Saab 39

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Saab JAS 39 Gripen
Saab-JAS-39 at ILA 2010 05.jpg
Schwedische JAS 39 „Gripen“ auf der ILA 2010
Typ: Mehrzweckkampfflugzeug
Entwurfsland: SchwedenSchweden Schweden
Hersteller: Saab
Erstflug: 9. Dezember 1988
Indienststellung: 6. Juni 1996
Produktionszeit: Seit 1995 in Serienproduktion
Stückzahl: 237 (Stand: 2012)

Die Saab JAS 39 Gripen (schwed.Greif“) ist ein schwedisches Mehrzweckkampfflugzeug und der Nachfolger der Saab JA 37 Viggen. Die Bezeichnung JAS steht für schwedisch Jakt, Attack och Spaning („Jagd, Angriff und Aufklärung“).

Der Erstflug der Saab 39 fand 1988 statt, die aktuelle Version JAS 39C/D ist seit 2005 bei der schwedischen Luftwaffe (Flygvapnet) im Einsatz. Außerdem fliegen die Luftstreitkräfte von Südafrika, Ungarn, der Tschechischen Republik, Thailand sowie Großbritannien die „Gripen“.

Entwicklung[Bearbeiten]

Eine schwedische JAS-39 Gripen nach einer Luftbetankung

Gebaut wird das Flugzeug von einer Tochtergesellschaft der SAAB AB, der „Gripen International“ (Kooperation zwischen „Saab Technologies“ und BAE Systems) im schwedischen Linköping. Der Großteil des Flugzeuges wird in Schweden gefertigt und endmontiert. Weitere Komponenten stammen hauptsächlich von europäischen Firmen, einige Teile jedoch auch aus den USA und Südafrika. Zur Entwicklung der Maschine schlossen sich Saab, Volvo, Ericsson und FFV Aerotech zur Industriegruppe JAS zusammen. Diese legte 1981 einen ersten Entwurf vor. Die ersten Systemerprobungen begannen 1984 und im Februar 1986 war das erste Mock-up fertig. Der Rollout erfolgte am 26. Februar 1987. Am 9. Dezember 1988 startete Stig Holmström mit dem ersten Prototyp zum Erstflug. Nach dessen Absturz flog der zweite Prototyp am 4. Mai 1990. Fünf Prototypen (der letzte flog erstmals im Oktober 1991), eine Zelle für statische Versuche und zwei Kabinen für Versuche mit dem Schleudersitz wurden gebaut. Die Erprobung dauerte wegen zweier Abstürze und Problemen mit der US-amerikanischen Fly-by-Wire-Software länger als geplant. Die „Gripen“ wurde 1993 von den schwedischen Luftstreitkräften auf dem Flugplatz von Linköping in Dienst gestellt. Die erste Doppelsitzermaschine flog am 29. April 1996.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die „Gripen“ ist ein schwedisches Mehrzweckkampfflugzeug, das als Ein- und Doppelsitzer verfügbar ist. Es ist für den harten Wintereinsatz auch von Behelfspisten, Autobahnen und unbefestigten Straßen ausgelegt. Zudem erfüllt die „Gripen“ die Forderungen nach hoher Zuverlässigkeit, einfacher Wartung (zum Teil durch Wehrpflichtige) und universellem Einsatz. Bei besonders kalter Witterung lässt sich die Maschine – nach vergleichsweise kurzer Anheizphase mit dem Hilfstriebwerk – rasch in die Luft bringen. Auch auf schwierigen Bodenverhältnissen stellen Start und Landung für erfahrene Piloten kein größeres Problem dar. Die Kosten einer Flugstunde wurden von der südafrikanischen Luftwaffe (SAAF) 2012 mit 10.000 US-Dollar angegeben.

Da sich die Entwicklung für Saab nur bei einer Produktion von deutlich über 200 Stück auszahlt, wurden bislang 68 Exemplare an andere, zu jenem Zeitpunkt blockfreie Staaten wie Südafrika, Ungarn, Tschechien und Thailand veräußert.

Einsätze[Bearbeiten]

Die Gripen absolvierte ihren ersten Kampfeinsatz im Rahmen des internationalen Militäreinsatzes in Libyen 2011. Schweden setzte ab dem 28. März acht, später fünf Flugzeuge von Sigonalla aus für Aufklärungsmissionen über Libyen ein. Das neutrale Schweden beteiligte sich nicht an der Bekämpfung von Bodenzielen. Die Gripen absolvierten mit 40 % den Hauptanteil der Aufklärungsmissionen. In 650 Einsätzen und annähernd 2.000 Flugstunden wurden 150.000 Aufnahmen gemacht. Bei diesen Einsätzen erreichten die Gripen C eine Verfügbarkeit von über 92 %.[1]

Abstürze[Bearbeiten]

Insgesamt sind seit 1989 fünf Saab 39 abgestürzt.

  1. Am 2. Februar 1989 verunglückte der erste Prototyp (39-1) bei der Landung. Der Testpilot erlitt lediglich einen Armbruch.
  2. Am 8. August 1993 stürzte eine Gripen in der Innenstadt von Stockholm bei einer Flugshow neben der Brücke Västerbron auf Långholmen ab. Die Maschine wurde vom selben Piloten gesteuert, der bereits 1989 mit dem Prototyp verunglückte, er stieg per Schleudersitz aus.
  3. Am 20. September 1999 stürzte eine Gripen vom Geschwader F7 (Såtenäs) in den Väner-See. Der Pilot stieg per Schleudersitz aus.
  4. Am 1. Juni 2005 stürzte eine Gripen des Geschwaders F17 (Ronneby) ab. Der Pilot stieg per Schleudersitz aus.
  5. Am 19. April 2007 stürzte eine Gripen JAS 39C des Geschwaders F21 (Luleå) nahe dem Fliegerhorst ab. Der Pilot wurde offenbar ungewollt mit dem Schleudersitz ausgeschossen.[2]

Technik[Bearbeiten]

Konstruktion[Bearbeiten]

Bei dem Flugzeug handelt es sich um einen Mitteldecker mit an der Vorderkante um 45° gepfeilten Deltaflügeln mit Sägezahn und beweglichen Canards an den seitlichen Lufteinläufen. Die Canards dienen nicht nur der Manövrierfähigkeit, sondern können auch zur Verkürzung der Landestrecke benutzt werden. Im hinteren Teil des Rumpfes sind zusätzlich zwei Bremsklappen angebracht. Zur Erweiterung der Reichweite verfügt die Maschine über eine einziehbare Tanksonde auf dem linken Lufteinlass. Das Fahrwerk besteht aus einem doppelt bereiften Bug- und zwei einfach bereiften Hauptfahrwerken. Die Avionik besteht aus einem Puls-Doppler-Radar PS-05/A von Ericsson/GEC-Marconi mit mehreren Betriebsarten (look-down, shoot-down) und einer Erfassungsreichweite von etwa 120 km, einem Ericsson-SDS-80-Zentralcomputer mit etwa 40 Prozessoren und einem MIL-2553B-Standardbus. Gesteuert wird die Maschine über ein Fly-by-Wire-System. Im Cockpit stehen verschiedene Multifunktionsbildschirme und ein Weitwinkel-Head-Up-Display von Kaiser Electronics zur Verfügung. Das Flugzeug besteht zu etwa dreißig Prozent aus Verbundwerkstoffen. So bestehen die Canards und einige Verkleidungen des Rumpfes sowie Teile der Tragflächen, der Seitenflosse, der Ruder und die Landeklappen aus kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen. Das Radom wird aus glasfaserverstärkten Kunststoffen gefertigt, während für den Rumpf eine Aluminiumlegierung und für die Tragflächenanschlüsse eine Titanlegierung verwendet wird.[3]

Triebwerk[Bearbeiten]

Bei den JAS 39A und B wird ein Volvo Aero RM12 – ein verbessertes F404-Triebwerk von General Electric mit Nachbrenner – eingesetzt. Für die JAS 39C/D wurde das verbesserte Volvo RM12UP verwendet. Seit 2007 wird die Möglichkeit der Nachrüstung mit einem GE F414G geprüft. Die Lufteinläufe der Triebwerke sind nicht verstellbar.

