Salmünster

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50.2744444444449.3691666666667158Koordinaten: 50° 16′ 28″ N, 9° 22′ 9″ O

Salmünster
Höhe: 158 m
Einwohner: 4544 (1970)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 63628
Vorwahl: 06056
Altstadt von Salmünster (Frankfurter Straße)

Salmünster ist ein Stadtteil von Bad Soden-Salmünster im Main-Kinzig-Kreis in Osthessen im Bundesland Hessen in der Bundesrepublik Deutschland und Sitz der Stadtverwaltung.

Lage[Bearbeiten]

Salmünster liegt im Main-Kinzig-Kreis am Nordrand des Spessarts und am Südrand des Vogelsbergs im Kinzigtal.

In die Kinzig mündet bei Salmünster die Salz; Spazier- und Radwege durch die Flussauen verbinden den Stadtteil mit Bad Soden.

Nachbarorte[Bearbeiten]

Salmünster grenzt im Norden an die Orte Bad Soden und Ahl, im Westen an den Ort Hausen und den Gutsbezirk Spessart, im Süden an die Stadt Bad Orb, im Südwesten an den Ort Aufenau, im Westen an den Ort Neudorf und im Nordwesten an den Ort Udenhain.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünge[Bearbeiten]

Der Ort Salmünster findet erstmals Erwähnung als Salchenmunster in einer Urkundensammlung des Klosters Fulda, dem sog. Codex Eberhardi, der in den Jahren 1150–1168 angelegt wurde.

Eine Urkunde, die in dieser Sammlung als Abschrift erhalten ist, beschreibt den Grenzverlauf des Kirchspiels Salmünster aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Als Gründungsdatum des Kirchspiels wird nach Eberhard das Jahr 860 angegeben, richtiger ist wohl das Jahr 886 aus einer Abschrift des 12. Jahrhunderts. Die Etymologie des Ortsnamens ist umstritten, sie weist in jedem Fall aber auf eine kirchliche Gründung hin (Endung -munster von lat. monasterium = Klosterzelle). 909 überschrieb das Erzbistum Mainz den Sprengel an das Kloster Fulda.

Stadtgründung[Bearbeiten]

1319 wurde das Stift Salmünster eingerichtet, in dem sich mehrere Weltgeistliche zusammenfanden. Diese übten gemeinschaftlich die priesterlichen Aufgaben in den Gemeinden aus, die der Kirche zu Salmünster beigeordnet waren.

1320 wurde die Siedlung, die sich rund um die Stiftskirche gebildet hatte, auf Bitten des Fuldaer Abtes Heinrich VI. von Hohenberg von Kaiser Ludwig dem Bayern zur Stadt erhoben und mit den Privilegien der vier wetterauischen Reichsstädte Frankfurt am Main, Friedberg, Gelnhausen und Wetzlar ausgestattet. Damit wurde offenbar der Bedeutung des Ortes Rechnung getragen, der eine Wegstation an der bedeutenden Reichsstraße von Frankfurt nach Leipzig war; die heutige Hauptstraße (Frankfurter Straße), die in Nord-Süd-Richtung die Altstadt in der Mitte durchschneidet, folgt dieser historischen Route.

Die kurz darauf angelegte Stadtmauer (fertiggestellt um 1400) verlieh dem Ort seine noch heute im Straßenbild erkennbare bemerkenswert regelmäßige rechteckige Form. Die restaurierte Stadtbefestigung ist insbesondere am Schwedenring/Amthof (sog. Zent- oder Hexenturm) und am Dammweg (Graben und Stadtmauer) zu besichtigen. An drei von vier Ecken des Rechtsecks - mit Ausnahme der Südwestecke mit der Stiftskirche - bildeten sich Höfe aus, die von den landadligen Familien der Umgebung errichtet wurden, darunter die Herren von Jossa und die Herren von Hutten. Diese übten im Auftrag des Klosters Fulda Vogteirechte in Salmünster aus; daran erinnert noch eine "Vogtstraße". Zu den heute noch erhaltenen Adelssitzen zählen der Huttenhof und der Amthof (Nordwestecke) sowie der Schleifrashof (Südostecke); am Freihof (auch "Alter Hof" genannt) im Nordosten ist das Areal noch dokumentiert, die Bausubstanz jedoch völlig verändert .

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Obwohl das 16. und 17. Jahrhundert von Unruhe gezeichnet war – u.a. durch die rasche Abfolge von Reformation und Gegenreformation und die zahlreichen Pestepidemien in Salmünster - entging die Stadt weitgehend den Zerstörungen, die die militärischen Konflikte der Zeit hinterließen. Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges ist die Geschichte der „Tapferen Frauen von Salmünster“ überliefert, die nach Aussage des zeitgenössischen Chronisten Johannes Lutz (Wirt des Gasthofs Weißes Roß) den Angriff von 1.200 schwedischen Marodeuren 1646 abwehrten, indem sie diese mit Bienenkörben bewarfen. Den unerschrockenen Verteidigerinnen wurde 2001 im Bereich des abgerissenen Untertors ein bronzenes Denkmal gesetzt.

Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges kamen aber auch die Franziskaner (OFM) nach Salmünster (1650). Kurz zuvor waren sie aus der Nachbarstadt Gelnhausen vertrieben worden. In Salmünster errichteten sie 1691–1694 ihr neues Kloster.

Rund fünfzig Jahre später, 1745, wurde die alte Stiftskirche abgerissen und durch einen zeitgemäßen, barocken Kirchenbau (St. Peter und Paul) ersetzt. Der alte Glockenturm indes blieb erhalten, da er einen Teil der Stadtbefestigung bildete. Erst 1895 wurde der – inzwischen stark baufällige – Turm, nachdem er zum Teil eingestürzt war, niedergelegt und das Material zur Vergrößerung des Klostergebäudes verwendet.

Napoleonische Zeit / 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert wurde Salmünster von den politischen Wirren erfasst, die den Napoleonischen Kriegen folgten. Das Stift Fulda wurde 1802 säkularisiert und fiel an Wilhelm V. von Oranien bzw. dessen Sohn Wilhelm Friedrich. Allerdings verloren die Oranier ihre Besitzungen, als sie sich der Koalition gegen Frankreich anschlossen, von Napoléon aber 1806, im Zuge der Schlacht bei Jena und Auerstedt, besiegt wurden. Infolgedessen wurden die fuldischen Gebiete offiziell zu einer französischen Provinz, die wiederum 1810 dem neu eingerichteten Großherzogtum Frankfurt inkorporiert wurde. Salmünster, seit altersher Gerichtsort, erhielt die Funktion einer Districtsmairie. Bereits 1813 aber, nach der Niederlage Napoléons in der Völkerschlacht bei Leipzig, kam es zu erneuten Umverteilungen in der Herrschaft. Auf dem Rückzug soll Napoleon am 29. Oktober 1813 in Salmünster vorbeigekommen und der Überlieferung nach auf einer Bank gerastet haben, die heute im Eingangsbereich des Hotels "Engel" (Bau von 1687) steht.

Fulda wurde nach dem Wiener Kongress kurhessisch, das Amt Salmünster 1822 der Provinz Hanau (ehemals Fürstentum Hanau) als eigener Kreis zugeschlagen. Bis 1829 eigenständig, gehörte das Amt Salmünster ab 1830 zum Kreis Schlüchtern.

Salmünster erhielt 1868 einen Bahnhof und 1888 eine evangelische Kirche.

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die ehemals selbständige Stadt Salmünster wurde am 1. Juli 1974 mit der Stadt Bad Soden bei Salmünster und der Gemeinde Mernes zur Stadt Bad Soden-Salmünster zusammengeschlossen.[2]

Einer Altstadtsanierung 1987 folgte die Restaurierung der Stadtmauer in 9-jähriger freiwilliger Arbeit (2000 bis 2009) durch eine Gruppe Salmünsterer Bürger. An der Mühlenbachbrücke dokumentiert ein Gedenkstein mit der Inschrift Mensterer Stääklopper ho die Mauer goanz gemocht diese Restaurierung.

Die Franziskaner haben 2004 das Kloster aufgegeben. Im ehemaligen Klostergebäude befindet sich heute ein modernes Bildungs- und Exerzitienhaus der Diözese Fulda.

Wappen[Bearbeiten]

Am 16. Oktober 1967 wurde der Gemeinde Salmünster im damaligen Landkreis Schlüchtern, Regierungsbezirk Wiesbaden, ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Rot ein silberner Schild mit durchgehendem schwarzen Kreuz unter einer goldenen, mit roten Steinen besetzten Mitra.[3]

Politik[Bearbeiten]

Im Ortsbeirat sind die CDU, die SPD und die GWL vertreten. Ortsvorsteher ist Gerhard Schremmer (SPD).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Eingang des Bildungs- und Exerzitienhauses Salmünster mit Wappen des Fürstabtes von Fulda Placidus von Droste (1678 - 1700) und den Jahreszahlen des 1. Bauabschnitts des Franziskanerklosters Salmünster.

Die Altstadt von Salmünster innerhalb der restaurierten Stadtbefestigung ist durch von der Frankfurter Straße ausgehende Gassen innerhalb des rechteckigen Grundrisses geprägt; der Mühlbach durchfließt in der Mitte das Areal in West-Ost-Richtung. Es mischen sich Fachwerkhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert, teilweise mit Schmuckfriesen und Inschriften, mit Häusern in farbiger Schindelbauweise als Fassadengestaltung. Gut restaurierte Fachwerkhäuser sind beispielsweise Frankfurter Straße 13 und 29, Häuser in der Vogtgasse, die ehemalige Stadtmühle, ein Hofgut in der Hirtengasse sowie das Rathaus (1844-46), teils in Fachwerk, teils in Schindel, mit einer 1990 erneuerten Brunnenanlage.

Kirche St. Peter und Paul[Bearbeiten]

Franziskanerkloster mit der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Salmünster.

Die barocke Kirche St. Peter und Paul des ehemaligen Franziskanerklosters wurde 1737 bis 1745 vom Fuldaer Hofbaumeister Andrea Gallasini errichtet. Die aus der gleichen Epoche stammende Innenausstattung (5 Altäre und eine Kanzel) stammt von den Fuldaer Hofmalern Johann Andreas Herrlein und Emanuel Wohlhaupter sowie den Franziskaner-Bildhauern Hyazinth Wiegand und Melchior Egenolf. Thema ist neben den sakralen Ikonographien (Leben und Leiden Christi und Maria) auch die Hommage an den Fuldaer Fürstbischof und Stifter Amand von Buseck (Stifterwappen).

Seit 1983 werden in der Kirche St. Peter und Paul die Passionsspiele Salmünster aufgeführt.

Adelshöfe[Bearbeiten]

  • Der Amtshof - auch Nassauer Hof genannt - ist das Huttenschloss Salmünsters, 1562-64 von Ludwig von Hutten erbaut, ein Rechteckbau mit Treppenturm, sowie hinter einer großen Blautanne mit einem weiteren Trakt, der als Gästebau diente. Die Brunnenanlage vor dem Schloss wurde 1993 erneuert. Das Gebäude dient heute als Amtsgericht.
  • Das "Huttenschloss" ist nicht zu verwechseln mit dem "Huttenhof", einem 1995-2005 umgebauten Privathaus, das im Kern mittelalterliche Bausubstanz hat und als ältester Stammsitz der Hutten in Salmünster überliefert ist.
  • Die ältesten Teiles des Schleifrashofs (Winkelbau mit Treppenturm) stammen aus dem 16.Jahrhundert; jüngeren Datums (1707-8) ist das vorgelagerte Torhaus. Der Schleifrashof dient heute verschiedenen Zwecken (Wohnungen, Trauzimmer, Musik- und Theaterveranstaltungen).

Heimatmuseum[Bearbeiten]

Die ehemalige Hofreite in der Hirtengasse (Fachwerkbau des 18. Jahrhunderts) ist seit 1997 Heimatmuseum der Stadt Salmünster mit einer permanenten Ausstellung zum dörflichen Leben um 1850. Ausgestellt sind Gerätschaften von Scheune und Stall, Handwerksstätten (Sattler, Wagner, Schumacher, Schmiede, Küfer, Schreiner), aber auch kirchliche Exponate des ehemaligen Franziskanerklosters.

Evangelische Kirche[Bearbeiten]

Die evangelische Versöhnungskirche wurde 1888 im Neugotischen Stil errichtet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Wirtschaft besteht im Wesentlichen aus Zuliefererfirmen für die Automobilindustrie und dem Einzelhandel.

Die Altstadt Salmünsters hat einige Einzelhandelsgeschäfte, einfache Unterkünfte, Gaststätten und Cafés.

Verkehr[Bearbeiten]

Salmünster ist über die Anschlussstelle Bad Soden-Salmünster der Bundesautobahn 66 zu erreichen. Außerdem gibt es in Salmünster einen Bahnhof mit Verbindungen nach Frankfurt am Main und Fulda im Stundentakt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • P. Damasus Fuchs: Geschichte des Kollegiatsstifts und der Pfarrei zu den hl. Aposteln Petrus und Paulus in Salmünster. Fulda 1912.
  • Autorenkollektiv: Salmünster. Aus der Vergangenheit einer alten Stadt im Kinzigtal. Festausgabe anlässlich des 650. Jubiläums der Stadternennung, o.O. 1970.
  • Georg Wilhelm Hanna: Burgen und Schlösser im Kinzigtal. Hanau 1992.
  • Autorenkollektiv: 25 Jahre Kurstadt Bad Soden-Salmünster. 1974–1999. hrsg. von der Kurstadt Bad Soden-Salmünster, Bad Soden-Salmünster 1999.
  • Michael Müller: St. Peter und Paul in Bad Soden-Salmünster, Stiftskirche – Klosterkirche – Pfarrkirche. Petersberg 2009
  • Wolfgang Bernhard Moritz: „Rotz und Wasser“, Die Geschichte der Tapferen Frauen von Salmünster. Tragikomödie (2008), uraufgeführt durch das Ensemble feel-X e.V. in Salmünster 2009

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Historisches Ortslexikon
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 377.
  3. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 16. Oktober 1967 (StAnz. S. 1351) Seite 7 der tif-Datei 5,23 MB

Weblinks[Bearbeiten]