Bahnstrecke Großheringen–Saalfeld

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Saalbahn ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Die historische Eisenbahngesellschaft befindet sich unter Saal-Eisenbahn-Gesellschaft.
Großheringen–Saalfeld (Saale)
Strecke der Bahnstrecke Großheringen–Saalfeld
Kursbuchstrecke (DB): 560
Streckennummer: 6303, 6305
Streckenlänge: 74,83 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse: D4
Stromsystem: 15 kV 16,7 Hz ~
Maximale Neigung: 5,0 
Minimaler Radius: 450 m
Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
Höchstgeschwindigkeit
mit Neigetechnik:
160 km/h
Zugsicherungssysteme: PZB, ZUB262
Zweigleisigkeit: Großheringen Ghs–Saalfeld (Saale)
Strecke – geradeaus
von Bebra
Bahnhof, Station
0,00 Großheringen
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
nach Halle (Saale)
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
von Abzw Saaleck
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
1,6 Abzw Großheringen Ghs
Brücke über Wasserlauf (groß)
Saalebrücke Großheringen (275 m)
   
von Zeitz (1897–1945)
Bahnhof, Station
8,14 Camburg (Saale)
Bahnhof, Station
15,23 Dornburg (Saale)
   
von Crossen (Elster) (1905–1969)
Haltepunkt, Haltestelle
19,61 Porstendorf
Haltepunkt, Haltestelle
22,57 Jena-Zwätzen
Bahnhof, Station
25,50 Jena Saalbahnhof
Haltepunkt, Haltestelle
27,10 Jena Paradies
Planfreie Kreuzung – unten
Bahnstrecke Weimar–Gera
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
von Weimar
BSicon STR.svg
Bahnhof, Station
32,21 Jena-Göschwitz Keilbahnhof
(bis 2010: Göschwitz (Saale))
BSicon STR.svg
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
nach Gera
Straßenbrücke
33,4 Saaletalbrücke Jena (Bundesautobahn 4)
Haltepunkt, Haltestelle
36,23 Rothenstein (Saale)
   
39,2 Awanst Schöps
Haltepunkt, Haltestelle
41,76 Kahla (Thür) (ehem. Bf)
   
45,3 Großeutersdorf (1944–1945)
   
46,4 Awanst REIMAHG (1944–1945)
Bahnhof, Station
47,35 Orlamünde
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
nach Oppurg
Haltepunkt, Haltestelle
51,37 Zeutsch
Haltepunkt, Haltestelle
55,13 Uhlstädt (ehem. Bf)
   
60,42 Kirchhasel (bis 1993)
Bahnhof ohne Personenverkehr
63,0 Rudolstadt Gbf
Bahnhof, Station
64,55 Rudolstadt (Thür)
Bahnhof, Station
68,74 Rudolstadt-Schwarza
   
nach Bad Blankenburg (1884–2000)
Brücke über Wasserlauf (groß)
Saalebrücke Schwarza (114 m)
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Arnstadt
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
von Leipzig-Leutzsch
Bahnhof, Station
74,83 Saalfeld (Saale)
Strecke – geradeaus
nach Probstzella

Die Bahnstrecke Großheringen–Saalfeld (auch: Saalbahn) ist eine elektrifizierte, zweigleisige Hauptbahn in Thüringen, die ursprünglich durch die Saal-Eisenbahn-Gesellschaft erbaut und betrieben wurde. Sie führt entlang der Saale von Großheringen nach Saalfeld. Sie ist Teil der deutschen Nord-Süd-Hauptverbindung zwischen Berlin, Leipzig, Nürnberg und München.

Die Bezeichnung Saalbahn, in Anlehnung an die Saal-Eisenbahn-Gesellschaft, die auch dem Jenaer Saalbahnhof ihren Namen gab, wird in Publikationen von Werner Drescher verwendet. Saaleisenbahn ist als Streckenname auch in der Literatur zu finden.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Saal-Eisenbahn-Gesellschaft

Seit 1850 gab es im Saaletal Bemühungen lokaler Eisenbahnkomitees zum Bau einer Eisenbahnstrecke. Insbesondere die Universitätsstadt Jena strebte nach dem Anschluss an das entstehende Eisenbahnnetz. Allerdings verhinderten die unterschiedlichen Interessen der betroffenen Thüringer Kleinstaaten lange Zeit die Umsetzung der Planungen. Erst nach dem Staatsvertrag vom 8. Oktober 1870 zwischen Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg und Schwarzburg-Rudolstadt wurde am 3. April 1871 der neu gegründeten Saal-Eisenbahn-Gesellschaft die Konzession zum Bau und Betrieb einer Eisenbahnlinie von Großheringen über Jena, Rudolstadt nach Saalfeld erteilt. Am 30. April 1874 folgte die feierliche Streckeneröffnung.

Bahnsteige des Jenaer Saalbahnhofs

In Großheringen wurde drei Monate später am 14. August 1874 auch die Bahnstrecke der Saal-Unstrut-Eisenbahn-Gesellschaft über Sömmerda nach Straußfurt eröffnet. Diese Linie wurde von der Nordhausen-Erfurter Eisenbahn-Gesellschaft mitbetrieben.

Anfangs war es nur eine Strecke mit regionaler Bedeutung, welche in Großheringen die Thüringer Stammbahn, von Bebra über Erfurt nach Weißenfels verlaufend, mit der Nord-Südstrecke von Weißenfels über Gera in Saalfeld verband. Aufgrund wirtschaftlicher Misserfolge und unter preußischem Druck wurde 1895 die Saal-Eisenbahn an Preußen verkauft und der Königlichen Eisenbahndirektion in Erfurt zugeordnet. Erst 1899 wurde bei Großheringen die Verbindungsbahn Ost in Betrieb genommen, wodurch Großheringen umfahren werden konnte. Dadurch fuhren die Züge von Weißenfels kommend über die 25 Kilometer kürzere Saalbahn (als über Gera) direkt nach Saalfeld. Die Saalbahn wurde somit zusammen mit der anschließenden Strecke nach Probstzella und der auf bayerischer Seite weiterführenden Frankenwaldstrecke nach Lichtenfels eine der wichtigen Nord-Süd-Strecken Deutschlands. Zwischen 1936 und 1939 verkehrten unter anderem die Fernschnelltriebwagen, welche Berlin mit München beziehungsweise Stuttgart verbanden, über die Saalbahn und erreichten dabei eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 95 km/h. Von 1935 bis Mitte 1941 erfolgte die Elektrifizierung der Strecke und somit eine Verbindung des mitteldeutschen und süddeutschen Netzes.

Fünf Jahre später wurden aber im Rahmen der Reparationsleistungen durch die Sowjetunion sämtliche Bestandteile für den elektrischen Betrieb und zusätzlich das zweite Streckengleis demontiert. Aufgrund der Teilung Deutschlands verlor die Strecke in den folgenden vier Jahrzehnten ihre Bedeutung als Nord-Süd-Bahn, blieb aber wichtig für das Saaletal mit Saalfeld als bedeutendem Rangierbahnhof. In Probstzella bestand damals einer von acht Eisenbahngrenzübergängen, weshalb die Saalbahn auch von Interzonenzügen genutzt wurde. Ab 1981 war die Strecke wieder zweigleisig befahrbar, zuvor war ein nördlicher Streckenabschnitt 1967 bis Camburg elektrifiziert worden. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1990 ist die Saalbahn erneut eine wichtige Eisenbahnfernverbindung zwischen Mitteldeutschland und Süddeutschland geworden. Sie wurde bis 1995 wieder elektrifiziert und bis 2005 saniert. Ab 2017 sollen die westlich über Erfurt verlaufenden Neubaustrecken Erfurt–Leipzig und Nürnberg–Erfurt die Fernverkehrsfunktion der kurvigen und damit langsameren Saalbahn übernehmen. Im Jahr 2007 benötigte ein ICE für den 85 Kilometer langen Abschnitt Naumburg–Saalfeld 53 Minuten, was einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 96 km/h entspricht.

Auch der Name Saalbahn ist historisch bedingt und hat heute kaum noch eine Bedeutung. In der Umgangssprache der Menschen entlang der Strecke ist allgemein eher die Bezeichnung Saalebahn analog zum Flussnamen geläufig.

Streckenverlauf[Bearbeiten]

Die Saalbahn hat den Streckenkilometer 0,0 in Großheringen und überquert mit der Verbindungsbahn West die Ilm. Die Verbindungsbahn Ost beginnt am Abzweig Saaleck bei Kilometer 55,89 der Strecke Weißenfels–Erfurt, überquert die Saale und vereinigt sich nach 2,2 Kilometern mit der Verbindungsbahn West an der ehemaligen Blockstelle Gs. Bis Rudolstadt-Schwarza, wo die Saale überquert wird, verläuft die Strecke auf der westlichen Seite des Flusses. Parallel zur Bahnstrecke verlaufen von Camburg bis Schwarza die Bundesstraße 88 und von Schwarza bis Saalfeld die B85. Die Höhendifferenz zwischen Großheringen und Saalfeld beträgt 99 Meter, die maximale Streckenneigung 1:200 (5 ‰). Da die Strecke dem Lauf der Saale folgt, kommen achtzig Bogenwechsel vor, der kleinste Radius beträgt 450 Meter, wodurch die Streckenhöchstgeschwindigkeit mit 120 km/h vergleichsweise gering ist. Für Züge mit Neigetechnik sind im sogenannten bogenschnellen Betrieb dagegen Geschwindigkeiten bis zu 160 km/h möglich.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Werner Drescher: Die Saalbahn – Die Geschichte der Eisenbahn zwischen Großheringen, Jena und Saalfeld. EK-Verlag, Freiburg 2004, ISBN 3-88255-586-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saalbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans-Joachim Kirsche:Eisenbahndirektion Erfurt 1882-1993. Verlag Bernd Neddermeyer, Berlin 2006, ISBN 978-3-933254-76-4, S. 50