Salle Pleyel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Salle Pleyel, Außenansicht
Salle Pleyel, Blick in den Zuschauerraum
Salle Pleyel, Podium und „arrière-scène“ (Zuschauerplätze hinter dem Podium)

Der Salle Pleyel ist der einzige große symphonische Konzertsaal der Stadt Paris. Er ist nach dem aus Österreich stammenden Komponisten und Klavierfabrikanten Ignaz Josef Pleyel benannt. Der an der Rue du Faubourg Saint-Honoré im 8. Pariser Arrondissement gelegene Bau entstand 1927 nach Plänen des Architekten Gustave Lyon im Stil des Art déco.

Der Salle Pleyel ist ständige Spielstätte des Orchestre de Paris und des Orchestre Philharmonique de Radio France. Außerdem gibt es einen mehrjährigen Vertrag mit dem London Symphony Orchestra.

Geschichte und Bedeutung[Bearbeiten]

Gegründet wurde der Salle Pleyel am 19. Oktober 1827 von Ignaz Josef Pleyel zunächst als Salon. 1839 entstand dann nach Plänen seines Sohnes Camille Pleyel ein erstes eigenes Gebäude in der Rue Rochechouart, nahe der Klaviermanufaktur Pleyel.

Seit ihrer Eröffnung gastierten im Salle Pleyel die größten Musiker ihrer Zeit. Den Anfang machten 1832 Chopin und Clara Wieck. 1846 gab Camille Saint-Saëns mit elf Jahren sein erstes öffentliches Konzert im Salle Pleyel. Andere berühmte Debütanten waren César Franck, Artur Rubinstein und Jeanne Demessieux. Im Februar 1923 wurde Gabriel Faurés Trio für Klavier, Violine und Violoncello in d-Moll op. 120 von Alfred Cortot, Jacques Thibaud und Pablo Casals uraufgeführt. Der Salle Pleyel erlebte im Laufe ihrer Geschichte zahlreiche weitere Uraufführungen wie das Konzert in G-dur von Maurice Ravel (1932).

Zu den Künstlern des 20. Jahrhunderts, die hier gastierten, gehören u. a. Teresa Berganza, Anja Silja und Dietrich Fischer-Dieskau, die Organistin Rolande Falcinelli, der Dirigent Eugen Jochum, Nikolaus Harnoncourt mit dem Concentus Musicus Wien, Karl Richter und der Münchener Bach-Chor, der Pianist Krystian Zimerman sowie die Geigerin Hilary Hahn.

Es gibt auch eine ganze Reihe berühmter Liveaufnahmen von Jazzmusikern wie Dizzy Gillespie (1948), dem Festival International 1949 de Jazz mit Sidney Bechet, Charlie Parker und dem Miles Davis/Tadd Dameron Quintett, sowie von Gerry Mulligan (1954) (Pleyel Concert 1954), Julian Cannonball Adderley („Salle Pleyel“, 1960), Count Basie („Concert - Salle Pleyel“, 1972), Oscar Peterson („Live At The Salle Pleyel“, 1997) und Keith Jarrett („Over the Rainbow and C The Blues“, 1992). Am 31. Januar 1952 entstand hier mit dem Orchester von Claude Luter die zweite Aufnahme des weltberühmten Petite fleur, komponiert von Sidney Bechet.

Der Salle Pleyel wurde auch bekannt durch eine Initiative sozialistischer und pazifistischer Kräfte. Auf dem sogenannten Pleyelkongress in dem berühmten Konzertsaal wurde 1933 durch den Antifaschistischen Arbeiterkongress ein „Manifest gegen Faschismus und imperialistischen Krieg“ verabschiedet.[1] Weil ein Jahr zuvor in Amsterdam ein Antikriegs-Kongress stattfand, sprach man später von einer Amsterdam-Pleyel-Bewegung gegen den Krieg.[2]

Der neue Salle Pleyel[Bearbeiten]

Der Salle Pleyel wurde zwischen 2002 und 2006 unter der Leitung des Architekten Francois Ceria und nach Berechnungen der Akustiker Russel Johnson und Tateo Nakajima des New Yorker Büros Artec Consultants für insgesamt 33 Millionen Euro auf Rechnung des Unternehmers Hubert Martigny, eines Mitbegründers des Beratungskonzerns ALTRAN, renoviert und modernisiert. Dabei wurde die Zahl der Sitze von 2370 auf 1913 verringert, das Raumvolumen um 20 Prozent erhöht und gleichzeitig die akustische Qualität verbessert. Um die Baumaßnahmen hatte es einen jahrelangen erbittert geführten Streit gegeben, der durch die frühere Direktorin des Salle Pleyel Carla Maria Tarditi ausgelöst worden war.

Der neue Salle Pleyel wurde im September 2006 mit einer Aufführung von Gustav MahlersAuferstehungs-Sinfonie“ durch das Orchestre de Paris unter der Leitung seines Chefdirigenten Christoph Eschenbach eröffnet.

Der Konzertsaal wird von einer Filiale der öffentlichen Cité de la musique betrieben. Sie hat den Komplex von Martigny auf fünfzig Jahre gemietet und wird ihn danach für einen Euro kaufen können.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.rosa-luxemburg-bildungswerk.de/Veranstaltungen/France_Bloch-Serazin/france_bloch-serazin.html
  2. http://david.juden.at/kulturzeitschrift/70-75/75-soxberger.htm

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Salle Pleyel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.8769944444442.3010361111111Koordinaten: 48° 52′ 37″ N, 2° 18′ 4″ O