Dudweiler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Saarbrücken-Dudweiler)
Wechseln zu: Navigation, Suche

49.2769444444447.0311111111111Koordinaten: 49° 16′ 37″ N, 7° 1′ 52″ O

Dudweiler
Landeshauptstadt Saarbrücken
Historisches Wappen von Dudweiler
Fläche: 11,11 km²
Einwohner: 19.570 (30. Apr. 2014)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1974
Postleitzahl: 66125
Vorwahl: 06897
Dudweiler (Saarland)
Dudweiler

Lage von Dudweiler im Saarland

Entrée zur Ortsmitte an der Beethovenstraße beim Bürgerhaus

Dudweiler ist ein Stadtteil der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken mit 19.570 Einwohnern (Stand: 30. April 2014).

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Dudweiler liegt im Sulzbachtal zwischen der Saarbrücker Innenstadt (St. Johann) und der Stadt Sulzbach.

Nachbarorte[Bearbeiten]

Weitere Nachbarorte sind Sulzbach/Saar, Neuweiler, St. Ingbert, Rentrich, Saarbrücken-Schafbrücke, Saarbrücken St. Johann, Rußhütte, Neuhaus, Fischbach-Camphausen und Quierschied

Geschichte[Bearbeiten]

Denkmal für die ehemaligen Dudweiler Steinkohlenbergwerke

Auf dem Gebiet des heutigen Dudweiler wurden etliche stein-, bronze- und eisenzeitliche Funde gemacht. Aus der Keltenzeit stammen zwei Hügelgräber in der Nähe des Dreibannsteins. Überreste eines römischen Tempels fanden sich auf dem Alten Büchel. Die Grühlingsstraße, heute die Autobahn A 623, führt zum Teil über die Trasse einer Römerstraße.

977 wird Dudweiler erstmals urkundlich erwähnt: Kaiser Otto II. bestätigte dem Nonnenkloster St. Peter in Metz den Besitz der Kapelle in Duodonisvillare (Weiler des Dudo). Dudo wird vielfach als fränkischer Edelmann beschrieben, der hier ein Landgut betrieb. Diese Auffassung ist allerdings umstritten und durch nichts bewiesen. Vielmehr gibt es starke Indizien, dass der Namenspatron Herzog Liudolf (Schwaben) gewesen sein könnte. Er war der Halbbruder von Kaiser Otto II. und wurde auch Dudo genannt.

1542 hatte Dudweiler nur 23 Haushalte, also etwa 150 Einwohner. Im Nebenerwerb wurde bereits nach Kohlen gegraben, doch blieb der kleinbäuerliche Charakter des Dorfes die nächsten zweihundert Jahre erhalten. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gewann der Steinkohlenbergbau immer mehr an Bedeutung. Der sogenannte Nassauer Hof in der Saarbrücker Straße war Mitte des 19. Jahrhunderts für einige Jahre Sitz eines preußischen Bergamtes. Durch den Zuzug von Arbeitskräften in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Dudweiler rasant. Noch 1950 standen drei Steinkohlenbergwerke in voller Blüte. Das Ende des Bergbaus markierte die Schließung des, nun auf Quierschieder Bann gelegenen, Bergwerkes Camphausen im Jahre 1990. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1944 hatte Dudweiler eine eigene, parteilose Zeitung, die Dudweiler Zeitung.

Um 1960 wurde Dudweiler mit seinen damals 29.000 Einwohnern innerhalb der Region als „das größte Dorf Europas“ bezeichnet. Am 12. September 1962 erhielt Dudweiler die Stadtrechte.

Am 1. Januar 1974 führte die saarländische Gebiets- und Verwaltungsreform zum Verlust der Selbstständigkeit und zur Zwangseingemeindung in die Landeshauptstadt Saarbrücken.[2] Allerdings behielt Dudweiler als einziger Stadtbezirk den Sonderstatus eines hauptamtlichen Bezirksbürgermeisters. Mit 35:26 Stimmen stimmte der Saarbrücker Stadtrat am 29. Januar 2013 für die Abschaffung dieses Postens. Insgesamt sollen dadurch ab Ende 2014 acht Stellen wegfallen und damit über 700.000 Euro eingespart werden können.[3]

Eine Vielzahl unterschiedlichster Handwerksbetriebe und Dienstleistungsunternehmen prägen heute die Wirtschaft. Echte Industriearbeitsplätze sind nur noch relativ wenige vorhanden. Eine ansehnliche, historisch gewachsene Einkaufsmeile mit Fußgängerzone befindet sich in der Ortsmitte. Die Nähe zum Campus der Universität des Saarlandes im Saarbrücker Stadtwald macht Dudweiler für die Studentenschaft zu einem beliebten Wohnsitz.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1961 28.854
1970 27.877
1974 > 30.000
1990 ca. 25.000
2008 19.881
2014 19.570

Die Bevölkerung nahm zwischen 1974 und 2014 um circa 30 % ab.

Politik[Bearbeiten]

Stadtbezirk Dudweiler[Bearbeiten]

Dudweiler, das ebenfalls eingemeindete Scheidt und der bisherige Saarbrücker Stadtteil Jägersfreude wurden im Zuge der Verwaltungs- und Gebietsreform zum 1. Januar 1974 unter der Bezeichnung „Stadtbezirk Dudweiler“ zu einer Verwaltungseinheit innerhalb der Landeshauptstadt Saarbrücken zusammengefasst.

Herrensohr, 1856 als Bergmannssiedlung gegründet, gehört genau genommen zu Dudweiler. Obwohl nie selbständig, wird Herrensohr innerhalb des Stadtbezirkes Dudweiler trotzdem als eigener Stadtteil angesehen, so dass der Stadtbezirk aus den vier Stadtteilen

Der Stadtbezirk hatte am 30. April 2014 insgesamt 27.593 Einwohner, davon entfielen auf Dudweiler 19.570, auf Herrensohr 2113, auf Jägersfreude 1933 und auf Scheidt 3977 Einwohner. [4]

Als Besonderheit erhielt der Stadtbezirk Dudweiler 1974 eine eigene Bezirksverwaltung und einen hauptamtlichen Bezirksbürgermeister. Seit dem 1. Juli 2014 wurde die Bezirksverwaltung Dudweiler aufgelöst. Dudweiler hat nunmehr denselben Status, wie die anderen Saarbrücker Stadtbezirke.

Der Bezirksrat Dudweiler ist das untere kommunalpolitische Gremium mit 21 gewählten, stimmberechtigten Mitgliedern. Er wählt aus seiner Mitte den ehrenamtlichen Bezirksbürgermeister.

Am 17. Juli 2014 wurde Reiner Schwarz zum ersten ehrenamtlichen Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Dudweiler gewählt.

Seit den Kommunalwahlen vom 25. Mai 2014 setzt sich der Bezirksrat wie folgt zusammen:

Sehenswertes[Bearbeiten]

  • Der Alte Turm auf dem Schulhof der Turmschule, ein ehemaliger Kirchturm (13./14. Jahrhundert). Eines der ältesten, nie zerstörten, Gebäude im Saarland.
  • Kath. Kirche St. Marien (19. Jahrhundert) mit einer Pietà aus dem 14. Jahrhundert und einem großformatigen Gemälde von August von Heyden: Die Heilige Barbara erscheint einem verunglückten Bergmann.
  • Ev. Christuskirche (19. Jahrhundert).
  • Ev. Heilig-Geist-Kirche (20. Jahrhundert) nach den Plänen der Architekten Rudolf und Klaus Krüger 1966 bis 1967 ausgeführt und mit Glasarbeiten von Ferdinand Selgrad
  • Kath. Kirche St. Barbara (20. Jahrhundert) mit Kirchenfenstern von Gabriel Loire.
  • Kath. Kirche St. Bonifatius (20. Jahrhundert).
  • Bürgerhaus Dudweiler (1984) (Architekten Entwurf Gottfried Böhm, Köln, Planung und Bauüberwachung Alfred Werner Maurer)
  • Bürgerzentrum Dudweiler mit Kaufhauspassage, Wohn- u. Geschäftsbauten (Architekten Entwurf Gottfried Böhm, Köln, Planung und Bauüberwachung Alfred Werner Maurer).
  • Ehrenmal in der Saarbrücker Straße von Heinrich Otto (1926). Denkmal für die Opfer beider Weltkriege.
  • De Monn mit da long Stong un zwei Dudwiller Kinner von Zoltan Hencze. Ein Denkmal für die Gaslaternenanzünder auf dem Alten Markt (1989).
  • Skulptur "Bergmann vor Ort" von Zoltan Hencze (1992) aus Stahl in der Fischbachstraße beim Feuerwehrhaus.
  • Brennender Berg. Ein in Brand geratenes Kohleflöz, das bereits von Goethe besucht und beschrieben wurde.
  • Ritterburg von H.R. Schönewolf, 50 x 50 m², hat Brüstungen, Zinnen und Türme, es kommen Besucher aus aller Welt.

Krankenhaus[Bearbeiten]

Das ehemalige Krankenhaus St. Josef der cts-Schwestern v. Hl. Geist gGmbH in der Klosterstraße wurde 1899 eröffnet. Aus relativ bescheidenen Anfängen entwickelte sich bis heute ein modernes, leistungsstarkes, überregionales Gesundheitszentrum. Seit einiger Zeit wurde es mit der cts-Klinik St. Theresia (Saarbrücken Rastpfuhl) zum Caritas Klinikum Saarbrücken St.Josef, Dudweiler fusioniert.

Partnerschaften/Patenschaft[Bearbeiten]

Partnerschaften bestehen seit 1959 mit Duttweiler (Pfalz) und seit 1964 mit Saint-Avold in Lothringen (Frankreich). Seit 1969 ist Dudweiler patenschaftlich mit dem Bundeswehrstandort Merzig (Luftlandeunterstützungsbataillon 262) verbunden.

Vereine[Bearbeiten]

Fastnacht[Bearbeiten]

  • Festausschuss Dudweiler Faasenacht (FDF)
  • Dudweiler Carneval Club e. V. (DCC)
  • Geisekippcher Buwe unn Määde e. V.
  • Heimat- und Kulturverein Dudweiler-Nord 1970 e. V. (HKV)
  • Große Dudweiler Karnevalsgesellschaft Grüne Nelke e. V.
  • Kaltnaggischer Gardisten Corps 2000 e. V. (KGC)
  • Kulturgemeinschaft Dudweiler-Pfaffenkopf 1955 e. V.

Musik[Bearbeiten]

  • Liederchor Thalia (Gemischter Chor)
  • Männerchor Harmonie 1896 e.V. Dudweiler
  • Musikzug 1968, Dudweiler
  • Schubertchor, Dudweiler (Gemischter Chor)
  • Schalmeien- und Kulturverein Dudweiler e.V.
  • Männerchor 1882 Herrensohr e.V.

Sonstige[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Staatliche Institutionen[Bearbeiten]

Der Stadtbezirk Dudweiler ist Sitz folgender staatlicher Institutionen:

  • Fachhochschule für Verwaltung des Saarlandes (Dudweiler), im September 2012 nach Quierschied-Göttelborn umgezogen
  • Landesamt für Kataster-, Vermessungs- und Kartenwesen - Karten- und Geodatenvertrieb (Scheidt)
  • Landesarchiv Saarbrücken (Scheidt)
  • Landesinstitut für Pädagogik und Medien (Dudweiler)
  • Landeszentrale für politische Bildung des Saarlandes (Dudweiler)
  • Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass (Dudweiler)
  • Unfallkasse Saarland (Dudweiler)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • 1965: Wilhelm Kehr (1888–1972), Dechant
  • 1966: Carl August Hertel (1899–1976), Pfarrer
  • 1967: Heinrich Jenewein (1887–1968), Fabrikant

Söhne und Töchter von Dudweiler[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand am 30. April 2014 (PDF) Auf: www.saarbruecken.de, abgerufen am 21. Mai 2014
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 803.
  3. Dudweiler verliert seinen Sonderstatus, Saarbrücker Zeitung, 30. Januar 2013, S. B1
  4. http://www.saarbruecken.de/de/rathaus/zahlen_daten_und_fakten

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert Ruppersberg: "Geschichte der Gemeinde Dudweiler"., EA 1923 Nachdruck 1980
  • 1000 Jahre Dudweiler 977–1977. Saarbrücker Zeitung Verlag. Saarbrücken 1977.
  • Historische Beiträge aus der Arbeit der Dudweiler Geschichtswerkstatt. Bd. 1– . Saarbrücken 1989– .
  • Karl Heinz Ruth: "Dudweiler und seine Steinkohlengruben" - Erstes Kohlengraben an der Saar. Jahrbuch zum Saarbrücker Bergmannskalender 1996, Seite 111-118.
  • Thomas Strauch: "Wer war Dudo?". Monatszeitschrift "Vor Ort in Dudweiler", September 2007, ab Seite 6. / Auch hier auf der Seite des ASC Dudweiler zu finden.
  • Thomas Strauch: "Die Pfarrei St. Barbara Dudweiler und ihre Bergkirche". Monatszeitschrift "Vor Ort in Dudweiler", Dez. 2008, S. 18 f.
  • Charly Lehnert: "de Freggerd". Erzählungen aus den 1950er Jahren in Dudweiler, Lehnert Verlag, 1997

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dudweiler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien