Sabina von Steinbach

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Sabina von Steinbach war (der Legende nach) eine Steinmetzin der Gotik. Angeblich wurde sie im 13. Jahrhunderts als Tochter des Baumeisters am Straßburger Münster Erwin von Steinbach geboren. Als nach dem Tod des Vaters ihr Bruder Johann von 1318–39 den Bau des Turmes fortsetzte, soll auch Sabina selbst dabei tätig gewesen sein und Bildhauerarbeiten an dem Portal angefertigt haben.[1]

Offiziell anerkannte künstlerisch-schöpferische Tätigkeit einer Frau, im geschlossenen Kreis einer Bauhütte, war im Mittelalter fast unmöglich. Die traditionelle Annahme, dass Sabina trotzdem in diesem Sinne arbeiten konnte, geht wohl auf eine zuerst 1617 von Schadaeus herausgegebene Beschreibung von Straßburg zurück, die auf ihren Namen hinweist.[2][3] Sabina wurde das Figurenpaar von Ecclesia und Synagoge am Südportal zugeschrieben.[4] [5] Im Volksmund galt die Synagoge als ihr Selbstbildnis. Tatsächlich entstanden die Figuren der Ekklesia und Synagoge um 1225 (siehe Ekklesiameister), also ein halbes Jahrhundert vor dem Auftreten Erwins von Steinbach und weit vor der mutmaßlichen Lebenszeit der Sabina.

Entdeckung und Nachleben[Bearbeiten]

Sabina arbeitet an der Figur Synagoge für das Straßburger Münster, Gemälde von Moritz von Schwind, 1844

Trotz kaum überprüfbarer Daten zu ihrem Leben wurde Sabina in der deutschen Romantik „wiederentdeckt“.[6] Obwohl nicht auszuschließen, dass ihr Name und Ansehen im lokalen Volksmund weitergegeben wurden, geht dies wohl auf eine – heute verlorene – lateinische Inschrift zurück, die sich an der Figur eines Heiligen am Dom fand: „Die Gnade Gottes sei mit Sabina (SAVINAE), von deren Hand aus hartem Stein gehauen ich als Figur hier stehe“.[7] Eine gewisse Faszination der Romantik an diese Frauengestalt lässt sich in dem 1844 entstandenen Ölgemälde von Moritz von Schwind erkennen, das Sabina bei der Arbeit an der Figur der Synagoge darstellt. 1864 entstand zwei als Pendants konzipierte Denkmäler, eines für Erwin und eines für Sabina, als Werke des Künstlers Philipp Graß[8], die am Südquerhaus des Straßburger Münsters aufgestellt wurden. Sabina erscheint mit Hammer und Eisen als Steinmetzwerkzeugen. Noch ein 1914 herausgegebenes Gedicht von Ernst Stadler hat als Titel die angeblich auf Sabina weisende „alte Inschrift“ und deutet an, dass die Künstlerin „die beiden Frauenbilder aus dem Stein gehoben“.[9]

Auch heute kann man das Leben und Werk der Sabina – wenn auch meist als Legende betrachtet – als Zeichen der schöpferischen Kraft einer Frau in einer in Tradition verharrenden Welt interpretieren.[10] In ganz anderer Sicht werden die sich um Sabina rankenden Legenden als ein Produkt eines, sich zu Ende des 19. Jahrhunderts entwickelnden, sentimentalistischen Nationalbewusstseins gesehen.[4]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. so z.B. 'Stras(s)burg', In: Pierer's Universal-Lexikon. Band 16. Altenburg 1863, S. 903–905
  2. O(seas) Schadaeus: Summum Argentoratensivm Templum: Das ist: Außführliche vn[d] Eigendtliche Beschreibung deß viel Künstichen, sehr Kostbaren, vnd in aller Welt berühmten Münsters zu Strassburg. Strassburg 1617
  3. s.a. J. Schauberg: Vergleichendes Handbuch der Symbolik der Freimaurerei mit besonderer Rücksicht auf die Mythologieen und Mysterien des Alterthums - Allgemeine innere und äussere Geschichte der Bauhütte. Band 3, Zürich 1863, S. 401–405
  4. a b Leslie Ross: Artists of the Middle Ages. Westport 2003, S. 152 (englisch)
  5. Alfred Woltmann: Geschichte der deutschen Kunst im Elsass. Leipzig 1876, S. 153
  6. Ross: S. 72
  7. GRATIA DIVINAE PIETATIS ADESTO SAVINAE (,) DE PETRA DURA PER QUAM SUM FACTA FIGURA
  8. Ludwig Spach: Graß, Philipp. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 9, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 591 f.
  9. Gratia divinae pietatis. In: Ernst Stadler: Der Aufbruch. Leipzig 1914
  10. Das Nr. 1 - Souveränes Kapitel 'Sabina von Steinbach', im Tal von Rhein und Main der Vereinigung ‚Liberaler Freimaurer Schottischer Lehrart‘ ehrt so Sabina im Namen