Sable Island

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Dieser Artikel behandelt die kanadische Insel im Atlantik. Für die zu Papua-Neuguinea gehörende Insel im Pazifik siehe Sable Island (Papua-Neuguinea).
Sable Island
Satellitenbild 1994
Satellitenbild 1994
Gewässer Atlantischer Ozean
Geographische Lage 43° 56′ N, 59° 56′ W43.931472222222-59.92972222222240Koordinaten: 43° 56′ N, 59° 56′ W
Sable Island (Nova Scotia)
Sable Island
Länge 36,2 km
Breite 1,2 km
Fläche 34 km²
Höchste Erhebung 40 m
Einwohner 5 Stationspersonal (2008)
<1 Einw./km²
Die Station auf Sable Island
Die Station auf Sable Island

Sable Island ist eine Insel im Atlantik, die zur kanadischen Provinz Nova Scotia gehört. Die Insel liegt so nahe an den transatlantischen Schifffahrtsrouten, dass sie eines der gefährlichsten Hindernisse darstellte, seit Segelschiffe den Atlantik überqueren. Die Insel ist daher einer der bekanntesten Schiffsfriedhöfe. Seitdem Radar auf Schiffen gebräuchlich ist, ist die Anzahl der Schiffsunglücke an der Küste dieser Insel zurückgegangen.

Geographie[Bearbeiten]

Die Insel, die sich etwa 160 km südöstlich von Canso am gleichnamigen Kap der Halbinsel Nova Scotia und rund 290 km ost-südöstlich von Halifax befindet, ist einer der abgelegensten Orte Kanadas. Sie ist fast 42 km lang, in einem Bogen geschwungen und maximal 2 km breit. Die höchste Düne ist 40 m hoch. Ihre Fläche beträgt etwa 3.400 ha = 34 km². Ursprünglich wurde die Insel auf Französisch île de Sable ‚Sandinsel‘ benannt. Dieser Name wurde ins Englische übernommen.

Die Insel wird als Teil der Stadt Halifax verwaltet[1] und ist Teil des District 13: Northwest Arm - South End and Sable Island.

Geologie[Bearbeiten]

Eine Theorie zur geologischen Entstehung der Insel geht von einem niedrigeren Meeresspiegel während der letzten Eiszeit vor 11.000 Jahren aus, eine andere hält es für möglich, dass der Sand durch Gletscher so weit vor die Küste geschoben wurde. Meeresströmungen und Stürme lassen die Dünen wandern; in den letzten mehreren hundert Jahren wurden Wanderungen von bis zu 44 Kilometern beobachtet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Insel ist als „Friedhof des Atlantiks“ berüchtigt, weil seit 1583 über 350 Schiffbrüche an ihrer Küste über 10.000 Seeleuten das Leben kosteten (vgl. Schiffsfriedhof). Ursache hierfür ist, dass die Insel sehr weit vor der Küste und in der Nähe von Schifffahrtsrouten liegt und zu einem Drittel des Jahres Nebel in diesem Gebiet die Sicht nimmt. Der stark abfallende Meeresboden kann außerdem zusammen mit starken Winden die See besonders stark aufwühlen. Viele dieser Schiffswracks liegen noch heute an der Küste der Insel.

  • 16. Jahrhundert: Spätestens seit dem 16. Jh. kennen Europäer diese Insel als Santa Cruz und I. da Crus. Als erster Europäer sichtete sie wohl der Portugiese João Alvares Fagundes spätestens 1521.
  • 1546: Der portugiesisch Kartograf Joannes Freire verzeichnete I. do Sable auf einer Karte.
  • 1565: Der Italiener Giacomo Gastaldi verzeichnete Isolla del Arena auf einer Karte.
  • 1598: Der Marquis de La Roche brachte 50 Sträflinge in die Neue Welt, um eine Kolonie zu gründen. Er ließ sie auf île de Sable zurück, um die Küste zu erkunden, kam aber durch einen Sturm nicht zurück. Fünf Jahre später konnte ein Schiff nur noch elf Überlebende retten.
  • 1738: Der Bischof von Boston, Andrew Le Mercier, sandte Leute und Vieh, darunter Pferde, aus, um zu versuchen, die Insel zu besiedeln, was aber scheiterte – das Vieh wurde von Fischern gestohlen, die Pferde verwilderten und pflanzten sich halbwild fort.
  • 1801: Die erste Rettungsstation für Schiffbrüchige wurde auf der Insel gebaut und bis 1958 betrieben.
  • 1860: Der Passagierdampfer Hungarian der kanadisch-britischen Allan Line wurde vor Cape Ledge an der Westküste von Sable Island in einem Schneesturm gegen die Klippen geworfen und setzte auf Grund. Aufgrund des Sturms konnten keine Retter zu dem Schiff vordringen. Alle 205 Passagiere und Besatzungsmitglieder starben.[2][3]
  • 1863 strandete der britische Passagierdampfer Georgia der National Line (Vorbesitzer: Guion Line[4]) vor Sable Island, alle Personen an Bord überlebten.[2][3]
  • 1873: Zwei Leuchttürme wurden an den Inselenden im Osten und Westen gebaut und von zwei Leuchtturmwärtern betreut. Wegen Landerosion wurde der Westturm 1883, 1888, 1917 und 1951 versetzt.
  • 1875: Die Rettungsstation wurde mit einer Telegraphenleitung mit dem Festland verbunden.
  • 1879 strandete der Passagierdampfer State of Virginia der britischen State Line am 15 Juni vor Sable Island, 9 Menschen ertranken.[2][3]
  • 1898: Südlich der Insel sinkt am 4. Juli 1898 der französische Passagierdampfer La Bourgogne nach der Kollision mit dem britischen Frachtensegeler Cromartyshire. 565 Menschen sterben.[2]
  • 1958: Der Betrieb der Rettungsstation wurde nach elf Jahren ohne Schiffsunglück eingestellt, die Leuchttürme wurden automatisiert.
  • 1991: Der Notfunksender (EPIRB) des verschwundenen Fischtrawlers Andrea Gail wurde am Ufer von Sable Island gefunden.
  • 1999: Nördlich von Sable Island wurden die ersten von 28 Offshore-Bohrplattformen für die Gasförderung aus naheliegenden Gasfeldern errichtet.
  • 1999: Der bisher letzte Schiffbruch: Zwei Männer wollten mit der „Merrimac“ von New York über den Atlantik nach Europa segeln und hatten eine Karte benutzt, auf der Sable Island nicht eingezeichnet war. Als der Tiefenmesser Alarm auslöste, gingen sie von einer Fehlfunktion aus und glaubten ihrer Karte, worauf sie am 27. Juli auf der Insel strandeten.
  • 2010: Umweltminister Jim Prentice und der Gouverneur von Nova Scotia John MacDonell unterzeichnen eine Absichtserklärung, die die Insel unter Schutz stellen soll. Die Insel soll Nationalpark oder eine National Wildlife Area werden.

Natur[Bearbeiten]

Sable-Island-Ponys

Naturschutz[Bearbeiten]

Die Naturschutzorganisation Sable Island Preservation Trust kümmert sich um Schutz und Erhaltung der Natur dieser Insel. Im August 2012 wurde der Sable-Island-Nationalpark eingeweiht. Dieser wird durch Parks Canada verwaltet.

Tierwelt[Bearbeiten]

Bekannt ist die Insel aber auch bei Nicht-Seefahrern. Pferdeliebhaber kennen die Sable Island Ponys, halbwilde Pferde mit einer Population von 250 bis 300 freilebenden Pferden, die Nachkommen von 1738 auf der Insel eingeführten Ponys sind, die anschließend verwildert sind.

Über 300 Vogelarten wurden auf der Insel beobachtet, von denen 15 regelmäßig auf Sable Island brüten.

Außerdem gibt es fünf Robbenarten, von denen zwei ihre Jungen auf der Insel großziehen.

Eher selten konnten Fledermäuse beobachtet werden.

Klima[Bearbeiten]

An 125 Tagen pro Jahr liegt die Insel im Nebel; diese stellen auch den wesentlichen Grund für die vielen Schiffsunglücke dar. Der Golfstrom sorgt für ein vergleichsweise mildes Klima, am wärmsten ist es im August mit durchschnittlich 17 °C und am kältesten im Februar mit durchschnittlich −1 °C. Der Niederschlag schwankt zwischen 90 und 150 mm monatlich.

Sable Island
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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5
0
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Sable Island
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 2,7 1,8 2,8 5,5 9,2 13,3 18,1 20,0 18,3 14,1 9,9 5,2 Ø 10,1
Min. Temperatur (°C) -2,9 -3,7 -1,8 1,0 4,2 8,2 12,8 15,2 13,3 9,1 5,1 0,1 Ø 5,1
Niederschlag (mm) 131 113 111 95 93 79 85 113 88 105 127 132 Σ 1.272
Sonnenstunden (h/d) 1,8 2,6 3,7 4,4 5,2 5,4 5,6 6,0 5,2 4,0 2,4 1,8 Ø 4
Regentage (d) 15 12 12 11 10 10 9 9 9 12 14 14 Σ 137
Luftfeuchtigkeit (%) 83 84 85 87 90 92 93 90 84 81 81 81 Ø 85,9
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
2,7
-2,9
1,8
-3,7
2,8
-1,8
5,5
1,0
9,2
4,2
13,3
8,2
18,1
12,8
20,0
15,2
18,3
13,3
14,1
9,1
9,9
5,1
5,2
0,1
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
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79
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113
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127
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Bevölkerung[Bearbeiten]

Seit 1801 ist die Insel durchgängig bewohnt. 1996 gab es nur noch drei ständige Bewohner auf der Insel: Den Aufsichtsbeamten Gerry Forbes sowie einen Techniker der Wetterstation und einen Handwerker, die 1 bis 6 Monate am Stück auf der Insel verbrachten. 2008 zählte die Insel fünf ständige Bewohner.

Wirtschaft[Bearbeiten]

  • Sable Island liegt in einem der reichsten Fischfanggründe der Welt, was für kanadische Fischfangrechte relevant ist.
  • Nördlich der Insel liegen sechs Gasfelder (Venture, South Venture, Thebaud, North Triumph, Glenelg und Alma) mit ca. 85 Milliarden m³ förderbarem Erdgas. Das Sable Offshore Energy Project begann 1999 mit der Offshore-Erschließung, der Betrieb von bis zu 28 Bohrplattformen ist bis 2025 geplant. Die Wassertiefe der Plattformen beträgt 20 bis 80 m.

Funkstation[Bearbeiten]

Wegen ihrer Abgeschiedenheit und dem beschränkten Zutritt ist die Insel Ziel von Amateurfunkern, die bei DX.pedition eine Funkstation mit dem seltenen Funkrufzeichen CY0AA der Insel betreiben.

Literatur[Bearbeiten]

  • „Sable Island Journals 1801–1804“ Tagebuch des James Rainstorpe Morris, erster Regierungsbeamter (government superintendent) der Insel, über das tägliche Leben auf der Insel: Landwirtschaft, Haus- und Bootsbau, Sammeln von Treibholz, Sturm, Krankheiten und Tod auf der Insel. Editiert von Rosalee Stilwell herausgegeben vom Sabel Trust 2000, englisch, ISBN 0-9689245-0-6
  • „The Nymph and the Lamp“, Roman, Thomas H. Raddall (1903–1994), Boston, 1950, keine ISBN; der Autor beschreibt das Leben auf der Marconi-Funkstation der Insel, in der Erzählung „Marina“ genannt, im Rahmen einer Liebesgeschichte. Raddall hat selbst einige Zeit auf Sable Island gelebt.

Film[Bearbeiten]

Moving Sands ist ein 60 minütiges Dokumentardrama von Scott James über Sable Island aus Sicht der Inselbewohnerin Trixie Bouteilliers, die fünfjährig als Tochter des Insel-Aufsichtsbeamten 1885 auf die Insel zog und bis 1912 ihre Kindheit und Jugend, 25 Jahre, auf der Insel verbrachte. Der Film wurde 2002 mit Unterstützung des Sable Island Preservation Trust gedreht und hatte am 13. Oktober 2003 beim Atlantic Film Festival in Halifax Premiere.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sable Island – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. a b c d [2], The New York Times: At the Company’s Office - Sad Scenes Enacted by the Friends and Relatives of La Bourgogne; Previous Disasters at Sea, July 7, 1898.
  3. a b c [3], The Ships List: The Fleets - List of Steamships and Number of Lives Lost in Atlantic Trade From 1840 to 1892.
  4. [4], The Ships List: Guion Line.