Salis (Adelsgeschlecht)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stammwappen der von Salis
Ulysses von Salis
(1594–1674)

Salis ist ein altes Schweizer Adelsgeschlecht aus Soglio im Bergell im Süden Graubündens.

Geschichte[Bearbeiten]

Als erster sicher beurkundeter Angehöriger des Adelsgeschlechts erscheint in Soglio ser Rodolfus de Salice de Solio, der in den Jahren 1285–1293 urkundlich erwähnt und im Frühjahr 1300 verstorben ist. Er war vermutlich ein Nachkomme der seit 1202 nachweisbaren patrizischen Familie Salici zu Como. Als Ministeriale und Vasallen, auch mit der Knappen und Ritterwürde der Bischöfe von Chur, konnten sich die Salis im Bergell und auch im benachbarten Veltlin stark ausbreiten. Es entwickelten sich zwei grosse Hauptlinien, die Johannes-Linie und die Gubertus-Linie, die in zahlreichen Ländern Europas Einfluss gewannen.

Die ersten Ämter der Talschaften Graubündes, das des Podestà des Bergell, dazu später das Landeshauptmannsamt des Veltlin und auch die Präsidentenstellung innerhalb der Drei Bünde, sind von den Angehörigen, vor allem der Gubertus-Linie, sehr häufig besetzt worden. Zeitweilig waren u. a. die Burgen Castelmur, Neu-Süns, Rietberg, Campell, Wynegg, Elgg, Sulzberg sowie im Fränkischen Wiesentfels oder Lobenstein im Besitz oder Pfandbesitz der Familie.

Als im Kampf zwischen Österreich und Frankreich (Bündner Wirren) während des 16. und 17. Jahrhunderts die Bedeutung der Schweizer Alpenpässe, der Söldnertruppen und der Einnahmen aus den Pensionen stieg und sich beide Kriegsparteien um die führenden Geschlechter Graubündens bemühten, traten die Salis auf die französisch-venezianische Seite und gelangten damit zu erheblichen Einfluss auf die Landesgeschicke. Im 18. Jahrhundert bildeten die Salis das „fast gebietende Geschlecht“ der Republik Graubünden, dessen wirtschaftliche und politische Macht erst kurz vor 1800 gebrochen wurde.

1582, 1588, 1632 und 1766 erlangten die Angehörigen der Zweiglinien Grüsch, Marschlins, Maienfeld, Seewis und Soglio aus der Gubertus-Linie den Reichsfreiherrenstand bzw. 1694 und 1748 die Reichsgrafen- und 1777 die französische Grafenwürde, 1815 den Jonkheer- und 1822 den Baronstitel der Niederlande und preussische Bestätigungen zumeist mit den Linienbezeichnungen als Beinamen. Aus der Johannes-Linie erhielten 1913 die Salis-Samaden eine österreichische Freiherren-Anerkennung. In jüngerer Zeit befanden sich die Schlösser Paspels und Ebersberg zeitweilig im Besitz von Familienangehörigen. Weitere neuzeitliche Herrensitze sind dem Abschnitt "Besitzungen" zu entnehmen.

Das Geschlecht existiert heute mit dem Namen Freiherr von Salis-Soglio (Adelsrechtliche Nichtbeanstandung einer Adoption durch Beschluss des Ausschusses für adelsrechtliche Fragen von 1956) mit einem gemehrten Wappen von 1956 (Boeselager/Salis).

Besitzungen[Bearbeiten]

Die folgenden Herrensitze gehörten (oder gehören bis heute) verschiedenen Linien der Familie:

Wappen[Bearbeiten]

Das Stammwappen ist geteilt. Oben in Gold ein bewurzelter grüner Weidenbaum (italienisch salice „Weide“), unten fünfmal von Silber und Rot gespalten. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken steht eine wachsende, unbekleidete, goldgelockte und bekrönte Jungfrau (Bellona) mit rechts silbernem und links rotem Flügel statt der Arme.

Der Wahlspruch lautet: Mihi sunt pro fructibus arma oder Salix flectitur, sed non frangitur.

Bilder[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Münzen[Bearbeiten]

Fahnen der Regimenter der Familie Salis in französischen Diensten[Bearbeiten]

Namensträger[Bearbeiten]

Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762–1834), Dichter

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Salis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien