Sacheen Littlefeather

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Sacheen Littlefeather (* 14. November 1946 in Salinas, Kalifornien als Marie Cruz) ist eine US-amerikanische Schauspielerin und indianische Aktivistin des American Indian Movement (AIM).

Größere Bekanntheit erlangte Littlefeather, als sie in Vertretung für Marlon Brando und mit dessen Ermächtigung bei der Oscarverleihung am 27. März 1973 in einer für den Anlass ungewöhnlichen traditionellen Apache-Kleidung erschien. Bei diesem in der internationalen Live-Übertragung vom Publikum und den Medien nicht erwarteten Auftritt begründete sie in einer zunächst kurzen Rede Brandos Nichtannahme des Oscar als bester Hauptdarsteller für seine Rolle im Film Der Pate. Die Ablehnung erfolgte unter anderem aus Protest gegen den Umgang mit den Indianern durch die amerikanische Filmindustrie.

Damit setzte Littlefeather, hervorgehoben in ihrer Rolle als Sprecherin des international erfolgreichen Filmstars Marlon Brando, ein demonstratives Zeichen für die Bürgerrechte der Indianer in den USA, und lenkte so – gemeinsam mit dem abwesenden Brando – die Aufmerksamkeit einer weltweiten Öffentlichkeit auf die zeitgleich seit einem Monat durch das AIM stattfindende Besetzung des Dorfes Wounded Knee in der Pine-Ridge-Reservation in South Dakota.

Leben[Bearbeiten]

Marie Cruz wurde 1946 im kalifornischen Salinas geboren. Ihre Mutter war französisch-deutsch-niederländischer Abstammung, ihr Vater stammte von den zu den westlichen Apachen zählenden White Mountain Apachen sowie den Yaqui-Indianern ab. Sie wurde überwiegend von ihren Großeltern mütterlicherseits aufgezogen. Nach Abschluss der High School nahm Cruz den Namen Sacheen Littlefeather an, um ihre indianische Herkunft zu betonen.

Littlefeather unterstützte 1969 die indianische Aktivisten-Gruppe Indians of All Tribes, die ab dem 20. November 1969 die Insel Alcatraz besetzte.[1] Die Indianer beriefen sich auf einen Vertrag aus dem Jahre 1868, der jedem Indianer die Nutzung von ehemaligem Bundesgebiet zusagte, falls dieses nicht mehr gebraucht würde.

Littlefeather begann Anfang der 1970er Jahre mit der Schauspielerei, zunächst am American Conservatory Theater in San Francisco. Danach arbeitete sie beim KFRC Radio in San Francisco und trat in verschiedenen Fernsehwerbespots auf.[1] Anschließend übernahm sie kleinere Rollen in verschiedenen Filmen, unter anderem in der italienischen Produktion Im Dutzend zur Hölle an der Seite von Martin Balsam und Tomás Milián. 1970 gewann sie den Schönheitswettbewerb Miss American Vampire.[1][2] Eine für den Playboy angefertigte Fotoserie mit 10 indianischen Models, darunter Littlefeather, wurde aufgrund der seit Ende Februar 1973 stattfindenden Besetzung von Wounded Knee durch militante Mitglieder des AIM nicht gedruckt.[1] Allerdings erschienen Littlefeathers Einzel-Fotos in einer späteren Ausgabe des Männermagazins im Oktober 1973.

Als Marlon Brando 1973 den Oscar für seine Hauptrolle in Der Pate erhalten sollte, lehnte er eine Teilnahme an der Preisverleihung ab und wollte stattdessen einen AIM-Aktivisten zur Veranstaltung entsenden.[3] Brando kannte Littlefeather von einem früheren Treffen in Washington, D.C., wo sie bei der Federal Communications Commission eine Präsentation zu Rassen- und Minderheitenfragen gehalten hatte.[1]

Brando bat Littlefeather, ihn bei den Oscars zu vertreten. Er schrieb eine längere Rede, mit der er die jahrhundertelange Unterdrückung der Bürgerrechte der amerikanischen Ureinwohner, die verfälschende Darstellung der Indianer in Hollywood-Filmen und die laufenden Protestaktionen von Wounded Knee aufmerksam machen wollte. Littlefeather, die zur Veranstaltung in der traditionellen Bekleidung der Apachen erschien, konnte nach der Ankündigung durch Roger Moore und Liv Ullmann aufgrund der Zeitbegrenzung von 60 Sekunden nur eine improvisierte Rede halten.[4] Während sie für ihre Rede auch einigen Applaus erhielt, wurde sie von anderer Seite ausgebuht. Die Co-Hosts Clint Eastwood und Raquel Welch bezogen sich bei den Anmoderationen des Oscars für den besten Film und die beste Hauptdarstellerin im Anschluss mit kleinen Scherzen direkt auf den Vorfall.[5] Der Oscar-Moderator Michael Caine kritisierte Brando dafür, dass er nicht selbst gekommen war und stattdessen Littlefeather „zum Ausbuhen“ vorgeschickt habe.[5]

Littlefeather hielt später die gesamte Rede hinter der Bühne vor anwesenden Journalisten.[6] Der Vorfall beendete nach ihrer eigenen Einschätzung ihre anlaufende Schauspielkarriere.[1] Später wurde ihr außerdem vorgeworfen, die Rolle der indianischen Aktivistin nur gespielt zu haben. So behauptete der Filmkritiker Roger Ebert noch 2004 in einem Nachruf auf Brando, Littlefeather sei keine echte Indianerin.[3] Die Aktivistin ließ Ebert eine entsprechende Gegendarstellung publizieren.[3]

Nach dem Oscar-Vorfall war Littlefeather weiter beim Radio tätig. In den frühen 1980er Jahren war Littlefeather Mitgründerin der National American Indian Performing Arts Registry, einer Non-Profit-Organisation, die sich für den Einsatz von Indianern in Film- und Fernsehproduktionen engagiert.[1] Für die Fernsehsendung Dance in America: A Song for Dead Warriors, die 1984 mit einem Emmy für Outstanding Achievement in Choreography ausgezeichnet wurde[7], war Littlefeather als Beraterin tätig.[1]

1992 arbeitete sie für zwei Fernsehproduktionen des Public Broadcasting Service, Remember Me Forever und The Americas Before Columbus.[1] 2009 trat sie in der mit dem Peabody Award 2010 ausgezeichneten Dokumentation Hollywood-Indianer (Reel Injun) des Filmemachers Neil Diamond auf.[8]

Sie engagierte sich ebenfalls für die indianische AIDS-Hilfe und ist im Erzbistum San Francisco als Koordinatorin des San Francisco Kateri Circle aktiv, der das Andenken an die seliggesprochene Indianerin Kateri Tekakwitha wahrt und dabei indianische und katholische Gläubige zusammenführt.[1][9] Regelmäßig tritt sie bei indianischen Festen und Powwows auf. Sacheen Littlefeather lebt im kalifornischen San Rafael und ist weiterhin als Aktivistin für die Rechte der Indianer in der San Francisco Bay Area aktiv.

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1973: Im Dutzend zur Hölle (Il consigliori)
  • 1973: Massenmord in San Francisco (The Laughing Policeman)
  • 1974: Die Superschnüffler (Freebie and the Bean)
  • 1974: The Trial of Billy Jack
  • 1975: Johnny Firecloud
  • 1975: Winterhawk
  • 2005: Biography – Marlon Brando: The Agony of Genius (Dokumentation)
  • 2009: Hollywood-Indianer (Reel Injun, Dokumentation)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j What would Sacheen Littlefeather say? bei nativetimes.com, abgerufen am 9. Januar 2012
  2. Miss American Vampire Pageant 1970 bei tenebrouskate.blogspot.com, abgerufen am 9. Januar 2012
  3. a b c Brando was a rebel in the movies, a character in life bei rogerebert.suntimes.com, abgerufen am 9. Januar 2012
  4. Sacheen Littlefeather: Oscar Award Acceptance on Behalf of Marlon Brando bei americanrhetoric.com, abgerufen am 9. Januar 2012
  5. a b Bruce Elliott Johansen: The Praeger Handbook on Contemporary Issues in Native America. Praeger, 2007, ISBN 978-0275991395, Seite 205, Online-Version
  6. Text der vollständigen Rede bei nytimes.com, abgerufen am 9. Januar 2012
  7. Dance in America: A Song for Dead Warriors bei emmys.com, abgerufen am 9. Januar 2012
  8. Littlefeather recounts price of native activism bei cbc.ca, abgerufen am 9. Januar 2012
  9. Welcome to the San Francisco Kateri Circle bei human2human.org, abgerufen am 9. Januar 2012