Sabahattin Ali

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Sabahattin Ali[1] (* 25. Februar 1907[2] in Eğridere[3] Osmanisches Reich, heute Ardino, Bulgarien; † 2. April 1948 Kırklareli, Türkei) war ein türkischer Schriftsteller und Lehrer.

Leben[Bearbeiten]

Nach seiner Schulzeit studierte Sabahattin von 1928 bis 1930 in Berlin und Potsdam und arbeitete danach in verschiedenen türkischen Städten als Deutschlehrer. In dieser Zeit wurde er mehrmals verhaftet. 1932 wurde er gemeinsam mit einem Freund wegen eines satirischen Gedichts über Atatürk angeklagt und ein Jahr inhaftiert.

1938 ging Ali als Übersetzer und Dramaturg (Assistent des deutschen Regisseurs Carl Ebert) an das staatliche Konservatorium in Ankara. In dieser Zeit übersetzte er auch Werke aus dem Deutschen, u. a. von Gotthold Ephraim Lessing und E. T. A. Hoffmann. 1944 wurde er entlassen und zog nach Istanbul. Er veröffentlichte seine Schriften in verschiedenen Zeitungen. Zusammen mit Aziz Nesin war Ali ab 1946 Herausgeber der satirischen Zeitung „Markopaşa“, die wiederholt der Zensur unterlag. Nach der dritten Ausgabe wurden beide verhaftet, aber ohne Anklage wieder freigelassen. Am 2. April 1948 wurde Ali auf der Flucht nach Bulgarien an der Grenze ermordet. Die genauen Umstände des Todes wurden nie geklärt. Während es offiziell heißt, Sabahattin Ali sei Opfer eines Raubmordes geworden, hält sich die Annahme beharrlich, staatliche Stellen seien in den Mord verwickelt. Ebenso ist unklar, wo er begraben liegt.

Sabahattin Ali versuchte, seine Werke in einer volksnahen Sprache zu halten und nahm zudem Einflüsse des deutschen Naturalismus und russischer Schriftsteller auf. Bekannt wurde er durch seine realistischen Kurzgeschichten, die besonders das ländliche Leben der Türkei seiner Zeit beschrieben. Er gilt als der erste türkische Schriftsteller, der die Landbevölkerung zum Thema seiner Werke macht. Aufgrund seiner sozialkritischen Positionen unterlag er Zensur und Verfolgung. Bis heute berühmt sind seine Erzählungsbände „Kağnı“ („Ochsenkarren“, 1936) und „Ses“ („Die Stimme“, 1937), sein Roman „İçimizdeki Şeytan“ („Der Dämon in uns“, 1940) und seine Gedichtsammlung „Dağlar ve Rüzgâr“ („Die Berge und der Wind“, 1934).

Veröffentlichungen in deutscher Übersetzung[Bearbeiten]

  • Meisternovellen der Weltliteratur - Türkei: Sabahattin Ali. Übersetzt von Friedrich von Rummel. Stimmen der Völker, Heft 4. Bavaria-Verlag, Gauting 1948.
  • Anatolische Geschichten. Übersetzt von Herbert Melzig. Verlag Volk und Welt, Berlin 1953.
  • Der Ochsenkarren. Geschichten aus Anatolien. Übersetzt von Peter Sindlinger und Hülya Wicher. Sindlinger-Burchartz, Nürtingen 1991, ISBN 3-928812-00-9.
  • Der Dämon in uns. Übersetzt von Ute Birgi-Knellessen. Unionsverlag, Zürich 2007, ISBN 3-293-10007-4.
  • Die Madonna im Pelzmantel. Roman. Übersetzt von Ute Birgi-Knellessen. Dörlemann Verlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-908777-38-0.
  • Yusuf. Roman. Übersetzt von Ute Birgi-Knellessen. Dörlemann Verlag, Zürich 2014, ISBN 978-3-03820-002-4.

Literatur[Bearbeiten]

  • Filiz Ali: "Filiz hiç üzülmesin …" Sabahattin Ali´nin objektifinden, kızı Filiz´in gözünden bir yaşam öyküsü. Sel, İstanbul 1995, ISBN 975-570-011-0.
  • Elisabeth Siedel: Sabahattin Ali, Mystiker und Sozialist. Beiträge zur Interpretation eines modernen türkischen Autors. Schwarz, Berlin 1983, ISBN 3-922968-30-9 (Digitalisat).
  • Otto Spies: Die moderne türkische Literatur. In: Handbuch der Orientalistik: Turkologie, Brill, Leiden 1982, ISBN 90-04-06555-5, S. 369.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Den Nachnamen Ali wählte Sabahattin nach dem Gesetz vom 28. Juni 1934 über die Einführung von Familiennamen.
  2. Das Geburtsdatum 25. Februar 1907 wird in den meisten Quellen angegeben; daneben finden sich auch 1906 als Geburtsjahr sowie der 12. Februar und der 10. März als Geburtstag.
  3. YKY-Verlag Sabahattin Ali