Saab 99

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Saab
Saab 99 (1968–1972)

Saab 99 (1968–1972)

99
Produktionszeitraum: 1968–1984
Klasse: Mittelklasse
Karosserieversionen: Limousine, Kombilimousine
Motoren: Ottomotoren:
1,7–2,0 Liter
(59–107 kW)
Länge: 4350–4480 mm
Breite: 1680 mm
Höhe: 1450 mm
Radstand: 2470 mm
Leergewicht: 1120–1160 kg
Vorgängermodell: keines
Nachfolgemodell: Saab 90

Der Saab 99 war ein Mittelklasse-PKW des Automobilherstellers Saab, der von Anfang 1968 bis Mitte 1984 (1984 bis 1987 verändert als Saab 90) hergestellt wurde. Der Saab 99 wurde von Sixten Sason entworfen.

Nachfolger war der im Spätsommer 1978 eingeführte Saab 900.

Technik[Bearbeiten]

Aufbau[Bearbeiten]

Der Saab 99 hatte eine zwei- bzw. viertürige selbsttragende Karosserie, Frontantrieb, Einzelradaufhängung vorn an doppelten Dreieckslenkern und hinten eine Starrachse an Längslenkern. Ab 1971 war der Wagen auch als Viertürer lieferbar und wurde mit einem neuen, gepolsterten Armaturenbrett und Scheinwerferwaschanlage versehen.

Motorisierung[Bearbeiten]

Ursprünglich hatte Saab die britische Entwicklungsfirma Ricardo mit der Konstruktion eines Motors für den 99 beauftragt. Im Lauf der Entwicklung wurde aber schnell klar, dass die Konstruktion eines eigenen Motors für eine so kleine Firma wie Saab zu teuer und zu risikoreich war.

Ricardo hatte beste Kontakte zu verschiedenen britischen Autoherstellern. Dadurch wusste man, dass zur gleichen Zeit beim Hersteller Triumph ein Team um den dortigen Konstrukteur Harry Webster einen neuen Vierzylinder für die Triumph-Automobile entwickelte. Ricardo vermittelte dann einen Kontakt zwischen Saab und Triumph. So konnte Saab letztlich den neuen Triumph-Motor für den 99 übernehmen.

Zunächst hatte dieser 1,7 Liter Hubraum, der später auf 1,85 Liter vergrößert wurde. Dieser konnte auch mit einer D-Jetronic-Einspritzanlange kombiniert werden. Der Motor war längs über der Vorderachse eingebaut, das Vierganggetriebe lag unter dem Motor. Ab 1970 stand ein Automatikgetriebe zur Wahl. Bemerkenswert war dabei die „verkehrt herum“ orientierte Einbaulage des Motors mit dem Schwungrad Richtung Kühler und dem Nockenwellenantrieb vor der Spritzwand. Eine spätere Zwei-Liter-Version dieses Motors (Baureihe H) war eine reine Saab-Entwicklung, die sich in vielen Punkten (höherer Motorblock zugunsten eines breiteren Feuerstegs, Verteilerantrieb direkt von der Nockenwelle) von der Triumph-Konstruktion entfernte und nicht mit der von Triumph realisierten zwei Liter großen Variante verwandt ist.

Gemeinsam mit dem Konzernpartner Scania, der mit aufgeladenen Dieselmotoren Erfahrung gesammelt hatte, entwickelte man einen modernen Motor mit Abgasturboaufladung. Dieser arbeitete anders als bisherige Turbomotorkonzepte der Konkurrenz nach der Drehmoment-Philosophie, gekennzeichnet durch einen relativ kleinen Turbolader, der mit einem eigens entwickelten Wastegateventil zur Ladedruckregulierung kombiniert wurde. Dieses System erzeugt bei niedrigeren Motordrehzahlen ausreichend Luftdruck und spricht schneller an als herkömmliche Turbolader. Der Motor leistete bei 5.500/min 107 kW (145 PS) und beschleunigte das Fahrzeug in 8 Sekunden von 0 auf 100 km/h; die Höchstgeschwindigkeit lag knapp über 200 km/h. Optional gab es das Fahrzeug auch mit Wassereinspritzung, was die Leistung zusätzlich steigerte. Eingeführt wurde das Modell aber erst nach einer intensiven Testphase mit 100 Testwagen, die ausgewählten Motorjournalisten und Testfahrern zur genauen Analyse zur Verfügung gestellt wurden.

Modellpflege[Bearbeiten]

  • 1970: Im Frühjahr kommt als Ergänzung der 99E mit Einspritzung und Automatik-Getriebe. Die Leistung steigt dadurch von 80 PS auf 87 PS.
  • 1971: Neues Armaturenbrett. Zusätzlich zum Motor mit 1,7 l Hubraum kommt ein 1,85-l-Motor mit Vergaser oder Einspritzung. Einführung der Scheinwerfer-Wisch-Waschanlage.
  • 1972: Erste große Modellpflege, alle Modelle ohne Freilaufgetriebe andere Vorderradaufhängung. Erstmals wurde eine elektrische Sitzheizung serienmäßig in einem PKW eingebaut. Größere und anders platzierte Kombinationsleuchten vorn. Ebenfalls neu waren mächtige aktive Stoßstangen an Front und Heck des Wagens. Diese bewirkten zwar einen etwas besseren Unfallschutz, da sie bis Tempo 6 km/h verformbar und selbstreparierend waren, der Wagen verlor jedoch seine grazile Linie und wirkte nun etwas plump.
  • 1973: Seitenaufprallschutz in den Türen, stoßnachgiebiger Innenhimmel. Außerdem gab es einen Motor mit 1,971 Liter Hubraum. Eingeführt wurde der neue Motor mit dem Serienstart des Saab 99 EMS mit Bosch D-Jetronic, später auch bei den Vergaservarianten. Schwarzer Kühlergrill mit Zierteilen aus poliertem Alu.
  • 1974: Zusätzlich zu den zwei- und viertürigen Modellen kam eine Variante mit Schrägheck und großer Heckklappe mit niedriger Ladekante auf den Markt, das Combi-Coupé (kurz: CC) genannt wurde. Diese hatte bei umgelegter Rücksitzbank ein Ladevolumen von 1.600 Litern. Neue Sitze mit integrierten Kopfstützen vorn und bei der Limousine Nackenaufprallschutz hinten mit Heckscheibendefrosterdüsen zur Heckscheibenheizung und außen verbesserte Stoßstangen, die nun bis 8 km/h selbstreparierend sind.
  • 1975: Zweite umfangreiche Modellpflege, komplett überarbeitete Technik an Fahrwerk und Antrieb, die Motorleistung steigt von 95 PS auf 110 PS und von 100 PS auf 118 PS. Der Kühlergrill besteht nun aus Kunststoff. Der Triumph-Motor entfällt. Als zusätzliches Modell kommt ein zweisitziger Lieferwagen ins Angebot. Beim Modell EMS, der Sportvariante, wird die K-Jetronic eingeführt und der Wagen ging ab nun neben dem Saab 96 im Rallyesport mit an den Start – gefahren von Stig Blomqvist und Per Eklund. Die Rallyeversion erhielt 1976 Zylinderköpfe mit 16 Ventilen und zwei Nockenwellen. Diese rallyeerprobte Variante war auch die Basis für den Turbomotor von Saab.
  • 1976: Erweiterung der Motorenpalette durch einen Zweivergasermotor mit 108 PS. Elektrische Heckscheibenheizung auch beim Zwei- und Viertürer. Als zusätzliche Karosserievariante wird das fünftürige Combi-Coupé eingeführt.
  • 1977: Kleine Modellpflege äußerlich durch größere Heckleuchten bei der Limousine und vergrößerte Kombileuchten bei allen Varianten vorn. Die Kombileuchten enthielten ein Kurvenlicht und seitliche Rückfahrscheinwerfer (in Deutschland nicht zugelassen). Im Herbst stand das Modell Turbo als dreitüriges Combi-Coupé in perlmuttweiß auf der IAA in Frankfurt und wurde ab Herbst des Jahres auch an die Kunden, vornehmlich in den USA, ausgeliefert.
  • 1978: Erster Saab 99 Turbo läuft vom Band. Er ist mit einem 2.0 Liter Motor ausgestattet, der aufgeladen 145 PS leistet und 235 Nm Drehmoment besitzt.
  • 1979: Technische Anpassung an den Saab 900, Vereinfachung der Ausstattung, u.a. Wegfall des Nackenschutzes der Fondpassagiere. Stoßstangen vom 900, dadurch größere Länge. Weniger Modellvarianten.
  • 1980: Weitere technische Anpassung an den Saab 900. Nur noch als Limousine lieferbar. Zweitüriger Turbo auch mit Fünfganggetriebe erhältlich.
  • 1981: Motoren mit 100-PS-Vergaser oder 118-PS-Einspritzung. Vier oder fünf Gänge, keine Automatik mehr lieferbar.
  • 1982: Durch Veränderung im Frontbereich kann der 99 nun mit dem H-Motor aus dem 900 ausgerüstet werden. Außen neue Seitenzierleisten und Kühlergrill vom 99 EMS.
  • 1983: Kühlergrill wird im Design dem Saab 900 angepasst.
  • 1984: Kontaktlose elektronische Zündung. Produktion wird im April eingestellt.

Saab 99 Petro[Bearbeiten]

Der Saab 99 Petro war eine Variante des von der Firma Saab 1967 präsentierten Saab 99. Die Produktion des Saab 99 begann bei Saab-Valmet im Jahr 1969. Er war die Grundlage für den von Saab-Valmet zur Serienreife gebrachten Saab 99 Petro. Im Jahre 1977 präsentierte man das erste Modell dieser Art. Dies wurde ausschließlich im Werk Uusikaupunki (Nystad) hergestellt. Er war nur mit der zweitürigen Karosserie des Saab 99 lieferbar.

Wie beim Horizon Petro verfügte er über einen niedrig verdichteten Motor. Dabei handelte es sich um den Zweiliter-Turbomotor, allerdings ohne Turbolader, der dadurch nur 85 PS leistete. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 150 km/h. Der Tank war geteilt, wobei die größere Hälfte für das Motorpetroleum war und 45 Liter fasste. Äußerlich unterschied er sich neben dem „Petro“-Schriftzug durch einen zweiten Tankstutzen, der sich rechts vom Kennzeichen befand.

Mit Einstellung der Produktion des Saab 99 endete auch die Herstellung der Petro-Modelle.

Das Ende des Saab 99[Bearbeiten]

Saab 99 (1983–1984)

Im Spätsommer 1978 wurde der Saab 900 eingeführt, ein etwas verlängertes und erweitertes Modell auf Basis des Saab 99. Die Vielfalt an Modellen nahm beim 99 nun etwas ab und so wurde der 99 Turbo nur noch in Europa zu Homologationszwecken als zweitüriges Modell angeboten. Ebenso wie der EMS in nur geringer Stückzahl. Zu Beginn der 80er Jahre war das Angebot an 99er-Modellen nur noch auf zwei- und viertürige Modelle mit Einfachvergaser-100-PS-Motor geschrumpft, um nicht mit dem Modell 900 zu konkurrieren.

Ab 1981 wurde der 99 nur noch in Finnland im dortigen Werk von Saab-Valmet produziert, das aber auf ausgezeichnetem Qualitätsniveau.

1982 wurde noch der auch im 900 eingesetzte sogenannte H-Motor als Weiterentwicklung des bestehenden Triebwerks eingebaut und ein Fünfganggetriebe stand zur Wahl.

Ein sanftes Facelift und eine gute Ausstattung sorgten ab 1983 nochmal für steigende Absatzzahlen. Selbst zum letzten Produktionsjahr 1984 wurde der stetig verbesserte und mittlerweile sehr ausgereifte Wagen nochmals mit kontaktloser Zündanlage und geänderter Lenkgeometrie aufgewertet.

Auch 1985 war noch nicht endgültig Schluss, denn der Saab 99 erfuhr als Saab 90 eine Fortsetzung im ungewöhnlichen Stil: Der Vorderbau wurde mit dem Heck des Saab 900 Sedan versehen und konnte so noch bis 1987 als Einstiegsmodell fungieren. Da der 900 im eigentlichen Sinne eine Fortentwicklung des 99 ist, konnte das Konzept so bis 1993 bestehen.

Der Saab 99 wurde nicht nur im Werk Trollhättan („Stallbacka“) hergestellt, sondern auch im Werk Uusikaupunki in Finnland von der Tochter-Gesellschaft Oy Saab-Valmet ab. Der Saab 99 war deshalb auch als Polizeiwagen in Finnland im Einsatz. Es gab darüber hinaus Modelle, die im belgischen Mechelen hergestellt wurden.


Quellen[Bearbeiten]

  • Automobil Revue, Katalognummer 1982 (Daten)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saab 99 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien