Saint-Cyprien (Pyrénées-Orientales)

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Saint-Cyprien (Sant Cebrià de Rosselló)
Wappen von Saint-Cyprien
Saint-Cyprien (Frankreich)
Saint-Cyprien
Region Languedoc-Roussillon
Département Pyrénées-Orientales
Arrondissement Perpignan
Kanton La Côte Radieuse
Koordinaten 42° 37′ N, 3° 0′ O42.6180555555563.00638888888899Koordinaten: 42° 37′ N, 3° 0′ O
Höhe 0–29 m
Fläche 15,80 km²
Einwohner 10.438 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 661 Einw./km²
Postleitzahl 66750
INSEE-Code

Der Yachthafen von Saint-Cyprien mit einem großen Appartementhaus.

Saint-Cyprien (auf Katalanisch Sant Cebrià de Rosselló) ist eine französische Gemeinde mit 10.438 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Pyrénées-Orientales in der Region Languedoc-Roussillon. Sie gehört zum Arrondissement Perpignan und zum Kanton La Côte Radieuse. Ihre Einwohner nennen sich Cyprianencs.

Der Ort ist in die zwei Teile Village und Plage geteilt. In Village wohnt die ursprüngliche Bevölkerung. Hier sind auch Handel und Gewerbe konzentriert. In Plage wohnt eine gemischte Bevölkerung aus zugezogenen Pensionären, darunter auch viele Ausländer, und Pieds-noirs, wie die aus den ehemaligen französischen Kolonien in Nordafrika stammenden Franzosen genannt werden, die in den 1960er-Jahren nach dem Algerienkrieg ins Mutterland zurückgekehrt waren.

Geografie[Bearbeiten]

Die Küstenstadt liegt nahe der spanischen Grenze. St. Cyprien Plage liegt direkt am Mittelmeer (Löwengolf/Golfe du Lion). Der Ortsteil Village liegt etwa 4 km davon entfernt im Landesinneren.

Geschichte[Bearbeiten]

Spanischer Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Am Strand von Saint-Cyprien wurde von 1939 bis 1940 ein Internierungslager betrieben, das offiziell Camp de Concentration de Saint-Cyprien (Konzentrationslager Saint-Cyprien) hieß.[1] Fast 90.000 Personen wurden dort von den mit den großen Flüchtlingswellen überforderten französischen Behörden festgehalten. 1939 waren dies mehrheitlich Internationalisten, die nach dem Sieg Francos im Spanischen Bürgerkrieges aus dem benachbarten Spanien geflohen waren. Oft mussten die Internierten auf dem blanken Erdboden schlafen, erst nach und nach wurden einfache Baracken errichtet, die allerdings chronisch überfüllt waren. Viele der Internierten wurden später ins Internierungslager Gurs oder ins Sammellager Drancy gebracht und schließlich ins Konzentrationslager Auschwitz verschleppt, wo die überwiegende Mehrheit von ihnen umgebracht wurde.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Internierungslager in Südfrankreich nach dem Ende des Spanischen Bürgerkrieges, 1939

Das Lager in Saint-Cyprien wurde aufrechterhalten. In den Monaten Mai und Juni 1940 füllte es sich erneut, diesmal mit Deutschen und Flüchtlingen anderer Nationen, mehrheitlich jüdischer Abstammung. Nun kamen die Internierten aus Belgien, das von der deutschen Wehrmacht überrollt wurde. Sie waren von der belgischen Verwaltung festgenommen und nach Frankreich getrieben worden, wo sie von den französischen Behörden übernommen wurden und nach 18 Tagen Saint-Cyprien erreichten. Dort wurde ihr Besitz beschlagnahmt und inventarisiert. Im Archiv des Départements Pyrénées-Orientales wird ein eindrückliches Zeitdokument aufbewahrt: die „Listen von Saint-Cyprien“ (152 Seiten). Dieses Schriftstück wurden zwischen dem 4. und dem 7. Oktober 1940 durch den Lagerkommendanten Lieutenant Colonel Leclerc für den Präfekten in Perpignan erstellt. Das Inventar erlaubt es noch heute abzuschätzen, wie viele Wertsachen den Flüchtlingen geraubt wurden.

Weitere Internierungscamps existierten entlang der Küste des Languedoc-Roussillon, so etwa in Agde, in Rivesaltes und Argelès-sur-Mer (s. Karte).

Infrastruktur[Bearbeiten]

Hafen und Uferpromenade
Place de la République

Die Infrastruktur ist gut entwickelt. Es gibt in St. Cyprien praktisch alles, was man zum täglichen Leben braucht. Auch einige größere Supermärkte haben sich am Ortsrand zwischen St. Cyprien und Latour Bas Elne angesiedelt. Kindergärten und alle Arten von Schulen sind vorhanden. Das Angebot an Ärzten ist ausreichend. Spezialisten und Krankenhäuser findet man im ca. 16 km entfernten Perpignan. Arbeitsplätze gibt es bei kleinen und mittleren Firmen im Gewerbegebiet. Der größte Arbeitgeber ist die Gemeindeverwaltung mit ihren zahlreichen Dienstleistungen. Besonderem gefordert ist die Infrastruktur im Juli und August, wenn sich bis zu 200.000 Urlauber und Touristen in Saint-Cyprien aufhalten.

Tourismus[Bearbeiten]

Im Rahmen eines Raumplanungsprojekts zur Förderung des Tourismus in den Küstengebieten der Region Languedoc-Roussillon wurde Saint-Cyprien Anfang der 1960er-Jahre zusammen mit sechs weiteren Orten als Schwerpunktgemeinde für den Ausbau der touristischen Infrastruktur ausgewählt. In der Folge wurde die Stadt zu einem Badeort ausgebaut. Es gibt einige mittelgroße Hotels. Als Ferienunterkunft überwiegen Appartements und Ferienhäuser. Bedeutend sind der riesige Jachthafen mit mehr als 4000 Liegeplätzen sowie der breite und sehr lange Sandstrand, an dem es auch im Sommer noch ruhige Plätze gibt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Am 27. November 2008 stürzte ein Airbus A320-200 vor Saint-Cyprien ins Mittelmeer.[2] Er war vom Airbus-Wartungsstandort am Flughafen Perpignan zu einem Testflug gestartet. Alle 7 Menschen an Bord kamen ums Leben.[3]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Kurt Julius Goldstein (* 1914; † 2007), war von 1939 bis 1940 im Lager Saint-Cyprien interniert und wurde später nach Auschwitz verschleppt. Er überlebte die Gefangenschaft als einziger jüdischer Kapo des KZ-Bergwerks Jawischowitz.
  • Erwin Kramer (1902–1979), deutscher Interbrigadist und späterer Verkehrsminister der DDR. 1939 im Lager Saint-Cyprien interniert.
  • Felix Nussbaum (1904–1944), deutscher Maler, 1940 in Saint-Cyprien interniert und 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet.
  • Abel Paz (1921–2009), spanischer Widerstandskämpfer und Autor, 1939 in Saint-Cyprien interniert.
  • Fritz Kahmann (1894–1978), deutscher Landwirt und Politiker, KPD-Reichstagsabgeordneter, Interbrigadist und DDR-Verwaltungskader (Bodenreform), 1939/40 in Saint-Cyprien interniert.
  • Erich Weinert (1890–1953), deutscher politischer Dichter, Interbrigadist, 1939 in Saint-Cyprien interniert. Camaradas – Ein Spanienbuch (1951) enthält ein Kapitel über Saint-Cyprien.
  • Erich Schmid (Künstler) (1908-1984), österreichischer Maler jüdischer Herkunft, vermutlich 1940 aus Belgien in dieses Lager verschleppt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl.: http://www.floerken.de/cyprien/cyprien.htm
  2. 20 minutes vom 28. November 2008 (französisch), abgerufen am 28. Januar 2014
  3. http://avherald.com/h?article=410c9cec (englisch), abgerufen am 28. Januar 2014