Sally Gardner

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Sally Gardner (* 1954[1] in London als Sarah Gardner[2]) ist eine britische Illustratorin, Bilder- und Kinderbuchautorin. Ihre jüngste Publikation ist der Roman Maggot Moon (2013), für den sie mit der Carnegie Medal ausgezeichnet wurde.

Biografie[Bearbeiten]

Als Sally Gardner 1954 als Tochter zweier Anwälte in London geboren wurde, litt sie an Dyslexie (einer Form der Legasthenie). Mit zwölf Jahren wurde die Krankheit erstmals bei ihr diagnostiziert, zwei Jahre später lernte die Britin regelrecht Lesen und Schreiben. Das erste von ihr flüssig gelesene Buch war angeblich Wuthering Heights von Emily Brontë.[3] Aufgrund ihres Handikaps verwies man sie von mehreren Schulen als unerziehbar, sodass sie schließlich in eine Schule für Lernbehinderte bzw. schwererziehbare Jugendliche kam.[4]

Dies hinderte Sally Gardner nicht daran, nach einem regulären Schulabschluss eine Kunstakademie mit besten Auszeichnungen abzuschließen und danach 15 Jahre lang als Kostümbildnerin an verschiedenen namhaften Theatern zu arbeiten. Nachdem ihre Zwillingstöchter (* 1983) und ihr Sohn (* 1987), die ebenfalls an Dyslexie leiden,[5] etwas älter waren, begann sie Bilderbücher zu illustrieren; seit 1992 betätigte sie sich auch als Schriftstellerin.[6]

Bei ihrem ersten betexteten Bilderbuch The Little Nut Tree griff sie 1993 den gleichnamigen traditionellen Spaßreim[7] auf und sponn darum eine reichillustrierte Geschichte um ein Mädchen, ihren magischen Nussbaum und einer spanischen Prinzessin, der sie diesen Baum schenkte. Dabei siedelte sie ihre Geschichte in den 1830er Jahren an und stattete sie mit reich kolorierten Szenen aus, wie z.B. einer ausklappbaren Innentafel, die die pompöse Ankunft der Tochter des spanischen Königs schilderte. Diese Mischung sprach die Kritiker besonders an: „Brimming with historical detail, this gentle period piece strikes just the right balance between the fanciful and the realistic.“[8]

Das zweite Bilderbuch, My Little Princess, griff im Folgejahr gewissermaßen ihre eigene Karriere als Kostümbildnerin auf, da den jungen Leserinnen es darin möglich wurde, ihre Prinzessin mit Kleidungsstücken ihrer Wahl auszustatten. Während das Prinzessinnenmotiv neben den der Feen eine stets gleichbleibende Konstante in den nächsten Jahren ihrer Tätigkeit sein sollte, blieb diese Anspielung auf ihren früheren Beruf eine Ausnahme. Recht erfolgreich war sie jedoch mit der Visualisierung und Vertonung traditioneller Kinderreime (Playtime Rhymes: All Our Favourite Rhymes) und regelrechter Prinzessinnen-Anthologien (A Book of Princesses. Five favourite Princess Stories. 1997).

Doch von nun rückten Kinder mit besonderen (Super)-Kräften in ihren erzählerischen Vordergrund, die sich bei der jugendlichen Leserschaft großer Beliebtheit erfreuten, in ihren Auflagen rasch vergriffen waren und daher entweder in Zusammenstellungen als „Magical Kids“ oder als Hörbuch herausgebracht wurden, wobei namhafte Schauspieler wie Emilia Fox oder Andrew Sachs als Erzähler dienten. Gemeinsam ist diesen Geschichten, wie z.B. The Boy with the Lightning Feet, 2006, dass Kinder durch Zusprache von Erwachsenen aus dem Umfeld ihrer Eltern überraschend ihre körperlichen Defizite (Gramps ist adipös) überwinden und über sich herauswachsen, indem sie besondere Talente (bei dem Jungen ist es der torgefährliche „Fuß“) bei sich selbst entdecken.[9] Die Parallelen zu ihrer eingangs geschilderten eigenen Entwicklung sind dementsprechend vorhanden.

Dennoch ging Sally Gardner mit ihren folgenden Büchern, die sich erstmals an eine Leserschaft jenseits der Zehnjährigen richtete, einen anderen Weg, bei dem sie – wie bei ihren schriftstellerischen Anfängen – den sie selbst stets faszinierenden Rückgriff auf die Historie zur Hilfe nahm. Folglich spielten all ihre Geschichte nun in der Vergangenheit (England unter Oliver Cromwell bei I, Coriander, 2005; Französische Revolution bei The Red Necklace, 2007, und The Silver Blade, 2008), obwohl ihre Protagonisten samt und sonders mit einer idealisierten Traum- und Magiewelt in Verbindung stehen. Gleichwohl lobten die Kritiker die Allgemeinverständlichkeit ihrer Darlegung des historischen Hintergrunds und die Detailfreude ihrer Erzählung.[10][11][12]

Bereits 2003 erhielt sie den Smarties Book Prize, Bronze Award für The Countess's Calamity in der Kategorie Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren. Für ihren Jugendroman I, Coriander (zu Deutsch: Ich, Coriander) wurde sie 2005 mit dem Nestlé Smarties Book Prize in der Kategorie Kinder im Alter von neun bis elf Jahren ausgezeichnet.[13] Das Buch handelt von einem Mädchen, das im 17. Jahrhundert die Geschichte ihrer Londoner Kindheit als Tochter eines Seidenhändlers erzählt, in deren Leben Magie und Phantasie dank einer Parallelwelt eine besondere Rolle spielen. Im darauffolgenden Jahr gewann Gardner erneut den Preis; diesmal mit Wibbly Pig’s Silly Big Bear in der Kategorie unter fünf Jahren.

Der BBC stellte sie sich in mehreren Interviews und Hörerbefragungen zum Thema Dyslexie[14] und für das Kinderprogramm[15] zur Verfügung.

Ihren eigenen Worten zufolge fällt ihr das Schreiben wesentlich leichter, da sie immer eine „Geschichte im Kopf“ habe, während sie sich beim Illustrieren stets mit dem Stoff auseinandersetzen müsste. Ihr Rat für angehende Autoren entsprach ihrer eigenen Geschichte: „Don't feel a failure if you can't spell. If you've got a story to tell, tell it.“ (Empfinde es nicht als Fehler, wenn du es nicht aussprechen kannst. Wenn du eine Geschichte zu erzählen hast, dann erzähle sie.)[16]

Die Flüssigkeit des Schreibens verdankt sie ihren eigenen Worten zufolge in erster Linie ihrem Laptop, dank dessen Korrekturprogramm sie sich fallen lassen könne in der Autosuggestion, dass die Maschine ihre Fehler behebe: „I did it on a laptop. When I wrote before in exercise books, it was hopeless because I would forget I'd written something or lose the page. I bought one of those Apples that looks like a Barbie's loo seat. I rather loved it; it was blue. I realised that this machine thought like I did … It lets me freefall and write and write and write without thinking. It's like jumping out of a plane. When I come to the end most goes into the trash and I gently piece together the bits I like.“[17] Danach gehen ihre Texte an einen Bearbeiter, der ihre Grammatik bearbeitet, bevor das Manuskript zum eigentlichen Lektor weitergereicht wird.

2012 erhielt Gardner den Costa Book Award in der Sparte Kinderbuch für Maggot Moon.

Sally Gardner hat zwei Töchter und einen Sohn. Sie lebt mit ihrer Familie im Norden ihrer Geburtsstadt London.

Presseschau[Bearbeiten]

Maggot Moon (2013)

„But Maggot Moon is far from being the heart-warming story of a boy who finds friendship and overcomes his difficulties. [...] At the heart of this David and Goliath story is the voice of the boy who cannot read. It rings out, full of verbal swagger, celebrating the human spirit that refuses to be crushed. "Why is mankind so fucking cruel?" demands Standish. "Why?" Teenage readers deserve big themes, big ideas and big emotions. Encourage one to read this powerful and affecting novel, and supply a large box of paper hankies.“

Linda Buckley-Archer: "Maggot Moon" by Sally Gardner – review, in: The Guardian vom 28. Dezember 2012[18]

„The outstanding teenage novel of the autumn, arresting and original and written in a singular voice, is Sally Gardner’s Maggot Moon [...]. Narrated by a boy with dyslexia, Standish Treadwell, it takes you inside the workings of his mind (something Gardner is well-placed to do as a dyslexic herself, and which the enhanced iBook for iPad brings vividly to life), as well as offering up something much darker: a parable about the perils of totalitarianism. Despite its simple language, it’s a disturbing read, but it also has a hopeful message – that a teenager, especially one with dyslexia, can have agency in the world.“

Lorna Bradbury: Ask Lorna: Sally Gardner's "Maggot Moon", in: The Telegraph vom 27.09.2012[19]

„Just when it seems that there’s nothing new under the dystopian sun, Gardner (The Red Necklace) produces an original and unforgettable novel about a boy in a totalitarian society who risks everything in the name of friendship. [...] Parts of the story are very hard to read—early on, a classmate is beaten to death by a teacher in the schoolyard—but the violence asks readers to consider what the world would be like if certain events in history had turned out differently. Gardner does a masterful job of portraying Standish’s dyslexia through the linguistic swerves of his narration, and although the ending is pure heartbreak, she leaves readers with a hopeful message about the power of one boy to stand up to evil.“

Maggot Moon, in: Publishers Weekly vom 17.12.2012[20]

Werke[Bearbeiten]

als Autorin und Illustratorin
als Autorin
als Illustratorin
Audiobooks
  • The Smallest Girl Ever. Erzählt von Emilia Fox, (gekürzt) Orion 2000
  • The Smallest Girl Ever and the Strongest Girl in the World, MC, erzählt von Susan Jameson, Chivers North America 2002, ISBN 978-0754052647 (J.C.G. Gewinner des AudioFile Earphones Award, 2004)
  • Magical Children: "The Boy with the Magic Number", "The Invisible Boy", "The Boy with the Lightning Feet". Gelesen Andrew Sachs und Emilia Fox, Orion 2010, ISBN 978-1409115748
  • The Silver Blade: The French Revolution, Book 2. Erzählt von Janet Suzman, (ungekürzt) Orion 2009
in deutscher Übersetzung

Rezeption[Bearbeiten]

Im Dezember 2009 verkündete Gardner auf ihrem Blog, dass Schauspieler und Regisseur Dominic West die Filmrechte an ihren beiden Büchern The Red Necklace und The Silver Blade erworben habe.[25]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.guardian.co.uk/books/2005/aug/02/highereducation.health
  2. Sie änderte ihren Namen von Sarah in Sally, da er wegen ihrer Dyslexie weniger schwer auszusprechen war und eine Freundin ihrer Mutter mit gleichem Namen dazu riet. http://www.guardian.co.uk/books/2005/dec/14/nestleprize
  3. http://www.bookbrowse.com/author_interviews/full/index.cfm?author_number=1195
  4. http://www.bookbrowse.com/biographies/index.cfm?author_number=1195
  5. http://www.bbc.co.uk/radio4/womanshour/2005_32_mon_01.shtml
  6. http://www.blogger.com/profile/02552194156583772523
  7. I had a little nut tree,
    Nothing would it bear,
    But a silver nutmeg,
    And a golden pear.

    The King of Spain's daughter,
    Came to visit me,
    And all for the sake,
    Of my little nut tree.

    I skipped over water,
    I danced over sea,
    And all the birds in the air,
    Couldn't catch me.
    Zum Vergleich: Roald Dahls Fassung
  8. Publishers Weekly, Juli 1993. Zitiert nach www.biggerbooks.com
  9. Zusammenfassung - http://egsweb.egipps.vic.gov.au/amlibweb/
  10. Gesammelte, gekürzte Reviews zu I, Coriander auf bookbrowse.com
  11. Review zu The Silver Blade - timesonline.co.uk
  12. www.thebookbag.co.uk
  13. http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment/4304102.stm
  14. http://www.bbc.co.uk/radio4/womanshour/2005_33_mon_05.shtml
  15. http://www.bbc.co.uk/bigtoe/authors/gardner/
  16. Lewis' interview with Sally Gardner, auf news.bbc.co.uk/cbbcnews/, 16. Dezember 2005
  17. Polly Curtis: The dyslexic novelist. Sally Gardner changed her name because she couldn't spell it. So how does she manage to write novels? In: The Guardian, 2. August 2005.
  18. http://www.guardian.co.uk/books/2012/dec/28/maggot-moon-sally-gardner-review
  19. http://www.telegraph.co.uk/culture/books/9570753/Ask-Lorna-Sally-Gardners-Maggot-Moon.html
  20. http://www.publishersweekly.com/978-0-7636-6553-1
  21. Englische Besprechung zu The Red Necklace' - www.thebookbag.co.uk
  22. Review in Publishers Weekly, 26. Mai 2008
  23. Deutsche Besprechung auf www.kinderbuch-couch.de
  24. Deutsche Besprechung auf www.perlentaucher.de mit Querverweise auf die Süddeutsche Zeitung, 14. März 2006
  25. http://sallygardner.blogspot.com/?spref=tw