Sicherheits- und Rettungssysteme[Bearbeiten]

Sprengschnur
Im oberen Teil der Cockpithaube ist eine Sprengschnur eingearbeitet, um im Falle eines Ausstieges durch eine kontrollierte Zerlegung der Haube Verletzungen des Piloten vorzubeugen.
Schleudersitz
Für den Notausstieg bei Unterschallgeschwindigkeit sind für die Piloten vollautomatische Martin-Baker Mk.10LS-Schleudersitze eingebaut. Der gasbetriebene Schleudersitz verfügt neben dem Piloten-Fallschirm auch über einen Anschluss für die Anti-G-Hose, einen Sauerstoffanschluss sowie ein Überlebenspaket. 2007 gab es Probleme mit einem ungewollten Ausschuss, als offenbar der Anti-G-Anzug den Auslösegriff bei hoher G-Beschleunigung betätigte.
Airbag
Für den Piloten im zweiten Cockpit (bei den Doppelsitzvarianten) ist ein Airbag im Frontpanel eingebaut, um ihn beim Ausstieg des vorne sitzenden Piloten mit dem Schleudersitz vor Splittern der berstenden Cockpithaube zu schützen.
ABS
Das Fahrwerk der Gripen verfügt über Bremsen mit ABS, um auf den schwedischen Behelfsstartbahnen bei schlechten Pistenverhältnissen und auf kurzen Strecken starten und landen zu können.

Bewaffnung[Bearbeiten]

Festinstallierte Bordkanone
Bewaffnung an Aufhängepunkten

Zudem kann an vier Unterflügelstationen, zwei Flügelendenschienen und zwei Unterrumpfstationen eine Vielzahl verschiedener Waffen mit einem maximalen Gesamtgewicht von 4.200 kg mitgeführt werden. Bei der Version Gripen NG mit dem stärkeren Triebwerk stehen zwei zusätzliche Unterrumpfstationen zur Verfügung und das Gesamtgewicht steigt auf 5.200 kg.

Luft-Luft-Lenkflugkörper
  • 6 × LAU-7-Startschiene für je eine RB 74 (Robotsystem 74, schwedische Lizenzproduktion der Raytheon AIM-9L „Sidewinder“) – infrarotgesteuert für Kurzstrecken
  • 6 × MML-Startschiene für je eine Raytheon AIM-9L/I „Sidewinder“ – infrarotgesteuert für Kurzstrecken
  • 6 × MML-Startschiene für je eine RB 98 (Robotsystem 98, Diehl BGT Defence „IRIS-T“) – infrarotgesteuert für Kurzstrecken
  • 4 × MML-Startschiene für je eine RB 99 (Robotsystem 99, schwedische Lizenzproduktion der Raytheon AIM-120B „AMRAAM“) – radargesteuert halbaktiv für Mittelstrecken
  • 4 × MML-Startschiene für je eine Raytheon AIM-120C-5 AMRAAM – für Exportversion, radargesteuert halbaktiv für Mittelstrecken
  • 4 × MML-Startschiene für je eine MBDA Meteor (zurzeit noch in der Erprobungsphase) – radargesteuert halbaktiv für Mittelstrecken
  • 6 × Startschiene für je eine Kentron V3E A-Darter (für südafrikanische Maschinen)
  • 4 × Startschiene für je eine Kentron V4 R-Darter (für südafrikanische Maschinen)
Luft-Boden-Lenkflugkörper
Gelenkte Bomben
Ungelenkte Luft-Boden-Raketen
  • 4 × Bofors-ARAK-70-Raketen-Rohrstartbehälter für je sechs ungelenkte Luft-Boden-Raketen; Kaliber 135 mm
Ungelenkte Bomben
Elektronik-Zusatzbehälter
Treibstofftanks
  • 3 × abwerfbare Zusatz-Treibstofftanks mit 1700 Litern Kerosin (nur JAS 39E „Gripen NG“)
  • 3 × abwerfbare Zusatz-Treibstofftanks mit 1400 Litern Kerosin (nur JAS 39EBS)
  • 3 × abwerfbare Zusatz-Treibstofftanks mit 1100 Litern Kerosin
  • 3 × abwerfbare Zusatz-Treibstofftanks der Saab 35 Draken mit 530 Litern Kerosin (nur Prototypen)
Geplante Erweiterungen des Waffenarsenals

Selbstverteidigungssysteme[Bearbeiten]

Die Gripen ist mit dem integrierten IDAS-3-Selbstverteidigungssystem ausgestattet, welches bei Bedarf automatisch Gegenmaßnahmen ergreifen kann.[4]

Radarwarner

Die Enden der Startschienen an den Tragflächenspitzen tragen insgesamt vier SAAB-Electronics-BOW-21- oder RWS-300-Radarwarnsensoren. Zusätzlich ist ein Radarwarnempfänger in der Heckflosse untergebracht.

Laserwarner

Im Rumpf sind mittig vier Saab-LWS-310-Laser-Warngeräte verbaut.

Raketenanflugwarner

Vor und hinter der Flügelwurzel sind in der Gripen NG insgesamt vier Raketenanflugswarnsensoren (MAW) des Typs Saab MAW-300 eingebaut.

Täuschkörper

An den Startschienen unter den Tragflächen können insgesamt vier Täuschkörperwerfereinheiten Saab BOP-C mit 8, 20 oder 40 Täuschkörpern befestigt werden. Die Täuschkörper sind plättchenartig gefertigt und haben eine neuere chemische Wirkungsweise. Im Rumpf sind zwei Täuschkörperwerfereinheiten Saab BOP-L mit 23, 29, 31 oder 39 1"×1"-Täuschkörpern montiert. CelsiusTech-„Bo2D“-Radarschleppköder mit 100-m-Schleppseil an Waffenpylonen 2L oder 2R.

Elektronische Kriegsführungssysteme

Das von Ericsson Saab Avionics eingebaute EWS39 („Electronic Warfare System 39“ ab Baulos 3) ist im Rumpf integriert. Es analysiert, identifiziert sowie priorisiert die Daten aller Sensoren (RWR, IFF und Radar) und bekämpft auf Wunsch die Bedrohungen automatisch.

TIDLS

Fortgeschrittenes Datenübertragungssystem, das dem Gripen-Pilot erlaubt, sich ohne eingeschaltetes Radar mit Daten von anderen Sensoren ein Bild der Lage zu machen. Weiter besitzen die JAS 39C/D das US-amerikanische Link-16-System, um mit NATO-Kampfflugzeugen kommunizieren zu können. Mit Link 16 ergibt sich die Möglichkeit, ein Ziel durch eine E-3 AWACS aufspüren zu lassen und die Lenkflugkörper ohne Einsatz des eigenen Radars abfeuern zu können.

Technische Daten[Bearbeiten]

JAS 39 „Gripen“
JAS 39 „Gripen“
JAS 39 „Gripen“
Sweden Air Force Saab JAS 39B Gripen 822, 2008 in Emmen (CH)
JAS 39 „Gripen“ auf der ILA 1998
Kenngröße Daten der JAS 39A/B/C/D „Gripen“ Daten der JAS 39E/F „Gripen NG“
Typ Mehrzweckkampfflugzeug Mehrzweckkampfflugzeug
Länge 14,10 m (Zweisitzer: 14,80 m) 14,20 m
Spannweite 8,40 m 8,60 m
Flügelfläche 25,54 m² 31.1 m²
Flügelstreckung 2,76 2,76
Tragflächenbelastung:
  • minimal (Leergewicht): 259 kg/m²
  • nominal (normales Startgewicht): 341 kg/m²
  • maximal (maximales Startgewicht): 548 kg/m²
  • minimal (Leergewicht): 244 kg/m²
  • nominal (normales Startgewicht): 353 kg/m²
  • maximal (maximales Startgewicht): 531 kg/m²
Höhe 4,70 m 4,70 m
Leermasse 6.622 kg ca. 7.600 kg
Normale Startmasse 8.720 kg ca. 11.000 kg
Maximale Startmasse ca. 14.000 kg ca. 16.500 kg
Tankkapazität 2.821 l bzw. 2.268 kg (intern) 4.221 l bzw. 3.394 kg (intern)
Treibstoffmassenanteil 0,260 ca. 0,310
G-Limits −3/+9g −3/+9g
Höchstgeschwindigkeit
  • Mach 2+ bzw. 2.130 km/h (auf optimaler Flughöhe)
  • Mach 1,2 bzw. 1.470 km/h (auf Meereshöhe)
  • Mach 2+ bzw. 2.130 km/h (auf optimaler Flughöhe)
  • Mach 1,2 bzw. 1.470 km/h (auf Meereshöhe)
Marschgeschwindigkeit k. A. Mach 1,2 (auf optimaler Flughöhe ohne externe Lasten)

(Supercruise in Standard-Luftkampf-Konfiguration (4 × MBDA Meteor + 2 × IRIS-T))

Dienstgipfelhöhe 15.240 m höher als 16.000 m
Maximale Steigrate 254 m/s k. A.
Einsatzradius 700 km (bei ca. 2.000 kg Waffenlast) 1.300 km im Luftüberwachungseinsatz
Überführungsreichweite 3.000 km[5] (Luftbetankung bei JAS 39C/D möglich) 4.075 km (Luftbetankung möglich)
Benötigte Startbahn/Landebahn 800 m 600 m
Maximale Waffenlast 4.200 kg 5.200 kg
Triebwerk ein Volvo Aero RM12 (ein F-404-Derivat) ein Mantelstromtriebwerk General-Electric F414GE-39E (F414G)
Schubkraft
  • mit Nachbrenner: 80,54 kN
  • ohne Nachbrenner: 54,05 kN
  • mit Nachbrenner: 97,88 kN in einem nicht definierten Entwicklungsstadium (F414G) 105 kN[6]
  • ohne Nachbrenner: 63,47 kN
Schub-Gewicht-Verhältnis
  • maximal (Leergewicht): 1,23
  • nominal (normales Startgewicht): 0,94
  • minimal (maximales Startgewicht): 0,58
  • maximal (Leergewicht): 1,29
  • nominal (normales Startgewicht): 0,95
  • minimal (maximales Startgewicht): 0,62
Bordradar Hersteller/Typ:

Ericsson und GEC-Marconi / PS-05/A

Selex Galileo / ES05 Raven (AESA)

Systempreis etwa 100 Millionen US-Dollar [7] etwa 100 Millionen US-Dollar [8] 45–55 Millionen US-Dollar pro Flugzeug[9]
Rettungssystem Schleudersitz Martin-Baker MB Mk.10LS

Varianten[Bearbeiten]

Saab JAS 39 Gripen
JAS 39 „Gripen“
Diese fünf Testmaschinen umfassen die Prototypen mit den Produktionsnummern 39-101 bis 39-105. Weiter ist eine Zelle für Belastungstest gebaut worden. Die Testmaschinen wurden nach dem Abschluss der Tests ausgemustert. So ist nun die 39-102 im schwedischen Luftwaffenmuseum zu besichtigen.
JAS 39A „Gripen“
Erste Mehrzweckkampfflugzeugversion, kein Export. Cockpit mit mono-farbenen MFD, alles in schwedischer Sprache beschriftet. Unterschiede zwischen Batch-1- und Batch-2-Maschinen: Batch-2-Maschinen sind analog der JAS 39C des Batch 2 ausgerüstet.
JAS 39B „Gripen“
Zweisitzige Version der JAS 39A für Kampf- und Trainingseinsätze. Unterschied: fehlende Bordkanone, zweites baugleiches Cockpit hinter dem Piloten und kleinerer interner Treibstofftank.
JAS 39C „Gripen“
Verbesserte Version mit neuem Glascockpit, größeren MFD, neuer APU, OBO-Generator (Sauerstofferzeuger) und Flugbetankungssonde. Unterschiede zwischen Batch-2- und Batch-3-Maschinen: Batch 3 ist die Exportversion mit englisch beschriftetem Cockpit, erweiterter NATO-kompatibler Bewaffnung sowie verbessertem Triebwerk, FADEC und Link-16-Datenlink.
JAS 39D „Gripen“
Zweisitzige kampftaugliche Version der JAS 39C, die auch als Wild Weasel oder Drohnenleitstelle operieren soll.
JAS 39EBS „Gripen“
Bezeichnung für die JAS 39C/D für den Export. Die Bezeichnung EBS HU bedeutet „Export Baseline Standard Hungary“ und unterscheidet sich von den JAS 39C durch das Link-16-Datenlink, Nato-Pylons, größere Zusatztanks sowie Nato-Standardbewaffnung. Sämtliche Beschriftungen und Computersysteme sind in englischer Sprache vorhanden.
JAS 39 E/F „Gripen NG“
Die „Gripen NG“ (NG steht für Next Generation oder auch New Gripen) stellt die bisher leistungsfähigste Variante der JAS 39 dar und wurde als zweisitziger Demonstrator gebaut. Sie basiert auf der JAS 39C und erhielt verschiedene Neuerungen wie Active Electronically Scanned Array-Radar, Köder, neuere Bewaffnung und neue Außenlaststationen. Diese Version weist eine auf 16.000 kg erhöhte Abflugmasse sowie 1.000 kg mehr Zuladung auf. Sie besitzt das General-Electric-F414G-Triebwerk und verfügt über 1.400 l mehr Tankkapazität. Das Hauptfahrwerk der Maschine wird nun in einer Verkleidung unter dem Rumpf untergebracht, was durch die breitere Spur auch die Anbringung zweier zusätzlicher Aufhängungen am Rumpf mit maximal 910 kg Zuladung möglich macht. Auch die Avionik (Radar mit elektronischer Strahlschwenkung, Selbstschutzsystem, Kommunikationssystem) wurde verbessert.
Der Prototyp dieser Version wurde am 23. März 2008 zum ersten Mal vorgestellt. Der Testflug zur Vorstellung der Supercruise-Fähigkeiten fand am 21. Januar 2009 über der Ostsee durch den Testpiloten Magnus Ljungdahl statt. Ende 2011 wurde die Beschaffung von 22 Stück der Versionen E (Einsitzer) durch den Schweizer Bundesrat beschlossen und 2013 vom Parlament ratifiziert.In der Volksabstimmung vom 18. Mai 2014 haben sich 53,4 % gegen die Finanzierungsvorlage und somit gegen die Anschaffung der Gripen-Jets ausgesprochen.[10] Weiter erhofft sich Schweden, Dänemark mit Gripen E/F ausrüsten zu können.[11] Einen Rückschlag erlitt Saab bei der erhofften Auslieferung einer großen Stückzahl Gripen an Indien. Diese Ausschreibung verlor Saab Anfang 2012 gegen die französische Rafale, von der Indien 126 Stück zum Preis von 12 Mrd. US-Dollar beziehen wird.[12]

Weitere Varianten:

  • JAS 39 „Gripen DK“: Alte Bezeichnung für die Gripen NG der geplanten Version für Dänemark
  • JAS 39 „Gripen N“: Geplante Version für Norwegen, verbesserte JAS 39C/D
  • JAS 39 „Super Gripen“: Alte Bezeichnung für die Gripen NG
  • JAS 39X „Gripen“: Einstmals geplante Exportversion für die saudische RSAF; unterlag in der Evaluation gegen den Eurofighter Typhoon
  • JAS 39 „Super Gripen IN“: Exportversion für Indien auf Basis der Gripen NG
  • JAS 39 „Sea Gripen“: mögliche Exportversion für Brasilien oder Indien für den Trägereinsatz auf Basis der Gripen NG

Produktion[Bearbeiten]

Bei Saab sollen nach dem Stand der Bestellungen von 2007 insgesamt 249 Gripen-Serienflugzeuge in Linköping gefertigt werden. Die Produktion der SAAF-Maschinen erfolgt größtenteils bei Denel in Südafrika.

Nutzerstaaten[Bearbeiten]

BrasilienBrasilien Brasilien
Força Aérea Brasileira: 108 (JAS 39E, JAS 39F, Mix noch nicht festgelegt) in drei Losen geplant, Los 1 umfasst 36 Exemplare (28 Gripen E und 8 Gripen F), wovon 21 teilweise und 15 komplett bei Embraer gebaut werden. Die 36 Flugzeuge des ersten Loses kosten 39,3 Mrd. Schwedische Kronen.[13][14]
SchwedenSchweden Schweden
Schwedische Luftwaffe: 175 (75 JAS 39A, 14 JAS 39B, 70 JAS 39C, 14 JAS 39D, wovon 29 speziell für die Tschechische Republik, Ungarn und Großbritannien gebaut und verleast/vermietet worden sind, siehe unten, Auslieferung von 60 JAS 39E ab 2018 geplant.[15]
SudafrikaSüdafrika Südafrika
Südafrikanische Luftwaffe: 28 (19 JAS 39C, 9 JAS 39D, größtenteils noch in Produktion). Auf dem Testgelände Overberg wollte der Hersteller für alle interessierten Kunden ab 2013 die Gripen Fighter Weapon School eröffnen, was mangels Interesse der SAAF zunächst nicht realisiert werden konnte.
UngarnUngarn Ungarn
Ungarische Luftstreitkräfte: 14 (12 JAS 39EBS HU Einsitzer, 2 JAS 39EBS HU Doppelsitzer), geleast bis 2026
TschechienTschechien Tschechien
Luftstreitkräfte der Tschechischen Republik: 14 (12 JAS 39C+, 2 JAS 39D) Maschinen geleast bis 2017 bzw. für 10 Jahre. Eine Verlängerung des Leasingvertrages ist geplant.[16]
ThailandThailand Thailand
Royal Thai Air Force: 12 (JAS 39EBS, Einsitzer), wovon 6[17] fix am 17. Oktober 2007 bestellt wurden und seit dem 22. Februar 2011 ausgeliefert werden. Für die Bestellung der optionalen weiteren sechs fehlte zunächst noch die Finanzierung. Im November 2010 war diese jedoch ebenfalls gesichert, so dass am 23. November 2010 diese Maschinen fix bestellt wurden. Die Lieferung wurde im September 2013 abgeschlossen.
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Royal Air Force: 1 (JAS 39D), Exemplar der Flygvapnet, an die Empire Test Pilots' School der Royal Air Force stundenweise seit 1999 vermietet.[18] 2014 wurde die Vereinbarung zwischen der ETPS und Saab bis 2018 verlängert.[19]

Export[Bearbeiten]

Der größte Konkurrent auf dem internationalen Kampfflugzeug-Markt war lange Zeit die Lockheed Martin F-16, zuletzt in der Version Block 52, allerdings wurde das letzte Exemplar 2009 ausgeliefert und die Serienproduktion eingestellt[20], weil der Hersteller die so frei werdenden Kapazitäten zur Produktion der F-35 nutzen will – die für Exportkunden frühestens 2017 verfügbar sein wird, sodass die Gripen derzeit in ihrer Klasse keinen Gegenspieler hat.

Das Flugzeug musste sich zwar in diversen Ausschreibungen schon der Dassault Rafale und dem Eurofighter stellen, diese Flugzeuge weisen allerdings ein größeres Einsatzspektrum auf und sind sowohl in Anschaffung als auch Unterhalt, allein wegen zweier Triebwerke, erheblich teurer als das schwedische Modell.

Entscheid über Typenwahl gefällt[Bearbeiten]

BrasilienBrasilien Brasilianische Luftwaffe

Die brasilianische Regierung kauft bei Saab 36 Gripen NG für 4,5 Milliarden US-Dollar. Der Vertrag wurde am 27. Oktober 2014 unterzeichnet. Im Geschäft inbegriffen ist ein umfangreicher Technologietransfer. Die Flugzeuge sollen von Ende 2018 bis 2020 in einem Werk in Brasilien endmontiert werden; die Bezahlung bis 2023 erfolgen.[21] Bereits während der Olympischen Sommerspiele 2016 sollen sechs bis zwölf angemietete ältere Gripen C/D den Luftraum über Rio de Janeiro sichern.

SchwedenSchweden Schwedische Luftwaffe (Flygvapnet)

Die schwedische Regierung plant die Beschaffung von 60 Gripen E;[22] unklar ist derzeit noch, ob bereits ausgelieferte Gripen C umgerüstet werden oder ob die Flygvapnet mit neu gebauten Luftfahrzeugen ausgerüstet wird.[23]

Interessenten[Bearbeiten]

Ehemalige Interessenten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saab 39 Gripen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sonderbeilage Gripen. In: Zeitschrift Cockpit, Mai 2012
  2. http://www.defensenews.com/story.php?F=2708819&C=europe Gripen Grounded Pending Crash Investigation
  3. FliegerRevue November 2008, S. 24–30, Der Greif schärft die Krallen.
  4. http://www.saabgroup.com/en/Markets/Saab-South-Africa/Air/IDAS/Technical-Specifications/
  5. Militärjets – Geschichte – Technik – Typen. ISBN 3-7654-7035-X, S. 175.
  6. nyteknik
  7. Auf der Basis des thailändischen Gripen-Kaufs (Oktober 2007)
  8. Rüstungsprogramm 2012: Kampfflugzeug Gripen E (Dezember 2012)
  9. Defense Issues
  10. http://www.srf.ch/news/schweiz/abstimmungen/abstimmungen/gripen/gripen-stuerzt-beim-stimmvolk-ab
  11. Swiss Prefer Swedes. Air Forces Monthly, Februar 2012, S. 92–95.
  12. http://www.thejakartapost.com/news/2012/02/01/india-buy-126-rafale-fighter-jets-11b-deal.html
  13. SAAB: Saab and Brazil sign contract for Gripen NG. 27. Oktober 2014, abgerufen am 19. November 2014 (englisch).
  14. Janet Tappin Coelho: Saab confirms twin-seat Gripen F development for Brazil. IHS Jane's, 4. Februar 2014, abgerufen am 19. November 2014 (englisch).
  15. Craig Hoyle: Sweden commits first funds to Gripen E programme. Flightglobal.com, 22. Februar 2013, abgerufen am 14. Juli 2013 (englisch).
  16. Craig Hoyle: Gripen programme gets Czech, Swiss boosts. In: Flightglobal.com. 19. September 2013, abgerufen am 6. Oktober 2013 (englisch): „Eight years after introducing the type to provide air policing cover for its territory, the Czech Republic has opted to renew a deal to lease 14 Saab Gripen C/Ds from the Swedish government.“
  17. www.flugrevue.de: Erste Saab Gripen für Thailand hebt ab, abgerufen am 21. September 2009
  18. Saab Signs New Agreement with UK’s Test Pilots School, The North Spin, 15. Februar 2008, abgerufen am 8. Dezember 2008. „Test pilot students at the renowned Empire Test Pilots’ School (ETPS), MOD Boscombe Down in the United Kingdom, will continue to have access to fly Sweden´s new generation Gripen fighter under the recently signed agreement with Saab. (…) Since 1999, ETPS has included Gripen in its test pilot training courses, working in conjunction with Saab. (…) Flight operations will be undertaken at Saab’s facility in Linköping, while simulator training will be conducted at the Swedish Air Force F7 Wing, Såtenäs.
  19. Craig Hoyle: UK test pilot school extends Gripen arrangement. In: Flightglobal.com. 12. Juli 2014, abgerufen am 14. Juli 2014 (englisch): „Saab has signed a contract extension with the UK’s Empire Test Pilots’ School (ETPS), covering the latter’s continued use of a Gripen trainer for another four years.“
  20. Air Forces Monthly Januar 2005
  21. Brasilien kauft Saab-Kampfjets. In: Tageblatt Online. www.tageblatt.lu, 18. Dezember 2013, abgerufen am 19. Dezember 2013.
  22. FliegerWeb.com
  23. Gareth Jennings: Swedish Gripen Es to be new-build rather than re-manufactured. In: Janes.com, 12. Juni 2014, abgerufen am 22. Juni 2014 (englisch): „The Swedish government is set to amend the Gripen E production contract so that the aircraft will be new-build rather than re-manufactured airframes, a Saab spokesperson confirmed to IHS Jane's on 12 June.“
  24. http://www.janes.com/article/44925/argentina-to-negotiate-with-brazil-for-gripen-e-multirole-fighters
  25. Gripen-Website (23. August 2006)
  26. Slowakische Gripen-Website
  27. Bericht in Aviation Week
  28. Janes
  29. http://www.airpower.at/news2011/0501_mrca_india/index.html
  30. Dänemark erhält nur drei Angebote (22. Juli 2014)