Sallgast

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Sallgast führt kein Wappen
Sallgast
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Sallgast hervorgehoben
51.58916666666713.847222222222127Koordinaten: 51° 35′ N, 13° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Elbe-Elster
Amt: Kleine Elster (Niederlausitz)
Höhe: 127 m ü. NHN
Fläche: 41,9 km²
Einwohner: 1523 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 36 Einwohner je km²
Postleitzahl: 03238
Vorwahl: 035329
Kfz-Kennzeichen: EE, FI, LIB
Gemeindeschlüssel: 12 0 62 425
Gemeindegliederung: 9 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Turmstraße 5
03238 Massen-Niederlausitz
Bürgermeister: Frank Tischer (WGö)
Lage der Gemeinde Sallgast im Landkreis Elbe-Elster
Bad Liebenwerda Crinitz Doberlug-Kirchhain Elsterwerda Falkenberg Fichtwald Finsterwalde Gorden-Staupitz Großthiemig Gröden Heideland Herzberg Hirschfeld Hohenbucko Hohenleipisch Kremitzaue Lebusa Lichterfeld-Schacksdorf Massen-Niederlausitz Merzdorf Mühlberg/Elbe Plessa Röderland Rückersdorf Sallgast Schilda Schlieben Schönborn Schönewalde Schraden Sonnewalde Tröbitz Uebigau-Wahrenbrück BrandenburgKarte
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Sallgast ist eine Gemeinde im Landkreis Elbe-Elster im Süden Brandenburgs und gehört dem Amt Kleine Elster (Niederlausitz) mit Sitz in der Gemeinde Massen-Niederlausitz an.

Geografie[Bearbeiten]

Sallgast liegt im Ursprungsgebiet des Flusses Kleine Elster, inmitten ehemals ausgedehnter Sümpfe, das einst 42 Quellen umfasste.

Die höchste Erhebung im Gemeindegebiet von Sallgast, ist der Galgenberg mit 127 m ü. NN nahe dem Ortsteil Weinberg.

Die größten Städte in der umliegenden Nähe von Sallgast sind Finsterwalde, 14 km westlich entfernt, Senftenberg 18 km südöstlich, Lauchhammer 24 km südlich und Lübbenau 48 km nördlich. Die nächste Großstadt ist Cottbus, die 52 km nordöstlich von Sallgast entfernt liegt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Als Ortsteile der Gemeinde Sallgast zählen der brandenburgischen Kommunalverfassung nach: Dollenchen, Göllnitz und Sallgast. Weitere Sallgaster Gemeindeteile sind Henriette, Poley, Klingmühl und Zürchel. Zum sonstigen Siedlungsgebiet sind die Luisesiedlung, Weinberg, Teich sowie die Danzigmühle zu rechnen.[2]

Nachbargemeinden und -städte[Bearbeiten]

Die Gemeinde Sallgast grenzt an folgende Gemeinden und Städte:

Gliederung Name Grenze Landkreis
Gemeinde Bronkow N OSL
Stadt Großräschen O OSL
Gemeinde Schipkau SO OSL
Stadt Lauchhammer S OSL
Gemeinde Lichterfeld-Schacksdorf W EE
Gemeinde Massen-Niederlausitz NW EE

Geschichte[Bearbeiten]

Urkundliche Ersterwähnung und Namensentstehung[Bearbeiten]

Friedrich Graf von Brehna führt in einer Urkunde vom 19. Juli 1208, in der er die Schenkung der Güter in Ockersdorf und Löbersdorf zugunsten des Klosters St. Peter auf dem Lauterberg (bei Halle/Saale) bestätigt, als Zeugen unter anderem den Ritter Wernerus de Salegast an. Hier erscheint erstmals der Name Sallgast in einem Schriftstück.

Wie viele andere Ritter seiner Zeit, nannte sich auch Werner von Salegast nach dem Ort seines Wohnsitzes. Zum Ortsnamen selbst gibt es mehrere Deutungen. Womöglich leitet er sich vom wendischen Załgózdz / Za ługom gwózdz (niedersorbisch Załgosć[3]) ab, was so viel wie der trockene Wald / der Hart hinter dem Lugk (Wiesenbruch/Grassumpf) bedeutet.

Ortsgeschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte von Sallgast ist weitestgehend geprägt von der Geschichte der Wasserburg, des späteren Schlosses. Über Jahrhunderte war das Leben seiner Einwohner von der Gunst und dem wirtschaftlichen Geschick der Gutsherrschaft abhängig. Umstritten ist dabei die Rolle des Ritters Heinz (Heinrich) von Waldow (Waldau), der dem Vernehmen nach Anfang des 15. Jahrhunderts von hier aus die Nieder- und Oberlausitz als Raubritter in Angst und Schrecken versetzt haben soll. Mit der Familie von Kottwitz übernahm 1487 für 165 Jahre eine angesehene Adelsfamilie den Besitz von Burg und Gut Sallgast. In dieser Zeit erhielt die Burg ihre heutige Gestalt als Vierflügelanlage.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Sallgaster Burg, das heutige Sallgaster Schloss, belagert, aber nicht erobert. Das gesamte Dorf jedoch wurde 1633 ausgeplündert und niedergebrannt. Das Jahr ging als Kroatenjahr in die Geschichte ein. Als die Burg nicht eingenommen werden konnte, rächten sich die kroatischen Söldner an der Bevölkerung und brannten deren Häuser ab. Nur die Burg und die Kirche blieben erhalten. Im siebenjährigen Krieg gerieten die Bewohner abermals an den Bettelstab.

Straßenansicht Poley

Seit Ende des 19. Jahrhunderts trat ein Wandel in der Wirtschaftsstruktur ein. Mit dem Auffinden von Braunkohle im unmittelbaren Umfeld des Ortes begann eine über mehrere Jahrzehnte andauernde Phase der Industrialisierung. 1865 meldete der Sallgaster Lehrer Reinhard Salomo die erste Kohlegrube bei Sallgast an. Er nannte sie "Grube Gotthold". Wenige Jahre später (1873/74) gingen die Gruben "Sallgast" und "Henriette" bei Sallgast in Betrieb. Doch erst mit dem Bau von Brikettfabriken und größeren Tagebauen der Gruben "Bismarck I" bei Poley und "Bismarck II" bei Henriette (1884) begann das Ausbeuten der Braunkohle industrielle Formen anzunehmen. Um 1900 entstanden die Wohnanlagen "Kolonie Henriette" und "Kolonie Poley". Doch bereits 1931 (Bismarck I in Poley) und 1932 (Henriette) ging diese Zeit mit der Schließung der Kohlegruben und der dazugehörigen Brikettfabriken wieder zu Ende.

Im September 1989 wurde eine Eingabe an den damaligen Staatsrat der DDR verabschiedet, die viele Sallgaster unterzeichneten. Es hieß in der "Eingabe 89" unter anderem: "Wir fordern in diesem Fall die wirtschaftliche Ausbeute durch den Braunkohlenabbau ernsthaft gegen die ökologischen Schäden sowie die sozialen Auswirkungen abzuwägen." Wenn es möglich war, eine Autobahn vom Tagebau auszusparen, warum nicht auch ein Dorf und einen Park? Der Kampf um die Existenz des Dorfes begann und verband sich mit dem Kampf um Demokratie. Beim ersten Sallgaster Friedensgebet am 2. Oktober 1989 signalisierten anwesende Vertreter der Kreisbehörden Verständnis für die Bürgerforderungen. Die Presse berichtete umfangreich von der Demonstration am 27. Januar 1990. An diesem Tag stellten die Sallgaster Transparente und Schrifttafeln zwischen Dorf und Tagebaukante, um die Grenze zu markieren, die der Bagger nicht überschreiten durfte. Der 28. Juni 1990 wurde für die Gemeindegeschichte von bleibender Bedeutung: Der Braunkohlenbetrieb entschloss sich, auf den Abbau von Sallgast zu verzichten. Die Kirchenglocken läuteten an diesem Tage eine ganze Stunde.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die Umschrift gibt die Ortsteile der zu Sallgast gehörenden Wohnsiedlungen entsprechend ihrer Eingemeindung an:

  • Henriette (1900)
  • Siedlung Louise (1921)
  • Poley (1928)
  • Klingmühl (1930)
  • Dollenchen (31. Dezember 1997)[4] mit dem am 19. Mai 1974 eingemeindeten Ort Zürchel[5]
  • Göllnitz (26. Oktober 2003)[6]

Während Henriette und Siedlung Louise um 1900 bzw. 1921 „auf der grünen Wiese“ entstanden, somit das Ergebnis der Zuwanderung von Arbeitskräften waren, haben die anderen Orte eigene Ersterwähnungsdaten:

  • Göllnitz und Dollenchen - 1346
  • Zürchel - 1394
  • Klingmühl - 1487
  • Gut Poley - 1550

Im Jahr 2008 feierte der Ort Sallgast sein 800-jähriges Bestehen!

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Wie bei vielen brandenburgischen Gemeinden sinkt die Einwohnerzahl seit der Mitte des 20.Jahrhunderts. Dieser Rückgang hat sich seit 1990 jedoch verlangsamt.

Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen
Sallgast:
Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen
[7]
Jahr Einwohner
1875 1452
1890 1880
1925 3800
1933 3728
1939 3411
1946 4376
1950 4200
1964 3253
1971 2958
1981 2453
Jahr Einwohner
1985 2341
1989 2010
1990 1930
1991 1842
1992 1789
1993 2029
1994 1809
1995 1795
1996 1770
1997 1819
Jahr Einwohner
1998 1792
1999 1778
2000 1790
2001 1793
2002 1810
2003 1819
2004 1802
2005 1772
2006 1734
2007 1727
Jahr Einwohner
2008 1712
2009 1669
2010 1630
2011 1495
2012 1523

Die Quellen der Daten, die Grundlage der Darstellungen sind, finden sich detailliert in den Wikimedia Commons.[8]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Gemeindevertretung besteht aus 12 Mitgliedern.

Ergebnisse der Kommunalwahl am 28. September 2008.

Den Vorsitz hat der ehrenamtliche Bürgermeister. Dieser ist ebenfalls stimmberechtigt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Burg Zuschak (12. Jh.) späteres Schloss Sallgast

In der Liste der Baudenkmale in Sallgast und in der Liste der Bodendenkmale in Sallgast stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Museen[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Schloss Sallgast und Schlosspark[Bearbeiten]

→ Siehe auch: Hauptartikel

Nach der Familie von Rohr (1652 bis 1714) war es die Familie des preußischen Kommerzienrates von Jampert (1744 bis 1775), die weitere bauliche Veränderungen am Schloss vornehmen lässt. In den nächsten einhundert Jahren gab es zehn Besitzerwechsel. 1878 erwarb Robert von Loebenstein das Sallgaster Rittergut. Er ließ den Park in seiner jetzigen Form anlegen. Von 1911 bis 1914 ging der Besitz an den Berliner Bankier und Kommerzienrat Max Abel, der sich einen repräsentativen Sommersitz gestalten ließ. Gleiche Absichten hatte der Berliner Johannes Schwartz, der das Anwesen 1917 kaufte. Die BUBIAG, eine Braunkohlebergbaugesellschaft, richtete im Schloss ab 1939 ein Mütter- und Kinder-Genesungsheim ein, das 1946 mit der Verstaatlichung des Unternehmens in Volkseigentum überging.

1993 wurde das Schloss durch die Gemeinde Sallgast erworben. Schon seit 1966 gibt es darin eine Gaststätte. Daneben sind heute ein Trauungszimmer des Standesamtes, das Heimatmuseum und mehrere Gästesuiten darin untergebracht.

Kirchen[Bearbeiten]

Die Kirche in Dollenchen wurde um 1300 erbaut und ist ein Feldsteinquaderbau. Der Westquerturm mit barocker Haube wurde im Jahr 1698 fertiggestellt. Im Inneren der Kirche befindet sich außerdem noch ein Kanzelaltar aus dem 18. Jahrhundert und ein spätgotischer Taufstein Anfang des 15. Jahrhunderts.

In Göllnitz befindet sich eine frühgotische Kirche. Sie wurde Ende des 13. Jahrhunderts erbaut und 1993 komplett saniert sowie restauriert. Hervorzuheben sind vor allem die Holzskulpturen, die seit kurzem wieder auf ihren Wandsockeln stehen: Mondsichelmadonna, Jesus am Kreuz, Hl. Sebastian und Petrus. Daneben steht die restaurierte Schröther-Orgel mit ihrem hellen klaren Klang aus dem 19. Jahrhundert. Es finden regelmäßige Konzerte im Stil von Gospel über Jazz und Klassischer Musik bis hin zu Lateinamerikanischer Musik statt.

Wildtiergehege Göllnitz[Bearbeiten]

In Göllnitz befindet sich ein großes Damwild-Gehege. Hier können die Tiere aus nächster Nähe im Herdenverband beobachtet werden.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Jeweils im Sommer finden das Parkfest in Sallgast (Ende Juni) sowie das traditionsreiche Stollenreiten-Fest im Ortsteil Dollenchen (Mitte Juli) statt.

Sport[Bearbeiten]

Der Verein SV Rot-Weiß Sallgast wurde zunächst als Tischtennisclub im Jahr 1964 gegründet. Seit 1993 gibt es unter dem Namen FC Rot-Weiß Sallgast ’64 e. V. einen Fußballverein in der Gemeinde. Ein weiterer Verein ist die im Januar 1995 gegründete Schützengesellschaft „Kleine Elster“.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Autobahnen und Bundesstraßen[Bearbeiten]

Genau durch die Mitte der Gemeinde Sallgast, an den Ortsteilen Dollenchen und Zürchel vorbei, führt die B 96 ZittauSassnitz auf Rügen. Die A 13 DresdenBerlin verläuft 6 km östlich der Gemeinde.

Bahnverkehr[Bearbeiten]

In Sallgast (leer) und Henriette (Umbau zum Wohnhaus) bestanden Bahnhöfe an der Finsterwalder-Schipkauer-Eisenbahn, die mit dem Schienennetz

  • Finsterwalde/NL – Sallgast (Henriette) – Schipkau - Senftenberg
  • Finsterwalde/NL – (F60) - Lauchhammer-Ost – Schwarzheide – Ruhland/OL
  • Finsterwalde/NL – Fürstlich-Drehna verbunden waren.

Öffentlicher Nahverkehr[Bearbeiten]

Den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen Busse der ELSTER-Nahverkehrsgesellschaft mbh aus Finsterwalde (Grabin).

Bildung[Bearbeiten]

Sallgast verfügt über eine Grundschule von der 1. bis zur 6. Klasse sowie einen Kindergarten. Im Ortsteil Göllnitz gibt es einen Kindergarten und in Dollenchen eine private Kindertagesstätte.

Der ehemalige Kindergarten in Henriette, in dem vorher bereits eine Grundschule und nachfolgend das Dorfkino beheimatet waren, ist inzwischen zum Wohnhaus umgebaut worden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sallgast – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2012 (XLS-Datei; 83 KB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Die Gemeinde Sallgast auf dem Dienstleistungsportal der brandenburgischen Landesverwaltung
  3. Serbske kórta wót Jana Ernsta Smolerja abo: Jan Arnošt Smoler, 1845.
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997
  5. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Statistisches Bundesamt. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  6. Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003. Statistisches Bundesamt.
  7. Gebietsstand 1. Januar 2013
  8. Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons