Sabolotiw

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Sabolotiw
(Заболотів)
Wappen von Sabolotiw
Sabolotiw (Ukraine)
Sabolotiw
Sabolotiw
Basisdaten
Oblast: Oblast Iwano-Frankiwsk
Rajon: Rajon Snjatyn
Höhe: keine Angabe
Fläche: 1,91 km²
Einwohner: 4.129 (2001)
Bevölkerungsdichte: 2.162 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 78315−78316
Vorwahl: +380 3476
Geographische Lage: 48° 28′ N, 25° 17′ O48.46666666666725.283333333333Koordinaten: 48° 28′ 0″ N, 25° 17′ 0″ O
KOATUU: 2625255300
Verwaltungsgliederung: 1 Siedlung städtischen Typs
Bürgermeister: Iwan Dmytrowytsch
Adresse: пл. С. Бандери 3
78315 смт. Заболотів
Statistische Informationen
Sabolotiw (Oblast Iwano-Frankiwsk)
Sabolotiw
Sabolotiw
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Sabolotiw (ukrainisch Заболотів; russisch Заболотов/Sabolotow, deutsch selten Zablotow, polnisch Zabłotów) ist eine Siedlung städtischen Typs der Oblast Iwano-Frankiwsk in der West-Ukraine. Die Siedlung liegt am Oberlauf des Pruth am Fuß der Karpaten, am östlichen Rande des Gebiets das Teil der historischen Landschaft Galizien ist.

Geschichte[Bearbeiten]

1455 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. 1790 wurde die jüdische Gemeinde (Schtetl) gegründet. 1903 kam es zu einem Pogrom in der chassidischen Gemeinde. Das Pogrom ging fast ausschließlich von der ruthenischen (ukrainischen) Landbevölkerung aus, die den Juden ihre Loyalität zu den Galizien dominierenden Polen vorwarfen. 1910 lebten in Zablotow 2171 Juden und 2587 Andere,[1] mehrheitlich Ruthenen.

Manès Sperber schildert seinen Geburtsort, sein Schtetl in seiner Autobiografie:

„Zablotow – schon der Name ist unangenehm: Er spielt auf den lehmigen Boden, auf die ungepflasterten Straßen an, in denen man zu versinken drohte, sobald die unaufhörlichen Herbstregen sie aufgeweicht hatten. ... Habe ich von der Armseligkeit des Städtels gesprochen? Das Wort ist irreführend, weil durchaus unzureichend. Sich kaum jemals wirklich sattzuessen war das Schicksal der meisten, ... Wie viele auch hungerten, niemand verhungerte. ... Überdies mieden sie [die Juden] möglichst die Dörfer [der Ukrainer], weil sie mit Recht fürchteten, dort der Feindseligkeit zu begegnen. Dennoch waren die Städtchen keine Ghettos, sondern wesensmäßig ebenso wie definitionsgemäß das Gegenteil. Ein Städtel war nicht das Anhängsel einer christlichen Gemeinde innerhalb der Bannmeile, nicht ein diskriminierter Fremdkörper innerhalb einer höheren Zivilisation, sondern im Gegenteil, eine scharf profilierte in ihren Grundlagen gefestigte autonome Gemeinschaft mit einer eigenartigen Kultur – dies inmitten von Armut und Hässlichkeit, und eingekreist von Feinden des jüdischen Glaubens. Das Städtel war ein Zentrum, von dem aus gesehen die slawischen Dörfer periphere Agglomerationen waren, deren Einwohner, zumeist Analphabeten, zum Geistigen kaum eine Beziehung hatten.[2]

Nach dem Ende Österreich-Ungarns wurde Sabolotiw 1920 polnisch. 1939 wurde das Gebiet aufgrund des Hitler-Stalin-Paktes von der Sowjetunion besetzt. 1941 wurde es durch die deutsche Armee erobert. Die jüdische Bevölkerung, die nicht rechtzeitig fliehen konnte, wurde im Holocaust ermordet.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Sabolotiw gibt es in erster Linie tabak- und lebensmittelverarbeitende Betriebe. Etwa 400 Personen, also fast ein Zehntel der gesamten Einwohner, arbeiten im Ausland.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Albert Lichtblau (Hrsg.): Als hätten wir dazugehört. Österreichisch-jüdische Lebensgeschichten aus der Habsburgermonarchie. Böhlau , Wien 1999, ISBN 3-205-98722-5, S. 22 und 102.
  2. Manès Sperber: Die Wasserträger Gottes. All das Vergangene... dtv, München 1981, ISBN 3-423-01398-2, S. 14ff.

Weblinks[Bearbeiten]