Sailauf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Sailauf
Sailauf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Sailauf hervorgehoben
50.0244444444449.2555555555556177Koordinaten: 50° 1′ N, 9° 15′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Aschaffenburg
Höhe: 177 m ü. NHN
Fläche: 13,82 km²
Einwohner: 3618 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 262 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 63877,
63846 (Weiberhof)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 06024 und 06093Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: AB, ALZ
Gemeindeschlüssel: 09 6 71 150
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstr. 9
63877 Sailauf
Webpräsenz: www.sailauf.de
Bürgermeister: Michael Dümig (SPD)
Lage der Gemeinde Sailauf im Landkreis Aschaffenburg
Alzenau Kahl am Main Karlstein am Main Kleinostheim Stockstadt am Main Großostheim Mainaschaff Mömbris Johannesberg (Bayern) Glattbach Wiesener Forst Forst Hain im Spessart Geiselbacher Forst Huckelheimer Wald Heinrichsthaler Forst Heinrichsthaler Forst Waldaschaffer Forst Schöllkrippener Forst Sailaufer Forst Rohrbrunner Forst Rothenbucher Forst Dammbach Dammbach Goldbach (Unterfranken) Geiselbach Westerngrund Schöllkrippen Kleinkahl Wiesen (Unterfranken) Krombach (Unterfranken) Sommerkahl Blankenbach Hösbach Sailauf Haibach (Unterfranken) Heigenbrücken Heinrichsthal Laufach Weibersbrunn Rothenbuch Waldaschaff Bessenbach Mespelbrunn Heimbuchenthal Dammbach Weibersbrunn Aschaffenburg Hessen Landkreis Miltenberg Landkreis Main-SpessartKarte
Über dieses Bild
Gemeindegebiet mit Ortsteilen von Sailauf

Sailauf ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg. Der Ort liegt im Vorspessart nahe Aschaffenburg und zählt zu den ältesten Ansiedlungen im Vorspessart.

Geografie[Bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Sailauf hat drei amtlich benannte Ortsteile (in Klammern die Zahl der Einwohner[2])[3] auf zwei Gemarkungen:

Nordöstlich von Sailauf liegen 19 kleine Exklaven des Gemeindegebietes im Bereich der Sailaufbachquelle.

Die früheren Ortsteile Obersailauf, Mittelsailauf und Untersailauf sind heute baulich verwachsen und bilden den Ortsteil Sailauf.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Gemeinde
Blankenbach
Gemeinde
Sommerkahl
Markt
Hösbach
Nachbargemeinden Sailaufer Forst
(Gemeindefreies Gebiet)
Gemeinde
Bessenbach
Gemeinde
Laufach

Name[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Wovon sich der Name Sailauf tatsächlich ableitet, ist nicht genau bekannt. Es bestehen zwei mögliche Theorien:

  • Dem Siedlungsnamen liegt der alte Personenname Sigelouf zugrunde.[4]
  • Der Name stammt vom Bach Sailauf ab,[4] der im Gemeindegebiet der Laufach zufließt. Da es diesen Bach gleichen Namens gibt und sich in der Region oft Ortsnamen aus Gewässernamen entwickelten, ist diese Etymologie wahrscheinlicher.

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[4]

  • 1189 Sigilovf
  • 1229 Sigeloufe
  • 1245 Sigelof
  • 1279 Sygeloufen
  • 1281 Sigelofe
  • 1283 Sigelowen
  • 1312 Sylauf
  • 1370 Sylaff
  • 1489 Seyloff
  • 1626 Seillauff
  • 1820 Sailauf

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits 1089 war dort die Urkirche des oberen Aschafftales. 1189 findet sich die erste urkundliche Erwähnung des Herrenhofes Sigilovf(e), hieraus entwickelte sich der Name Sailauf. Im 13. Jahrhundert stand Sailauf vorübergehend unter der Herrschaft der Grafen von Rieneck, welche auf dem nahe gelegenen Gräfenberg die Burg „Landesere“ errichteten. 1265 erbaute der Mainzer Kurfürst Werner von Eppstein das Jagdschloss „castrum vivarium“, welches später in „Weyberhof“ umbenannt wurde. Als 1349 die Pest in Europa wütete, war der Vorspessart beinahe menschenleer. Nach Sailauf kamen später Siedler aus dem Steigerwald. 1552 wurde das SchlossWeyberhöfe“ im Zweiten Markgraflerkrieg zerstört.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurde Sailauf fast vollkommen zerstört. 1789 wurde über Sailauf die Sankt-Vitus-Kirche erbaut, welche vermutlich schon die vierte Kirche an dieser Stelle ist. 1803 endete die Herrschaft des Kurfürsten von Mainz im Vorspessart, und 1814 kamen Aschaffenburg und Umgebung an Bayern.

Am 1. Juli 1862 wurde das Bezirksamt Aschaffenburg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Sailauf lag. 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Sailauf war nun eine der 33 Gemeinden im Altkreis Aschaffenburg. Dieser schloss sich am 1. Juli 1972 mit dem Landkreis Alzenau in Unterfranken zum neuen Landkreis Aschaffenburg zusammen.

Seit dem 1. Juli 1972 gehört der Ort Eichenberg zu Sailauf.[5]

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2008[6]
Wahlbeteiligung: 77,6 %
 %
40
30
20
10
0
39,0 %
35,3 %
25,7 %

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat von Sailauf hat 17 Mitglieder einschließlich des Bürgermeisters.

CSU SPD Freie Wählergemeinschaft Eichenberg Gesamt
2008 6 7 4 17 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 2. März 2008)

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung
In Silber ein roter Schräglinksbalken, belegt mit einem sechsspeichigen silbernen Rad; oben ein blauer Schräglinkswellenbalken, unten ein schräger grüner Eichenzweig

Wappengeschichte
Der blaue Schräglinkswellenbalken steht für die Lage der Gemeinde am Zusammenfluss der Bäche Sailauf und Steinbach. Der grüne Eichenzweig weist auf den an Eichen reichen Spessart hin, in dem die Gemeinde liegt. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts bis zum Jahr 1803 gehörte der Ort zum Kurstaat Mainz, worauf im Wappen durch das silberne Rad („Mainzer Rad“) und den roten Schräglinksbalken hingewiesen wird. Die Farben Rot und Silber sind die Farben des Kurstaates. Das Wappen wurde am 21. März 1969 verliehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten / Umgebung[Bearbeiten]

Die Pfarrkirche St. Vitus in Sailauf
Das Rathaus in Sailauf
  • Die spätbarocke St. Vitus-Kirche (1789) auf einem Hügel geht vermutlich auf drei Vorläuferbauten zurück (s.o.). St. Vitus war Mutterpfarrei für 10 Siedlungen im Umkreis. Vom romanischen Erstbau (11. Jahrhundert) blieben der Turm sowie eine Maskenkonsole unterhalb des Helms erhalten, das so genannte Bleckmaul. An der Südfassade befindet sich eine Kreuzigungsgruppe unterhalb des Außenfreskos einer Schutzmantelmadonna. Die Inneneinrichtung stammt aus dem 18. Jahrhundert.
  • Der Friedhof geht im Kern ebenfalls auf die mittelalterliche Anlage zurück. Das barocke Eingangsportal schmücken die Skulpturen des Kirchenpatrons Vitus, der Gottesmutter Maria und des Pestheiligen Sebastian.
  • Die Bausubstanz der Unterstadt ist historisch jünger. Das heutige Rathaus in Fachwerk (seit 1938) wurde um 1800 errichtet (ursprünglich Forstmeisterwohnung, Bäckerei und Kolonialwarenhandlung). Der kleine Zwiebelturm mit Turmuhr ist eine Zutat von 1940. Vor dem Rathaus steht ein verwitterter Bildstock mit Pietà.
  • Das Schulhaus (Backsteinbau) stammt von 1906.
  • Oberhalb der Kirche führen Rad- und Wanderwege zu einem Lehrpfad durch die Streuobstwiesen. Der Sailaufer Pfarrer Bonaventura Ruf war ein aktiver Förderer des lokalen Apfel- und Quittenanbaus, der bis in die 1950er Jahre ein wichtiger Wirtschaftszweig der Gemeinde war. Mit dem globalen Obstimport seit den 1960er Jahren sind die Streuobstflächen sukzessive zurückgegangen. Der Wanderweg führt an den Hofwiesenteichen (Angelweiher), dem Sämenhof (Aussiedlerhof mit Gastwirtschaft) und der Rottenberger Kapelle vorbei und bindet dadurch Rottenberg, Eichenberg, den Sailaufer Forst und den Engländer an.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Sailauf

Soziales[Bearbeiten]

St.-Vitus-Kirche in der Gemeinde Sailauf

In Sailauf existiert ein vielfältiges Vereinsleben, auch überregional bekannt und erfolgreich sind die Juniorinnen und Junioren vom Bayerischen Roten Kreuz.

Zwei Besonderheiten Sailaufs sind das jährliche Sailaufer Knoblauchfest und das Tsukahara-Festival.

An sozialen Einrichtungen gibt es zwei Kindergärten und eine Grundschule. Die Gemeinde ist dem Verband kommunaler Musikschulen angeschlossen.

Sailauf wurde 2009 überregional bekannt, als die 1971 eingeweihte Auferstehungskirche gegen den Protest der Gläubigen und der Bürger auf Veranlassung der Diözese Würzburg abgerissen wurde. Die Kirche war ein Sichtbetonbau nach einem Entwurf des Architekten Emil Mai. Das Gebäude wurde beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Baudenkmal angesehen. Eine von den Bürgern befürwortete profane Nachnutzung der Kirche wurde von der katholischen Kirche abgelehnt und von der politischen Gemeinde mehrheitlich nicht unterstützt.

Verkehr[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf J. Lippert: Sailauf und Eichenberg im Lichte der Überlieferung. Selbstverlag, Obertshausen 2003
  • Werner Konrad, Ferdl Kraus, Waldemar Lippert: Sailauf-Eichenberg. In Bildern um die Jahrtausendwende, Geiger-Verlag 2000
  • Sailauf Eichenberg. Bilder aus über 100 Jahren dörflicher Vergangenheit, von Ferdinand Kraus (Vorwort), Fred Maier (Vorwort), Karl Strom (Vorwort), Gerhard Steigerwald (Vorwort), Maria Reinhardt, Herta Hubertus, Bruno Eisert, Gottfried Baumann, Geiger-Verlag 1996

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Einwohner Sailauf (Stand: 17. Mai 2013)
  3. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111122/215949&attr=OBJ&val=1551
  4. a b c  Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck oHG, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 196.
  5.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 422
  6. http://www.wahlen.bayern.de/biz/kowa_g2008.php?g=h&schluessel=671&suchbegriff=6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sailauf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien