Salah Khalaf

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Salah Mesbah Khalaf (arabisch ‏صلاح خلف‎ Salah Chalaf, DMG Ṣalāḥ Ḫalaf), auch bekannt als Abu Iyad (‏ أبو إياد‎, DMG Abū Iyād; * 1933 in Jaffa; † 14. Januar 1991 in Tunis) war 1991 zweiter Chef und Chef der Spionage der PLO und der zweitälteste offizielle Vertreter der Fatah nach Jassir Arafat.

Salah Khalaf war Literatur-Student aus Gaza, bevor er in den 1950er Jahren nach Kairo wanderte. Dort wurde er Mitglied der Muslimbruderschaft. 1951 traf er Jassir Arafat an der al-Azhar Universität während eines Treffens der Vereinigung der palästinensischen Studenten. 1958 gründete er die Fatah zusammen mit Arafat und anderen palästinensischen Arabern in Kuwait.[1]

Salah Khalaf/Abu Iyad war ab 1970 Chef des Geheimdienstes der PLO. In dieser Funktion war er führend an der Ermordung des jordanischen Premierministers am 28. November 1971 in Kairo und an der Vorbereitung des Anschlags des Schwarzen September in München 1972 beteiligt. Dem Protokoll einer »zuverlässigen Quelle« zu einem Treffen im Jahr 1978 zwischen Abu Iyad und dem Vertreter des saudischen Geheimdienstes, der laut Quelle enge Beziehungen zur CIA unterhielt, ist zu entnehmen, dass Iyad den Auftrag für den Wiederaufbau des Schwarzen September und die Koordination der internationalen Terrorgruppen übernahm. In der Folge fand im Herbst 1978 in Jugoslawien ein Treffen von neun Vertretern internationaler Terrorgruppen statt. Ganz im Sinne der Linie der »Aktivierung der faschistischen und neofaschistischen Kräfte« von ZK-Sekretär Boris Ponomarjow war Abu Iyad für die Betreuung der rechtsterroristischen Wehrsportgruppe Hoffmann zuständig. Iyad wurde zu der Zeit bei der Stasi unter »Salah« mit der Registriernummer XV/3031/78, später unter dem Decknamen »Adler« XV/5538/84 und auch in dem offensichtlich alle Kämpfer des internationalen Terrorismus der 1980er-Jahre sammelnden Zielgruppenvorgang XV/1992/81 geführt. Im Mai 1979 traf er sich mit Carlos, da dieser »die PLO durch die Realisierung bestimmter terroristischer Aktionen« erneut unterstützen wollte. Auf dieser Beratung seien »der Carlos-Gruppierung umfangreiche finanzielle Mittel und logistische Hilfe für die Durchführung von Aktionen versprochen worden«. Doch das Vorhaben platzte, Carlos wollte sich nicht der »PLO-Sicherheit unterstellen«, die Fatah als die größte Partei innerhalb der PLO sei nach seiner Meinung »ein Sammelbecken linker bis erzreaktionärer, kleinbürgerlicher Kräfte«. In den folgenden Jahren hielt sich Iyad mehrfach in Ostberlin zu »Arbeitstreffen« auf, auch mit ihm ging es um die Durchführung von Operationen in West-Berlin. In den operativen Abrechnungsbüchern der MfS-Abteilung XXII/8 taucht er mit zehn kleineren Abrechnungen zwischen 1982 und 1986 auf. Eine Agententätigkeit für die Stasi wird von Regine Igel angenommen. 1991 wurde Abu Iyad – wie es heißt – durch ein Kommando der Abu-Nidal-Gruppe ermordet. Der italienische Parlamentarische Untersuchungsausschuss mutmaßt auch hier eine Aktion des Mossad.[2]

Khalaf wandte sich gegen die Allianz von Arafat mit Saddam Hussein und verhielt sich neutral während des Golfkriegs 1990–1991. Er wurde in Tunis von einem Abu Nidal-Kommando ermordet.[1] Er wurde von Israel und den Vereinigten Staaten verdächtigt, die Organisation Schwarzer September gegründet zu haben.

Literatur[Bearbeiten]

(Co-Autor: Eric Rouleau) My Home, My Land: A Narrative of the Palestinian Struggle. New York 1981, ISBN 0812909364.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Said K. Aburish: From Defender to Dictator. Bloomsbury Publishing, New York 1998, ISBN 1-58234-049-8.
  2. Regine Igel, Terrorismus-Lügen. Wie die Stasi im Untergrund agierte, München 2012, S. 147f, ISBN 978-3-7766-2698-8