Saarkanal

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Saarkanal
Gewässer in Lothringen

Gewässer in Lothringen

Gewässerkennzahl FRA9--0112
Lage Frankreich, Regionen
Lothringen und Elsass
Länge 65 km [1]
Erbaut 1862-1866
Klasse I (Freycinet-Klasse)
Beginn Abzweig vom
Canal de la Marne au Rhin bei
Gondrexange
Ende Übergang in die kanalisierte
Saar bei Sarreguemines
Schleusen 27
Häfen Sarralbe, Sarguemines
Historische Vorläufer Saar-Kohlen-Kanal
Genutzter Fluss Naubach, Saar
Kilometrierung in Richtung zur Saar
Talfahrt in Richtung zur Saar
Saarkanal Schleuse 9.jpg
Schleuse Nr. 9. 2008 noch manueller Betrieb
Schleuse Nummer 1 im Saarkanal.jpg
Schleuse bei Harskirchen am Abstieg zum Saartal

Der Saarkanal (früher auch: Saar-Kohlen-Kanal, französisch Canal des Houillères de la Sarre) ist ein Schifffahrtskanal, der in den französischen Regionen Lothringen und Elsass verläuft. Er verbindet den Canal de la Marne au Rhin (deutsch: Rhein-Marne-Kanal) mit dem Fluss Saar und weiter über Mosel und Rhein mit den Industriezentren an der Nordsee-Küste.

Verlauf und technische Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Kanal zweigt bei Gondrexange vom Canal de la Marne au Rhin an dessen Scheitelhaltung im Étang de Gondrexange (deutsch Gunderchinger Weiher, 700 ha) ab. Dieser Weiher dient beiden Kanälen als Wasserreservoir. Nach Passieren der Schleuse Nr. 1 bei Diane-Capelle durchquert der Kanal auf einem Damm den Étang du Stock (deutsch Stockweiher, 750 ha), anschließend fließt er westlich am Grand Étang de Mittersheim (deutsch Mittersheimer Weiher, 1.097 ha) vorbei. Beide Weiher dienten ursprünglich ausschließlich der Wasserversorgung des Saarkanals, werden heute aber zusätzlich auch touristisch genutzt. Hinter Mittersheim windet sich der Kanal in drei großen Bögen aus dem Waldgebiet heraus ins Saartal hinab. Vor Sarralbe überquert er den Fluss Albe auf einer 45 Meter langen Kanalbrücke. Ab Herbitzheim läuft der Saarkanal in Sichtweite parallel zur Saar. In Sarreguemines mündet er nach 65[1] Kilometern in die kanalisierte Saar.

Es handelt sich im oberen Abschnitt um einen Kanal vom Typus Verbindungskanal, nach Erreichen des Saartales um einen Seitenkanal. Er überwindet einen Höhenunterschied von 73 Metern mit Hilfe von 27 Schleusen, die für Schiffe der Normgröße Freycinet dimensioniert sind.

Koordinaten[Bearbeiten]

Durchquerte Départements[Bearbeiten]

Orte am Kanal[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Grundlage für den Bau des Saarkanals war der Staatsvertrag von 1861 zwischen Preußen und Frankreich zur Herstellung einer schiffbaren Verbindung zwischen den Steinkohlengruben im Saarbrücker Raum und dem 1853 fertiggestellten Rhein-Marne-Kanal. Der Kanal sollte vornehmlich den Transport von Steinkohle aus den preußischen Gruben zum Rhein und ins Innere Frankreichs, wie auch die Ausfuhr von Eisenerz aus Lothringen zu den Hüttenwerken an der Saar erleichtern. Die Umsetzung des Staatsvertrages von 1861 erfolgte durch die Kanalisierung der Saar von Saargemünd bis Luisenthal (später bis Ensdorf) und den Bau eines völlig neuen Kanals zwischen Saargemünd und Gondrexange. Der Bau erfolgte in den Jahren 1862 bis 1866.

Ursprünglich verstand man also unter dem „Saarkanal“ die gesamte schiffbare Verbindung vom Rhein-Marne-Kanal bis zu den damaligen, in der Nähe der Saar liegenden Steinkohlengruben im Bereich des heutigen Saarlandes.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

In seiner Blütezeit im 19. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Kanal überwiegend zum Transport von Steinkohle und Eisenerz genutzt. Seitdem hat er seine Bedeutung für den Güterverkehr fast vollständig verloren. Dafür hat seine Bedeutung für die Freizeitschifffahrt mit Sport- und Hausbooten seitdem erheblich zugenommen. Denn anders als der alte Name „Saar-Kohlen-Kanal“ vermuten lassen würde, führt der Kanal durch den Regionalen Naturpark Lothringen und meist durch Wald und ländliche Gebiete. Beide Strecken-Varianten der sogenannten Kleinen Sauerkrauttour führen über den Saarkanal. Seit etwa 2003 wird der Saarkanal gezielt für den Tourismus ausgebaut. So wurde in Mittersheim ein neuer Freizeithafen mit Frischwasser- und Stromanschlüssen gebaut und an einigen Stellen Anlegeplätze für Sportboote eingerichtet. Seit 2005 wird an der Automatisierung der bisher manuell betriebenen Schleusen gearbeitet.

Kanal- und Radwegenetz[Bearbeiten]

Wie beim französischen Kanalnetz allgemein üblich[2], wurde auch der Saar-Kanal zur Voraussetzung für einen viel frequentierten Radweg. Der Treidelpfad neben dem Kanal ist in den letzten Jahren mit Mitteln der Europäischen Union, dem Regionalrat und den Gemeinden zu einem größtenteils gut asphaltierten Fahrradweg ausgebaut worden. In Sarreguemines hat dieser Radweg Anschluss an das saarländische Radwegenetz:

  • nach Norden an den Saarradweg, der die Saar bis zu ihrer Mündung in die Mosel begleitet,
  • nach Nordosten an den Glan-Blies-Radweg, der die Blies und den Glan begleitet bis zu Mündung in die Nahe bei Staudernheim.

Bei Gondrexange hat man Anschluss entlang des Rhein-Marne-Kanals nach Straßburg und in westlicher Richtung zur Mosel.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saarkanal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • David Edwards-May: Binnengewässer Frankreichs, 5. Auflage, Verlag Edition Maritim, Hamburg 1997, ISBN 3-922117-61-9
  • Navicarte Guide de navigation fluvial - n° 17, März 2003, Edition Grafocarte, ISBN 2-7416-0161-5
  • Thomas Strauch: Saar-Kohlen-Kanal: ... - Ein preußisch-französisches Gemeinschaftsprojekt im 19. Jahrhundert. Jahrbuch zum Bergmannskalender 2009, S. 136-150, Herausgeber: RAG Aktiengesellschaft.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Die Angaben zur Kanallänge beruhen auf den Informationen über den Saarkanal auf sandre.eaufrance.fr (französisch), abgerufen am 10. Dezember 2011, gerundet auf volle Kilometer.
  2. Radwege (Voies vertes) in Frankreich

Siehe auch[Bearbeiten]