreiber[Bearbeiten]

Saab 2000 der OLT Express Germany

Mit Stand Juni 2013 betreiben fünf Fluggesellschaften zusammen 34 Exemplare der Saab 2000 im Linienverkehr:

Militärische Betreiber[Bearbeiten]

PakistanPakistan Pakistan (Pakistanische Luftwaffe)

  • 4 × Saab 2000 Erieye AEW & C
  • 1 × Saab 2000 als Trainer ohne Radarausrüstung

Saudi-ArabienSaudi-Arabien Saudi-Arabien (Royal Saudi Air Force)

  • 2 × Saab 2000 Erieye AEW & C
  • 1 × Saab 2000 als Trainer ohne Radarausrüstung

Selbstverteidigungssysteme[Bearbeiten]

Die AEW&C-Variante verfügt rundherum über mehrere Saab-Avitronics-MAW-300-Raketenanflugssensoren sowie Saab-Avitronics-LWS-310-Laserwarnsensoren. Im Heck sind auf jeder Rumpfunterseite am Heck je ein BOL-Düppelwerfer und je drei BOP-Düppelwerfer installiert[1]. Diese insgesamt 554 Täuschkörperpatronen werden im Bedrohungsfalle vom elektronischen Selbstverteidigungssystem halb- oder vollautomatisch im Sekundentakt ausgestoßen.

Technische Daten[Bearbeiten]

Auf dem Flughafen Zürich gelandete Maschine der Darwin Airline
Kenngröße Daten
Triebwerke zwei 3096-kW-Turboprop Rolls-Royce AE 2100A mit Sechsblatt-Constant-Speed-Propeller von Dowty
Gewichte
Leergewicht 13.800 kg
max. Startgewicht 22.999 kg
Flugleistungen
max. Reisegeschwindigkeit 682 km/h bei 25.000 ft (7.620 m)
Long Range Reisegeschwindigkeit 594 km/h
Steigleistung 11,4 m/s
Dienstgipfelhöhe 31.000 ft (9.448,8 m)
High-Speed-Reichweite mit 50 Passagieren und Reserve 2.185 km
Reichweite bei Long-Range-Reisegeschwindigkeit 2.868 km
Abmessungen
Spannweite 24,76 m
Länge 27,28 m
Höhe 7,73 m
Tragflügelfläche 55,7 m²
Kapazität
Besatzung zwei
Passagiere 50 (bei drei Sitzen nebeneinander und 81 cm Sitzabstand).
Max. Passagiere 58 (bei 76 cm Sitzabstand und veränderter Küche und Kleiderschrank)
Avionik
avionische Geräte Rockwell Collins Pro Line 4 Avionik-Suite mit integriertem Avionik-Prozessor (IAP)
Triebwerksanzeige und Crew Alerting System (EICAS)
Alarm- und Traffic Collision Avoidance System (TCAS)
Der Flugsteuerungssystem (AHRS) und digitales Luft-Daten-System (DADS)

Zwischenfälle[Bearbeiten]

  • Am 10. Juli 2002 wurde eine vom Flughafen Basel kommende Saab 2000 der SWISS nach mehreren, wegen heftiger Gewittertätigkeit, abgebrochenen Anflugversuchen auf norddeutsche Flughäfen bei einer Sicherheitslandung auf dem Flugplatz Werneuchen nordöstlich von Berlin beim Überrollen eines Erdwalles so stark beschädigt, dass das Flugzeug als Totalschaden abgeschrieben werden musste. Bei der missglückten Landung wurde eine Person leicht verletzt.[2]
  • Am 28. Februar 2009 musste eine Maschine der Fluggesellschaft Carpatair in Timișoara mit eingezogenem Bugfahrwerk landen, da es klemmte und von den Piloten deshalb nicht ordnungsgemäß ausgefahren werden konnte. Das Flugzeug war aus der moldawischen Hauptstadt Chișinău nach Timișoara unterwegs. Vor dem Landeanflug kreiste die Maschine rund eine Stunde, um Treibstoff zu verbrauchen. Die 47 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder blieben unverletzt.
  • Am 13. Februar 2012 verunfallte ebenfalls eine Maschine der Carpatair in Craiova bei durch Schneefall verursachten schlechten Wetter- und Sichtbedingungen beim Start. Bei der Evakuierung der Maschine gab es mehrere Verletzte.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.airforce-technology.com/projects/saab-2000/
  2. Untersuchungsbericht der BfU über den Zwischenfall vom 10. Juli 2002 in Werneuchen vom Oktober 2010 PDF-Datei, deutsch, 3,6 MB, abgerufen am 26. Februar 2010
  3. Meldung des Nachrichtenportals punkto.ro vom 13. Februar 2012

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saab 2000 – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien