Saint-Gobain (Aisne)

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Saint-Gobain
Wappen von Saint-Gobain
Saint-Gobain (Frankreich)
Saint-Gobain
Region Picardie
Département Aisne
Arrondissement Laon
Kanton La Fère
Gemeindeverband Villes d’Oyse.
Koordinaten 49° 36′ N, 3° 23′ O49.5958333333333.375165Koordinaten: 49° 36′ N, 3° 23′ O
Höhe 53–207 m
Fläche 29,73 km²
Einwohner 2.325 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 78 Einw./km²
Postleitzahl 02410
INSEE-Code
Website www.villedesaintgobain.com

Saint-Gobain im 18. Jahrhundert

Saint-Gobain ist eine französische Gemeinde mit 2325 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) in der Picardie im Norden Frankreichs.

Geografie[Bearbeiten]

Saint-Gobain liegt 20 Kilometer west-nordwestlich von Laon und 30 Kilometer südlich von Saint-Quentin im Staatsforst von Saint-Gobain (forêt domaniale de Saint-Gobain).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name der Gemeinde geht auf einen irischen Mönch namens Goban zurück, der im 7. Jahrhundert in der Gegend unterwegs war, um sie zu missionieren.[1] Der Legende nach ruhte Goban, auf der Flucht vor heidnischen Verfolgern, sich im Wald aus und schlief ein. Als er aufwachte, stellte er fest, dass an der Stelle, wo er seinen Stock in die Erde gesteckt hatte, eine Quelle mit ausgezeichnetem Wasser sprudelte. Er beschloss, sich an diesem Ort, der heute Mont de l'ermitage (Einsiedelei-Hügel) genannt wird, niederzulassen. Der Überlieferung zufolge bewirkte er eine Reihe von Wunderheilungen in der Gegend, bis ihn seine Gegner schließlich gefangennahmen und am 20. Juni 670 enthaupteten. Die Stelle seiner Hinrichtung wurde in der Folgezeit zu einer Wallfahrtsstätte, um die herum sich das Dorf Saint-Gobain entwickelte.

Der Wald von St. Gobain war schon ein beliebtes Jagdgebiet Karls des Großen, dem Kaiser der Franken. Die Charles-Fontaine, während des Ersten Weltkriegs in „Karlsbrunnen“ umgetauft, in ihm erinnert an ihn. Die St. Lambert-Feste bei Fourdrain war seine Pfalz.

Im 13. Jahrhundert gelangte das Dorf in den Besitz der Adelsherren von Coucy (sires de Coucy). Einer von ihnen, Enguerrand III., baute eine Reihe von Burgen in der näheren Umgebung, darunter von 1226 bis 1242 die Burg von Saint-Gobain, eine große Burg mit fünf Türmen mit annähernd quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von rund 100 m. Diese Burg wurde 1475 auf Befehl von König Ludwig XI. geschleift.

Zwei Jahrhunderte lang waren die Mauern dem Verfall anheimgegeben, bis sie 1692 Ludwig XIV. der Compagnie des Grandes Glaces als Produktionsstätte zur Verfügung stellte. Damit trat das Dorf in die europäische Industriegeschichte ein: 1830 nahm die Gesellschaft den Namen des Ortes an und wurde zur Compagnie de Saint-Gobain, der Vorläuferin des heutigen Weltkonzerns. Bereits zuvor, im 18. Jahrhundert, wurde das Dorf zu einem Zentrum der europäischen Glasproduktion, dank neuer Produktionsverfahren, durch die die zuvor dominierende venezianische Glasmanufaktur zurückgedrängt werden konnte. 1856 wurde eine Eisenbahnstrecke gelegt, über die Rohmaterialien an- und fertige Glasprodukte abtransportiert wurden. 1892 wurde die Produktion auf Ziegel und Bodenplatten ausgeweitet.

Nach starken Zerstörungen und Produktionsstillstand in beiden Weltkriegen wurde die Fabrik jeweils wieder aufgebaut und die Glasproduktion fortgesetzt. 1982 wurde im Glasofen von Saint-Gobain das Glas für die Pyramide vor dem Louvre hergestellt, in einer besonders hellen Qualität mit speziellen chromatischen Eigenschaften, für die zuvor umfangreiche Studien angestellt wurden.

Am 30. November 1993 beschloss der Konzern, die Produktion am Standort Saint-Gobain einzustellen. Am 31. Dezember 1995 wurde, nach 300 Jahren der Glasproduktion, zum letzten Mal Glas am Ort hergestellt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

   Jahr  Einwohner   Jahr  Einwohner   Jahr  Einwohner   Jahr  Einwohner  
   1793 2.023   1856 2.374   1901 2.317   1962 2.994  
   1800 2.013   1861 2.261   1906 2.268   1968 2.893  
   1806 2.119   1866 2.190   1911 2.305   1975 2.657  
   1821 2.339   1872 2.133   1921 1.586   1982 2.278  
   1831 2.338   1876 2.193   1926 2.196   1990 2.321  
   1836 2.378   1881 2.120   1931 1.976   1999 2.340  
   1841 2.256   1886 2.219   1936 1.909   2004 2.343  
   1846 2.186   1891 2.346   1946 2.217   2006 2.349  
   1851 2.210   1896 2.147   1954 2.535   - -  
ab 1962 ohne Einwohner mit doppeltem Wohnsitz[2]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „ Ein mit rotem Balken unterstütztes Schildhaupt ist durch blau - silbernes Eisenhutfeh geteilt; unten in Schwarz pfahlweise drei silberne Salamander ohne Flammenglorie, erster und dritter nach links gekehrt.“[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gebäude[Bearbeiten]

  • Kirche aus dem 12. Jahrhundert mit sehenswerter Krypta
  • Monumentales Steinportal der ehemaligen Glasfabrik

Natursehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Wald, der den Ort umgibt, war ehemals Eigentum der Glasfabrik und ist jetzt Staatsdomäne. Es handelt sich um einen Mischwald mit Eichen, Rot- und Weißbuchen, Eschen. Auch Birken, Vogelkirschen, Linden und Kastanien findet man vor. Ein Netz von Fußpfaden durchzieht den Wald. Besonders bemerkenswerte Bäume sind auf der örtlichen Wanderkarte verzeichnet; desgleichen Punkte wie die Felsen der Einsiedelei (Roches de l’Ermitage), das Seizine-Kreuz (Croix Seizine), die Sébourgand-Steinbrüche (carrières Sébourgand) und andere. Der Wald ist reich an Rot- und Schwarzwild.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Nach dem Wegfall der Glasproduktion setzt die Gemeinde auf den Tourismus als Wirtschaftsfaktor und wirbt um Besucher.[4]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnanbindung besteht über den Bahnhof von La Fère in 8 km Entfernung und den Bahnhof von Tergnier in 12 km Entfernung. Letzterer bietet schnelle Direktverbindungen zum Pariser Gare du Nord und nach Maubeuge.

Über den Anschluss Nr. 12 ist die französische Autobahn 26 (E 17) in 15 km Entfernung in nord-nordöstlicher Richtung erreichbar.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Darstellung in diesem Abschnitt stützt sich auf die Internet-Seite der Gemeinde zu ihrer Geschichte, besucht am 6. Juni 2009 17:00
  2. Statistik auf cassini.ehess.fr
  3. De sable aux trois salamandres d’argent rangées en pal, la première et la dernière contournées ; au chef coupé de vair et de gueules.
  4. L'historique de Saint-Gobain. Abgerufen am 6. Juni 2009 (französisch, Absätze ganz unten).

Weblinks[Bearbeiten]