Sacco di Roma

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Die Plünderung Roms (Gemälde von Johann Lingelbach aus dem 17. Jahrhundert)

Der Sacco di Roma (ital. sacco, veralteter Ausdruck für „Plünderung“) war die Plünderung Roms und des Kirchenstaates ab dem 6. Mai 1527 durch deutsche Landsknechte und spanische und italienische Söldner. Über die Italienischen Kriege hinaus gilt der Sacco di Roma als ein Höhepunkt der Gewaltexzesse im Krieg durch von ihrer Führung nicht kontrollierbare Söldnerheere.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Das von Karl V. regierte Spanien und das von Franz I. regierte Frankreich kämpften seit 1521 um die Vorherrschaft in Oberitalien. Papst Clemens VII. (1523–1534) versuchte seinerseits, den Konflikt für die Stärkung des Kirchenstaates auszunutzen. Nach der vernichtenden Niederlage französischer Truppen in der Schlacht von Bicocca (April 1522) forderte Clemens VII. das Herzogtum Mailand für sich, sobald es wieder in französischer Hand sei. Mit der Einwilligung Franz’ I. trat Clemens VII. aus der Allianz Karls V. aus und klagte diesen daraufhin an, einen „ungerechtfertigten Krieg gegen einen christlichen Mitbruder“ zu führen, dessen einziger Zweck es sei, sein eigenes Reich zu vergrößern. Diese öffentliche Anklage erschwerte Karl V. das Agieren gegen Frankreich sehr.

Im August 1524 belagerten Truppen Karls V. erfolglos Marseille. Bei ihrem Rückzug wurden sie durch französische Truppen angegriffen und unter anderem bis nach Pavia zurückgedrängt. Dort kam es im Februar 1525 zur Schlacht, bei der Franz I. gefangengenommen und die französischen Truppen vernichtend geschlagen wurden. Während seiner Gefangenschaft in Madrid unterzeichnete Franz I. den Friedensvertrag von Madrid, in dem er alle Ansprüche auf die Fürstentümer Oberitaliens fallen ließ. Karl V. appellierte an Franz’ „gloire“ – seine ritterliche Ehre – sich an den Vertrag zu halten und entließ ihn – gegen den Ratschlag seiner Berater – aus der Gefangenschaft.

Kaum wieder frei, verkündete Franz I., dass der Vertrag von Madrid ungültig sei, da er ihn nur unter größter Angst um sein eigenes Leben unterzeichnet habe. Papst Clemens VII. erteilte ihm daraufhin öffentlich die Absolution, so dass der Friede von Madrid als nichtig anerkannt wurde. Da Karl V. aus Sicht vieler anderer Herrscher zu mächtig wurde, formierten sich diese 1526 in der profranzösischen „Heiligen Liga von Cognac“. Ihr gehörten neben Papst Clemens VII. und Franz I. noch der Herzog von Mailand Francesco II. Sforza, die Republik Venedig und einige kleinere oberitalienische Herrscher an.

Die wegen des ungültig gewordenen Vertrages von Madrid nicht erlangten Herzogtümer Oberitaliens, deren Reichtum zur Finanzierung der Söldnerarmee nötig gewesen wäre, der Wechsel des englischen Königs Heinrich VIII. von Karls Allianz zur Heiligen Liga von Cognac, der religiöse Konflikt innerhalb Deutschlands zwischen Lutheranern und Katholiken (siehe Reichstag zu Worms) sowie der jahrelange, indirekte Kampf der deutschen Landsknechte unter Karl V. gegen einen Papst, den sie niemals direkt attackieren durften, sorgte für großen Unmut bei den Truppen Karls V. in Norditalien. Sie waren seit der Schlacht von Pavia nicht mehr regelmäßig bezahlt worden, hatten keinerlei Verstärkung erhalten und mussten sich selbst versorgen.

Landsknechte im frühen 16. Jahrhundert

Die brisante Lage entlud sich in einem Söldneraufstand, bei dem der Anführer der deutschen Landsknechte, Georg von Frundsberg, beim Versuch, seine Truppe zu beschwichtigen, einen Schlaganfall erlitt. Die nun von Charles III., Herzog von Bourbon angeführten, aber in keiner Weise gezügelten Truppen marschierten zuerst auf Florenz, um sich dort für ihre Anstrengungen zu entlohnen und zu versorgen. Eine Armee der Liga von Cognac war jedoch in Florenz stationiert und hielt die Stadt gegen die Angreifer, die daraufhin zu deren Belagerung übergingen. In den umliegenden Ländereien gab es jedoch zu Beginn des Jahres 1527 nicht genügend Nahrungsmittel, so dass sich die Situation der Belagerer immer weiter verschlechterte. Am 16. März 1527 verweigerten die Söldner ihren Truppenführern jeglichen Gehorsam und beschlossen, sich direkt an Papst Clemens VII. zu rächen, den sie für ihre Lage verantwortlich machten. Sie ließen das schwere Belagerungsgerät vor den Toren von Florenz zurück und marschierten auf Rom.

Papst Clemens VII. versuchte vergebens, im letzten Moment den Herzog von Bourbon mit großen Summen Geld zu bestechen, um das bevorstehende Unglück abzuwenden. Doch weder nahm Charles de Bourbon diese Bestechung an, noch hätte sie etwas genützt, da das Söldnerheer keinem Führer mehr gehorchte. Am 4. Mai 1527 erreichten die Landsknechte die Ländereien um die Stadt Rom, und am frühen Morgen des 6. Mai 1527 setzte das Heer zur Erstürmung der Stadt an. Die wenigen in Rom befindlichen Truppen konnten dem Ansturm nichts entgegensetzen, und so waren die Landsknechte noch am Vormittag in der Stadt. Der Herzog von Bourbon wurde beim Ansturm auf die Stadt beim Erklimmen einer Sturmleiter durch den Schuss aus einer Hakenbüchse getötet, die abgefeuert zu haben sich der Künstler Benvenuto Cellini rühmte.

Die Geschehnisse des Sacco di Roma[Bearbeiten]

Rom, eine der reichsten Städte der Renaissance, war auf den Angriff des 24.000 Mann starken Heeres mit deutschen Landsknechten, spanischen Söldnern und papstfeindlichen italienischen Condottieri schlecht vorbereitet, da der Papst kurz zuvor, um Geld zu sparen, große Teile seiner Truppen entlassen hatte. Am 6. Mai wurde zuerst das Borgo, begünstigt durch dichten Nebel, eingenommen, wobei der Herzog von Bourbon fiel. Eine Schwäche in der Mauer wurde von spanischen Truppen ausgenutzt, um in die Stadt einzudringen, worauf der Widerstand der Verteidiger des Borgo zusammenbrach.

Ein Großteil der Schweizergarde (147 von insgesamt 189 Mann) hatte sich auf dem Petersplatz in Stellung gebracht, um den Papst und den Heiligen Stuhl zu schützen. Bei der Verteidigung fielen alle. Papst Clemens VII. war in der Zwischenzeit vom Petersdom aus durch den Passetto di Borgo mit 42 Schweizern in die Engelsburg geflohen, wo sie von den Angreifern belagert wurden.

Am folgenden Tag wurde, nachdem Versuche von Verhandlungen gescheitert waren, der Trastevere sowie zuerst die Brücken und dann das restliche Rom eingenommen.

Ohne einen von allen Truppen anerkannten Anführer geriet die kriegsübliche dreitägige Plünderung außer Kontrolle, und die Truppen raubten, vergewaltigten, folterten und töteten nach Belieben. Dabei wurden auch Anhänger des Kaisers nicht verschont. Es wurden Kirchen, Paläste und Krankenhäuser und der Vatikan geplündert und in Brand gesetzt. Viele, besonders Edelleute und Kleriker, wurden gezwungen, enorme Lösegeldsummen zu zahlen, um sich freizukaufen. Einfachere Bürger wurden durch Folter gezwungen, ihre Wertgegenstände herauszugeben. Landsknechte lutheranischer Gesinnung taten sich besonders durch die Demütigung kirchlicher Würdenträger und Symbole hervor.

Die Gewinne der jeweils anderen stachelten spanische, deutsche und italienische Truppen zu weiteren Plünderungen und Erpressungen an, vereinzelt kam es um die Beute zu Kämpfen zwischen den eigentlich Verbündeten. Durch die unkontrollierte Situation angelockt, strömten aus dem Umland zudem weitere "kaisertreue" italienische Verbände in die Stadt, um an der Beute teilzuhaben.

Über neunzig Prozent der Kunstschätze in Rom, darunter die Goldschmiedearbeiten der Kirchen, wurden während der Plünderungen geraubt. Der Wert der Beute wird auf rund 10 Millionen Dukaten geschätzt.

Folgen[Bearbeiten]

Nach einer mehrwöchigen Belagerung der Engelsburg kapitulierte Papst Clemens VII. am 7. Juni 1527. Er musste die Festungen Ostia, Civitavecchia und Civita Castellana übergeben, auf die Städte Modena, Parma und Piacenza verzichten und 400.000 Dukaten sowie Lösegeld für die Befreiung der Gefangenen zahlen. Am 6. Dezember wurde die belagerte Engelsburg freigegeben, und Clemens VII. zog nach Orvieto.

Karl V. geriet wegen des Sacco di Roma in heftige Kritik der Mitglieder der Liga von Cognac. Ihm wurde vorgeworfen, die Plünderungen angeordnet oder zumindest toleriert zu haben. Er selbst dementierte dies öffentlich. So schrieb er später in seinen Memorias:

„Die Hauptverantwortung lag nicht bei ihm (d.h. Karl V.), sondern bei denjenigen, die ihn dazu gezwungen hatten, sich zu verteidigen und eine so große Armee einzusetzen, die, wie sich herausstellte, schwer in Zaum zu halten war.“

Die Plünderung Roms kam Karl V. trotzdem sehr gelegen. Die Heilige Liga von Cognac war nun ohne die Unterstützung des Papstes, der zudem als Gefangener Karls V. dessen Bedingungen akzeptieren musste. Karl V. strebte nicht nur nach der Kaiserwürde, sondern wollte sie sich auch im Gegensatz zu seinem Vorgänger Maximilian I. durch die höchste geistliche Autorität legitimieren lassen. Dieses Ziel rückte durch die Niederlage des Papstes in unmittelbare Nähe.

Zwischen 1528 und 1529 behauptete sich Karl V. weiter gegen die Liga von Cognac. Am 29. Juni 1529 ging er mit Clemens VII. den Frieden von Barcelona ein. Der Papst erhielt viele Provinzen für den Kirchenstaat. Im Rahmen dieses Friedensvertrags wurde die Schweizergarde aufgelöst. Sie wurde 1548 durch Paul III. wiederhergestellt. Am 5. August 1529 wurde der „Damenfriede“ ausgehandelt, der den Kampf zwischen Karl V. und Franz I. beendete.

Von Karl V. politisch besiegt und mit dem Frieden von Barcelona wieder in sein Amt eingesetzt, durch Schenkungen und Verträge wohlwollend gestimmt und durch die neue äußere Gefahr durch die Türken bedrängt, krönte Clemens VII. Karl V. zu dessen 30. Geburtstag am 24. Februar 1530 in Bologna zum Kaiser.

Die kaiserliche Armee verblieb vorerst in Rom, zusammengehalten auch durch die Armee der Liga im Norden. Mehrfache Aufforderungen, sich in die Lombardei zurückzuziehen, wurden nicht befolgt. In den Sommermonaten von 1527 reduzierten Seuchen sowohl die Bevölkerung Roms als auch die Besatzer ungefähr um die Hälfte. Durch neue Führer und Soldzahlung wieder unter Kontrolle gebracht, zogen die verbliebenen etwa 12.000 Mann am 17. Februar 1528 weiter nach Neapel, dem Heer der Liga hinterher.

Noch heute gedenkt die Schweizergarde am 6. Mai der Toten beim Sacco di Roma mit der Vereidigungszeremonie neuer Rekruten in Rom.

Quellen[Bearbeiten]

  • Adam Reißner: Historia der Herren Georg und Kaspar von Frundsberg; nach der 2. Aufl. von 1572 hrsg. von Karl Schottenloher, Leipzig [ohne Jahr] (verm. 1910/1914) (Voigtländers Quellenbücher Bd. 66).
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  • Césare Grollier: Historia expugnatæ et direptæ Urbis Romæ per execitum Caroli V. Imp. die VI. Maii M. D. XXVII Clemente VII. pontifice; Paris 1538.
  • Jacopo Buonaparte: Sac de Rome. Écrit en 1527 par Jacques Bonaparte. Témoin oculaire; hrsg. von Napoléon Louis Bonaparte, Florenz 1850.
  • Luigi Guicciardini: Historia del sacco di Roma [The Sack of Rome]; hrsg. u. übers. v. McGregor, James Harvey, New York 1993.
  • Mercurino di Gattinara: Il Sacco di Roma nel 1527, Relazione del Comissario imp. Mercurino Gattinara; hrsg. v. Galiffe, G. B. G./ Fick, Odoardo, Genf 1866.
  • Karl Lanz (Hrsg): Correspondenz des Kaiser Karl, V. 1–3; Frankfurt am Main, 1966.

Literatur[Bearbeiten]

Sekundärliteratur

  • Antonio Di Pierro: Il sacco di Roma. 6 maggio 1527. L’assalto dei lanzichenecchi. Mondadori, Mailand 2002, ISBN 88-04-50438-2, (Oscar storia 322), (ital.).
  • Rainer Brüning: Die Berichterstattung über die Schlacht von Pavia (1525), den Sacco di Roma (1527) und die Belagerung Wiens (1529) in Zeitgenössischen Flugschriften. 2 Bände. Univ. Mag., Hamburg 1987.
  • E. R. Chamberlin: The Sack of Rome. Batsford, London 1979, ISBN 0-7134-1645-9.
  • André Chastel: The Sack of Rome 1527. Übersetzt von Beth Archer. Princeton University Press, Princeton NJ u. s. 1983, ISBN 0-691-09947-2, (The A. W. Mellon Lectures in the Fine Arts 1977 = 26), (Bollingen Series 35, 26).
  • Hans Delbrück: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte. Band 4: Neuzeit. de Gruyter, Berlin 1920.
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  • Judith Hook: The sack of Rome 1527. 2nd edition. With a new Foreword by Patrick Collinson. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2004, ISBN 1-4039-1769-8.
  • Hubert Jedin: Die Päpste und das Konzil in der Politik Karls V. In: Hubert Jedin: Kirche des Glaubens – Kirche der Geschichte. Ausgewählte Aufsätze und Vorträge. Band 2: Konzil und Kirchenreform. Herder, Freiburg (Breisgau) 1966, S. S. 148–159.
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  • August Korte: Die Konzilspolitik Karls V. in den Jahren 1538–43. Niemeyer, Halle (Saale) 1905, (Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte 85, ISSN 0171-2179).
  • Alfred Kohler: Karl V. 1500- 1558. Eine Biographie. 2. unveränderte Auflage. Beck, München, 2000, ISBN 3-406-45359-7.
  • Michael Mallett, Christine Shaw: The Italian Wars 1494-1559, Pearson, Harlow 2012, ISBN 9780582057586
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  • Ludwig Freiherr von Pastor: Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters, Band 4, 2 Teile; Herder, Freiburg (Breisgau) 1928.
  • Friedrich Prinz: Sacco di Roma. Das Ende der Renaissance oder ein Strafgericht Gottes? Bayerischer Rundfunk, München 1989, (Geschichte und Geschichten).
  • Peter Rassow (Hrsg.): Karl V. Der Kaiser und seine Zeit. Kölner Colloquium 26.–29. Nov. 1958; Böhlau, Köln u. a. 1960.
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  • Volker Reinhardt: Blutiger Karneval. Der Sacco di Roma 1527 – eine politische Katastrophe. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-534-21749-6.
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  • Ferdinand Seibt: Karl V. Der Kaiser und die Reformation. Siedler, Berlin 1990, ISBN 3-88680-338-4.

Belletristik

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sacco di Roma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien